Brustdrüsenschmerzen (Mastodynie) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Mastodynie (Brustschmerz/Brustspannen) mit bedingt sein können:
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Angststörungen (krankhafte Angstzustände) bzw. gesundheitsbezogene Angst, insbesondere Karzinomangst (Angst vor Krebs) bei wiederkehrender oder persistierender Mastodynie [1, 4, 6]
- Depressive Symptome (Anzeichen einer Depression) bei stark ausgeprägter oder chronischer Mastodynie; der Zusammenhang ist überwiegend assoziativ, nicht sicher kausal [4, 6]
- Schlafstörungen (Schlafprobleme) bei schmerzhafter Mastodynie mit nächtlicher Beschwerdezunahme oder relevanter Lebensqualitätsminderung [1, 4]
- Schmerzchronifizierung (dauerhaft werdende Schmerzen) bzw. chronisches Schmerzsyndrom (dauerhafte Schmerzerkrankung) bei persistierender Mastodynie, insbesondere bei hoher Schmerzintensität, langer Beschwerdedauer und psychosozialer Belastung (seelisch-sozialer Belastung) [1, 2, 4]
- Sexuelle Funktionsbeeinträchtigung (Beeinträchtigung der Sexualfunktion) bzw. Vermeidung sexueller Aktivität bei berührungsabhängiger oder ausgeprägter Mastodynie [4, 5]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Alltags- und Aktivitätseinschränkung (Einschränkung im Alltag und bei Aktivitäten) bei mäßiger bis starker Mastodynie, insbesondere Einschränkung körperlicher Aktivität, sozialer Aktivität und beruflicher bzw. schulischer Leistungsfähigkeit [4, 5]
- Persistierende Schmerzepisoden (anhaltende Schmerzphasen) mit rezidivierendem Verlauf (wiederkehrendem Verlauf), vor allem bei lang bestehender Mastodynie [1, 2]
- Schmerzbedingte Erschöpfung (durch Schmerzen bedingte starke Müdigkeit) bzw. reduzierte Belastbarkeit bei anhaltender oder wiederkehrender Mastodynie [4, 5]
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Arzneimittelnebenwirkungen (Nebenwirkungen von Medikamenten) bei eskalierter pharmakologischer Therapie (medikamentöser Behandlung), insbesondere unter hormonell wirksamen Substanzen wie Danazol oder Tamoxifen; relevant sind u. a. klimakterische Beschwerden (Wechseljahresbeschwerden), Zyklusstörungen (Störungen der Regelblutung), gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) und substanzspezifische Risiken [1, 2]
- Interventionsfolgen (Folgen medizinischer Eingriffe) durch Überdiagnostik (zu umfangreiche Abklärung) bei isolierter Mastodynie ohne klinischen Zusatzbefund (zusätzlichen Untersuchungsbefund), insbesondere unnötige Bildgebung (bildgebende Untersuchung), Wiedervorstellungen oder Biopsien (Gewebeentnahmen) mit sekundärer Belastung; dies ist keine Folge der Mastodynie selbst, sondern eine versorgungsbedingte Komplikation (durch medizinische Versorgung mitbedingte Folge) [3, 7]
Weiteres
- Keine gesicherte organische Folgeerkrankung (körperlich nachweisbare Folgeerkrankung) im engeren Sinn: Die klassische isolierte Mastodynie ist primär ein Schmerz- und Belastungssyndrom (Beschwerdebild aus Schmerzen und Belastung); eine Progression (Fortschreiten) zum Mammakarzinom (Brustkrebs) ist nicht belegt [3, 7]
- Versorgungsbezogene Belastung (Belastung durch medizinische Abklärung): Wiederholte ärztliche Vorstellungen, Kontrolluntersuchungen und diagnostische Abklärungen (Untersuchungen zur Klärung der Ursache) können die Karzinomangst verstärken, wenn keine klare Risikokommunikation (verständliche Erklärung des Risikos) erfolgt [3, 6, 7]
Prognosefaktoren
- Anhaltende Beschwerdedauer über mehrere Monate
- Ausgeprägte Karzinomangst trotz unauffälliger klinischer Untersuchung
- Hohe Schmerzintensität
- Palpabler Zusatzbefund (tastbarer zusätzlicher Befund), Hautveränderung, Mamillensekretion (Absonderung aus der Brustwarze) oder andere Warnsymptome; diese sprechen nicht für eine Folge der Mastodynie, sondern für eine eigenständige Abklärungsindikation (Grund für weitere Abklärung)
- Psychosoziale Belastung, Angstneigung oder depressive Symptomatik (depressive Beschwerden)
- Rezidivierender Verlauf
- Unzureichende Aufklärung über die geringe Malignitätswahrscheinlichkeit (Wahrscheinlichkeit für eine bösartige Erkrankung) bei isolierter Mastodynie
Literatur
- Hafiz SP, Barnes NLP, Kirwan CC: Clinical management of idiopathic mastalgia: a systematic review. J Prim Health Care. 2018;10(4):312-323. doi: 10.1071/HC18026.
- Groen JW, Grosfeld S, Wilschut JA, Bramer WM, Ernst MF, Mullender MG: Cyclic and non-cyclic breast-pain: A systematic review on pain reduction, side effects, and quality of life for various treatments. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol. 2017;219:74-93. doi: 10.1016/j.ejogrb.2017.10.018. Corrigendum: doi: 10.1016/j.ejogrb.2018.02.008.
- Dave RV, Bromley H, Taxiarchi VP et al.: No association between breast pain and breast cancer: a prospective cohort study of 10 830 symptomatic women presenting to a breast cancer diagnostic clinic. Br J Gen Pract. 2022;72(717):e234-e243. doi: 10.3399/BJGP.2021.0475.
- Roy S, Singh GN, Verma N, Parasher G, Suryavanshi P: Psychological Assessment and Treatment Effectiveness in Mastalgia: Developing a Treatment Algorithm. Cureus. 2023;15(10):e46838. doi: 10.7759/cureus.46838.
- Li P, Simpson A, Dietz J: Work-up and management of breast pain. Ann Breast Surg. 2021;5:27. doi: 10.21037/abs-20-102.
- Aladag Kurt S, Hacisalihoglu Aydin I, Ucar Bostan B, Kayadibi Y, Velidedeoglu M, Aksoy Poyraz C: Mastalgia, Radiological Yield, and Psychological Burden: A Cross-Sectional Comparative Study. Breast Care. 2026. doi: 10.1159/000550195.
- Holbrook AI, Moy L, Akin EA et al.: ACR Appropriateness Criteria® Breast Pain. J Am Coll Radiol. 2018;15(11S):S276-S282. doi: 10.1016/j.jacr.2018.09.014.
Leitlinien
- American College of Radiology: ACR Appropriateness Criteria® Breast Pain. 2018. Narrative and Rating Table.
- S3-Leitlinie: Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms (AWMF-Register-Nr. 032-045OL) Juni 2026 Langfassung.