Weight-Watchers
Weight Watchers (heute „WW“) ist ein kommerzielles, strukturiertes Programm zur Gewichtsreduktion, das auf einer moderaten Energieeinschränkung, Verhaltensmodifikation, Bewegungsförderung und sozialer Unterstützung basiert.
Zentrales Steuerungselement ist ein punktebasiertes Ernährungssystem, bei dem Lebensmitteln anhand ihres Energie- und Nährstoffgehalts ein numerischer Wert zugewiesen wird. Ziel ist es, eine negative Energiebilanz zu erzeugen, ohne starre Verbote vorzugeben, und gleichzeitig eine langfristige Veränderung des Lebensstils zu unterstützen.
Das Konzept ist als Diät zur Gewichtsreduktion einzuordnen. Es handelt sich nicht um eine therapeutische Diät im engeren Sinne, wird jedoch in internationalen Leitlinien zur Adipositastherapie als mögliche strukturierte Lebensstilintervention beschrieben [1, 2].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Weight Watchers wurde 1963 von Jean Nidetch in den USA gegründet. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass gemeinsames Abnehmen in einer Gruppe mit regelmäßigem Austausch die Motivation und langfristige Umsetzung erleichtert. Im Verlauf der Jahrzehnte wurde das Programm kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere das ursprüngliche ProPoints-System wurde mehrfach angepasst, um neben dem reinen Energiegehalt auch qualitative Aspekte der Lebensmittelauswahl stärker zu berücksichtigen. Aktuelle Versionen des Programms sind stark digitalisiert und appbasiert.
Die wissenschaftlichen Grundlagen beruhen auf etablierten Prinzipien der Adipositastherapie: Energiereduktion, Selbstbeobachtung, Zieldefinition, Rückfallprävention, Förderung körperlicher Aktivität sowie soziale Unterstützung. Das Punktesystem dient als Instrument zur indirekten Kaloriensteuerung und soll durch Gewichtung von Fett, Kohlenhydraten, Proteinen und Ballaststoffen eine günstigere Lebensmittelauswahl fördern.
Zentrale Annahme ist, dass eine flexible, alltagstaugliche Kontrolle langfristig erfolgreicher ist als restriktive Diäten [3].
Zielsetzung der Diät
Ziel von Weight Watchers ist eine langfristige Reduktion des Körpergewichts durch nachhaltige Veränderungen des Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltensmusters. Das Programm versteht Gewichtsmanagement nicht als zeitlich begrenzte Maßnahme, sondern als fortlaufenden Prozess mit Übergang in eine Erhaltungsphase.
Die Anwendung ist primär als Lifestyle-Intervention konzipiert. Eine medizinische Therapie im engeren Sinne ist nicht vorgesehen.
Als primäre Zielparameter gelten die Reduktion von Körpergewicht und BMI sowie indirekt eine Verbesserung adipositasassoziierter Risikofaktoren.
Sekundäre Ziele sind eine verbesserte Essstruktur, eine Erhöhung der körperlichen Aktivität, Gewichtsstabilisierung sowie die Stärkung der Selbstwirksamkeit.
Die zugrunde liegende Logik entspricht der leitlinienüblichen Abfolge Indikation → Lebensstilintervention → regelmäßiges Monitoring → Nutzen-Risiko-Bewertung [1, 2].
Grundprinzipien
Das Ernährungskonzept von Weight Watchers basiert auf einer kalorienreduzierten Mischkost ohne generelle Lebensmittelverbote. Jedem Lebensmittel wird ein Punktwert zugeordnet, der sich aus Energiegehalt und Makronährstoffzusammensetzung ergibt.
Die Teilnehmenden erhalten ein individuelles tägliches Punktekontingent sowie zusätzliche wöchentliche Punkte, die eine flexible Gestaltung bei besonderen Anlässen ermöglichen.
Bestimmte Lebensmittel mit niedriger Energiedichte und hohem Sättigungspotential werden niedrig oder gar nicht bepunktet.
Ergänzend werden regelmäßige Selbstbeobachtung, Bewegungsförderung und soziale Unterstützung als zentrale Bestandteile des Programms eingesetzt.
Angestrebte Wirkmechanismen
Der primäre Wirkmechanismus von Weight Watchers ist die Erzeugung einer negativen Energiebilanz durch indirekte Kalorienreduktion. Die Bevorzugung ballaststoffreicher und proteinbetonter Lebensmittel kann die Sättigung fördern und die spontane Energieaufnahme reduzieren.
Selbstmonitoring über Protokollierung steigert das Bewusstsein für Portionsgrößen und Essgewohnheiten.
Die soziale Unterstützung durch Gruppen oder digitale Communitys verbessert nachweislich die Umsetzbarkeit, was als entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg von Lebensstilinterventionen gilt.
Pathophysiologisch relevante Effekte ergeben sich vor allem aus der Gewichtsreduktion selbst, etwa durch Verbesserung der Insulinsensitivität und Reduktion viszeralen Fetts (Bauchfett).
Nicht belegt ist, dass das Punktesystem allein eine optimale Nährstoffqualität sicherstellt [4, 5].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Weight Watchers richtet sich primär an Erwachsene mit moderatem Übergewicht.
Geeignete Zielgruppen:
- Erwachsene mit BMI 25-35
- Personen ohne relevante internistische oder metabolische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)
- Personen mit Bedarf an Struktur, Selbstkontrolle und sozialer Motivation
Eingeschränkte Eignung:
- Ältere Personen mit erhöhtem Proteinbedarf
- Personen mit chronischen Erkrankungen ohne individuelle Anpassung
Nicht geeignet:
- Kinder und Jugendliche
- Schwangere und Stillende
- Personen mit Essstörungen
- Schwer adipöse oder metabolisch instabile Personen
Durchführung und Ablauf der Diät
Zu Beginn des Programms werden Körpergewicht, Zielgewicht und ein individuelles Punktekontingent festgelegt. Die Umsetzung erfolgt heute überwiegend appbasiert. Über die App werden Lebensmittelauswahl, tägliche Punktbilanz, Bewegungsaktivitäten und Körpergewicht dokumentiert. Eine umfangreiche Lebensmitteldatenbank erleichtert die Berechnung der Punktwerte und unterstützt die Mahlzeitenplanung. Ergänzend stehen Rezepte, Wochenpläne und edukative Inhalte zur Verfügung.
Neben der digitalen Nutzung bietet Weight Watchers weiterhin regelmäßige Gruppentreffen an, die vor Ort oder virtuell stattfinden. Diese dienen dem Erfahrungsaustausch, der Motivation und der Erfolgskontrolle und werden von geschulten Coaches moderiert.
Das Programm kann vollständig digital oder kombiniert mit Gruppentreffen durchgeführt werden.
Eine zeitliche Begrenzung besteht nicht. Nach Erreichen des Zielgewichts ist eine Erhaltungsphase vorgesehen. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes wurde in randomisierten kontrollierten Studien im Primärversorgungssetting nachgewiesen [6].
Als begleitende Nachschlagewerke werden von Weight Watchers Deutschland offizielle Ratgeber- und Kochbücher angeboten, die das Punktesystem, typische Lebensmittelauswahl sowie die Integration in den Alltag erläutern und insbesondere der eigenständigen Umsetzung außerhalb der Treffen dienen [7, 8].
Empfohlene Lebensmittel
Das Programm lenkt die Lebensmittelauswahl in Richtung energiearmer, sättigender Lebensmittel. Eine besondere Rolle spielen sogenannte Null-Punkte-Lebensmittel, die aufgrund ihrer niedrigen Energiedichte und günstigen Nährstoffzusammensetzung nicht auf das tägliche Punktekontingent angerechnet werden:
- Nicht stärkehaltiges Gemüse (z. B. Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini, Paprika, Tomaten, Gurken, Salate)
- Obst (z. B. Äpfel, Beeren, Orangen, Bananen)
- Eier
- Fettfreier Naturjoghurt, fettfreier Skyr
- Hähnchen- und Putenbrust ohne Haut
- Mageres Fischfilet und Meeresfrüchte
- Hülsenfrüchte (z. B. Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
- Tofu und andere fettarme Sojaprodukte
- Kartoffeln und Mais (programmspezifisch)
Diese Lebensmittel sollen regelmäßig verzehrt werden und unterstützen eine ausreichende Sättigung bei begrenzter Energiezufuhr.
Lebensmittel mit moderaten Punktwerten (sinnvoll in begrenzten Mengen):
- Kartoffeln, Reis, Nudeln
- Vollkornprodukte und Brot
- Fettarme Käse- und Milchprodukte
- Pflanzliche Öle in kleinen Mengen
- Fetter Seefisch
Diese Lebensmittel tragen zur Nährstoffvielfalt bei, erfordern jedoch eine bewusste Portionssteuerung.
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Lebensmittel mit hoher Energiedichte werden durch hohe Punktwerte reguliert.
- Stark fettreiche Lebensmittel
- Zuckerreiche Süßwaren und Desserts
- Stark verarbeitete Produkte
- Hochkalorische Snacks und Fast Food
- Alkoholische Getränke
Ein vollständiger Ausschluss erfolgt nicht, der Verzehr ist jedoch begrenzt.
Praktische Hinweise zur Umsetzung im Alltag
Für den Alltag empfiehlt sich eine strukturierte Einkaufs- und Mahlzeitenplanung, um Null-Punkte- und niedrig bepunktete Lebensmittel regelmäßig verfügbar zu haben.
Die App-basierte Dokumentation erleichtert die Planung, unterstützt spontane Entscheidungen unterwegs und ermöglicht eine flexible Integration von Restaurantbesuchen oder gesellschaftlichen Anlässen über das wöchentliche Zusatzpunktekontingent.
Die Kombination aus digitalem Selbstmonitoring, optionalen Gruppentreffen und Bewegungsintegration trägt wesentlich zur Alltagstauglichkeit und langfristigen Umsetzung bei.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Aus ernährungsphysiologischer Sicht handelt es sich bei Weight Watchers um eine moderat kalorienreduzierte Mischkost, die bei sachgerechter Umsetzung grundsätzlich den Empfehlungen einer ausgewogenen Ernährung nahekommen kann.
Die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fett, Proteine) ist nicht fest definiert, sondern ergibt sich aus der individuellen Lebensmittelauswahl. Dadurch besteht Flexibilität, jedoch keine automatische Sicherstellung einer optimalen Nährstoffrelation.
Die Proteinaufnahme kann ausreichend sein, sofern regelmäßig proteinreiche Lebensmittel integriert werden. Bei älteren Personen oder bei stark fettreduzierter Auswahl besteht jedoch das Risiko einer unzureichenden Proteinzufuhr.
Die Fettzufuhr ist häufig reduziert, was zur Energieeinsparung beiträgt, jedoch auch den Verzehr ernährungsphysiologisch wertvoller Fettquellen einschränken kann. Dies kann langfristig eine geringere Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und fettlöslichen Vitaminen begünstigen.
Die Ballaststoffzufuhr ist bei konsequenter Nutzung von Gemüse, Obst und Vollkornprodukten in der Regel ausreichend.
Eine systematische Sicherstellung der Mikronährstoffversorgung ist jedoch nicht Bestandteil des Konzepts, da das Punktesystem primär energie- und makronährstofforientiert ist.
Insgesamt hängt die ernährungsphysiologische Qualität weniger vom System selbst als von Ernährungswissen, Motivation und individueller Lebensmittelauswahl ab [4, 5].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Mögliche Risiken betreffen vor allem eine potentiell unzureichende Zufuhr essentieller Mikronährstoffe und hochwertiger Fette. Bei fehlender Individualisierung kann es bei bestimmten Personengruppen zu einer nicht bedarfsgerechten Ernährung kommen.
Schwere metabolische Risiken sind bei gesunden Erwachsenen bei sachgerechter Umsetzung nicht zu erwarten [1].
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen:
- Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht, Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Kindes- und Jugendalter
Relative Kontraindikationen:
- Chronische Nierenerkrankungen
- Sarkopenierisiko (erhöhte Gefahr für Muskelabbau)
- Multimorbidität (mehrere Erkrankungen bestehen gleichzeitig)
Vorteile
- Langsame, stabile Gewichtsreduktion
- Gute Langzeitadhärenz (Umsetzbarkeit)
- Hohe Alltagstauglichkeit
- Integration von Bewegung und Verhaltensänderung
- Soziale Unterstützung
Nachteile
- Kostenpflichtiges Programm
- Abhängigkeit vom Punktesystem
- Keine automatische Nährstoffoptimierung
- Einschränkung hochwertiger Fettquellen
Wissenschaftliche Einordnung
Randomisierte kontrollierte Studien und Meta-Analysen zeigen, dass strukturierte Programme wie Weight Watchers im Vergleich zu unstrukturierten Ansätzen oder Standardberatung zu einem moderaten, aber signifikanten Gewichtsverlust führen. Besonders gut untersucht ist die Überweisung in ein kommerzielles Programm im Primärversorgungssetting, bei der Weight Watchers der Standardversorgung überlegen war [6].
Internationale Leitlinien bewerten solche Programme als mögliche Option bei Erwachsenen mit Übergewicht, betonen jedoch die Notwendigkeit individueller Anpassung und ggf. erforderlicher ärztlicher Begleitung [1, 2].
Fazit
Weight Watchers stellt eine leitlinienkongruente, alltagstaugliche Form der energiereduzierten Mischkost dar. Kurzfristig ist eine moderate Gewichtsreduktion gut erreichbar, langfristig hängt der Erfolg maßgeblich von der individuellen Lebensmittelauswahl, dem Ernährungswissen und der Nachhaltigkeit der Verhaltensänderung ab. Im Vergleich zu restriktiven Diäten bietet das Konzept eine hohe Flexibilität, jedoch keine automatisch ausgewogene Nährstoffversorgung.
Literatur
- Wharton S, Lau DCW, Vallis M et al.: Obesity in adults: a clinical practice guideline. CMAJ. 2020;192(31):E875-E891. doi: 10.1503/cmaj.191707.
- Jensen MD, Ryan DH, Apovian CM et al.: 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Practice Guidelines and The Obesity Society. Circulation. 2014;129(25 Suppl 2):S102-S138. doi: 10.1161/01.cir.0000437739.71477.ee.
- Butryn ML, Webb V, Wadden TA: Behavioral treatment of obesity. Psychiatr Clin North Am. 2011;34(4):841-859. doi: 10.1016/j.psc.2011.08.006.
- Hassan Y, Head V, Jacob D et al.: Lifestyle interventions for weight loss in adults with overweight or obesity: a systematic review. Clin Obes. 2016 Dec;6(6):395-403. doi: 10.1111/cob.12161.
- Gudzune KA, Doshi RS, Mehta AK et al.: Efficacy of commercial weight-loss programs: An Updated Systematic Review. Ann Intern Med. 2015;162(7):501-512. doi: 10.7326/M14-2238.
- Jebb SA, Ahern AL, Olson AD et al.: Primary care referral to a commercial provider for weight loss treatment versus standard care: a randomised controlled trial. Lancet. 2011;378(9801):1485-1492. doi: 10.1016/S0140-6736(11)61344-5.
- Weight Watchers Deutschland: Weight Watchers – Das offizielle Kochbuch. 600 Rezepte für jeden Tag. München: Zabert Sandmann; 2018.
- Weight Watchers Deutschland: Der offizielle Weight-Watchers-Ratgeber. Abnehmen mit System. München: Zabert Sandmann; 2017.