Brustdrüsenentzündung (Mastitis) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Mastitis puerperalis (Brustentzündung im Wochenbett) und Mastitis nonpuerperalis (Brustentzündung außerhalb des Wochenbetts) mitbedingt sein können:

Mastitis puerperalis

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Cellulitis (bakterielle Hautentzündung) bzw. Phlegmone (sich ausbreitende eitrige Weichteilentzündung) der Mammahaut (Brusthaut) und des perimammären Weichteilgewebes (weiches Gewebe um die Brust), insbesondere bei verzögerter Diagnostik, ausgeprägter bakterieller Mastitis (durch Bakterien verursachte Brustentzündung) oder inadäquater lokaler Manipulation [1, 3]
  • Narbenbildung (Bildung von Narben) und kosmetisch relevante Weichteilveränderungen nach operativer Abszessdrainage (Ableitung einer Eiteransammlung); das Risiko ist geringer, wenn ein geeigneter Mammaabszess (Eiteransammlung in der Brust) sonographisch (durch Ultraschall) gesteuert punktiert (mit einer Nadel entleert) bzw. drainiert (über einen Abfluss entleert) werden kann [2, 3]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie (Bakterien im Blut), selten, vor allem bei schwerer bakterieller Mastitis, Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus (gegen bestimmte Antibiotika unempfindlicher Eitererreger), Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder verzögerter Therapie [1, 4]
  • Sepsis (Blutvergiftung), seltene, aber potenziell vital bedrohliche Komplikation bei progredienter Infektion (fortschreitender Ansteckung), fehlendem Therapieansprechen oder systemischer Dekompensation (Entgleisung des gesamten Körpers) [1, 4]

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Mammaabszess im Wochenbett, insbesondere bei fortschreitender bakterieller Mastitis, verzögerter Entlastung oder fehlendem Ansprechen auf konservative Therapie (nichtoperative Behandlung) bzw. antibiotische Therapie (Behandlung mit Antibiotika) [1-3]
  • Milchfistel (krankhafte Verbindung mit Milchabfluss), selten, insbesondere nach chirurgischer Inzision (operativem Hautschnitt) und Drainage eines laktierenden Mammaabszesses (Brustabszesses während der Stillzeit) [2, 3]
  • Störung der Laktation (Milchbildung) mit verminderter Milchbildung oder vorzeitigem Stillabbruch, insbesondere bei ausgeprägter Entzündung, Schmerzen, abruptem Stillstopp, Abszessbildung (Bildung einer Eiteransammlung) oder invasiver Therapie (eingreifender Behandlung) [1, 3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Galaktozele (Milchzyste) mit sekundärer Entzündung oder Infektion, insbesondere bei persistierender Milchstauung (anhaltendem Milchstau) oder nach Abszessbehandlung [3]
  • Rezidivierende Mastitis (wiederkehrende Brustentzündung) während derselben Stillperiode oder in späteren Stillperioden, begünstigt durch persistierende Milchflussstörung (anhaltende Störung des Milchabflusses), Mamillenläsionen (Verletzungen der Brustwarzen) oder nicht korrigierte Stillprobleme [1]

Prognosefaktoren

  • Abrupte Stillunterbrechung bzw. abruptes Abstillen – erhöht das Risiko für Milchstauung, Verschlechterung der Entzündung und Abszessbildung [1]
  • Aggressive Brustmassage oder mechanisches Gewebetrauma (Gewebeverletzung) – kann Entzündung, Gewebeödem (Gewebeschwellung) und Progression (Fortschreiten) verschlechtern [1]
  • Fehlendes klinisches Ansprechen innerhalb von 24-48 Stunden – spricht für Abszess (Eiteransammlung), resistente Erreger (unempfindliche Krankheitserreger), inadäquate Entleerung oder alternative Diagnose [1, 3]
  • Mamillenläsionen – begünstigen bakterielle Eintrittspforten und Rezidive (Rückfälle) [1]
  • Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus – erhöht das Risiko für Therapieversagen, Ausbruchsgeschehen und komplizierte Verläufe [4]
  • Persistierende Milchstauung, Überproduktion oder inadäquates Milchmanagement (nicht ausreichender Umgang mit der Milchbildung und Milchentleerung) – begünstigen Progression und Rezidiv [1]
  • Vorangegangene Mastitis – erhöht das Risiko weiterer Mastitisepisoden (Folgen weiterer Brustentzündungen) [1]

Mastitis nonpuerperalis

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Cellulitis der Mammahaut, insbesondere bei nicht drainiertem Abszess, fortschreitender periareolärer Infektion (Infektion um den Warzenhof) oder immunkompromittierender Grunderkrankung (Grunderkrankung mit geschwächtem Abwehrsystem) [5, 6]
  • Hautulzeration (offene Hautstelle), Hauteinziehung (Einziehung der Haut) oder sezernierende Hautöffnung (nässende Hautöffnung) bei chronischer periduktaler Entzündung (Entzündung um die Milchgänge) oder granulomatöser Entzündung (knötchenförmiger Entzündung) [6-9]
  • Narbenbildung und Brustdeformität (Formveränderung der Brust) nach chronisch-rezidivierender Entzündung, wiederholter Drainage, Fistelbildung (Entstehung eines krankhaften Verbindungsgangs) oder ausgedehnter Exzision (operativer Entfernung) [6-9]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Bakteriämie, selten, vor allem bei ausgedehntem Mammaabszess, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Immunsuppression oder verzögerter Therapie [5, 6]
  • Sepsis, seltene Komplikation bei fortschreitender Weichteilinfektion (Infektion des Weichgewebes) oder nicht kontrolliertem Abszess [5, 6]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Mammagangfistel (krankhafter Verbindungsgang eines Milchgangs) bzw. periareoläre Fistel (Fistel um den Warzenhof), typische Komplikation der rezidivierenden periduktalen Mastitis (wiederkehrenden Entzündung um die Milchgänge der Brust) und des subareolären Abszesses (Eiteransammlung unter dem Warzenhof) [6, 7]
  • Nichtpuerperaler Mammaabszess (Brustabszess außerhalb des Wochenbetts), besonders subareolär (unter dem Warzenhof) oder periareolär (um den Warzenhof); Rezidive sind bei nichtpuerperalen Abszessen häufiger als bei laktationsassoziierten Abszessen (mit der Stillzeit verbundenen Brustabszessen) [5-7]
  • Rezidivierende oder persistierende nonpuerperale Mastitis (wiederkehrende oder anhaltende Brustentzündung außerhalb des Wochenbetts), insbesondere bei periduktaler Mastitis, granulomatöser Mastitis (knötchenförmiger Brustentzündung), Rauchen, Mamillenanomalien (Auffälligkeiten der Brustwarzen), Hyperprolaktinämie (erhöhtem Prolaktinspiegel) oder metabolischen Risikofaktoren (stoffwechselbedingten Risikofaktoren) [5-9]

Prognosefaktoren

  • Adipositas (starkes Übergewicht) – Risikofaktor für nonpuerperale Mastitis und potenziell kompliziertere Verläufe [5]
  • Diabetes mellitus – erhöht das Risiko für komplizierte Infektionsverläufe und sollte bei nonpuerperalem Mammaabszess aktiv berücksichtigt werden [5]
  • Fistel (krankhafter Verbindungsgang) oder vorausgegangener subareolärer Abszess – erhöht das Rezidivrisiko, wenn die zugrunde liegende periduktale Gangpathologie (krankhafte Veränderung der Milchgänge) nicht saniert wird [6, 7]
  • Hyperprolaktinämie – Risikofaktor für nonpuerperale Mastitis und möglicherweise für persistierende bzw. schwere Verläufe [5]
  • Mamillenretraktion (Einziehung der Brustwarze), Kratermamille (eingezogene Brustwarzenform) oder andere Mamillenanomalien – begünstigen periduktale Entzündung, Sekretstau (Stau von Flüssigkeit), Abszess und Fistelbildung [5-7]
  • Rauchen – relevanter Risikofaktor für periduktale Mastitis, subareolären Abszess und Rezidive [5-7]
  • Verzögerte histologische Abklärung (feingewebliche Untersuchung) persistierender oder atypischer Befunde (anhaltender oder ungewöhnlicher Befunde) – erhöht das Risiko, dass ein inflammatorisches Mammakarzinom (entzündlicher Brustkrebs) oder ein anderes Mammakarzinom (Brustkrebs) fälschlich als Mastitis behandelt wird; ein Mammakarzinom ist dabei keine Folgeerkrankung der Mastitis, sondern eine wichtige Differenzialdiagnose (andere mögliche Diagnose) [8, 9]

Literatur

  1. Amir LH, Coca KP, Da Silva MJM et al.: Management of Mastitis in the Hospital Setting: An International Audit Study. J Hum Lact. 2025;41(3):401-411. doi: 10.1177/08903344251338245
  2. Zhou F, Li Z, Liu L et al.: The effectiveness of needle aspiration versus traditional incision and drainage in the treatment of breast abscess: a meta-analysis. Ann Med. 2023;55(1):2224045. doi: 10.1080/07853890.2023.2224045
  3. Tran AT, Nguyen DM, Tran QH et al.: Assessment of the Effectiveness of Ultrasound-Guided Needle Aspiration of Lactating Breast Abscesses. Int J Gen Med. 2024;17:553-557. doi: 10.2147/IJGM.S449432
  4. Lin YC, Lee YL, Chen YH et al.: Puerperal mastitis caused by limited community-associated methicillin-resistant Staphylococcus aureus (CA-MRSA) clones. Front Med. 2024;11:1378207. doi: 10.3389/fmed.2024.1378207
  5. Liu H, Wang B, Wang H et al.: Risk factors for non-puerperal mastitis: a meta-analysis. BMC Womens Health. 2025;25:562. doi: 10.1186/s12905-025-04110-6
  6. Xu H, Liu R, Lv Y et al.: Treatments for Periductal Mastitis: Systematic Review and Meta-Analysis. Breast Care (Basel). 2022;17(1):55-62. doi: 10.1159/000514419
  7. Jiao Y, Chang K, Jiang Y et al.: Identification of periductal mastitis and granulomatous lobular mastitis: a literature review. Ann Transl Med. 2023;11(3):158. doi: 10.21037/atm-22-6473
  8. Ong SS, Ho PJ, Liow JJK et al.: A meta-analysis of idiopathic granulomatous mastitis treatments for remission and recurrence prevention. Front Med. 2024;11:1346790. doi: 10.3389/fmed.2024.1346790
  9. Krawczyk N, Kühn T, Ditsch N et al.: Idiopathic Granulomatous Mastitis as a Benign Condition Mimicking Inflammatory Breast Cancer: Current Status, Knowledge Gaps and Rationale for the GRAMAREG Study (EUBREAST-15). Cancers (Basel). 2024;16(19):3387. doi: 10.3390/cancers16193387

Leitlinien

  1. Academy of Breastfeeding Medicine Clinical Protocol #36: The Mastitis Spectrum, Revised 2022. Breastfeed Med. 2022;17(5):360-376. doi: 10.1089/bfm.2022.29207.kbm
  2. NICE Clinical Knowledge Summary: Mastitis and breast abscess. NICE CKS.
  3. Zhou F, Shang XC, Tian XS et al.: Clinical practice guidelines for diagnosis and treatment of patients with non-puerperal mastitis: Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS) practice guideline 2021. Chin Med J. 2021;134(15):1765-1767. doi: 10.1097/CM9.0000000000001532