Brigitte-Diät
Die Brigitte-Diät ist ein strukturiertes, kalorienreduziertes Ernährungskonzept, das auf einer ausgewogenen Mischkost basiert und eine tägliche Energiezufuhr von etwa 1.200 kcal vorsieht. Sie kombiniert vorgeplante Mahlzeiten, alltagstaugliche Rezepte und begleitende Bewegungsempfehlungen mit dem Ziel einer moderaten, kontinuierlichen Gewichtsreduktion.
Charakteristisch ist der Verzicht auf strikte Lebensmittelverbote zugunsten einer mengenbezogenen Steuerung der Nahrungsaufnahme. Die Auswahl der Lebensmittel orientiert sich an klassischen ernährungsphysiologischen Grundsätzen und soll innerhalb des begrenzten Kalorienrahmens eine möglichst vollständige Nährstoffversorgung gewährleisten.
Die Brigitte-Diät ist als präventive Ernährungsform und Lifestyle-orientiertes Gewichtsreduktionsprogramm einzuordnen. Sie stellt keine krankheitsspezifische, leitliniengestützte therapeutische Diät dar, sondern richtet sich an gesunde Erwachsene mit Übergewicht, die mithilfe klarer Strukturen ihr Ess- und Bewegungsverhalten verändern möchten.
Die wissenschaftliche Einordnung stützt sich nicht auf Studien zum markenspezifischen Programm, sondern auf die Evidenz zu kalorienreduzierter Mischkost, Lebensstilinterventionen und dem Prinzip niedriger Energiedichte [1-5].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Die Brigitte-Diät wurde in den 1960er-Jahren von der deutschen Frauenzeitschrift Brigitte entwickelt und seither regelmäßig aktualisiert. Zu Beginn jedes Jahres werden neue Rezepte und Diätprogramme veröffentlicht, die redaktionell begleitet werden. Seit 2005 ergänzt ein kostenpflichtiger Online-Diät-Coach das Angebot und ermöglicht individualisierte Ernährungs- und Bewegungspläne sowie eine digitale Verlaufsdokumentation.
Ernährungswissenschaftlich basiert das Konzept auf dem Modell der Energiebilanz, nach dem eine negative Energiebilanz Voraussetzung für Gewichtsreduktion ist [1]. Ergänzend greift die Brigitte-Diät das Prinzip der niedrigen Energiedichte auf, wonach Lebensmittel mit hohem Volumen und geringer Kalorienmenge das Sättigungsgefühl verbessern und die spontane Energieaufnahme reduzieren können [2].
Zielsetzung der Diät
Ziel der Brigitte-Diät ist die Reduktion des Körpergewichts durch eine kontrollierte Kalorienzufuhr und die Förderung eines langfristig gesundheitsorientierten Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. Die Diät richtet sich primär an gesunde Erwachsene mit Übergewicht und dient nicht der gezielten Behandlung spezifischer Erkrankungen. Kurzfristig soll eine moderate, kontinuierliche Gewichtsabnahme erreicht werden, langfristig die Etablierung ausgewogener Essgewohnheiten und regelmäßiger körperlicher Aktivität.
Grundprinzipien
Das zentrale Grundprinzip der Brigitte-Diät ist die Erzeugung einer negativen Energiebilanz durch eine fest definierte Kalorienzufuhr von etwa 1.200 kcal pro Tag. Diese Kalorienrestriktion wird nicht primär über Hunger oder Mahlzeitenverzicht erreicht, sondern über die gezielte Auswahl energiearmer, volumenreicher Lebensmittel. Das Konzept der niedrigen Energiedichte spielt hierbei eine zentrale Rolle und wird durch ein Ampelsystem zur Orientierung im Alltag unterstützt [2].
Die Makronährstoffverteilung (Verteilung der Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fette, Proteine) ist ausgewogen und entspricht in etwa den Empfehlungen einer klassischen Mischkost. Die Mahlzeitenstruktur umfasst drei Hauptmahlzeiten und einen Snack pro Tag, wobei die zeitliche Verteilung flexibel gehandhabt wird. Lebensmittel sind grundsätzlich erlaubt, entscheidend ist die Portionsgröße. Ergänzend wird regelmäßige körperliche Aktivität als integraler Bestandteil des Konzepts verstanden, mit einem Fokus auf Alltagsbewegung sowie ergänzendem Kraft- und Ausdauertraining.
Angestrebte Wirkmechanismen
Die Brigitte-Diät wirkt primär über eine Reduktion der täglichen Energiezufuhr bei gleichzeitig ausreichendem Nahrungsvolumen. Lebensmittel mit niedriger Energiedichte ermöglichen eine höhere Sättigung bei geringerer Kalorienaufnahme [2].
Ergänzend erhöht körperliche Aktivität den Energieverbrauch und unterstützt den Erhalt der fettfreien Körpermasse [1, 3].
Diese Mechanismen sind für Lebensstilinterventionen gut belegt, jedoch nicht spezifisch für das markengebundene Brigitte-Programm untersucht [4, 5].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Die Brigitte-Diät richtet sich an Erwachsene, die eine strukturierte und alltagstaugliche Gewichtsreduktion anstreben.
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit leichtem bis moderatem Übergewicht
- Personen, die feste Mahlzeitenpläne bevorzugen
- Personen ohne relevante Stoffwechsel- oder Essstörungen
Eingeschränkte Eignung
- Sehr körperlich aktive Personen mit hohem Energiebedarf
- Ältere Menschen mit erhöhtem Protein- oder Mikronährstoffbedarf
- Schwangere und Stillende
Ausschlusskriterien
- Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht, Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)
- Untergewicht
- Erkrankungen mit erhöhtem Energie- oder Nährstoffbedarf
Bei Vorerkrankungen ist eine ärztliche Beratung empfehlenswert.
Praktische Umsetzung im Alltag
Die praktische Umsetzung der Brigitte-Diät erfolgt über vorgeplante Rezepte, strukturierte Tages- und Wochenpläne sowie detaillierte Einkaufslisten. Diese Hilfsmittel sollen die Alltagsintegration erleichtern und die Einhaltung der Kalorienvorgaben unterstützen. Die Rezepte sind so konzipiert, dass sie eine hohe Nährstoffdichte bei vergleichsweise niedriger Energiedichte aufweisen und ohne spezielle Diätprodukte umsetzbar sind.
Der kostenpflichtige Online-Diät-Coach ermöglicht eine individuelle Anpassung der Speisepläne unter Berücksichtigung persönlicher Vorlieben, Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Zusätzlich werden Bewegungsempfehlungen, Nährwertanalysen und eine Dokumentation des Gewichtsverlaufs angeboten. Der Austausch mit anderen Teilnehmenden kann die Motivation fördern.
Die empfohlene Dauer der Diät beträgt etwa acht Wochen. Für eine nachhaltige Wirkung ist anschließend eine schrittweise Überführung in eine langfristig bedarfsgerechte Ernährung erforderlich, da die dauerhaft niedrige Energiezufuhr nicht für alle Personengruppen geeignet ist.
Empfohlene Lebensmittel
Die Brigitte-Diät empfiehlt eine Lebensmittelauswahl, die eine hohe Nährstoffdichte bei gleichzeitig niedriger Energiedichte aufweist, um die Kalorienzufuhr zu begrenzen und das Sättigungsgefühl zu unterstützen.
- Gemüse und Salate in großer Menge
- Obst in moderaten Portionen
- Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Haferflocken und Naturreis
- Fettarme Milchprodukte
- Mageres Fleisch, Fisch und Hülsenfrüchte als Eiweißquellen
- Pflanzliche Öle, insbesondere Raps- und Olivenöl, in begrenzter Menge
- Ungesüßte, kalorienfreie Getränke wie Wasser und Kräutertee
Diese Lebensmittelauswahl soll eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen innerhalb der vorgegebenen Kalorienmenge ermöglichen.
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Zur Reduktion der Energiedichte und zur Einhaltung der Kalorienvorgabe werden bestimmte Lebensmittelgruppen eingeschränkt, ohne sie grundsätzlich zu verbieten.
- Stark fettreiche Speisen
- Zuckerreiche Getränke und Süßwaren
- Alkoholische Getränke
- Stark verarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte
- Häufiger Konsum von Fast Food und Fertigprodukten
Der Schwerpunkt liegt nicht auf einem vollständigen Ausschluss, sondern auf einer bewussten Mengenbegrenzung dieser Lebensmittel.
Praktische Hinweise zur Umsetzung
Für eine erfolgreiche und alltagstaugliche Umsetzung der Brigitte-Diät sind organisatorische und praktische Aspekte entscheidend.
- Strukturierte Einkaufs- und Mahlzeitenplanung zur besseren Kontrolle der Kalorienzufuhr
- Nutzung von Wochenplänen und vorbereiteten Einkaufslisten zur Zeitersparnis
- Bevorzugung fettarmer Zubereitungsarten wie Dünsten, Dämpfen, Garen oder Grillen
- Bewusster Umgang mit Portionsgrößen, insbesondere bei energiereicheren Lebensmitteln
- Regelmäßige Integration von Bewegung in den Alltag, z. B. durch Treppensteigen, Gehen oder Radfahren
- Ergänzung der Alltagsbewegung durch gezielte Kraft- und Ausdaueraktivitäten
- Vermeidung stark kalorienhaltiger Getränke zugunsten von Wasser und ungesüßten Tees
- Realistische Zielsetzung zur Förderung der Motivation und Vermeidung von Frustration
Diese Maßnahmen unterstützen die Einhaltung der Diätvorgaben und erleichtern die Überführung in langfristig stabile Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die Brigitte-Diät entspricht in ihrer Zusammensetzung grundsätzlich den Prinzipien einer ausgewogenen Mischkost. Die Makronährstoffverteilung von etwa 50 % Kohlenhydraten, 20 % Protein und 30 % Fett liegt im Bereich gängiger ernährungswissenschaftlicher Empfehlungen. Der hohe Anteil an Gemüse und Obst trägt zu einer guten Versorgung mit Ballaststoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen bei.
Kurzfristig ist bei sorgfältiger Lebensmittelauswahl eine ausreichende Mikronährstoffzufuhr in der Regel gewährleistet.
Aufgrund der niedrigen Gesamtenergiezufuhr besteht jedoch insbesondere bei längerer Anwendung ein erhöhtes Risiko für Defizite, vor allem bei Calcium, Eisen, Vitamin D, Jod sowie essentiellen Fettsäuren.
Die Proteinzufuhr kann bei körperlich aktiven Personen oder älteren Menschen an der unteren Grenze des Bedarfs liegen, was langfristig den Erhalt der Muskelmasse beeinträchtigen kann.
Die Energiezufuhr von 1.200 kcal pro Tag ist für viele Erwachsene deutlich unterhalb des individuellen Gesamtenergiebedarfs. Kurzfristig kann dies eine effektive Gewichtsreduktion ermöglichen, langfristig ist diese Energiezufuhr jedoch nicht als vollwertige Dauerernährung geeignet [1, 3, 6].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Die medizinischen Risiken der Brigitte-Diät ergeben sich primär aus der anhaltenden Kalorienrestriktion. Kurzfristig können Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten, insbesondere in der Anpassungsphase. Bei unzureichender Proteinzufuhr besteht das Risiko eines Verlusts fettfreier Körpermasse.
Bei längerer Anwendung kann es zu Mikronährstoffmängeln kommen, die sich unter anderem in Knochendichteverlust, Anämie oder immunologischen Beeinträchtigungen äußern können. Bei prädisponierten Personen sind hormonelle Veränderungen, Zyklusstörungen oder eine Verschlechterung bestehender Essstörungen möglich.
Diese Risiken unterstreichen, dass die Brigitte-Diät zeitlich begrenzt angewendet und bei längerer Durchführung oder bei Vorerkrankungen ärztlich begleitet werden sollte. Leitlinien zur Adipositasbehandlung betonen die Bedeutung einer individuellen Anpassung der Energiezufuhr und einer langfristig ausgewogenen Ernährung [3, 6].
Kontraindikationen
Die Brigitte-Diät ist nicht für alle Personengruppen geeignet.
Absolute Kontraindikationen
- Essstörungen
- Untergewicht
- Schwangerschaft und Stillzeit
Relative Kontraindikationen (mit Monitoringbedarf)
- Chronische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus Typ 2, Nierenerkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen, Lebererkrankungen)
- Höheres Lebensalter
- Intensive sportliche Belastung
In diesen Fällen ist eine individuelle Anpassung erforderlich.
Vorteile
Die Brigitte-Diät weist mehrere potentielle Vorteile auf.
- Klare Struktur und gute Alltagstauglichkeit
- Ausgewogene Lebensmittelauswahl
- Förderung nachhaltiger Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten
- Keine strikten Lebensmittelverbote
Sie kann den Einstieg in eine langfristige Lebensstiländerung erleichtern.
Nachteile
Dem Konzept sind auch Grenzen gesetzt.
- Pauschale Kalorienvorgabe ohne Individualisierung
- Relativ hoher Planungs- und Kochaufwand
- Begrenzte Langzeittauglichkeit
- Keine krankheitsspezifische therapeutische Ausrichtung
Die Motivation kann bei langsamem Gewichtsverlust abnehmen.
Wissenschaftliche Einordnung
Für die Brigitte-Diät als markenspezifisches Programm liegen keine eigenständigen randomisierten Studien vor. Die Bewertung stützt sich auf die Evidenz zu kalorienreduzierter Mischkost, Lebensstilinterventionen und niedriger Energiedichte, die in Meta-Analysen und Leitlinien als wirksam zur Gewichtsreduktion beschrieben werden [1-6].
Fazit
Die Brigitte-Diät ist eine strukturierte, ausgewogene und alltagstaugliche Form der kalorienreduzierten Mischkost. Kurzfristig kann sie zu einer moderaten Gewichtsabnahme führen. Langfristig ist sie nur dann sinnvoll, wenn die vermittelten Prinzipien in eine individuell angepasste, bedarfsgerechte Ernährung überführt werden.
Literatur
- Hall KD, Heymsfield SB, Kemnitz JW, Klein S, Schoeller DA, Speakman JR: Energy balance and its components: implications for body weight regulation. Am J Clin Nutr. 2012;95(4):989-994. doi: 10.3945/ajcn.112.036350.
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- Bray GA, Kim KK, Wilding JPH: Obesity: a chronic relapsing progressive disease process. A position statement of the World Obesity Federation. Obes Rev. 2017 Jul;18(7):715-723. doi: 10.1111/obr.12551.
- Tobias DK, Chen M, Manson JE, Ludwig DS, Willett W, Hu FB. Effect of low-fat diet interventions versus other diet interventions on long-term weight change in adults: a systematic review and meta-analysis. Lancet Diabetes Endocrinol. 2015;3(12):968-979. doi: 10.1016/S2213-8587(15)00367-8.
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