Endometriose – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Reduktion Endometriose-assoziierter (durch eine Erkrankung mit gebärmutterschleimhautähnlichem Gewebe außerhalb der Gebärmutter bedingter) Schmerzen und Blutungsbeschwerden
  • Erhalt bzw. Verbesserung von Funktion, Lebensqualität, Sexualität und Teilhabe
  • Vermeidung von Organschäden, Schmerzchronifizierung (dauerhafte Verfestigung von Schmerzen) sowie unnötigen wiederholten Operationen
  • Rezidiv- und Symptomprophylaxe (Vorbeugung gegen das Wiederauftreten der Erkrankung und ihrer Beschwerden) nach Operation, sofern aktuell kein Kinderwunsch besteht
  • Fertilitätserhalt (Erhalt der Fruchtbarkeit) und Abstimmung der Behandlung auf die aktuelle Familienplanung

Bei chronischen Schmerzen sollen neben der Schmerzintensität nozizeptive (durch tatsächliche oder drohende Gewebeschädigung ausgelöste), neuropathische (durch Schädigung oder Erkrankung von Nerven verursachte) und noziplastische (durch veränderte Schmerzverarbeitung verursachte) Mechanismen sowie psychosoziale Chronifizierungsfaktoren erfasst werden. Therapieziele sollen deshalb auch funktionsbezogen definiert werden [LL1, 12].

Therapieindikationen und dringliche Situationen

  • Dysmenorrhö (Regelschmerzen), chronische Unterbauchschmerzen, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Dyschezie (Schmerzen beim Stuhlgang) und Dysurie (Schmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen)
  • Endometriose- bzw. Adenomyose-assoziierte (durch gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe in der Gebärmuttermuskulatur bedingte) Blutungsbeschwerden
  • Ungewollte Kinderlosigkeit bzw. Infertilität (Unfruchtbarkeit)
  • Persistierende Beschwerden oder Rezidiv (Wiederauftreten der Erkrankung) nach vorausgegangener Therapie
  • Drohendem Organfunktionsverlust, insbesondere Harnstau (Abflussbehinderung des Urins) bei Ureterbeteiligung (Beteiligung des Harnleiters), Darmstenose/-perforation (Darmverengung bzw. Darmdurchbruch) oder relevanter Blutung: zeitnahe spezialisierte, gegebenenfalls operative Abklärung; eine rein medikamentöse Behandlung ist hier regelmäßig nicht ausreichend [LL1].

Therapeutische Grundprinzipien

  1. Bei Endometriose-assoziierten Schmerzen ohne aktuellen Kinderwunsch ist eine hormonelle Therapie ein zentraler konservativer Behandlungsbaustein. Die Wahl wird gemeinsam anhand von Wirksamkeit, Nebenwirkungen, Kontraindikationen (Gegenanzeigen), Kontrazeptionsbedarf (Bedarf an Empfängnisverhütung), Vortherapien und Präferenz getroffen [LL1, LL2].
  2. Nach deutscher S2k-Leitlinie soll in der symptomatischen medikamentösen Erstlinie ein geeignetes Gestagen (zum Beispiel Dienogest) oder – nach vorausgegangener Operation mit Endometriosediagnose – ein oral bioverfügbarer GnRH-Antagonist (Blocker des Gonadotropin-Releasing-Hormons), gegebenenfalls mit Add-back, eingesetzt werden. Kombinierte orale Kontrazeptiva, weitere Gestagene einschließlich lokaler Anwendung und GnRH-Agonisten sind Optionen der Zweitlinie; GnRH-Antagonisten können ebenfalls in der Zweitlinie eingesetzt werden [LL1].
  3. Die generelle Diagnosestellung erfordert nicht zwingend eine operative Sicherung; Anamnese und transvaginale Sonographie können die Grundlage einer symptomorientierten Behandlung bilden. Davon zu unterscheiden ist die oben genannte spezielle S2k-Voraussetzung für GnRH-Antagonisten in der Erstlinie [LL1].
  4. Nach zwei hormonellen Therapieversuchen ohne ausreichende Besserung soll eine Reevaluation (erneute Beurteilung) in einer auf Endometriose spezialisierten Einrichtung erfolgen [LL1].
  5. Bei anhaltender Beeinträchtigung trotz hormoneller und/oder operativer Therapie oder bei Kontraindikation bzw. Unverträglichkeit ist eine mechanismenorientierte symptomatische Schmerztherapie angezeigt. Bei chronischer Schmerzstörung (dauerhafter Schmerzerkrankung) soll eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (fachübergreifende Behandlung mit mehreren aufeinander abgestimmten Verfahren) angeboten werden [LL1, 12].

Symptomatische Schmerztherapie

Nichtsteroidale Antiphlogistika (entzündungshemmende Schmerzmittel ohne Cortison) (NSAR; Auswahl)

Wirkstoff Besonderheiten
Ibuprofen Bevorzugt bei akuter nozizeptiver Schmerzkomponente. Niedrigste wirksame Dosis für die kürzest erforderliche Dauer. Gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende), renale (die Nieren betreffende) und kardiovaskuläre (Herz und Kreislauf betreffende) Risiken sowie Schwangerschaft beachten.
Naproxen Längere Halbwertszeit. Gleiche klassenbezogene Risiken wie andere NSAR.
Diclofenac Besonders sorgfältige kardiovaskuläre Nutzen-Risiko-Abwägung; nicht mehrere NSAR kombinieren.

Evidenz und Einordnung: Die S2k-Leitlinie empfiehlt NSAR bei nozizeptivem Schmerzmechanismus. Die endometriosespezifische kontrollierte Evidenz ist jedoch klein und von niedriger Qualität; der Cochrane-Review konnte einen sicheren Nutzen gegenüber Placebo nicht belegen. Gute Wirksamkeitsdaten aus der primären Dysmenorrhö sind nicht vollständig auf Endometriose übertragbar [LL1, 1].

Nichtopioidanalgetika (nicht morphinähnliche Schmerzmittel) außerhalb der NSAR-Gruppe

Wirkstoff Besonderheiten
Paracetamol Keine kontrollierten Studien bei Endometriose-assoziierten Schmerzen; nur bei nachweisbarem individuellem Nutzen. Hepatotoxizität (leberschädigende Wirkung) und Doppelverordnung in Kombinationspräparaten vermeiden.
Metamizol Keine kontrollierten Endometriose-Studien. Seltene, potenziell lebensbedrohliche Agranulozytose (starker Mangel bestimmter weißer Blutkörperchen); bei Fieber, Halsschmerzen oder Schleimhautläsionen (Schleimhautschädigungen) sofort absetzen und Blutbild veranlassen. Weitere Risiken: Hypotonie (niedriger Blutdruck), Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion), Organfunktionsabhängigkeit.

Paracetamol und Metamizol können nach individueller Prüfung erwogen werden, sind aber keine krankheitsmodifizierende Therapie (Behandlung, die den Krankheitsverlauf verändert). Eine Langzeiteinnahme symptomatischer Schmerzmedikamente soll multiprofessionell und regelmäßig auf Nutzen, Risiken und fortbestehende Indikation überprüft werden [LL1, 12].

Zentrale Neuromodulatoren (Arzneimittel zur Beeinflussung der Schmerzverarbeitung im Nervensystem) bei neuropathischer oder noziplastischer Komponente

Wirkstoff Besonderheiten
Amitriptylin Off-Label-Use für Endometriose. Nur bei passendem Schmerzmechanismus. Anticholinerge Effekte, Sedierung (Dämpfung), Gewichtszunahme, QT-/Rhythmusrisiko und Suizidalität beachten.
Duloxetin Off-Label-Use. Übelkeit, Blutdruckanstieg, Absetzsymptome und serotonerge Interaktionen beachten; nicht abrupt absetzen.
Gabapentin Off-Label-Use. Endometriosespezifische Evidenz fehlt. Sedierung, Schwindel, Ödeme (Flüssigkeitseinlagerungen), Missbrauchspotenzial; ausschleichen. GaPP2 war bei chronischem Beckenschmerz ohne erkennbare pelvine Pathologie (krankhafte Veränderung im Becken) negativ und ist daher kein direkter Endometriose-Wirksamkeitsnachweis [11].
Pregabalin Off-Label-Use. Endometriosespezifische Evidenz fehlt. Sedierung, Schwindel, Ödeme, Gewichtszunahme und Missbrauchspotenzial; ausschleichen.

Evidenz und Einordnung: Für trizyklische Antidepressiva, SNRI und Gabapentinoide liegt bei Endometriose nur begrenzte bzw. indirekte Evidenz vor. Sie sind keine Routinetherapie, sondern gegebenenfalls ein zeitlich definierter individueller Therapieversuch nach schmerzmedizinischer Beurteilung [LL1, 11, 12].

Opioidanalgetika (morphinähnliche starke Schmerzmittel)

Wirkstoff Besonderheiten
Kein endometriosespezifischer Standardwirkstoff Keine kontrollierten Wirksamkeitsstudien bei Endometriose. Keine Monotherapie. Vorher nichtopioide und nichtmedikamentöse Optionen ausschöpfen; konkrete Funktionsziele, Abbruchkriterien, Interaktions- und Abhängigkeitsrisiko sowie regelmäßige Reevaluation festlegen [LL1, LL3].

Cannabisbasierte Arzneimittel

Wirkstoff Besonderheiten
THC, CBD oder Kombinationen Heterogene, begrenzte Daten; keine Routinetherapie. Nur als individualisierter Versuch nach fachkundiger Nutzen-Risiko-Prüfung. Psychotrope, kognitive und kardiovaskuläre Wirkungen, Interaktionen, Fahrtüchtigkeit, Abhängigkeit sowie Schwangerschaft beachten [LL1].

Hormonelle Therapie

Hormonelle Therapien lindern Schmerzen durch Suppression (Unterdrückung) ovulatorischer (den Eisprung betreffender) bzw. endometrialer (die Gebärmutterschleimhaut betreffender) Aktivität, beseitigen die Erkrankung jedoch nicht dauerhaft. Sie sind bei aktuellem Kinderwunsch nicht zur Verbesserung der Spontankonzeption (natürlichen Empfängnis) einzusetzen [LL1, LL2, 10].

Gestagene (Gelbkörperhormone)

Wirkstoff Besonderheiten
Dienogest In Deutschland für Endometriose zugelassen; zentraler Erstlinienwirkstoff. Häufig unregelmäßige Blutungen/Amenorrhö (Ausbleiben der Monatsblutung), Kopfschmerz, Stimmungssymptome, Akne oder verminderte Libido. Das 2-mg-Endometriosepräparat ist nicht als verlässliche Kontrazeption (Empfängnisverhütung) zugelassen.
Desogestrel Off-Label-Use für die Indikation Endometriose; kontrazeptiv wirksam. Blutungsunregelmäßigkeiten und Stimmungssymptome beachten.
Norethisteronacetat Off-Label-Use für Endometriose in Deutschland; androgenbedingte Nebenwirkungen und metabolische Risiken berücksichtigen.
Medroxyprogesteronacetat, Depot Off-Label-Use für Endometriose je nach Präparat/Region; verzögerte Rückkehr der Ovulation (Eisprung), Gewichtszunahme und reversible Abnahme der Knochendichte.
Etonogestrel-Implantat Lokale/langwirksame Gestagenoption; Endometriosebehandlung als Indikation regelmäßig Off-Label-Use. Blutungsunregelmäßigkeiten häufig.
Levonorgestrel-Intrauterinsystem Lokale/langwirksame Option, besonders bei Dysmenorrhö und Adenomyose; Endometrioseindikation je nach Präparat Off-Label-Use. Einlagekomplikationen und initiale Blutungsunregelmäßigkeiten beachten.

Evidenz: Gestagene reduzieren Endometriose-assoziierte Schmerzen gegenüber Placebo; die vergleichende Evidenz zwischen einzelnen Gestagenen und gegenüber kombinierten Kontrazeptiva bleibt heterogen. Dienogest zeigte in einer randomisierten Studie eine vergleichbare Schmerzwirkung wie Leuprorelin bei unterschiedlichem Nebenwirkungsprofil [2-4, LL1, LL2].

Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva (Verhütungsmittel mit Estrogen und Gestagen)

Wirkstoff Besonderheiten
Monophasisches Estrogen-Gestagen-Präparat, oral Endometriosebehandlung regelmäßig Off-Label-Use. Kontrazeption gegeben. Estrogenbedingtes venöses/arterielles Thromboembolierisiko (Risiko eines Gefäßverschlusses durch ein Blutgerinnsel), Migräne mit Aura (Migräne mit vorausgehenden neurologischen Beschwerden), Rauchen, Hypertonie (Bluthochdruck), Lebererkrankung und weitere Kontraindikationen prüfen.
Vaginalring oder transdermales Pflaster mit Estrogen/Gestagen Alternative Applikationswege; dieselben wesentlichen estrogenbezogenen Risiken. Endometrioseindikation Off-Label-Use.

Evidenz: Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva können Dysmenorrhö, nichtmenstruellen Beckenschmerz und Dyspareunie reduzieren. Die Studien sind jedoch heterogen und im Mittel weniger robust als für einige spezifisch untersuchte Gestagene bzw. GnRH-Antagonisten [3, 5, LL1, LL2].

Orale GnRH-Antagonisten

Wirkstoff Besonderheiten
Relugolix 40 mg + Estradiol 1 mg + Norethisteronacetat 0,5 mg Fixe Add-back-Kombination; EU-Zulassung zur symptomatischen Endometriosebehandlung bei erwachsenen Frauen im reproduktiven Alter mit vorausgegangener medikamentöser oder chirurgischer Behandlung. Kontraindikationen und Warnhinweise, insbesondere Schwangerschaft, thromboembolische Risiken, Osteoporose (Knochenschwund), Migräne und Lebererkrankung, gemäß Fachinformation prüfen. Keine zusätzliche hormonelle Kontrazeption; Vorgaben zu nicht hormoneller Kontrazeption und Therapiebeginn beachten [6, 7, FI1].
Linzagolix EU-Zulassung für symptomatische Endometriosebehandlung bei erwachsenen Frauen mit vorausgegangener medikamentöser oder chirurgischer Behandlung. Dosis, Add-back, Therapiedauer, Knochendichtemessung, Kontraindikationen und nicht hormonelle Kontrazeption strikt gemäß aktueller Fachinformation [8, FI2].

Evidenz: Relugolix-Kombinationstherapie reduzierte Dysmenorrhö und nichtmenstruellen Beckenschmerz in zwei replizierten Phase-III-Studien; eine offene Verlängerung zeigte anhaltendes Ansprechen bis 104 Wochen, ist wegen ihres offenen Designs aber vorsichtiger zu interpretieren [6, 7]. Linzagolix zeigte in EDELWEISS 3 gegenüber Placebo eine Reduktion Endometriose-assoziierter Schmerzen [8].

GnRH-Agonisten (Wirkstoffe zur längerfristigen Unterdrückung der Wirkung des Gonadotropin-Releasing-Hormons)

Wirkstoff Besonderheiten
Leuprorelinacetat Initialer Flare, danach hypogonadotroper Hypoöstrogenismus (Estrogenmangel durch Unterdrückung der übergeordneten hormonellen Steuerung). Add-back zur Reduktion von vasomotorischen Beschwerden (insbesondere Hitzewallungen und Schweißausbrüchen) und Knochendichteverlust erwägen bzw. gemäß Fachinformation einsetzen. Behandlungsdauer begrenzen.
Goserelinacetat Hypoöstrogene Nebenwirkungen, Knochendichteverlust und Stimmungsveränderungen; Add-back und maximale Behandlungsdauer gemäß Fachinformation.
Nafarelinacetat Korrekte intranasale Anwendung erforderlich; bei Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhaut)/abschwellenden Nasensprays Resorptionsprobleme möglich. Hypoöstrogene Nebenwirkungen.
Triptorelin Endometrioseindikation und Applikationsweg sind präparateabhängig. Hypoöstrogene Nebenwirkungen und Knochendichteverlust.

GnRH-Agonisten sind wegen des Nebenwirkungsprofils keine bevorzugte Dauer-Erstlinie. Eine routinemäßige neoadjuvante Hormontherapie (medikamentöse Vorbehandlung vor einer Operation) allein zur Verbesserung des Operationsergebnisses wird nicht empfohlen; postoperativ ist die Zielsetzung davon zu unterscheiden [LL1, LL2].

Aromatasehemmer (Wirkstoffe zur Verringerung der Estrogenbildung) – refraktäre Schmerzen

Wirkstoff Besonderheiten
Letrozol Off-Label-Use. Nur bei therapierefraktären (auf die Behandlung nicht ausreichend ansprechenden) Schmerzen in einem spezialisierten Zentrum und in Kombination mit einer ovarialsuppressiven Therapie (Behandlung zur Unterdrückung der Eierstockfunktion); Ovarialzysten (Zysten an den Eierstöcken), Arthralgien (Gelenkschmerzen), vasomotorische Symptome und Knochendichteverlust.
Anastrozol Off-Label-Use; gleiche restriktive Einordnung wie Letrozol.

Aromatasehemmer können nach Ausschöpfen anderer medikamentöser oder chirurgischer Optionen erwogen werden; Evidenz und Langzeitsicherheit sind begrenzt [LL2].

Postoperative Rezidiv- und Symptomprophylaxe

Wenn nach Operation keine unmittelbare Schwangerschaft angestrebt wird, kann eine längerfristige hormonelle Suppression mit Gestagen, kombiniertem hormonellem Kontrazeptivum oder 52-mg-Levonorgestrel-Intrauterinsystem Schmerzen und Rezidivrisiko reduzieren. Die Wahl richtet sich nach Verträglichkeit, Kontrazeptionswunsch und Befund. Dies ist keine kurzfristige präoperative „Herdverkleinerung“, sondern eine postoperative Sekundärprävention (Vorbeugung gegen ein erneutes Auftreten nach bereits erfolgter Behandlung) [9, LL1, LL2].

Aktueller Kinderwunsch

Eine ovarielle Suppression (Unterdrückung der Eierstockfunktion) mit Gestagenen, kombinierten Kontrazeptiva oder GnRH-Analoga verbessert bei Patientinnen mit Endometriose und Kinderwunsch die spontane Fertilität (natürliche Fruchtbarkeit) nicht und verzögert den Konzeptionsversuch. Die Behandlung soll deshalb fertilitätsmedizinisch und gegebenenfalls operativ individualisiert werden [10, LL1, LL2]. Eine hormonelle Vorbehandlung kann in spezifischen reproduktionsmedizinischen Protokollen andere Ziele verfolgen; daraus folgt keine allgemeine Empfehlung zur Fertilitätssteigerung.

Stellenwert im multimodalen Behandlungskonzept

Bei chronischer Schmerzstörung reicht eine Eskalation von Analgetika (Schmerzmitteln) oder Hormonen allein häufig nicht aus. Empfohlen wird ein abgestuftes, interdisziplinär abgestimmtes Konzept mit Edukation, individuell indizierter Physiotherapie, psychosomatischer bzw. psychotherapeutischer Behandlung und gegebenenfalls sexualmedizinischer Mitbehandlung. Komplementäre Verfahren können im Einzelfall ergänzen, dürfen aber wirksame Diagnostik und Therapie nicht ersetzen. Für einzelne Diäten, Nahrungsergänzungen, Akupunktur, TENS und weitere Verfahren ist die Evidenz überwiegend begrenzt oder heterogen; daraus lässt sich keine allgemeine pharmakotherapeutische Standardempfehlung ableiten [LL1, 12].

Nicht als Standardtherapie zu empfehlen

  • Langfristige unkritische Analgetikaeskalation ohne mechanismenbezogene Reevaluation
  • Opioidmonotherapie oder unbefristete Opioidtherapie ohne definierte Ziele und Abbruchkriterien [LL1, LL3]
  • Gabapentinoide, Antidepressiva oder cannabisbasierte Arzneimittel ohne Hinweis auf einen passenden Schmerzmechanismus und ohne Verlaufskontrolle [LL1, 11, 12]
  • Metformin, Palmitoylethanolamid oder Nahrungsergänzungen als reguläre Endometriose-Pharmakotherapie; die Daten reichen für eine Standardempfehlung nicht aus [LL1]
  • Hormonelle Suppression zur Verbesserung der spontanen Fertilität bei aktuellem Kinderwunsch [10, LL1, LL2]

Claim-basierte Referenzzuordnung – Endprüfung

Zentraler Claim Primäre Verankerung Prüfergebnis
Deutscher Therapiealgorithmus, Schmerzmechanismen, Reevaluation, multimodale Therapie [LL1]; methodische Einordnung zusätzlich [12] Direkt zugeordnet
NSAR bei nozizeptivem Schmerz; begrenzte Endometriose-Evidenz [LL1, 1] Leitlinienclaim plus endometriosespezifischer Cochrane-Review
Wirksamkeit von Gestagenen/Dienogest [2-4] Metaanalyse, aktueller Vergleichsreview und RCT
Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva [3, 5] Systematische Reviews
Relugolix-Kombination [6, 7, FI1] Phase III, offene Langzeitverlängerung und Zulassungsinformation
Linzagolix [8, FI2] Phase-III-RCT und Zulassungsinformation
Postoperative hormonelle Suppression [9, LL1, LL2] Systematischer Review/Metaanalyse plus Leitlinien
Keine Fertilitätssteigerung durch ovarielle Suppression [10, LL1, LL2] Cochrane-Review plus Leitlinien
Gabapentin nicht routinemäßig aus indirekten Daten ableiten [11, LL1] GaPP2 korrekt als indirekte, nicht endometriosespezifische Evidenz gekennzeichnet
Opioide nur ausnahmsweise und kontrolliert [LL1, LL3] Endometrioseleitlinie plus S3-LONTS

Literatur

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  12. Rosenberger DC, Erlenwein J, Häuser W, Pogatzki-Zahn E, Burghaus S. Schmerzmedizinische Aspekte in der aktualisierten S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Endometriose“. Schmerz. 2026;40:256–263. doi:10.1007/s00482-026-00950-9.

Leitlinien und Zulassungsinformationen

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Endometriose. (AWMF-Registernummer 015-045) April 2025. Langfassung [LL1]
  2. Becker CM, Bokor A, Heikinheimo O, et al.; ESHRE Endometriosis Guideline Group. ESHRE guideline: endometriosis. Hum Reprod Open. 2022;2022(2):hoac009. doi:10.1093/hropen/hoac009. [LL2] 
  3. Häuser W, Bock F, Hüppe M, et al. Empfehlungen der zweiten Aktualisierung der Leitlinie LONTS: Langzeitanwendung von Opioiden bei chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen. Schmerz. 2020;34:204–244. doi:10.1007/s00482-020-00472-y. [LL3]
  4. European Medicines Agency. Ryeqo (Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat): EPAR und aktuelle Produktinformation. EMA – Ryeqo. [FI1] 
  5. European Medicines Agency. Yselty (Linzagolix): EPAR und aktuelle Produktinformation. EMA – Yselty. [FI2]