Almased-Konzept
Das Almased-Konzept ist ein kommerzielles Mahlzeitenersatz- bzw. Formula-Diät-Programm zur Gewichtsreduktion und Gewichtsstabilisierung. Zentrales Element ist ein proteinreicher Shake, der je nach Phase ein, zwei oder alle drei Hauptmahlzeiten ersetzt. Das Konzept folgt einem vom Hersteller beschriebenen 4-Phasen-Modell mit Start-, Reduktions-, Stabilisations- und Lebensphase. Ziel ist eine strukturierte Kalorienreduktion bei gleichzeitiger Sicherstellung der Nährstoffzufuhr.
Einzuordnen ist das Almased-Konzept als Diät im Sinne einer zeitlich begrenzten Intervention zur Gewichtsreduktion. Wissenschaftlich relevant ist nicht das Produkt selbst, sondern das zugrunde liegende Prinzip des partiellen oder vollständigen Mahlzeitenersatzes (Meal Replacement), das auch in klinischen Leitlinien zur Adipositastherapie beschrieben wird [1, 2].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Almased wurde in Deutschland als Mahlzeitenersatzprodukt entwickelt und wird seit vielen Jahren zur Gewichtsreduktion vermarktet. Die wissenschaftliche Grundlage des Konzepts liegt in der evidenzbasierten Nutzung von Formula-Diäten, die eine definierte Energie- und Nährstoffzufuhr ermöglichen und Entscheidungs- sowie Planungsaufwand reduzieren.
Zentrale physiologische Prinzipien sind die Erzeugung einer negativen Energiebilanz, eine vergleichsweise hohe Proteinzufuhr zur Förderung der Sättigung und zum Erhalt fettfreier Masse sowie die Standardisierung der Nahrungszufuhr zur Verbesserung der Umsetzbarkeit im Alltag. Für diese Mechanismen existiert belastbare Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien und Metaanalysen zu Mahlzeitenersatzprogrammen [1-3].
Zielsetzung der Diät
Primäres Ziel des Almased-Konzepts ist die Reduktion des Körpergewichts durch eine strukturierte, kalorienreduzierte Ernährung. Im medizinischen Kontext wird die Diät vor allem zur Senkung adipositasassoziierter Risikoparameter eingesetzt. Dazu zählen insbesondere der Body-Mass-Index (BMI/Körpermassen-Index), der Taillenumfang als Surrogatmarker (Stellvertreterwert) der viszeralen Adipositas (Bauchfettleibigkeit), der Blutdruck, das Lipidprofil (insbesondere LDL-Cholesterin und Triglyceride) sowie glykämische Marker wie Nüchternglucose und HbA1c (Langzeitblutzuckerwert) [1, 2]. Die Gewichtsreduktion stellt dabei keinen Selbstzweck dar, sondern dient der Reduktion kardiovaskulärer und metabolischer Folgeerkrankungen.
Kurzfristig steht eine rasche Gewichtsabnahme im Vordergrund, die häufig auch eine initiale Motivationssteigerung bewirken soll. Langfristig zielt das Konzept auf eine Gewichtsstabilisierung ab, idealerweise nach Überführung in eine ausgewogene, energieangepasste Mischkost.
Aus leitlinienorientierter Sicht ist der Einsatz von Mahlzeitenersatzprogrammen nur dann sinnvoll, wenn sie in ein umfassendes Behandlungskonzept eingebettet sind, das neben der Ernährung auch Bewegung, Verhaltensänderungen und – bei entsprechender Indikation – eine medizinische Begleitung umfasst [2, 5]. Ohne diese Einbettung ist der langfristige Nutzen begrenzt, da das Risiko für Gewichtsrücknahme nach Beendigung der restriktiven Phase deutlich ansteigt.
Grundprinzipien
Das Almased-Konzept basiert auf dem stufenweisen Ersatz von Mahlzeiten durch einen proteinreichen Shake. In der Startphase werden alle Hauptmahlzeiten ersetzt, wodurch funktionell eine sehr niedrigkalorische Diät erreicht wird. In der Reduktionsphase erfolgt der Ersatz von zwei Mahlzeiten, während in der Stabilisationsphase nur noch eine Mahlzeit pro Tag durch den Shake substituiert wird. Die sogenannte Lebensphase sieht den Shake schließlich optional als Ergänzung oder gelegentlichen Mahlzeitenersatz vor.
Das Konzept ist bewusst einfach strukturiert und reduziert die Komplexität der Ernährungsentscheidung erheblich. In den frühen Phasen wird weitgehend auf feste Nahrung verzichtet, wodurch rasch ein relevantes Kaloriendefizit entsteht. Diese starke Strukturierung kann die kurzfristige Adhärenz verbessern, da Planung, Lebensmittelauswahl und Portionskontrolle stark vereinfacht werden. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass essentielle ernährungsbezogene Kompetenzen – etwa zur Lebensmittelauswahl, Portionsgröße oder Mahlzeitenzusammenstellung – nur unzureichend aufgebaut werden. Dies ist insbesondere für die langfristige Gewichtsstabilisierung von Bedeutung und stellt einen der zentralen Schwachpunkte stark standardisierter Mahlzeitenersatzkonzepte dar.
Angestrebte Wirkmechanismen
Der zentrale Wirkmechanismus des Almased-Konzepts ist die Reduktion der Energiezufuhr durch den Einsatz von Mahlzeitenersatz. Durch die Standardisierung der Mahlzeiten wird ein verlässliches Kaloriendefizit erzeugt, das die Gewichtsabnahme primär erklärt. Ergänzend trägt der vergleichsweise hohe Proteinanteil zur Förderung der Sättigung bei und kann bei energiereduzierter Ernährung zum Erhalt der fettfreien Körpermasse beitragen. Metaanalysen zeigen, dass Meal-Replacement-Strategien im Vergleich zu rein lebensmittelbasierten Reduktionsdiäten im Mittel eine etwas stärkere kurzfristige Gewichtsabnahme erzielen können [1, 2].
Verbesserungen kardiometabolischer Parameter, wie Blutdruck, Lipidprofil oder glykämische Kontrolle, sind überwiegend sekundäre Effekte der Gewichtsreduktion selbst und nicht spezifisch an das Produkt gebunden.
Entscheidend für den klinischen Nutzen bleibt nicht das Produkt, sondern die konsequente Umsetzung des Kaloriendefizits und der erfolgreiche Übergang in eine langfristig tragfähige Ernährungsweise.
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas, bei denen eine strukturierte Gewichtsreduktion angestrebt wird [1, 2]
- Personen mit Prädiabetes oder metabolischem Syndrom (klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Nüchterninsulin-Serumspiegel (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung), sofern keine Kontraindikationen (Begleiterkrankungen) bestehen [1]
- Patienten, die eine anfängliche Gewichtsreduktion als Einstieg in eine längerfristige Lebensstiländerung benötigen [3]
Eingeschränkte Eignung
- Personen mit Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht) oder stark restriktivem Essverhalten [4]
- Ältere Menschen mit Frailty- oder Sarkopenierisiko ohne individuelle Anpassung der Protein- und Energiezufuhr [2]
Die Eignung hängt entscheidend von Indikation, Begleiterkrankungen und geplanter Übergangsstrategie ab.
Durchführung und Ablauf der Diät
Die Durchführung des Almased-Konzepts erfolgt klar phasenstrukturiert. Diese Phasen definieren Art und Ausmaß der Kalorienrestriktion und sind entscheidend für Wirksamkeit, Risiken und Langzeiterfolg. Funktionell entspricht das Vorgehen einer Abfolge von sehr niedrigkalorischer Diät, niedrigkalorischer Diät und anschließender Erhaltungsphase.
Die Phasen werden wie folgt umgesetzt:
- Startphase:
In dieser Phase werden alle drei Hauptmahlzeiten vollständig durch den Almased-Shake ersetzt. Die Energiezufuhr ist stark reduziert und liegt funktionell im Bereich einer sehr niedrigkalorischen Diät. Die Phase ist kurz angelegt (meist wenige Tage bis maximal eine Woche) und dient einer raschen initialen Gewichtsabnahme sowie einer metabolischen Umstellung mit Absenkung der Insulinspiegel. Häufig treten in den ersten Tagen Anpassungsreaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel oder Konzentrationsstörungen auf. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essentiell, wird jedoch häufig unterschätzt. - Reduktionsphase:
In der Reduktionsphase werden zwei Mahlzeiten pro Tag – in der Regel Frühstück und Abendessen – durch den Shake ersetzt. Eine feste Mahlzeit, meist mittags, wird ergänzt. Diese Mahlzeit soll kalorienkontrolliert, eiweißreich und gemüsereich gestaltet sein. Die Reduktionsphase stellt die eigentliche Hauptphase der Gewichtsabnahme dar und kann mehrere Wochen bis Monate dauern. Das Kaloriendefizit ist weiterhin deutlich, jedoch weniger extrem als in der Startphase. In dieser Phase entscheiden sich maßgeblich der tatsächliche Gewichtsverlust sowie die Adhärenz des Konzepts im Alltag [2, 3]. - Stabilisierungsphase:
In dieser Phase wird nur noch eine Mahlzeit pro Tag durch den Shake ersetzt, häufig das Abendessen. Ziel ist die Stabilisierung des erreichten Körpergewichts bei gleichzeitiger schrittweiser Rückkehr zu einer überwiegend lebensmittelbasierten Ernährung. Diese Phase ist aus ernährungsmedizinischer Sicht besonders kritisch, da hier häufig der Übergang von einer stark strukturierten Diät zu weniger kontrollierten Essgewohnheiten erfolgt. Wird die Stabilisierungsphase zu kurz gehalten oder ausgelassen, steigt das Risiko einer Gewichtszunahme deutlich an [2]. - Lebensphase:
Die sogenannte Lebensphase sieht den Shake nur noch optional vor, etwa als gelegentlichen Mahlzeitenersatz oder zur kurzfristigen Gewichtskorrektur. Aus fachlicher Sicht handelt es sich hierbei nicht mehr um eine Diät, sondern um eine Erhaltungsstrategie. Der langfristige Erfolg hängt nun vollständig von der Qualität der alltäglichen Ernährung, der Energiezufuhr und der Lebensstilgestaltung ab. Der Shake kann unterstützend wirken, ersetzt jedoch keine nachhaltige Ernährungsumstellung.
In medizinisch relevanten Situationen ist besondere Vorsicht geboten. Bei Personen mit Diabetes mellitus, insbesondere unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie, besteht in der Start- und frühen Reduktionsphase ein erhöhtes Hypoglykämierisiko (Risiko für Unterzuckerungen). Ebenso können unter antihypertensiver Therapie durch rasche Gewichts- und Volumenreduktion Blutdruckabfälle auftreten. In diesen Fällen ist eine ärztliche Kontrolle mit gegebenenfalls notwendiger Anpassung der Medikation angezeigt [2, 5].
Empfohlene Lebensmittel
- In frühen Phasen: Mahlzeitenersatzshakes als primäre Energiequelle
- In späteren Phasen: Gemüse und Salate, eiweißreiche Lebensmittel (z. B. fettarme Milchprodukte, Fisch, mageres Fleisch, Hülsenfrüchte), moderat komplexe Kohlenhydrate
- Langfristig: ausgewogene, energieangepasste Mischkost entsprechend allgemeinen Ernährungsempfehlungen [2]
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
- Hochverarbeitete, energiedichte Lebensmittel mit hoher Fett- und Zuckerdichte
- Zuckerhaltige Getränke und Alkohol, insbesondere in frühen Phasen
- Unstrukturierte Zwischenmahlzeiten und „Nebenbei-Kalorien“, die das geplante Kaloriendefizit unterlaufen [4]
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
- Feste Zeitanker setzen:
Shakes und Mahlzeiten sollten täglich zu möglichst konstanten Uhrzeiten erfolgen (z. B. Shake 7:00, Mahlzeit 12:30, Shake 18:30). Zeitliche Regelmäßigkeit stabilisiert Hunger-Sättigungs-Signale und reduziert spontanes Snacking. - Shake nicht „nebenbei“ trinken:
Der Shake sollte bewusst als Mahlzeit eingenommen werden (sitzend, ohne Ablenkung). „Trinken im Gehen“ oder am Bildschirm schwächt das Sättigungserleben und erhöht das Risiko zusätzlicher Kalorienaufnahme. - Flüssigkeitszufuhr aktiv planen:
Mindestens 2-2,5 Liter kalorienfreie Getränke pro Tag einplanen, idealerweise mit festen Trinkzielen (z. B. 0,5 l bis 10 Uhr). Kopfschmerzen und Müdigkeit in der Startphase sind häufig Dehydratationszeichen, nicht „Entgiftung“. - Feste Mahlzeit strategisch legen:
In der Reduktionsphase bewährt sich die feste Mahlzeit mittags. Dies erleichtert soziale Integration (Arbeit, Familie) und reduziert abendliche Essimpulse, die bei rein flüssigem Abendkonzept häufig auftreten. - Feste Mahlzeit immer vorplanen:
Die feste Mahlzeit sollte spätestens am Vortag geplant sein (Lebensmittel, Portionsgröße, Zubereitung). Ungeplante Mahlzeiten führen häufig zu überhöhten Kalorienmengen oder ungünstiger Lebensmittelauswahl. - Protein in der festen Mahlzeit priorisieren:
Jede feste Mahlzeit sollte eine klare Proteinquelle enthalten. Das stabilisiert die Sättigung und reduziert Heißhunger zwischen den Shakes, insbesondere in der Reduktions- und Stabilisierungsphase. - Gemüsevolumen gezielt nutzen:
Große Gemüseportionen (roh oder gegart) erhöhen das Volumen der Mahlzeit bei geringer Energiedichte. Das ist besonders wichtig, um das Defizit einzuhalten, ohne dauerhaft Hunger zu tolerieren. - Wochenrhythmus statt Tagesperfektion:
Einzelne Abweichungen (z. B. soziale Anlässe) sind weniger problematisch als ein instabiler Wochenrhythmus. Ziel ist ein verlässliches Grundmuster über 5-6 Tage pro Woche, nicht absolute Konsequenz. - Stabilisierungsphase bewusst verlängern:
Die Stabilisierungsphase sollte mindestens mehrere Wochen dauern. Ein zu schneller Übergang in die Lebensphase ist einer der häufigsten Gründe für Gewichtsrücknahme. - Lebensphase aktiv gestalten:
In der Lebensphase sollte der Shake gezielt eingesetzt werden (z. B. bei stressigen Tagen oder nach Ausnahmen), nicht routinemäßig. Der Fokus liegt jetzt auf lebensmittelbasierter Ernährungskompetenz. - Frühe Warnsignale ernst nehmen:
Wiederkehrender Heißhunger, starke Ermüdung oder zunehmendes Kontrollgefühl über Essen sind Hinweise, dass Energiezufuhr, Makronährstoffverteilung oder Tagesstruktur angepasst werden sollten. - Bewegung realistisch integrieren:
Moderate Alltagsbewegung (z. B. tägliche Spaziergänge) ist in frühen Phasen sinnvoller als intensives Training. Hohe Trainingsumfänge bei sehr niedriger Energiezufuhr erhöhen Erschöpfung und Abbruchrisiko. - Rückkehr zur Normalernährung vorbereiten:
Spätestens in der Stabilisierungsphase sollten 5-10 „Standardmahlzeiten“ definiert sein, die auch nach Beendigung des Programms regelmäßig gegessen werden können. Ohne diesen Schritt ist der Jo-Jo-Effekt sehr wahrscheinlich.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Kurzfristig kann das Almased-Konzept eine rechnerisch ausreichende Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen sicherstellen, da das Produkt standardisiert zusammengesetzt ist und gezielt Proteine sowie ausgewählte Vitamine und Mineralstoffe liefert. Insbesondere in den frühen Phasen ermöglicht der Mahlzeitenersatz eine kontrollierte Energiezufuhr, wodurch ein definiertes Kaloriendefizit erreicht wird. Der relativ hohe Proteinanteil ist dabei grundsätzlich positiv zu bewerten, da er zur Sättigung beiträgt und dem Verlust fettfreier Körpermasse während der Gewichtsabnahme entgegenwirken kann [2].
Gleichzeitig ist die ernährungsphysiologische Qualität des Konzepts stark phasenabhängig zu beurteilen. In der Startphase und teilweise auch in der Reduktionsphase ist die Ernährung nahezu vollständig flüssig und hochgradig monoton. Die Zufuhr ballaststoffreicher Lebensmittel ist in dieser Zeit deutlich eingeschränkt, was sich negativ auf die Darmfunktion, das Mikrobiom und das Sättigungserleben auswirken kann. Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und sekundäre Pflanzenstoffe sind nur in sehr begrenztem Umfang enthalten, sodass die Ernährung zwar „vollständig“, aber nicht „vielfältig“ ist.
Auch wenn die Mikronährstoffzufuhr rechnerisch abgedeckt sein kann, ersetzt dies langfristig keine abwechslungsreiche, lebensmittelbasierte Ernährung. Die ernährungsphysiologische Qualität einer Kost bemisst sich nicht allein an der Summe einzelner Nährstoffe, sondern auch an deren Lebensmittelmatrix, Ballaststoffgehalt, Vielfalt und kulinarischer Integration. Diese Aspekte bleiben in den frühen Phasen des Almased-Konzepts zwangsläufig unberücksichtigt.
Langfristig entscheidend ist daher der Übergang in eine vollwertige, energieangepasste Mischkost. Gelingt dieser Übergang nicht oder wird die Lebensphase faktisch als Dauer-Shake-Diät genutzt, ist das Konzept aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht geeignet, eine nachhaltige Nährstoffversorgung sicherzustellen. Insbesondere Ballaststoffzufuhr, Vielfalt der Proteinquellen und eine angemessene Fettqualität müssen in der Alltagskost aktiv aufgebaut werden, um langfristig gesundheitlich sinnvoll zu sein [2].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Kurzfristig können im Rahmen der starken Kalorienrestriktion verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Dazu zählen Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen sowie gastrointestinale Beschwerden wie Obstipation (Verstopfung) oder Völlegefühl. Diese Symptome sind in der Regel Ausdruck der raschen Ernährungsumstellung, der reduzierten Energiezufuhr und einer häufig unzureichenden Flüssigkeitsaufnahme. Sie sind meist vorübergehend, können jedoch die Adhärenz erheblich beeinträchtigen.
Bei rascher Gewichtsabnahme besteht zudem ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Gallensteinen. Dieses Risiko ist nicht spezifisch für Almased, sondern grundsätzlich für sehr niedrigkalorische Diäten und schnelle Gewichtsverluste beschrieben. Besonders betroffen sind Personen mit starkem Ausgangsübergewicht oder längerer restriktiver Phase [2].
Von besonderer klinischer Relevanz sind mögliche Wechselwirkungen mit bestehenden medikamentösen Therapien. Bei Personen mit Diabetes mellitus kann es unter Insulin oder sulfonylharnstoffhaltiger Therapie durch die reduzierte Energiezufuhr zu Hypoglykämien (Unterzuckerungen) kommen. Ebenso kann es unter antihypertensiver Medikation infolge von Gewichts- und Volumenreduktion zu Blutdruckabfällen kommen, die eine Anpassung der Medikation erforderlich machen. In diesen Fällen ist eine ärztliche Begleitung dringend zu empfehlen [2, 5].
Langfristig liegt das größte Risiko des Almased-Konzepts nicht in akuten Nebenwirkungen, sondern in der fehlenden Nachhaltigkeit. Wird das Programm ohne begleitende Ernährungsumstellung beendet oder als alleinige Strategie betrachtet, besteht ein hohes Risiko für Gewichtsrücknahme bis zum klassischen Jo-Jo-Effekt. Studien zeigen, dass der langfristige Erfolg von Mahlzeitenersatzprogrammen maßgeblich davon abhängt, ob es gelingt, im Anschluss stabile Ernährungs- und Bewegungsroutinen zu etablieren [2, 3]. Ohne diesen Übergang überwiegen langfristig die Nachteile gegenüber dem kurzfristigen Nutzen.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Schwere akute Erkrankungen ohne ärztliche Abklärung
Relative Kontraindikationen (Monitoring erforderlich)
- Diabetes mellitus unter Insulin- oder Sulfonylharnstoff-haltiger Therapie [2, 5]
- Chronische Nierenerkrankungen
- Essstörungen oder ausgeprägtes restriktives Essverhalten [4]
Vorteile
- Klare Struktur und einfache Umsetzung [3]
- Evidenzbasierter Ansatz des Mahlzeitenersatzes [1, 2]
- Kurzfristig wirksame Gewichtsreduktion bei guter Umsetzbarkeit im Alltag [1]
Nachteile
- Sehr restriktive Startphase mit geringem Lerneffekt für nachhaltige Ernährung
- Produktgebunden und kostenabhängig
- Langfristig ohne begleitende Ernährungsumstellung unterlegen gegenüber ausgewogenen Ernährungskonzepten [2, 4]
Wissenschaftliche Einordnung
Die wissenschaftliche Evidenz stützt grundsätzlich den Einsatz von Mahlzeitenersatzprogrammen als eine mögliche Option innerhalb der Adipositastherapie. Systematische Reviews und Metaanalysen zeigen, dass strukturierte Formula-Diäten im Vergleich zu rein lebensmittelbasierten, niedrigkalorischen Diäten im Mittel zu einer etwas stärkeren kurzfristigen Gewichtsabnahme führen können [1, 2]. Dieser Effekt ist jedoch moderat und in hohem Maße abhängig von der Dauer der Intervention, der Intensität der Betreuung sowie von der Qualität der Übergangsstrategie in eine dauerhafte Ernährungsform.
Ein zentraler Punkt der wissenschaftlichen Bewertung ist, dass sich die positiven Effekte nicht spezifisch auf einzelne Produkte zurückführen lassen. Vielmehr handelt es sich um einen Klassen-Effekt von Mahlzeitenersatz- bzw. Formula-Diäten. Für Almased existieren zwar einzelne kontrollierte Studien im Rahmen formula-basierter Programme, ein klarer, reproduzierbarer Zusatznutzen gegenüber anderen vergleichbaren Produkten oder gegenüber strukturierten Lebensstilinterventionen mit ähnlichem Kaloriendefizit ist jedoch nicht belegt [1-3]. Aussagen zu besonderen metabolischen Effekten einzelner Inhaltsstoffe gehen über die aktuelle Evidenz hinaus.
Leitlinien und evidenzbasierte Empfehlungen erkennen Mahlzeitenersatzprogramme als unterstützendes Instrument an, insbesondere bei Personen mit Adipositas, bei denen konventionelle Ernährungsinterventionen wiederholt nicht erfolgreich waren oder bei denen eine initiale Gewichtsreduktion medizinisch indiziert ist. Gleichzeitig wird betont, dass Formula-Diäten kein Ersatz für eine langfristige Lebensstiländerung sind. Ohne eine anschließende, lebensmittelbasierte Ernährungsumstellung und ohne Integration von Bewegung und Verhaltensmodifikation ist der langfristige Nutzen begrenzt, und das Risiko für Gewichtsrücknahme bleibt hoch [2, 5].
Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist Almased daher nicht als eigenständiges Therapiekonzept, sondern als zeitlich begrenztes Hilfsmittel innerhalb eines umfassenderen Behandlungsansatzes einzuordnen. Die wissenschaftliche Plausibilität liegt in der Strukturierung und Kalorienreduktion, nicht in einem produktspezifischen Wirkprinzip.
Fazit
Das Almased-Konzept ist kein unsinniges Verfahren, erfüllt jedoch auch nicht die Kriterien eines nachhaltigen Ernährungskonzepts im engeren Sinne. Kurzfristig kann es durch klare Struktur, starke Kalorienreduktion und hohe Standardisierung zu einer relevanten Gewichtsabnahme beitragen. Diese Effekte sind gut erklärbar und durch die Evidenz zu Mahlzeitenersatzprogrammen grundsätzlich abgesichert [1-3].
Langfristig überwiegen jedoch ohne begleitende Ernährungsumstellung die Nachteile. Das Konzept vermittelt nur begrenzt ernährungsbezogene Kompetenzen, fördert in den frühen Phasen keine Ernährungsvielfalt und birgt bei abruptem Abbruch ein hohes Risiko für Gewichtsrücknahme. Der langfristige Erfolg hängt nahezu vollständig davon ab, ob es gelingt, im Anschluss eine ausgewogene, energieangepasste und alltagstaugliche Ernährung zu etablieren.
Als zeitlich begrenztes Werkzeug zur initialen Gewichtsreduktion kann Almased sinnvoll eingesetzt werden, insbesondere bei klarer Indikation und strukturierter Begleitung. Als dauerhafte Lösung oder als alleinige Strategie zur Gewichtsregulation ist das Konzept aus ernährungsmedizinischer Sicht nicht zu empfehlen. Für eine nachhaltige Prävention und Therapie adipositasassoziierter Erkrankungen sind lebensmittelbasierte, langfristig tragfähige Ernährungskonzepte den Produktdiäten klar überlegen [1-3].
Literatur
- Noronha JC, Nishi SK, Khan TA et al.: Weight management using meal replacements and cardiometabolic risk reduction in individuals with pre-diabetes and features of metabolic syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Obes Rev. 2024;25(7):e13751. doi: 10.1111/obr.13751.
- Edwards-Hampton SA, Ard J: The latest evidence and clinical guidelines for use of meal replacements in very-low-calorie diets or low-calorie diets for the treatment of obesity. Diabetes Obes Metab. 2024;26(Suppl 4):28-38. doi: 10.1111/dom.15819.
- Halle M, Röhling M, Banzer W et al.: Meal replacement by formula diet reduces weight more than a lifestyle intervention alone in patients with overweight or obesity and cardiovascular risk factors – the ACOORH trial. Eur J Clin Nutr. 2021 Apr;75(4):661-669. doi: 10.1038/s41430-020-00783-4.
- Breen C, O’Connell J, Geoghegan J et al. Obesity in adults: a 2022 adapted clinical practice guideline for Ireland. Obes Facts. 2022;15(6):736-752. doi: 10.1159/000527131.
- American Diabetes Association Professional Practice Committee: 8. Obesity and Weight Management for the Prevention and Treatment of Type 2 Diabetes: Standards of Care in Diabetes-2023. Diabetes Care. 2023 Jan 1;46(Suppl 1):S128-S139. doi: 10.2337/dc23-S008.