Optifast-Programm

Das Optifast-Programm ist ein strukturiertes, medizinisch begleitetes Gewichtsreduktionsprogramm für Menschen mit Adipositas. Es basiert auf dem zeitlich begrenzten Einsatz von standardisierten Mahlzeitenersatzprodukten im Sinne einer sehr niedrigkalorischen Formuladiät (Total Diet Replacement, TDR bzw. VLCD), ergänzt durch Bewegungs- und verhaltensmedizinische Module. Ziel ist eine rasche, klinisch relevante Gewichtsreduktion unter kontrollierten Bedingungen.

Einzuordnen ist das Optifast-Programm als therapeutische Diät mit krankheitsbezogener Indikation.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Formuladiäten werden seit mehreren Jahrzehnten als Bestandteil der medizinischen Adipositastherapie eingesetzt. Im Unterschied zu früheren sehr restriktiven Diäten zeichnen sich moderne VLCD- und TDR-Programme durch eine definierte Zusammensetzung essentieller Makro- und Mikronährstoffe (Hauptnähr- und Vitalstoffe) sowie durch ein systematisches medizinisches Monitoring aus. Dadurch sollen Risiken wie Elektrolytstörungen oder Mangelzustände reduziert werden.

Aktuelle Leitlinien und Übersichtsarbeiten ordnen sehr niedrigkalorische Formuladiäten als optionale Intervention innerhalb eines gestuften Therapieansatzes ein, insbesondere bei höhergradiger Adipositas oder ausgeprägten metabolischen Risiken, wenn konventionelle Maßnahmen nicht ausreichend wirksam waren [1-3]. Sie werden dabei ausdrücklich als zeitlich begrenztes Instrument und nicht als dauerhafte Basistherapie verstanden.

Zentrale Annahme ist, dass ein ausgeprägtes Energiedefizit zu einer raschen Reduktion von Körpergewicht und viszeraler Fettmasse (Bauchfett) führt und dadurch kurzfristig metabolische Parameter verbessert. Gleichzeitig wird konsistent betont, dass ohne strukturierte Übergangs- und Erhaltungsstrategien kein nachhaltiger Effekt zu erwarten ist und das Risiko einer erneuten Gewichtszunahme hoch bleibt [2, 4].

Zielsetzung der Diät

Das Optifast-Programm verfolgt primär therapeutische Ziele im Rahmen der medizinischen Adipositasbehandlung. Kurzfristig steht eine deutliche Reduktion von Körpergewicht, BMI (Body-Mass-Index/Körpermassen-Index) und Taillenumfang im Vordergrund, da insbesondere der rasche Abbau viszeraler Fettmasse mit einer schnellen Verbesserung metabolischer Risikoparameter assoziiert ist. Diese frühe Gewichtsabnahme dient nicht nur der Risikoreduktion, sondern auch der Motivation und Therapieadhärenz, da sichtbare Erfolge häufig die Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit erhöhen.

Sekundär werden Verbesserungen glykemischer Parameter wie HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) und Nüchternglucose, des Blutdrucks sowie des Lipidprofils angestrebt. Diese Effekte sind insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes, Prädiabetes oder metabolischem Syndrom klinisch relevant. Ferner zielt das Programm auf eine Reduktion adipositasassoziierter Symptome wie Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Anstrengung), Gelenkbeschwerden und Erschöpfung sowie auf eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität ab.

Langfristig ist das zentrale Ziel nicht die fortgesetzte Gewichtsabnahme, sondern die Stabilisierung des erreichten Gewichts durch den Übergang in eine ausgewogene, alltagstaugliche Ernährung. Die Formuladiät stellt dabei keinen Selbstzweck dar, sondern ein zeitlich begrenztes Instrument, um einen günstigen Ausgangspunkt für nachhaltige Verhaltensänderungen zu schaffen. Ohne eine solche Übergangs- und Erhaltungsstrategie wird der langfristige Nutzen als gering eingeschätzt [1, 6].

Grundprinzipien

Das Optifast-Programm ist strikt phasenbasiert aufgebaut und zeichnet sich durch einen hohen Grad an Strukturierung aus. In der anfänglichen Reduktionsphase werden Mahlzeiten vollständig oder überwiegend durch standardisierte Formulaprodukte ersetzt. Dadurch wird die Energiezufuhr deutlich unter den individuellen Bedarf abgesenkt, während gleichzeitig eine definierte Zufuhr essentieller Makro- und Mikronährstoffe sichergestellt wird. Diese Phase ist zeitlich begrenzt und erfordert eine enge ärztliche Überwachung.

Begleitend erfolgen regelmäßige ärztliche Kontrollen, bei denen Gewichtsentwicklung, Blutdruck, Laborparameter und gegebenenfalls notwendige Anpassungen der Medikation überprüft werden. Parallel dazu werden Schulungen zu Ernährung, Bewegung und Essverhalten durchgeführt. Diese dienen nicht nur der Wissensvermittlung, sondern sollen insbesondere die Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungssignalen, den Umgang mit Essauslösern und die Planung des Alltags verbessern.

In der anschließenden Übergangsphase werden schrittweise konventionelle Lebensmittel eingeführt. Diese Phase gilt als zentral für den langfristigen Erfolg, da hier die Weichen für eine dauerhafte Ernährungsumstellung gestellt werden. Ziel ist ausdrücklich nicht die dauerhafte Nutzung von Mahlzeitenersatzprodukten, sondern der Aufbau eines langfristig tragfähigen Ernährungsmusters auf Basis einer ausgewogenen Mischkost. Die Struktur des Programms soll dabei helfen, einen kontrollierten Übergang zu ermöglichen und Rückfälle in frühere Essgewohnheiten zu vermeiden.

Angestrebte Wirkmechanismen

Der wesentliche Wirkmechanismus des Optifast-Programms ist das ausgeprägte Energiedefizit, das zu einem raschen Abbau von Körperfett führt. Besonders betroffen ist dabei die viszerale Fettmasse (Bauchfett), deren Reduktion eng mit einer Verbesserung kardiometabolischer Risikofaktoren (Gesundheitsfaktoren, die das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen sowie für Stoffwechselerkrankungen erhöhen) assoziiert ist. In der Folge kommt es häufig zu einer gesteigerten Insulinsensitivität, einer Abnahme der Nüchternglucose- und HbA1c-Werte sowie zu günstigen Veränderungen des Lipidstoffwechsels, insbesondere einer Senkung der Triglyceride und des LDL-Cholesterins [2, 3, 5].

Ebenso werden kurzfristig Veränderungen inflammatorischer (entzündlicher) Parameter beobachtet, die mit der Reduktion der Fettmasse und der verbesserten metabolischen Situation in Zusammenhang stehen. Auch hämodynamische Effekte wie eine Senkung des Blutdrucks lassen sich teilweise bereits in den ersten Wochen der Intervention nachweisen. Diese Effekte gelten als pathophysiologisch plausibel und sind in der Literatur für sehr niedrigkalorische Diäten konsistent beschrieben.

Demgegenüber werden vereinfachende Erklärungsmodelle, etwa die Vorstellung eines dauerhaften „Stoffwechsel-Resets“ oder einer nachhaltigen hormonellen Neuprogrammierung, nicht durch hochwertige Evidenz gestützt. Die beobachteten metabolischen Verbesserungen sind überwiegend als direkte Folge des Energiedefizits und des Gewichtsverlusts zu interpretieren und nicht als eigenständiger, vom Gewicht unabhängiger Effekt der Formuladiät. Entsprechend wird in der Fachliteratur betont, dass diese Wirkmechanismen ohne langfristige Stabilisierung des Körpergewichts nicht dauerhaft bestehen bleiben [4].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m²)
  • Erwachsene mit BMI ≥ 27 kg/m² und relevanten Komorbiditäten wie Typ-2-Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck) oder Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung)
  • Personen mit ausgeprägter viszeraler Adipositas (Übergewicht durch Fettansammlungen im Bauchraum) und hohem kardiometabolischem Risiko
  • Präoperative Gewichtsreduktion vor bariatrischen Eingriffen (chirurgische Eingriffe im Bauchraum)

Eingeschränkte Eignung

  • Ältere Menschen mit erhöhtem Risiko für Sarkopenie (Verlust von Muskelmasse und -kraft)
  • Personen mit hoher körperlicher oder beruflicher Belastung
  • Patientinnen und Patienten mit komplexer Multimedikation

Nicht geeignet

  • Kinder und Jugendliche
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen
  • Schwere internistische oder psychiatrische Erkrankungen ohne enge ärztliche Kontrolle

Das Programm ist klar indikationsgebunden und nicht für präventive oder kosmetische Anwendungen vorgesehen.

Durchführung und Ablauf der Diät

Der Ablauf des Optifast-Programms folgt einem klar phasenbasierten Schema. Die angegebenen Zeiträume stellen typische Orientierungswerte dar und können je nach Ausgangsgewicht, Komorbiditäten und individuellem Verlauf variieren. Entscheidend für den langfristigen Erfolg ist nicht die Dauer der Reduktionsphase allein, sondern insbesondere die ausreichend gestaltete Übergangs- und Nachsorgephase.

Vorbereitungsphase (ca. 1-2 Wochen)

  • Medizinische Eingangsuntersuchung mit Anamnese, körperlicher Untersuchung und Basislabordiagnostik
  • Erfassung von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Medikation und möglichen Kontraindikationen
  • Aufklärung über Zielsetzung, Ablauf, Nutzen und Grenzen des Programms
  • Festlegung realistischer kurz- und mittelfristiger Ziele
  • Organisatorische Vorbereitung des Alltags, einschließlich fester Einnahmezeiten, Vorratshaltung der Produkte und Planung sozialer oder beruflicher Situationen

Reduktionsphase (meist 8-12 Wochen, je nach Programmstruktur auch länger)

  • Vollständiger oder überwiegender Ersatz der regulären Mahlzeiten durch standardisierte Formulaprodukte
  • Deutlich reduzierte tägliche Energiezufuhr
  • Konsequente Einhaltung der vorgegebenen Struktur erforderlich
  • Regelmäßige ärztliche Kontrollen mit Überprüfung von Gewicht, Blutdruck, subjektivem Befinden und ggf. Laborparametern
  • Anpassung von Antidiabetika (blutzuckersenkende Medikamente) und Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) bei Bedarf
  • Begleitende Schulungen zu Ernährung, Essverhalten, Bewegung und Rückfallprävention
  • Integration moderater körperlicher Aktivität zur Begrenzung von Muskelabbau

Übergangsphase (ca. 4-6 Wochen)

  • Schrittweise Wiedereinführung konventioneller Lebensmittel
  • Reduktion der Anzahl der Formulaprodukte
  • Training von Portionsgrößen, Mahlzeitenstruktur und Lebensmittelauswahl
  • Fokus auf eiweißreiche, energiearme und ballaststoffreiche Kost
  • Enge Begleitung zur Reduktion des Rückfallrisikos

Stabilisierungs- und Nachsorgephase (mehrere Monate bis langfristig)

  • Übergang in eine ausgewogene, alltagstaugliche Mischkost
  • Ziel ist die Gewichtsstabilisierung, nicht eine weitere forcierte Gewichtsabnahme
  • Festigung erlernter Verhaltens- und Bewegungsstrategien
  • Regelmäßige Gewichtskontrollen und ärztliche Verlaufskontrollen
  • Bei Bedarf erneute ernährungs- oder verhaltensmedizinische Interventionen

Die Durchführung erfolgt in der Regel ambulant unter ärztlicher Aufsicht. Eine dauerhafte Anwendung der Formuladiät ist nicht vorgesehen. Der nachhaltige Nutzen des Programms hängt entscheidend von der konsequenten Umsetzung der Übergangs- und Nachsorgephase ab.

Empfohlene Lebensmittel

  • Standardisierte Mahlzeitenersatzprodukte während der Reduktionsphase
  • Wasser, ungesüßter Tee, schwarzer Kaffee
  • In der Übergangsphase schrittweise Einführung proteinreicher, energiearmer Lebensmittel
  • Bevorzugung ballaststoffreicher Gemüse- und Vollkornprodukte in der Stabilisierungsphase

Ziel ist der Übergang in eine ausgewogene Mischkost.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

  • Konventionelle feste Lebensmittel während der vollständigen Formula-Phase
  • Zuckerreiche Getränke und Süßwaren
  • Stark verarbeitete, energiedichte Produkte
  • Alkohol
  • Große Portionen und häufige Snacks in späteren Phasen

Die Einschränkungen dienen der Energiekontrolle und Gewichtsstabilisierung.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Eine erfolgreiche Umsetzung des Optifast-Programms profitiert von einer klaren Tagesstruktur. Bewährt haben sich feste Einnahmezeiten der Formulaprodukte, idealerweise orientiert an klassischen Mahlzeitenzeiten. Dadurch lassen sich Hungerphasen besser antizipieren und impulsives Essen vermeiden. Viele Teilnehmende berichten, dass das bewusste Trinken von Wasser oder ungesüßtem Tee zwischen den Einnahmezeiten hilft, Hungergefühle und Gewohnheitsappetit zu reduzieren.

Im beruflichen Alltag ist eine vorausschauende Planung entscheidend. Termine sollten, wenn möglich, nicht direkt mit Mahlzeiten verbunden werden. Für unvermeidbare soziale Situationen wie Geschäftsessen oder Familienfeiern ist es hilfreich, vorab eine klare Strategie festzulegen, etwa die vorherige Einnahme eines Formulaprodukts oder die bewusste Entscheidung, nur kalorienfreie Getränke zu konsumieren. Offene Kommunikation im nahen Umfeld kann zusätzlichen sozialen Druck reduzieren.

Während der Reduktionsphase spielen Einkauf und Kochen eine untergeordnete Rolle, was für viele eine Entlastung darstellt. Spätestens in der Übergangsphase sollte jedoch bewusst mit dem Aufbau einer geeigneten Vorratshaltung begonnen werden. Empfehlenswert ist eine begrenzte Auswahl an eiweißreichen, energiearmen Grundnahrungsmitteln, um spontane Fehlentscheidungen zu vermeiden. Einfache, wiederkehrende Mahlzeitenstrukturen erleichtern den Übergang und fördern die langfristige Adhärenz.

Bewegung sollte frühzeitig und realistisch integriert werden. Bereits regelmäßige Spaziergänge oder leichte Alltagsaktivitäten tragen dazu bei, Muskelabbau zu begrenzen und das Körpergefühl zu verbessern. Intensive Trainingsprogramme sind in der Reduktionsphase nicht erforderlich und können kontraproduktiv sein. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Intensität.

Mentale Aspekte sind für den langfristigen Erfolg zentral. Realistische Erwartungen an den Gewichtsverlauf, das Akzeptieren kurzfristiger Stagnationen und ein konstruktiver Umgang mit Rückschlägen reduzieren Frustration. Besonders hilfreich ist es, typische emotionale Essauslöser wie Stress, Langeweile oder soziale Situationen früh zu identifizieren und alternative Strategien zu entwickeln. Ohne eine bewusste Auseinandersetzung mit diesen Faktoren sinkt die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Gewichtsstabilisierung deutlich.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Kurzfristig gewährleistet das Optifast-Programm eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Makro- und Mikronährstoffen, da die eingesetzten Mahlzeitenersatzprodukte entsprechend den gesetzlichen Vorgaben für Formuladiäten zusammengesetzt sind. Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente werden in standardisierter Form zugeführt, sodass manifeste Mangelzustände während der Reduktionsphase in der Regel vermieden werden [1, 2].

Die Energiezufuhr ist jedoch stark reduziert und liegt deutlich unter dem physiologischen Bedarf, was aus ernährungsmedizinischer Sicht ausschließlich zeitlich begrenzt vertretbar ist [1, 6].

Die Proteinversorgung ist im Vergleich zu vielen anderen Reduktionsdiäten relativ hoch angelegt und zielt auf den Erhalt der fettfreien Körpermasse ab. Dennoch zeigen Studien, dass es insbesondere bei älteren Menschen, bei Personen mit geringer körperlicher Aktivität oder bei vorbestehender Sarkopenie zu einem relevanten Verlust an Muskelmasse kommen kann, wenn keine begleitende Bewegungstherapie erfolgt [3, 5]. Der protektive Effekt der erhöhten Proteinzufuhr ist somit abhängig von Alter, Trainingsstatus und individueller Stoffwechsellage [5].

Ballaststoffe sind im Vergleich zu vollwertigen, lebensmittelbasierten Ernährungsformen deutlich reduziert. Dies kann sich auf die Darmfunktion, das Sättigungsempfinden und die intestinale Mikrobiota auswirken [2, 5]. Klinisch relevant sind dabei insbesondere Obstipationstendenzen (Neigung zu Verstopfung) sowie eine veränderte Hunger-Sättigungs-Regulation, die in der Übergangsphase zu vermehrtem Appetit führen kann, wenn keine gezielte Anpassung erfolgt [4].

Langfristig ist das Optifast-Programm allein nicht geeignet, eine ausgewogene und bedarfsdeckende Ernährung sicherzustellen. Die ernährungsphysiologische Qualität der Gesamttherapie hängt entscheidend davon ab, wie konsequent und qualitativ hochwertig die anschließende Ernährungsumstellung umgesetzt wird [1, 4, 6]. Ohne diesen Übergang bleibt der Nutzen auf die kurzfristige Gewichtsreduktion begrenzt.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Ein rascher Gewichtsverlust ist mit spezifischen medizinischen Risiken verbunden. Besonders relevant ist die erhöhte Gallensteinbildung, die bei sehr niedrigkalorischer Ernährung durch veränderte Gallenzusammensetzung und reduzierte Gallenblasenmotilität begünstigt wird [4, 6]. Darüber hinaus können orthostatische Hypotonie (vorübergehender Blutdruckabfall beim Aufstehen), Schwindel, Müdigkeit, Kältegefühl und allgemeine Leistungseinbußen auftreten, insbesondere in den ersten Wochen der Reduktionsphase [1, 2].

Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) sind nicht selten und umfassen Obstipation, seltener Diarrhoe (Durchfall) oder unspezifische abdominale Beschwerden. Diese sind in der Regel auf die reduzierte Ballaststoffzufuhr, die veränderte Nahrungsstruktur und eine teilweise verminderte Flüssigkeitsaufnahme zurückzuführen [2, 5]. Eine ausreichende Hydrierung (Flüssigkeitszufuhr) ist daher essentiell [1].

Bei Menschen mit Diabetes mellitus besteht ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen), insbesondere zu Beginn der Reduktionsphase. Eine engmaschige ärztliche Überwachung und zeitnahe Anpassung der antidiabetischen Medikation sind zwingend erforderlich [6]. Auch bei antihypertensiver Therapie sind Dosisreduktionen häufig notwendig, da Blutdruckwerte unter der Kalorienrestriktion rasch abfallen können. Elektrolytverschiebungen treten bei sachgerechter Durchführung selten auf, können jedoch bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr oder bei vorbestehenden Erkrankungen klinisch relevant werden [1, 2].

Langfristig stellt das hohe Risiko einer erneuten Gewichtszunahme eine der zentralen Herausforderungen dar. Ohne strukturierte Übergangs- und Stabilisierungsphase ist die Wahrscheinlichkeit eines Jo-Jo-Effekts hoch [4]. Zusätzlich kann die starke Fremdsteuerung des Essverhaltens während der Formulaphase die Entwicklung eigenständiger Ernährungskompetenz beeinträchtigen. Psychologisch kann dies zu Unsicherheit im Umgang mit normalen Lebensmitteln und zu einem erhöhten Rückfallrisiko führen, wenn keine gezielte Nachbetreuung erfolgt [3, 4].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
  • Schwere Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Unbehandelte schwere psychiatrische Erkrankungen

Relative Kontraindikationen

  • Gicht
  • Herzrhythmusstörungen
  • Chronische Nierenerkrankungen im frühen Stadium
  • Multimedikation mit hohem Anpassungsbedarf

Eine ärztliche Abklärung ist zwingend erforderlich.

Vorteile

  • Rasche und klinisch relevante Gewichtsreduktion
  • Kurzfristige Verbesserung metabolischer Parameter
  • Klare Struktur und hohe Anfangsmotivation
  • Medizinische Betreuung
  • Etablierter Einsatz im klinischen Kontext

Nachteile

  • Stark restriktives, alltagsfernes Ernährungskonzept
  • Begrenzte Langzeitumsetzbarkeit
  • Hohes Rückfall- und Jo-Jo-Risiko ohne Nachsorge
  • Kein belegter Produktvorteil gegenüber anderen Formuladiäten
  • Gefahr einer verzögerten Entwicklung eigenständiger Ernährungskompetenz

Wissenschaftliche Einordnung

Die verfügbare Studienlage zeigt konsistent, dass sehr niedrigkalorische Diäten und strukturierte Meal-Replacement-Programme bei Menschen mit Adipositas zu einer ausgeprägten kurzfristigen Gewichtsreduktion führen können. Randomisierte kontrollierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten belegen, dass der anfängliche Gewichtsverlust unter VLCD- oder TDR-Bedingungen in der Regel höher ausfällt als unter konventionellen energiereduzierten Diäten [2, 4]. Dieser Effekt betrifft insbesondere die Reduktion der Fettmasse und ist häufig mit einer raschen Verbesserung metabolischer Risikoparameter verbunden.

Leitlinien europäischer und internationaler Fachgesellschaften erkennen VLCD- und TDR-Programme als mögliche Therapieoption innerhalb eines gestuften Behandlungsansatzes an [1, 6]. Ihr Einsatz wird vor allem bei höhergradiger Adipositas, bei ausgeprägten kardiometabolischen Risiken oder nach wiederholtem Versagen weniger restriktiver Maßnahmen diskutiert. Gleichzeitig wird in Leitlinien ausdrücklich darauf hingewiesen, dass diese Programme nur unter ärztlicher Aufsicht und zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollen. Eine pauschale oder unkritische Anwendung wird nicht empfohlen.

Studien zeigen, dass ohne strukturierte Nachsorge ein Großteil des initialen Gewichtsverlusts innerhalb von ein bis zwei Jahren wieder verloren geht [4]. In diesem Kontext wird die Formuladiät überwiegend als therapeutisches Werkzeug zur Initialisierung eines Gewichtsverlusts bewertet, nicht jedoch als eigenständige oder dauerhafte Lösung der Adipositasproblematik.

Fazit

Das Optifast-Programm ist kein unsinniges Verfahren, sondern ein klar definiertes, medizinisch eingesetztes Instrument zur kurzfristigen Gewichtsreduktion bei Adipositas. Bei sorgfältiger Indikationsstellung und ärztlicher Begleitung kann es zu einer relevanten Reduktion von Körpergewicht und viszeraler Fettmasse führen und metabolische Risikofaktoren zeitnah verbessern.

Gleichzeitig handelt es sich nicht um ein nachhaltiges Ernährungskonzept im engeren Sinne. Ohne eine konsequente Ernährungsumstellung, Verhaltensänderung und langfristige Nachsorge überwiegen die Nachteile, insbesondere das hohe Rückfall- und Jo-Jo-Risiko. Der therapeutische Nutzen liegt daher in der zeitlich begrenzten Anwendung mit klar definierter Übergangsstrategie in eine ausgewogene, alltagstaugliche Mischkost.

Als kurzfristiges therapeutisches Werkzeug innerhalb eines strukturierten Gesamtkonzepts ist das Optifast-Programm vertretbar. 

Literatur

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  3. Wadden TA, Tronieri JS, Butryn ML: Lifestyle modification approaches for the treatment of obesity in adults. Am Psychol. 2020 Feb-Mar;75(2):235-251. doi: 10.1037/amp0000517.
  4. Franz MJ, VanWormer JJ, Crain AL et al.: Weight-Loss Outcomes: A Systematic Review and Meta-Analysis of Weight-Loss Clinical Trials with a Minimum 1-Year Follow-Up. November 2007Journal of the American Dietetic Association 107(10):1755-67. doi: 10.1016/j.jada.2007.07.017.
  5. Hall KD, Guo J: Obesity Energetics: Body Weight Regulation and the Effects of Diet Composition. Gastroenterology. 2017 May;152(7):1718-1727.e3. doi: 10.1053/j.gastro.2017.01.052.
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