Krankhafter Brustmilchausfluss (Galaktorrhoe) – Ursachen
Pathogenese (Krankheitsentstehung)
Die Gynäkomastie (Vergrößerung der männlichen Brustdrüse) ist eine benigne Proliferation (gutartige Gewebevermehrung) des männlichen Brustdrüsengewebes (Drüsengewebe der männlichen Brust). Sie ist von der Pseudogynäkomastie (scheinbare Brustvergrößerung) beziehungsweise Lipomastie (Brustvergrößerung durch Fettgewebe) abzugrenzen, bei der keine glanduläre Proliferation (Vermehrung von Drüsengewebe), sondern eine vermehrte Fettgewebseinlagerung im Brustbereich vorliegt [LL1, LL2].
Pathophysiologisch (krankheitsmechanistisch) beruht die Gynäkomastie überwiegend auf einer Verschiebung der Östrogen-Androgen-Wirkung (Wirkung weiblicher und männlicher Sexualhormone) zugunsten der Östrogenwirkung am männlichen Brustdrüsengewebe. Östrogene (weibliche Sexualhormone) fördern die Proliferation des Brustdrüsengewebes, während Androgene (männliche Sexualhormone) hemmend auf Wachstum und Differenzierung (Ausreifung) des Brustgewebes wirken [LL1, LL2].
Eine Gynäkomastie kann deshalb durch erhöhte Östrogenspiegel, vermehrte periphere Aromatisierung (Umwandlung in Körpergeweben) von Androgenen zu Östrogenen, erniedrigte Testosteronspiegel (erniedrigte Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron), verminderte freie oder bioverfügbare Testosteronfraktion (wirksam verfügbarer Testosteronanteil), verminderte Androgenrezeptorwirkung (verminderte Wirkung der Androgen-Andockstellen) oder eine gesteigerte Sensitivität (Empfindlichkeit) des Brustdrüsengewebes gegenüber Östrogenen entstehen [LL1, LL2].
Bei Neugeborenen, in der Pubertät und im höheren Lebensalter kann eine Gynäkomastie physiologisch (natürlich) auftreten. Bei präpubertärer (vor der Pubertät auftretender), rasch progredienter (fortschreitender), einseitiger, schmerzhafter, persistierender (anhaltender) oder im Erwachsenenalter neu auftretender Gynäkomastie müssen medikamentöse (durch Medikamente bedingte), endokrine (hormonelle), systemische (den ganzen Körper betreffende), genetische (erblich bedingte) und neoplastische (tumorbedingte) Ursachen strukturiert berücksichtigt werden [LL1, LL2].
Ätiologie (Ursachen)
Physiologische Ursachen (natürliche Ursachen)
- Neonatale Gynäkomastie (Brustdrüsenvergrößerung beim Neugeborenen) – durch transplacentare (über den Mutterkuchen vermittelte) mütterliche Östrogen- und Progesteronwirkung (Wirkung des Gelbkörperhormons) sowie vorübergehende hormonelle Adaptationsvorgänge (hormonelle Anpassungsvorgänge) des Neugeborenen; meist selbstlimitierend (von selbst rückläufig) [LL1, LL2].
- Pubertätsgynäkomastie (Brustdrüsenvergrößerung in der Pubertät) – durch vorübergehende Verschiebung der Östrogen-Androgen-Wirkung während der Pubertät; in der Regel benigne und innerhalb von Monaten bis wenigen Jahren regredient (rückläufig) [LL1, LL2].
- Altersassoziierte Gynäkomastie (altersbedingte Brustdrüsenvergrößerung) – durch abnehmende Testosteronspiegel, zunehmende Spiegel von Sexualhormon-bindendes Globulin (Transporteiweiß für Sexualhormone) (SHBG), relative Verminderung der freien Androgenwirkung und häufigere Komedikation (gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente); eine rein altersphysiologische Einordnung darf pathologische (krankhafte) Ursachen nicht ungeprüft verdecken [LL1, LL2].
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (hormonelle Erkrankungen, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten) (E00-E90)
- Primärer Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen durch direkte Hodenschädigung) – durch verminderte testikuläre (den Hoden betreffende) Testosteronproduktion mit relativer Östrogenüberlegenheit; wichtige Ursachen sind Klinefelter-Syndrom (angeborene Chromosomenstörung bei Männern), testikuläre Schädigung, Orchitis (Hodenentzündung), Hodentrauma (Hodenverletzung), Chemotherapie, Radiatio (Bestrahlung) und testikuläre Funktionsstörungen anderer Genese (anderer Ursache) [LL1, LL2].
- Sekundärer Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen durch gestörte hormonelle Steuerung) – durch hypothalamisch-hypophysäre Störung (Störung zwischen Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse) oder funktionelle Suppression (funktionelle Unterdrückung) der gonadalen Achse (Keimdrüsenachse) mit erniedrigter Testosteronproduktion; möglich bei Hypophysen- oder Hypothalamuserkrankungen (Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse oder des übergeordneten Steuerzentrums), chronischer Krankheit, Adipositas (Fettleibigkeit), höherem Lebensalter und substanzbedingter Suppression [LL1, LL2].
- Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – vor allem indirekt durch Hemmung der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse (hormoneller Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hirnanhangsdrüse und Keimdrüsen) mit sekundärem Hypogonadismus; eine direkte proliferative Rolle (gewebevermehrende Rolle) von Prolaktin (Milchbildungshormon) am männlichen Brustgewebe ist nicht abschließend geklärt [LL1, LL2].
- Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – durch Anstieg von Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG), relative Reduktion der freien Androgenwirkung und vermehrte Aromatisierung mit Verschiebung der Östrogen-Androgen-Wirkung [LL1, LL2].
- Schwere Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – seltenere Ursache; möglich durch Thyreotropin-Releasing-Hormon-vermittelte Prolaktinerhöhung (durch ein Steuerhormon des Hypothalamus vermittelte Erhöhung des Prolaktinspiegels) mit sekundärer Beeinflussung der gonadalen Achse [LL1, LL2].
- Akromegalie (krankhafte Vergrößerung von Körperendteilen durch Wachstumshormonüberschuss) und Wachstumshormon-/Insulin-like-growth-factor-1-Exzess (Wachstumshormon-/IGF-1-Überschuss) – seltene Ursache; möglich über Hypophysentumor-bedingten Hypogonadismus (durch einen Tumor der Hirnanhangsdrüse bedingte Keimdrüsenunterfunktion) und Interaktion (Wechselwirkung) von Insulin-like growth factor 1 (wachstumsförderndem Botenstoff) mit Östrogen- und Progesteronsignalen am Brustgewebe; die Evidenz (wissenschaftliche Beweislage) ist begrenzt [LL2].
- Adipositas – durch vermehrte Aromataseaktivität (Aktivität des Enzyms zur Östrogenbildung) im Fettgewebe, funktionellen Hypogonadismus und erhöhte periphere Umwandlung von Androgenen in Östrogene; zusätzlich kann eine Pseudogynäkomastie das klinische Bild überlagern [LL1, LL2].
- Mangelernährung und Refeeding (Wiederernährung nach Mangelernährung) – durch reversible Störung (rückbildungsfähige Störung) der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse und Verschiebung des Östrogen-Androgen-Verhältnisses während der katabolen (abbauenden) beziehungsweise regenerativen Phase (Erholungsphase) [LL1, LL2].
Neubildungen (Tumorerkrankungen) (C00-D48)
- Leydigzell- und Sertolizelltumoren (hormonaktive Hodentumoren) – durch Steroidhormonproduktion (Produktion von Geschlechtshormonen) mit Verschiebung der Östrogen-Androgen-Wirkung; Gynäkomastie kann ein frühes klinisches Zeichen (Krankheitszeichen) sein [LL1, LL2].
- Testikuläre Keimzelltumoren (Keimzelltumoren des Hodens) – insbesondere beta-humanes-Choriongonadotropin-produzierende Tumoren (Tumoren, die ein schwangerschaftshormonähnliches Botenhormon bilden) mit Stimulation (Anregung) der Leydigzellen und vermehrter Östrogenbildung [LL1, LL2].
- Extragonadale Keimzelltumoren (Keimzelltumoren außerhalb der Keimdrüsen) – seltene Ursache über beta-humanes-Choriongonadotropin-vermittelte Störung des Östrogen-Androgen-Verhältnisses [LL1, LL2].
- Nebennierentumoren (Tumoren der Nebennieren) – seltene Ursache durch Sekretion (Ausschüttung) von Östrogenen, Androgenvorstufen (Vorstufen männlicher Sexualhormone) oder steroidogenen Vorstufen (Vorstufen von Steroidhormonen) mit nachfolgender Aromatisierung [LL1, LL2].
- Hypophysenadenome (gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse) – möglich über Hyperprolaktinämie, Hypogonadismus, Stieldruckphänomen (Druck auf den Hypophysenstiel) oder Wachstumshormonexzess; bei entsprechender Klinik (Beschwerdebild) gezielt abzuklären [LL1, LL2].
Krankheiten des Urogenitalsystems (Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Chronische Niereninsuffizienz (chronische Nierenschwäche) – durch Hypogonadismus, Hyperprolaktinämie, chronische Krankheitslast und häufige Komedikation; Gynäkomastie kann auch dialyse- oder medikamentenassoziiert (mit Blutwäsche oder Medikamenten verbunden) auftreten [LL1, LL2].
- Testikuläre Atrophie (Verkleinerung des Hodengewebes) oder testikuläre Funktionsstörung – durch verminderte Testosteronproduktion mit relativer Östrogenüberlegenheit; klinisch insbesondere bei kleinen Hodenvolumina oder Fertilitätsstörung (Fruchtbarkeitsstörung) relevant [LL1, LL2].
Krankheiten des Verdauungssystems (Krankheiten von Magen, Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse) (K00-K93)
- Leberzirrhose (narbiger Umbau der Leber) und chronische Leberinsuffizienz (chronische Leberschwäche) – durch Hypogonadismus, veränderten hepatischen Steroidmetabolismus (veränderten Steroidhormonstoffwechsel der Leber), erhöhte Spiegel von Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) und veränderte freie Testosteronfraktion; zusätzlich häufige Mitursachen sind Alkohol und spironolactonhaltige Therapie [LL1, LL2].
- Chronische Hepatitis-C-Infektion (chronische Leberentzündung durch Hepatitis-C-Viren) mit Lebererkrankung – mögliche Ursache im Rahmen einer chronischen Leberfunktionsstörung und veränderten Steroidmetabolisierung (verändertem Abbau von Steroidhormonen) [LL2].
Bestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten (Infektions- und Parasitenkrankheiten) (A00-B99)
- Humanes-Immundefizienz-Virus-Infektion (Infektion mit dem HI-Virus) – möglich durch Hypogonadismus, Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Koinfektionen (zusätzliche Infektionen), Lebererkrankung, Substanzgebrauch und antiretrovirale Therapie (HIV-Therapie); die Mechanismen sind heterogen (uneinheitlich) und nicht für alle Therapieschemata (Behandlungspläne) gleich gut belegt [LL2].
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (angeborene Fehlbildungen, Formveränderungen und Chromosomenstörungen) (Q00-Q99)
- Klinefelter-Syndrom – klassische genetische Ursache durch primären Hypogonadismus, erhöhte Gonadotropine (Steuerhormone der Keimdrüsen), niedrige Testosteronwirkung und vermehrte Aromatisierung [LL1, LL2].
- Partielle Androgeninsensitivität (teilweise Unempfindlichkeit gegen männliche Sexualhormone) – durch verminderte Androgenrezeptorwirkung mit relativer Östrogenüberlegenheit am Brustdrüsengewebe [LL1, LL2].
- Aromatase-Exzess-Syndrom (übermäßige Aromataseaktivität) – seltene monogene Ursache (durch eine einzelne Genveränderung bedingte Ursache) durch gesteigerte Umwandlung androgenetischer Vorstufen in Östrogene, typischerweise bei präpubertärer oder peripubertärer Manifestation (Auftreten um die Pubertät) [LL2].
- Peutz-Jeghers-Syndrom und Carney-Komplex (seltene erbliche Tumorsyndrome) – seltene syndromale Ursachen, unter anderem über gesteigerte Aromataseaktivität oder hormonaktive gonadale Tumoren (hormonaktive Tumoren der Keimdrüsen) [LL2].
- Kongenitale adrenale Hyperplasie (angeborene Vergrößerung der Nebennierenrinde) und Defekte der Steroidbiosynthese (Störungen der Steroidhormonbildung) – seltene Ursachen bei präpubertärer oder peripubertärer Gynäkomastie durch Störung der Steroidbalance (Gleichgewicht der Steroidhormone) [LL2].
- Kongenitaler hypogonadotroper Hypogonadismus (angeborene Keimdrüsenunterfunktion durch verminderte hormonelle Steuerung) – seltene Ursache durch unzureichende gonadotrope Stimulation (unzureichende Anregung der Keimdrüsen) und Androgenmangel [LL2].
Medikamentöse Ursachen
- Antiandrogene (Medikamente gegen die Wirkung männlicher Sexualhormone) – z. B. Flutamid, Bicalutamid, Enzalutamid und Cyproteronacetat; durch Blockade der Androgenrezeptorwirkung mit relativer Östrogenüberlegenheit [LL1, LL2].
- Gonadotropin-Releasing-Hormon-Agonisten (Medikamente zur Unterdrückung der Sexualhormonbildung) – z. B. Leuprorelin und Goserelin; durch Suppression der gonadalen Testosteronproduktion, insbesondere im Rahmen der Prostatakarzinomtherapie (Behandlung von Prostatakrebs) [LL1, LL2].
- 5-Alpha-Reduktasehemmer (Medikamente, die die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron hemmen) – z. B. Finasterid und Dutasterid; durch verminderte Dihydrotestosteronbildung (Bildung einer besonders wirksamen Testosteronform) und Verschiebung des Östrogen-Androgen-Verhältnisses [LL1, LL2].
- Spironolacton (entwässerndes Medikament mit hormoneller Nebenwirkung) – häufig relevante medikamentöse Ursache durch antiandrogene Effekte, Hemmung der Androgensynthese (Bildung männlicher Sexualhormone) und Veränderung der freien Steroidfraktionen [LL1, LL2].
- Exogene Östrogene (von außen zugeführte Östrogene), östrogenhaltige Cremes und humanes Choriongonadotropin – durch direkte oder indirekte Verstärkung der Östrogenwirkung am Brustdrüsengewebe [LL1, LL2].
- Anabole androgene Steroide (muskelaufbauende männliche Hormonpräparate) und dopingassoziierte Hormone – durch Aromatisierung zu Östrogenen, Achsensuppression (Unterdrückung der hormonellen Regelachse) nach Absetzen oder humanes-Choriongonadotropin-vermittelte Steroidogenese (Steroidhormonbildung) [LL1, LL2].
- Ketoconazol (Pilzmittel) – durch Hemmung der Steroidogenese und Verminderung der Testosteronsynthese (Testosteronbildung) [LL1, LL2].
- H2-Rezeptorantagonisten (Magensäureblocker) – insbesondere Cimetidin; möglich durch schwache antiandrogene Effekte [LL1, LL2].
- Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker) – z. B. Omeprazol und Esomeprazol; als mögliche Auslöser beschrieben, wahrscheinlich über Beeinflussung des Östradiolmetabolismus (Östradiolstoffwechsels), aber mit begrenzter kausaler Sicherheit (begrenzter ursächlicher Sicherheit) [LL2].
- Digitalisglykoside (Herzmedikamente aus Fingerhutwirkstoffen) – als mögliche Auslöser mit östrogenartiger Rezeptorwirkung (hormonähnlicher Wirkung an Andockstellen) [LL2].
- Kalziumkanalblocker (Blutdruck- und Herzmedikamente) und Amiodaron (Herzrhythmusmedikament) – als mögliche Auslöser mit teils unklarem Mechanismus (Wirkungsweise); klinisch im Rahmen der Medikationsanamnese (Erfassung eingenommener Medikamente) zu berücksichtigen [LL2].
- Antipsychotika (Medikamente gegen psychotische Erkrankungen), Metoclopramid und Domperidon – durch dopaminerge Hemmung (Hemmung der Dopaminwirkung) mit Hyperprolaktinämie und sekundärem Hypogonadismus [LL1, LL2].
- Trizyklische Antidepressiva (bestimmte ältere Medikamente gegen Depressionen) und Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel) – als mögliche Auslöser; Mechanismen nicht einheitlich gesichert [LL2].
- Zytostatika (Krebsmedikamente) und alkylierende Substanzen (zellschädigende Chemotherapeutika) – durch testikuläre Schädigung, Suppression der Testosteronproduktion und sekundäre Störung des Östrogen-Androgen-Verhältnisses [LL1, LL2].
- Antiretrovirale Therapie – als mögliche Ursache im Rahmen komplexer metabolischer (stoffwechselbezogener), endokriner und lipodystrophiebezogener Mechanismen (Mechanismen mit gestörter Fettverteilung); der Zusammenhang ist therapie- und kontextabhängig [LL2].
- Statine (Cholesterinsenker) – als mögliche Auslöser mit nicht abschließend gesichertem Mechanismus, unter anderem diskutiert über reduzierte Steroidvorläuferbildung (verminderte Bildung von Vorstufen der Steroidhormone) [LL2].
Substanz- und verhaltensbedingte Ursachen
- Alkoholabusus (Alkoholmissbrauch) – durch direkte testikuläre Toxizität (Schädigung der Hoden), Beeinflussung von Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG), Lebererkrankung und Störung des Östrogen-Androgen-Verhältnisses [LL1, LL2].
- Cannabis – als mögliche assoziierte Ursache beschrieben; die Kausalität (Ursächlichkeit) und der genaue Mechanismus sind nicht gesichert, daher nur bei entsprechender Anamnese (Krankengeschichte) als potenzieller Faktor zu berücksichtigen [LL2].
- Opioide und Methadon (starke Schmerz- beziehungsweise Ersatzstoffe) – durch Suppression der hypothalamisch-hypophysär-gonadalen Achse mit sekundärem Hypogonadismus [LL1, LL2].
- Phytoöstrogenreiche Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen östrogenähnlichen Stoffen) oder relevante östrogenartige Exposition (Kontakt mit östrogenähnlich wirkenden Stoffen) – als mögliche Ursache bei hoch dosierter oder ungewöhnlicher Exposition; normale Ernährung ist nicht mit einer gesicherten klinisch relevanten Gynäkomastie gleichzusetzen [LL2].
Idiopathische Ursachen
- Idiopathische Gynäkomastie (Gynäkomastie ohne erkennbare Ursache) – Diagnose (Krankheitsfeststellung) nach Ausschluss physiologischer, medikamentöser, substanzbedingter, endokriner, systemischer, genetischer und neoplastischer Ursachen; bei Erwachsenen insbesondere nach strukturierter Anamnese, klinischer Untersuchung und gezielter Labor- beziehungsweise Bildgebungseinordnung (Einordnung durch Laborwerte beziehungsweise bildgebende Untersuchungen) [LL1, LL2].
Leitlinien
- Kanakis GA, Nordkap L, Bang AK, Calogero AE, Bártfai G, Corona G, Forti G, Toppari J, Goulis DG, Jørgensen N: EAA clinical practice guidelines—gynecomastia evaluation and management. Andrology. 2019;7(6):778-793. https://doi.org/10.1111/andr.12636
- Pozza C, Selice R, Barbonetti A, Hasenmajer V, Lotti F, Menafra D, Pasquali D, Sansone A, Isidori AM, Rochira V: Management of gynecomastia in adolescence and adults: the clinical practice guidelines from the Italian Society of Andrology and Sexual Medicine (SIAMS). Journal of Endocrinological Investigation. 2026. https://doi.org/10.1007/s40618-026-02915-2