Sirtfood-Diät

Die Sirtfood-Diät (Synonyme: Surtuinfood-Diät; Sirtuin-Diät; Sirtfood-Programm; Sirtuin-Stoffwechsel-Diät; Sirtuin-aktivierende Diät) ist eine Ernährungs- und Lebensweise, die darauf abzielt, die Aktivität körpereigener Sirtuine durch eine gezielte Lebensmittelauswahl, zeitweise Kalorienrestriktion und körperliche Bewegung zu fördern. Im Mittelpunkt stehen sogenannte „Sirtfoods“, also Lebensmittel mit hohem Gehalt an bestimmten sekundären Pflanzenstoffen, denen eine modulierende Wirkung auf sirtuinabhängige Stoffwechsel- und Zellschutzprozesse zugeschrieben wird.

Sirtuine (SIRT = silence information regulator) sind NAD⁺-abhängige Proteine, die an zentralen zellulären Funktionen wie Energiestoffwechsel, DNA-Reparatur, Entzündungsregulation und Anpassung an Energiemangel beteiligt sind. Das Konzept stützt sich überwiegend auf experimentelle Daten aus Zell- und Tiermodellen. Eine klinisch gesicherte Evidenz beim Menschen fehlt bislang, weshalb die Sirtfood-Diät als präventiv orientiertes Lifestyle-Konzept und nicht als leitliniengestützte therapeutische Diät einzuordnen ist.

Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen

Die Sirtfood-Diät wurde 2016 von den britischen Autoren Aidan Goggins und Glen Matten vorgestellt und popularisiert. Sie basiert auf molekularbiologischen Erkenntnissen zur Rolle der Sirtuine bei Stoffwechselprozessen, Zellschutzmechanismen und Alterungsprozessen [1-5]. Die Übertragung dieser experimentellen Befunde auf ein Ernährungskonzept für den Menschen bildet die theoretische Grundlage der Diät, ist jedoch klinisch bislang nur unzureichend untersucht.

Zielsetzung der Diät

Die Sirtfood-Diät verfolgt das Ziel, durch die gezielte Auswahl sogenannter sirtuinaktivierender Lebensmittel sowie durch zeitweise Kalorienrestriktion und körperliche Aktivität die Aktivität körpereigener Sirtuine zu steigern. Auf dieser Grundlage werden verschiedene potentielle Effekte abgeleitet, darunter eine Unterstützung des Energiestoffwechsels, eine Förderung der mitochondrialen Funktion und -anpassung sowie entzündungshemmende Wirkungen.

Ein weiteres zentrales Ziel ist die Gewichtsreduktion, die nach Darstellung der Befürworter möglichst ohne relevanten Verlust an Muskelmasse erfolgen soll. Darüber hinaus wird spekuliert, dass eine Aktivierung von Sirtuinen langfristig günstige Effekte auf Alterungsprozesse und möglicherweise auf die Langlebigkeit haben könnte, da entsprechende Zusammenhänge in experimentellen Modellen beschrieben wurden.

Grundprinzipien

Die Sirtfood-Diät basiert auf der Annahme, dass bestimmte Lebensmittel („Sirtfoods“) die Aktivität körpereigener Sirtuine beeinflussen können. Entsprechend steht die gezielte Auswahl polyphenolreicher Lebensmittel mit sekundären Pflanzenstoffen wie Resveratrol, Quercetin, Curcumin oder Epigallocatechingallat im Mittelpunkt des Konzepts.

Ein weiteres zentrales Prinzip ist die zeitweise Reduktion der Energiezufuhr, insbesondere zu Beginn der Diät. Diese Kalorienrestriktion soll einen metabolischen Anpassungsreiz setzen, der als zusätzlicher Stimulus für sirtuinabhängige Signalwege interpretiert wird. Ergänzend wird körperliche Aktivität als unterstützender Faktor angesehen.

Ernährungspraktisch betont die Sirtfood-Diät eine überwiegend pflanzenbetonte, wenig verarbeitete Kost bei gleichzeitiger Reduktion stark verarbeiteter Lebensmittel, Zucker und raffinierter Kohlenhydrate. Charakteristisch ist zudem eine Phaseneinteilung mit initial stärkerer Kalorienrestriktion und anschließender moderater, alltagstauglicher Energiezufuhr.

Angestrebte Wirkmechanismen

Sirtuinen werden vielfältige biologische Funktionen zugeschrieben, die als zentrale Begründungslogik der Sirtfood-Diät dienen. Sie sind an der Regulation zentraler Stoffwechselprozesse beteiligt, insbesondere des Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels in den Mitochondrien (= Kraftwerke der Zellen). Dazu zählen eine Förderung der Fettsäureoxidation, eine Modulation der Glucoseverwertung sowie eine Unterstützung der Ketogenese (Bildung sogenannter Ketonkörper zwecks Energiegewinnung) in der Leber, begleitet von einer potentiellen Reduktion der Insulinausschüttung. Diese Effekte werden als metabolische Anpassung an einen niedrigen Energiestatus interpretiert und gelten als biologisch plausibler Mechanismus für eine begünstigte Fettverbrennung [2, 5].

Darüber hinaus spielen Sirtuine eine wichtige Rolle bei zellulären Schutz- und Reparaturmechanismen. Sie sind an der DNA-Reparatur beteiligt und tragen zum Schutz vor oxidativem Stress bei. Weiterhin werden antiinflammatorische (antientzündliche) Effekte beschrieben. Auch die Regulation der Autophagie, eines zellulären Selbstreinigungs- und Recyclingprozesses, wird insbesondere für SIRT1 als relevant angesehen. Diese Mechanismen werden im Kontext der Zellgesundheit und möglicher Einflüsse auf Alterungsprozesse diskutiert.

Als ernährungsbezogene Stimuli der Sirtuin-Aktivität werden vor allem bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe wie Resveratrol, Quercetin, Curcumin und Epigallocatechingallat (EGCG) genannt, für die in Zell- und Tiermodellen modulierende Effekte auf sirtuinabhängige Signalwege beschrieben wurden. Ergänzend gelten Hungerphasen und Kalorienrestriktion, etwa im Rahmen von intermittierendem Fasten, als unabhängige Aktivatoren der Sirtuin-Aktivität [6-8]. Die klinische Relevanz dieser Mechanismen beim Menschen ist bislang nicht gesichert und beruht überwiegend auf experimentellen Daten.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Gesunde Erwachsene mit Interesse an präventiven Ernährungskonzepten
  • Personen, die eine pflanzenbetonte Ernährung mit strukturierter Energiezufuhr anstreben
  • Menschen, die Gewichtsreduktion im Rahmen eines Lifestyle-Ansatzes verfolgen

Eingeschränkt geeignet bei:

  • erhöhtem Energie- oder Proteinbedarf
  • älteren Menschen mit Risiko für Sarkopenie (altersassoziierter, fortschreitender Verlust von Muskelmasse, -kraft, -funktion)
  • intensiver sportlicher Belastung

Bei bestehenden Erkrankungen ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Durchführung und Ablauf der Diät

Die Sirtfood-Diät ist in zwei Hauptphasen gegliedert, die sich hinsichtlich Energiezufuhr und Mahlzeitenstruktur unterscheiden.

  • In der Einführungsphase wird die Kalorienzufuhr für die ersten drei Tage deutlich reduziert. Vorgesehen ist eine tägliche Energieaufnahme von etwa 1.000 kcal. Diese ausgeprägte Kalorienrestriktion soll einen kurzfristigen metabolischen Anpassungsreiz setzen, der nach dem Konzept die Aktivierung von Sirtuinen begünstigen soll. In dieser Phase werden überwiegend grüne Säfte sowie ausgewählte Sirtfoods verzehrt. Das Energiedefizit und der reduzierte Nahrungsumfang werden im Konzept teilweise mit Autophagieprozessen in Verbindung gebracht; hierfür liegt jedoch keine spezifische klinische Evidenz im Kontext der Sirtfood-Diät vor.
  • An die Einführungsphase schließt sich die Aufrechterhaltungsphase an, in der die Kalorienzufuhr schrittweise erhöht wird. Empfohlen werden etwa 1.500 kcal pro Tag für Frauen und etwa 2.000 kcal pro Tag für Männer. Ziel dieser Phase ist eine stabilere, alltagstaugliche Ernährung bei fortgesetzter Bevorzugung von Sirtfoods. Der Schwerpunkt liegt auf regulären Mahlzeiten mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel und moderater Energiezufuhr.

Empfohlene Lebensmittel

Die Sirtfood-Diät legt den Schwerpunkt auf pflanzliche, möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und weiteren ernährungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffen. Besonders empfohlen werden:

  • Gemüse:
    Grünkohl, Brokkoli, Rucola, Sellerie, Spinat, Tomaten, rote Zwiebeln – reich an Polyphenolen, Ballaststoffen und Mikronährstoffen
  • Obst:
    Beeren (z. B. Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren), rote Trauben, Äpfel, Zitrusfrüchte – Quelle für Polyphenole wie Resveratrol und Quercetin
  • Hülsenfrüchte und Sojaprodukte:
    Tofu, Tempeh – pflanzliche Proteinquellen mit moderatem Energiegehalt
  • Nüsse und Samen:
    Walnüsse, Cashewkerne – ungesättigte Fettsäuren, sekundäre Pflanzenstoffe
  • Fette:
    Olivenöl (extra vergine) – reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und Polyphenolen
  • Kräuter und Gewürze:
    Kurkuma, Chili, Knoblauch, Petersilie – bioaktive Inhaltsstoffe mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften
  • Getränke:
    Grüner Tee (insbesondere Matcha), Kaffee, Rotwein in moderaten Mengen – Polyphenole wie EGCG bzw. Resveratrol
  • Sonstiges:
    Dunkle Schokolade mit mindestens 85 % Kakaoanteil – hoher Polyphenolgehalt, geringe Zuckermenge

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Eingeschränkt oder gemieden werden sollen Lebensmittel, die stark verarbeitet sind oder eine hohe glykämische bzw. entzündungsfördernde Wirkung haben können:

  • Stark verarbeitete Lebensmittel:
    Fertiggerichte, Fast Food, stark industriell hergestellte Snacks
  • Zuckerhaltige Getränke:
    Limonaden, Energydrinks, gesüßte Fruchtsäfte, gesüßter Eistee
  • Raffinierte Kohlenhydrate mit hoher glykämischer Wirkung:
    Weißbrot, helle Brötchen, Weißmehlprodukte, Süßwaren, gezuckerte Frühstückscerealien
  • Trans-Fettsäure-reiche Lebensmittel:
    Industriell hergestellte Backwaren (z. B. Blätterteig, Kekse), frittierte Produkte, Chips, Pommes frites, Margarinen und Backfette mit teilgehärteten Pflanzenölen

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich eine alltagsnahe Integration der Sirtfoods in einfache Mahlzeiten.

  • Vielfalt der Lebensmittelauswahl:
    Eine abwechslungsreiche Auswahl unterschiedlicher Sirtfoods trägt dazu bei, verschiedene Nährstoffe und bioaktive Inhaltsstoffe bereitzustellen.
  • Langfristige Ausrichtung:
    Die Sirtfood-Diät ist als längerfristige Ernährungs- und Lebensweise zu verstehen und nicht als kurzfristige Reduktionsdiät im engeren Sinn.
  • Maßvoller Alkoholkonsum:
    Der im Konzept erwähnte Rotwein ist nicht als gesundheitlich empfohlen zu betrachten. Sofern Alkohol konsumiert wird, sollte dies allenfalls in sehr geringen Mengen und nicht regelmäßig erfolgen. Bereits geringe Alkoholmengen sind mit einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Erkrankungen, Hypertonie (Bluthochdruck), Lebererkrankungen und bestimmte Malignome (Tumorerkrankungen) assoziiert. Aus präventivmedizinischer Sicht ist Alkoholverzicht der bevorzugte Ansatz.
  • Schonende Zubereitung:
    Eine nährstoffschonende Zubereitung, beispielsweise durch Dämpfen oder kurzes Garen, kann zum Erhalt hitzeempfindlicher Inhaltsstoffe beitragen.
  • Individuelle Anpassbarkeit:
    Die praktische Umsetzung der Diät erfordert eine Anpassung an individuelle Voraussetzungen, Bedürfnisse und Vorlieben, da Reaktionen auf Ernährungsformen interindividuell variieren können.

Beispiel für einen Tagesplan:

  • Frühstück: Chia-Pudding mit Beeren: Mischen Sie Chiasamen mit Mandelmilch und lassen Sie sie über Nacht im Kühlschrank quellen. Am Morgen fügen Sie frische Beeren und ein paar gehackte Walnüsse hinzu.
  • Mittagessen: Gegrilltes Hähnchen mit Quinoa und Rote-Zwiebeln-Salat: Marinieren Sie Hähnchenbrustfilets mit einer Mischung aus Knoblauch, Kurkuma, Olivenöl und Zitronensaft. Servieren Sie das gegrillte Hähnchen mit Quinoa und einem frischen Salat aus roten Zwiebeln, Petersilie und gehackten Walnüssen.
  • Abendessen: Gegrillte Aubergine mit Knoblauch-Joghurt: Schneiden Sie Aubergine in dünne Scheiben und grillen Sie diese. Servieren Sie die gegrillten Auberginenscheiben mit einem Joghurt-Dip, der mit Knoblauch, Zitronensaft und frischer Petersilie gewürzt ist.
  • Snacks:
    • Walnuss-Hummus mit Gemüsesticks: Mixen Sie Kichererbsen mit Walnüssen, Olivenöl, Knoblauch und Zitronensaft zu einem leckeren Hummus. Dazu passen Gemüsesticks wie Karotten, Gurken und Paprika.
    • Gegrillte Artischockenherzen: Braten Sie marinierte Artischockenherzen in Olivenöl an und würzen Sie sie mit etwas Meersalz und frischer Zitrone
  • Getränke:
    • Grüner Tee: Trinken Sie täglich mehrere Tassen grünen Tee, der reich an Polyphenolen ist und potentiell die Sirtuin-Aktivierung unterstützen kann.
    • Ingwer-Zitronen-Wasser: Bereiten Sie ein erfrischendes Getränk zu, indem Sie frische Ingwerscheiben und Zitronenscheiben in Wasser geben und es über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Sirtfood-Diät kann bei geeigneter Umsetzung eine hohe Zufuhr an Makro- und Mikronährstoffen sowie an weiteren ernährungsphysiologisch relevanten Inhaltsstoffen ermöglichen. Charakteristisch ist insbesondere der hohe Anteil sekundärer Pflanzenstoffe, die in vielen der empfohlenen Sirtfoods enthalten sind und zu den zentralen ernährungsphysiologischen Merkmalen des Konzepts zählen.

Zu diesen sekundären Pflanzenstoffen gehören vor allem Polyphenole, denen antioxidative und antiinflammatorische (antientzündliche) Eigenschaften zugeschrieben werden. Sie können dazu beitragen, oxidativen Zellschäden entgegenzuwirken, entzündliche Prozesse zu modulieren und möglicherweise auch die Zusammensetzung und Aktivität der Darmflora positiv zu beeinflussen. Curcumin, der gelbe Farbstoff der Kurkumawurzel, weist ebenfalls antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften auf und wird im Kontext der Sirtfood-Diät häufig hervorgehoben.

Weiterhin liefern viele Sirtfoods relevante Mengen an Ballaststoffen, etwa aus Gemüse wie Grünkohl oder aus Beeren. Ballaststoffe unterstützen die Darmfunktion, fördern ein Sättigungsgefühl und können sich günstig auf den Glucose- und Fettstoffwechsel auswirken. Als weitere ernährungsphysiologisch günstige Komponenten gelten ungesättigte Fettsäuren, wie sie insbesondere in Olivenöl und Walnüssen enthalten sind. Diese werden mit positiven Effekten auf das Herz-Kreislauf-System und entzündungsmodulierenden Eigenschaften in Verbindung gebracht.

Die ernährungsphysiologische Gesamtqualität der Sirtfood-Diät hängt jedoch wesentlich von der individuellen Ausgestaltung ab. Insbesondere bei sehr restriktiver Kalorienzufuhr, wie sie in der Einführungsphase vorgesehen ist, besteht das Risiko einer unzureichenden Energie- und Proteinversorgung. Dies kann langfristig zu unerwünschten Effekten führen, insbesondere wenn die Diät ohne ausreichende Anpassung an den individuellen Bedarf umgesetzt wird.

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Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit und Sicherheit der Sirtfood-Diät beim Menschen ist insgesamt begrenzt. Die meisten zugrunde liegenden Annahmen basieren auf experimentellen Daten aus Zellkultur- und Tiermodellen. Randomisierte kontrollierte Humanstudien zu klinisch relevanten Endpunkten fehlen bislang. Entsprechend ist unklar, ob die postulierten Effekte auf Muskelmasse, Energiestoffwechsel, Entzündungsprozesse oder Langlebigkeit beim Menschen tatsächlich in relevantem Ausmaß auftreten [1-8].

Ein potentielles Risiko ergibt sich aus der in der Einführungsphase vorgesehenen ausgeprägten Kalorienrestriktion. Eine sehr niedrige Energiezufuhr kann – insbesondere bei längerer Anwendung oder unzureichender Anpassung an den individuellen Bedarf – zu einer unzureichenden Versorgung mit Energie und essentiellen Nährstoffen führen. Dies betrifft insbesondere Protein, was langfristig einen Verlust an fettfreier Masse begünstigen kann, trotz des im Konzept formulierten Anspruchs eines Muskelerhalts. Auch Mikronährstoffdefizite sind möglich, wenn die Lebensmittelauswahl einseitig oder stark eingeschränkt erfolgt.

Überdies kann eine deutliche Kalorienrestriktion zu metabolischen und funktionellen Nebenwirkungen führen, darunter Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen, Kälteempfindlichkeit oder orthostatische Beschwerden. Bei prädisponierten Personen können zudem Blutzuckerschwankungen auftreten, insbesondere wenn Mahlzeiten ausgelassen oder stark verzögert werden. Für Personen mit bestehenden Stoffwechselerkrankungen oder erhöhtem Risiko für Unterernährung kann dies klinisch relevant sein.

Ein weiteres Risiko besteht in der Überinterpretation experimenteller Befunde. Die Übertragung von Ergebnissen aus Tiermodellen – etwa zur Sirtuin-Aktivierung, Autophagie oder Langlebigkeit – auf den Menschen ist mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Daraus resultierende Erwartungen an präventive oder therapeutische Effekte könnten unrealistisch sein und zu Fehlentscheidungen in der Ernährungs- oder Gesundheitsplanung führen.

Schließlich ist zu berücksichtigen, dass restriktive Ernährungsphasen und stark regelbasierte Konzepte bei anfälligen Personen die Entwicklung oder Verstärkung problematischer Essmuster begünstigen können. Auch wenn dies nicht spezifisch für die Sirtfood-Diät ist, stellt es ein allgemeines Risiko stark strukturierter Diätformen dar.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Essstörungen (z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht)

Relative Kontraindikationen

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Chronische Erkrankungen
  • Hohes Lebensalter
  • Untergewicht oder Mangelernährung

Vorteile

  • Pflanzenbetonte, polyphenolreiche Lebensmittelauswahl
  • Fokus auf wenig verarbeiteten Lebensmitteln
  • Mögliche kurzfristige Gewichtsreduktion
  • Biologisch plausible Wirkmechanismen

Nachteile

  • Fehlende klinische Evidenz beim Menschen
  • Starke Ableitung aus Tier- und Zellstudien
  • Risiko zu starker Kalorienrestriktion
  • Teilweise überzogene Erwartungen an Muskel­erhalt und Langlebigkeit

Wissenschaftliche Einordnung

Die Sirtfood-Diät basiert auf experimentellen Erkenntnissen zur Rolle der Sirtuine in Stoffwechsel-, Energie- und Alterungsprozessen und unterscheidet sich damit konzeptionell von vielen anderen Diäten, die primär auf Kalorienrestriktion, Veränderungen der Makronährstoffverteilung oder den Ausschluss einzelner Lebensmittelgruppen abzielen. Der zentrale Fokus auf die Aktivierung von Sirtuinen und die Unterstützung der mitochondrialen Funktion durch bestimmte Lebensmittel ist biologisch plausibel, da Fehlfunktionen des Energiestoffwechsels und der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Prozessen und Sarkopenie (Muskelschwund und -funktionsverlust) assoziiert sind.

Gleichzeitig beruhen die zugrunde liegenden Wirkannahmen überwiegend auf Zellkultur- und Tierstudien. Klinische Humanstudien, die einen nachhaltigen Nutzen auf relevante Endpunkte wie Gewichtsreduktion, Muskelerhalt, metabolische Gesundheit oder Langlebigkeit belegen, fehlen bislang. Auch das häufig hervorgehobene Versprechen einer Gewichtsreduktion ohne Muskelverlust ist derzeit nicht ausreichend evidenzbasiert abgesichert.

Fazit

Viele der Erkenntnisse zu Sirtuinen stammen aus Laborstudien an Zellkulturen und Tiermodellen. In diesen Studien wurde gezeigt, dass die Aktivierung von Sirtuinen, z. B. durch bestimmte Verbindungen wie Resveratrol, verschiedene positive Effekte auf den Stoffwechsel und die Gesundheit haben kann. Einige Tierstudien haben sogar eine erhöhte Lebensdauer bei genetisch manipulierten Organismen mit erhöhter Sirtuin-Aktivität gezeigt.

Es ist jedoch unklar, inwieweit diese Befunde auf den Menschen übertragbar sind. Umfangreiche klinische Humanstudien, um die genauen Mechanismen, die Wirksamkeit und Langzeitwirkungen, die Sicherheit bzw. mögliche Risiken zu verstehen und eine klinische Relevanz zu finden, fehlen bislang.

Literatur

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