Basenfasten
Basenfasten ist eine zeitlich begrenzte, stark pflanzenbetonte Ernährungsform, bei der überwiegend sogenannte „basenbildende“ Lebensmittel verzehrt werden. Dazu zählen vor allem Gemüse, Obst, Kartoffeln, Kräuter und Salate. Gleichzeitig werden „säurebildende“ Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Getreideprodukte, Hülsenfrüchte, Zucker sowie Alkohol konsequent gemieden. Typisch sind Kurzeiträume von etwa 7 bis 14 Tagen.
Das Konzept wird häufig als „Entsäuerungskur“ oder „Basenkur“ vermarktet und oft mit zusätzlichen Elementen wie Bewegung, Saunagängen oder Entspannungsmaßnahmen kombiniert.
Einzuordnen ist Basenfasten als präventive Kur bzw. komplementärmedizinisch geprägtes Ernährungskonzept ohne feste medizinische Indikation [1-4].
Entstehung und wissenschaftliche Grundlagen
Das Basenfasten geht auf ältere Vorstellungen zurück, nach denen viele Beschwerden und Erkrankungen durch eine chronische „Übersäuerung“ des Körpers entstehen sollen. Diese Idee basiert auf einer vereinfachten Interpretation des Säure-Basen-Haushalts. Medizinisch korrekt ist, dass der menschliche Organismus den Blut-pH-Wert sehr eng reguliert und die Ernährung Einfluss auf die sogenannte diätetische Säurelast hat, also auf die Menge an Säuren oder Basen, die über die Nieren ausgeschieden werden müssen. Diese diätetische Säurelast lässt sich rechnerisch erfassen (z. B. PRAL- oder NEAP-Wert; PRAL = Potential Renal Acid Load, potenzielle renale Säurelast; NEAP = Net Endogenous Acid Production, netto endogene Säureproduktion) und wird vor allem durch den Anteil tierischer Proteine, Getreideprodukte sowie Obst und Gemüse bestimmt[4].
Nicht korrekt ist jedoch die verbreitete Annahme, dass bestimmte Lebensmittel den Blut-pH-Wert relevant „ansäuern“ oder „alkalisieren“ könnten. Bei gesunden Menschen bleibt der Blut-pH unabhängig von der Ernährung konstant. Veränderungen zeigen sich allenfalls im Urin-pH oder in Laborparametern zur Säureausscheidung.
Zielsetzung der Diät
Im nichtmedizinischen Kontext wird Basenfasten meist mit dem Ziel durchgeführt, den Körper zu „entsäuern“, „zu entgiften“, Gewicht zu verlieren oder sich kurzfristig leistungsfähiger zu fühlen. Messbare Zielparameter werden dabei selten klar definiert. Aus medizinischer Sicht lässt sich allenfalls als realistisches Ziel formulieren, die diätetische Säurelast vorübergehend zu senken und den Anteil pflanzlicher Lebensmittel deutlich zu erhöhen. In bestimmten klinischen Situationen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und metabolischer Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Körpers), kann eine gezielte Reduktion der Säurelast therapeutisch sinnvoll sein.
Kurzfristig zielt Basenfasten häufig auf Gewichtsreduktion und subjektives Wohlbefinden ab, langfristig wäre ein Übergang in eine ausgewogene, alltagstaugliche Ernährungsform sinnvoll, da wiederholte Kuren keine nachhaltige Strategie darstellen [4].
Grundprinzipien
Das Basenfasten folgt einfachen und meist strikt formulierten Regeln, die den Alltag klar strukturieren, zugleich aber nur wenig Flexibilität zulassen. Erlaubt sind überwiegend pflanzliche, möglichst unverarbeitete Lebensmittel, insbesondere Gemüse, Kartoffeln, Kräuter und in begrenztem Umfang Obst. Gleichzeitig werden viele proteinreiche und getreidebasierte Lebensmittel konsequent ausgeschlossen, darunter Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Getreideprodukte.
Häufig wird eine feste Mahlzeitenstruktur mit zwei bis drei Mahlzeiten pro Tag empfohlen, wobei Zwischenmahlzeiten nicht vorgesehen sind. Diese klare zeitliche Struktur soll den Verdauungstrakt „entlasten“, führt in der Praxis jedoch oft zu längeren Essenspausen, die insbesondere in der Anfangsphase als belastend empfunden werden können. Getränke beschränken sich meist auf Wasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees. Alkohol ist in der Regel ausgeschlossen.
Da viele energiedichte Lebensmittel entfallen und Portionsgrößen selten klar definiert sind, sinkt die tägliche Energiezufuhr häufig unbeabsichtigt deutlich. Dies erklärt einen Großteil des kurzfristigen Gewichtsverlusts während der Kur. Gleichzeitig ist die Proteinzufuhr in dieser Phase meist sehr niedrig, was bei längerer Dauer ungünstig für den Erhalt der Muskelmasse sein kann.
In der praktischen Umsetzung ähnelt das Basenfasten daher weniger einer klassischen Fastenmethode als vielmehr einer kurzfristigen, stark kalorienreduzierten „Clean-Eating“-Phase mit sehr eingeschränkter Lebensmittelauswahl, deren Effekte primär auf allgemeine ernährungsphysiologische Mechanismen zurückzuführen sind.
Angestrebte Wirkmechanismen
Als zentraler Wirkmechanismus des Basenfastens wird häufig eine „Entsäuerung“ des Körpers angegeben. Physiologisch ist dabei klar zwischen dem streng regulierten Blut-pH-Wert und der diätetischen Säurelast zu unterscheiden, die über die Nieren ausgeschieden wird. Der Blut-pH bleibt bei gesunden Menschen unabhängig von der Ernährung in einem engen Normbereich konstant. Eine Veränderung betrifft nicht das Blutmilieu, sondern allenfalls die renale Säureausscheidung.
Eine überwiegend pflanzenreiche Ernährung kann die diätetische Säurelast senken. Dies ist insbesondere bei bestimmten Erkrankungen relevant, vor allem bei chronischer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit metabolischer Azidose, wo eine Reduktion der Säurelast – unter ärztlicher Kontrolle – zu einer Stabilisierung des Säure-Basen-Status beitragen kann [1, 2, 4].
Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge zwischen einer hohen diätetischen Säurelast und verschiedenen Gesundheitsrisiken, darunter Typ-2-Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck) oder kardiometabolische Marker. Diese Daten sind jedoch überwiegend assoziativ und erlauben keine direkten kausalen Rückschlüsse auf Krankheitsentstehung oder therapeutische Effekte [3, 6].
Nicht belegt und wissenschaftlich nicht plausibel sind folgende häufig beworbene Wirkmechanismen:
- Gezielte Entgiftung des Körpers durch Basenfasten
- Lösen von Schlacken
- Relevante oder nachhaltige Veränderung des Blut-pH-Werts durch einzelne Lebensmittel
- Heilung oder Prävention chronischer Erkrankungen allein durch Basenbildung [4, 5]
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Gesunde Erwachsene, die kurzfristig den Anteil pflanzlicher Lebensmittel erhöhen und ultraverarbeitete Produkte reduzieren möchten (mit realistischer Erwartungshaltung: „Reset“ der Gewohnheiten, nicht „Entgiftung“)
Eingeschränkte Eignung
- Personen mit höherem Proteinbedarf (z. B. bei hohem Trainingsumfang)
- Personen mit Neigung zu restriktivem Essverhalten oder Essstörungen
Indikationsbezogene Eignung (medizinisch)
- Chronische Nierenerkrankung (CKD) mit metabolischer Azidose: nur als ärztlich/ernährungsmedizinisch gesteuerte Säurelast-Reduktion mit Monitoring (Bicarbonat, Kalium, eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate; gibt an, wie gut die Nieren das Blut filtern), Blutdruck, Volumenstatus) [1, 2]
- Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) mit besonderer Vorsicht:
- Chronische Nierenerkrankung → Hyperkaliämie-Risiko bei hoher Obst/Gemüse-Zufuhr
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche)/Diuretikatherapie (entwässernde Medikamente) → Elektrolyt-/Volumenverschiebungen
- Diabetes unter Insulin/Sulfonylharnstoffen → Hypoglykämierisiko (Gefahr der Unterzuckerung) bei stark reduzierter Energiezufuhr
Durchführung und Ablauf der Diät
Eine gute Vorbereitung ist beim Basenfasten wichtig, da die erlaubte Lebensmittelauswahl stark eingeschränkt ist und viele gewohnte Energie- und Proteinquellen wegfallen. Ohne Planung kommt es insbesondere zu Beginn häufig zu einer zu niedrigen Energiezufuhr mit Hungergefühl, Müdigkeit, Leistungsabfall oder Kreislaufbeschwerden. Diese Effekte sind in der Regel Ausdruck der abrupten Kalorienreduktion und nicht einer spezifischen „Entgiftung“.
Sinnvoll ist eine kurze Übergangsphase, in der Alkohol, Zucker sowie stark verarbeitete Lebensmittel schrittweise reduziert werden, während der Gemüseanteil erhöht wird. Während der Kur werden meist einfache, repetitive Mahlzeiten verzehrt, typischerweise zwei bis drei Mahlzeiten täglich auf Basis von Gemüse und Kartoffeln, ergänzt durch kleine Obstportionen. Die Energiezufuhr sinkt dabei häufig deutlich, ebenso die Proteinzufuhr.
Im Alltag erfordert das Basenfasten eine gute Organisation, da berufliche Verpflichtungen, soziale Anlässe oder Schichtarbeit mit den strikten Vorgaben nur eingeschränkt vereinbar sind. Nach Beendigung der Kur ist ein strukturierter Übergang in den Alltag entscheidend. Werden Proteinquellen und Vollkornprodukte nicht gezielt wieder eingeführt, besteht ein erhöhtes Risiko für einen schnellen Rückfall in alte Ernährungsgewohnheiten oder einen Jo-Jo-Effekt.
Bei Personen mit relevanten Vorerkrankungen sollte eine Reduktion der diätetischen Säurelast nicht eigenständig erfolgen, sondern im therapeutischen Setting mit entsprechender Kontrolle [1, 2, 4].
Empfohlene Lebensmittel
Als „basenbildend“ gelten vor allem Lebensmittel, die reich an Kalium, Magnesium und organischen Säuren (z. B. Citraten) sind, aus denen im Stoffwechsel Bicarbonat entsteht [4].
- Gemüse (reichlich): Blattgemüse, Kohl, Zucchini, Gurke, Paprika, Tomate, Karotte
- Kartoffeln/Süßkartoffeln (häufig zentraler Energieträger)
- Obst (maßvoll bis reichlich, je nach Programm): Beeren, Äpfel, Zitrusfrüchte, Melone
- Kräuter, Gewürze, Zwiebel/Knoblauch
- Nüsse/Samen (je nach Regelwerk teils erlaubt, teils eingeschränkt)
- Getränke: Wasser, ungesüßte Kräuter-/Früchtetees
Abschließend: In der Praxis ist die „gesundheitsaktive“ Komponente meist nicht das Label „basisch“, sondern die hohe Pflanzen- und Ballaststoffdichte bei geringer Verarbeitung. [4]
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
Als „säurebildend“ werden im Basenfasten jene Lebensmittel eingestuft, die nach ihrer Verstoffwechselung überwiegend Säuren liefern, insbesondere durch ihren Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren (z. B. aus Protein) oder Phosphaten. Auch hier bezieht sich die Einstufung auf die diätetische Säurelast und nicht auf eine direkte „Ansäuerung“ des Blutes.
- Fleisch, Wurst, Fisch, Eier
- Milchprodukte (je nach Programm komplett)
- Getreideprodukte (inkl. Brot, Pasta), oft auch Hülsenfrüchte
- Zucker/Süßwaren, Alkohol
- Schwarztee (häufig ausgeschlossen)
- Stark verarbeitete Produkte, salzreiche Snacks, Softdrinks
Kritisch ist der pauschale Ausschluss ganzer Lebensmittelgruppen (Getreide/Hülsenfrüchte/Proteinquellen), weil dadurch Protein, Calcium, Jod, Vitamin B12 (bei längerem Verzicht) und Energiezufuhr unnötig knapp werden können [4, 5].
Hinweis: Zur besseren Orientierung findet sich hier eine übersichtliche Tabelle mit säurebildenden und basenspendenden Lebensmitteln.
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Die Alltagstauglichkeit des Basenfastens steigt deutlich, wenn das Konzept pragmatisch und realistisch umgesetzt wird. Aufgrund der eingeschränkten Lebensmittelauswahl ist eine gute Vorbereitung entscheidend, um Unterversorgung, Frustration oder vorzeitige Abbrüche zu vermeiden.
Eine strukturierte Einkaufsplanung mit Fokus auf verschiedene Gemüsesorten erleichtert die Umsetzung erheblich. Tiefkühlgemüse eignet sich gut als Reserve für arbeitsreiche Tage, während Kartoffeln und Süßkartoffeln als sättigende, gut planbare Basis dienen. Frische Kräuter und Gewürze helfen dabei, trotz der eingeschränkten Auswahl geschmackliche Abwechslung zu schaffen.
Für den Alltag bewähren sich einfache Zubereitungsformen wie große Gemüsepfannen, Suppen oder Ofengerichte, die sich gut vorbereiten und über mehrere Mahlzeiten nutzen lassen. Gerade an Berufstagen reduziert dies den organisatorischen Aufwand erheblich.
Da Zwischenmahlzeiten meist entfallen, sollten klare Essenszeiten eingeplant werden. Situationen mit Schichtarbeit, Dienstreisen oder langen Arbeitstagen erfordern zusätzliche Planung, da geeignete Optionen unterwegs oft begrenzt sind. Auch soziale Anlässe wie Restaurantbesuche oder Einladungen sollten vorab bedacht werden, da sie schnell zu Regelkonflikten führen können.
Insgesamt ist es sinnvoller, den Fokus auf „mehr pflanzliche, wenig verarbeitete Lebensmittel“ zu legen, statt die Regeln maximal restriktiv auszulegen. Eine gewisse Flexibilität erhöht die Durchführbarkeit deutlich und senkt die Abbruchquote.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Ernährungsphysiologisch ist das Basenfasten durch eine stark pflanzenbetonte, energiearme Ernährung gekennzeichnet. Die Zufuhr von Kohlenhydraten und Ballaststoffen ist in der Regel hoch, da Gemüse, Kartoffeln und Obst den Hauptanteil der Ernährung ausmachen. Positiv zu bewerten ist die hohe Aufnahme von Kalium, Vitamin C, Folsäure und sekundären Pflanzenstoffen. Gleichzeitig ist die Proteinzufuhr meist deutlich reduziert, ebenso häufig die Zufuhr von Calcium, Jod, Vitamin B12, Eisen und Zink, insbesondere wenn das Basenfasten länger dauert oder wiederholt durchgeführt wird.
Die tägliche Energiezufuhr ist häufig deutlich vermindert, da viele energiedichte Lebensmittel ausgeschlossen werden. Der beobachtete kurzfristige Gewichtsverlust beruht daher primär auf einem Kaloriendefizit und einem Verlust von Wasser und Glykogen (Glykogen = Speicherform der Glucose), nicht auf einer spezifischen „Entsäuerung“ des Körpers.
Als langfristige Ernährungsform ist Basenfasten aufgrund der einseitigen Nährstoffverteilung nicht ausgewogen und nicht empfehlenswert [4].
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Die möglichen Risiken des Basenfastens hängen stark von Dauer, Häufigkeit und individueller Ausgangssituation ab. Kurzfristig können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Leistungsabfall, Schwindel oder Kreislaufbeschwerden auftreten, insbesondere in den ersten Tagen der Kur. Auch gastrointestinale Symptome wie Blähungen oder Durchfall sind möglich, vor allem bei sehr hoher Ballaststoffzufuhr. Bei Menschen mit Diabetes mellitus unter Insulin- oder Sulfonylharnstofftherapie besteht ein relevantes Risiko für Hypoglykämien (Unterzuckerungen) infolge der stark reduzierten Energiezufuhr.
Besondere Vorsicht ist bei chronischer Nierenerkrankung geboten, da die hohe Zufuhr von kaliumreichen Lebensmitteln das Risiko einer Hyperkaliämie erhöhen kann. Leitlinien betonen, dass eine diätetische Reduktion der Säurelast bei chronischer Niereninsuffizienz nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen sollte und gegebenenfalls durch eine medikamentöse Alkalisierung ergänzt werden muss [1, 2].
Langfristig können wiederholte restriktive Kuren zu Verlust von Muskelmasse, Nährstoffmängeln und einem ungünstigen Essverhalten beitragen, insbesondere wenn sie ohne strukturierte Nachphase durchgeführt werden.
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Akute schwere Erkrankung
- Akute Essstörung (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht)
- Schwangerschaft und Stillzeit bei restriktiver Kur-Variante (Energie, Proteine, Mikronährstoffe (Vitalstoffe))
Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)
- Chronische Nierenerkrankung (CKD), insbesondere mit Hyperkaliämie-Neigung oder fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) → Kalium-/Bicarbonat-Monitoring [1, 2]
- Diabetes unter Insulin/Sulfonylharnstoffen (Hypoglykämie/Unterzuckerungs-Risiko) → Dosisanpassung
- Gichtneigung bei stark wechselnder Kalorienzufuhr/raschem Gewichtsverlust
- Sarkopenierisiko/altersbedingter Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft (Proteinbedarf)
- Hohes Alter (Proteinbedarf)
- Hoher Trainingsumfang bei Sportlern (Proteinbedarf)
Vorteile
- Kurzfristig kann Basenfasten als „strukturierter Cut“ funktionieren, wenn realistische Ziele gesetzt werden [4].
- Häufig deutliche Reduktion ultraverarbeiteter Produkte, Alkohol und Zucker
- Hoher Gemüse-/Obstanteil → hohe Mikronährstoff- und Ballaststoffdichte
- Kurzfristige Gewichtsabnahme durch Kaloriendefizit (nicht spezifisch „Entsäuerung“)
- Kann als Startpunkt für langfristig bessere Ernährungsqualität dienen
Nachteile
- Wissenschaftlich nicht belegte Kernnarrative („Entgiftung“, „Übersäuerung als Hauptursache“)
- Unnötiger Ausschluss ganzer Lebensmittelgruppen → Protein- und Mikronährstofflücken
- Geringe Langzeit-Alltagstauglichkeit, erhöhtes Abbruch- und Jo-Jo-Risiko
- Risiken bei Vorerkrankungen (v. a. Nierenerkrankung/Diabetesmedikation) [1, 2]
- Kann restriktive Essmuster verstärken
Wissenschaftliche Einordnung
Für das Basenfasten als klar definiertes, eigenständiges Ernährungskonzept existieren keine hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien mit ausreichender Dauer, um belastbare Aussagen zur Wirksamkeit oder Sicherheit zu treffen. Die vorhandene wissenschaftliche Evidenz bezieht sich nicht auf das populäre Basenfasten selbst, sondern auf das allgemeinere Konzept der diätetischen Säurelast sowie auf gezielte, indikationsbezogene Interventionen.
Insbesondere bei chronischer Nierenerkrankung mit metabolischer Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung des Körpers) ist gut belegt, dass eine Reduktion der Säurelast – entweder diätetisch oder medikamentös – den Säure-Basen-Status verbessern und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann. Diese Maßnahmen erfolgen jedoch leitliniengestützt, unter klar definierten Zielparametern und ärztlicher Kontrolle, und sind nicht mit einer pauschalen „Entsäuerungskur“ gleichzusetzen [1, 2, 4].
Beobachtungsstudien zeigen, dass eine hohe diätetische Säurelast mit verschiedenen ungünstigen Gesundheitsparametern assoziiert ist, darunter ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes, Hypertonie (Bluthochdruck) oder kardiometabolische Störungen. Diese Zusammenhänge sind jedoch überwiegend korrelativ und erlauben keine direkten Rückschlüsse auf Ursache-Wirkungs-Beziehungen oder therapeutische Effekte. Insbesondere lassen sich daraus keine Aussagen ableiten, dass eine kurzfristige Basenfastenkur Erkrankungen verhindern oder behandeln könne [3, 6].
Auch die häufig zitierte Annahme, eine „säurebildende“ Ernährung fördere den Abbau von Knochenmineralien und erhöhe das Frakturrisiko, wird durch aktuelle systematische Reviews und Metaanalysen nicht überzeugend gestützt. Die klassische „Acid-Ash-Hypothese“, die dem Basenfasten häufig als theoretische Grundlage dient, gilt in ihrer vereinfachten Form heute als weitgehend überholt [5, 7].
Insgesamt zeigt die Datenlage, dass die gesundheitlich relevanten Effekte eher aus einer insgesamt höheren Ernährungsqualität resultieren als aus einem spezifischen Säure-Basen-Mechanismus.
Fazit
Basenfasten ist eine kurzfristige, restriktive Kur mit stark vereinfachtem theoretischem Hintergrund. Positive Effekte, die während der Durchführung beobachtet werden, lassen sich überwiegend durch eine vorübergehende Verbesserung der Ernährungsqualität, den Verzicht auf stark verarbeitete Lebensmittel sowie eine reduzierte Energiezufuhr erklären. Eine relevante oder nachhaltige „Entsäuerung“ des Körpers im physiologischen Sinne findet dabei nicht statt.
Für die langfristige Gesundheit sind ausgewogene, pflanzenbetonte Ernährungsformen mit ausreichender Proteinzufuhr, guter Fettqualität und hoher Alltagstauglichkeit deutlich überlegen. Bei bestimmten Erkrankungen, insbesondere bei chronischer Niereninsuffizienz mit metabolischer Azidose, kann eine gezielte Reduktion der diätetischen Säurelast sinnvoll sein. Diese gehört jedoch in ein leitliniengestütztes, kontrolliertes Behandlungskonzept und darf nicht mit dem populären Basenfasten gleichgesetzt werden. Insgesamt überwiegen bei unkritischer Anwendung und falschen Erwartungen die Nachteile des Basenfastens gegenüber seinem begrenzten Nutzen deutlich [1-5].
Literatur
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024 Apr;105(4S):S117-S314. doi: 10.1016/j.kint.2023.10.018.
- Mahboobi S, Mollard R, Tangri N et al.: Effects of dietary interventions for metabolic acidosis in chronic kidney disease: a systematic review and meta-analysis. Nephrol Dial Transplant. 2025 Apr 1;40(4):751-767. doi: 10.1093/ndt/gfae200.
- Abbastabar M, Mohammadi-Pirouz Z, Omidvar S et al.: Dietary Acid Load and Human Health: A Systematic Review and Meta-analysis of Observational Studies. Nutr Rev. 2025 Sep 1;83(9):1641-1656. doi: 10.1093/nutrit/nuae222.
- Wieërs MLAJ, Beynon-Cobb B, Visser WJ, Attaye I: Dietary acid load in health and disease. Pflugers Arch. 2024 Apr;476(4):427-443. doi: 10.1007/s00424-024-02910-7.
- Gholami F, Naghshi S, Samadi M, Rasaei N, Mirzaei K: Dietary Acid Load and Bone Health: A Systematic Review and Meta-Analysis. Front Nutr. 2022;9:869132. Front Nutr. 2022 May 6:9:869132. doi: 10.3389/fnut.2022.869132.
- Wang R, Wen Z-Y, Liu F-H et al.: Association between dietary acid load and cancer risk and prognosis: An updated systematic review and meta-analysis of observational studies. Front Nutr. 2022 Jul 27:9:891936. doi: 10.3389/fnut.2022.891936.
- Mirzababaei A, Daneshvar M, Basirat V et al.: Association between dietary acid load and risk of osteoporotic fractures in adults: a systematic review and meta-analysis of observational studies. BMC Musculoskelet Disord. 2025 Mar 17;26(1):266. doi: 10.1186/s12891-025-08495-1.