Ernährungstherapie bei Frailty-Syndrom

Das Frailty-Syndrom (Gebrechlichkeit) ist ein geriatrisches Syndrom, das durch eine deutlich reduzierte physiologische Reserve sowie eine erhöhte Vulnerabilität (Verletzlichkeit) gegenüber körperlichen oder psychischen Stressoren gekennzeichnet ist. Betroffene reagieren bereits auf geringe Belastungen mit funktionellen Verschlechterungen. Typische klinische Merkmale sind ungewollter Gewichtsverlust, verminderte Muskelkraft, reduzierte körperliche Aktivität, verlangsamte Gehgeschwindigkeit sowie subjektive Erschöpfung.

In der klinischen Praxis wird häufig das Frailty-Phänotyp-Modell nach Fried verwendet. Danach liegt Frailty vor, wenn mindestens drei der fünf Kriterien erfüllt sind. Bereits ein oder zwei Kriterien definieren das Stadium der Prä-Frailty, das als besonders wichtiges therapeutisches Zeitfenster gilt.

Frailty ist mit einer deutlich erhöhten Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) verbunden. Betroffene weisen ein höheres Risiko für Stürze, Frakturen, funktionellen Verlust, Krankenhausaufenthalte sowie Pflegebedürftigkeit auf. Gleichzeitig verstärkt das Syndrom einen Teufelskreis aus Bewegungsmangel, Muskelabbau, Appetitverlust und Mangelernährung.

Die Ernährung stellt neben körperlichem Training eine zentrale therapeutische Säule dar. Eine unzureichende Energie- und Proteinversorgung ist einer der wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren für die Entwicklung und das Fortschreiten von Frailty.

Wissenschaftliche Grundlagen

Das Frailty-Syndrom wurde in der modernen Geriatrie seit Beginn der 2000er Jahre als eigenständiges klinisches Syndrom etabliert. Es beschreibt einen Zustand reduzierter physiologischer Reserve, bei dem mehrere Körpersysteme gleichzeitig funktionell eingeschränkt sind. Diese reduzierte Reserve führt dazu, dass selbst geringfügige Stressoren – beispielsweise Infektionen, Immobilisation oder akute Erkrankungen – zu einer ausgeprägten funktionellen Verschlechterung führen können.

Pathophysiologisch steht eine komplexe Interaktion verschiedener altersbedingter Veränderungen im Vordergrund. Eine zentrale Rolle spielt der altersassoziierte Muskelabbau (Sarkopenie). Mit zunehmendem Alter nehmen sowohl die Muskelmasse als auch die Muskelkraft ab. Gleichzeitig verändert sich die hormonelle Regulation: Die Aktivität anaboler (aufbauender) Hormonsysteme nimmt ab. Dazu gehören insbesondere Hormone wie IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) und Testosteron, die normalerweise den Aufbau und Erhalt von Muskelmasse fördern. Sinkt ihre Aktivität, wird die Muskelproteinsynthese schwächer stimuliert. 
Gleichzeitig nehmen katabole (abbauende) Stoffwechselprozesse zu. Dabei werden körpereigene Strukturen – vor allem Muskelprotein – vermehrt abgebaut, um Energie bereitzustellen oder Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten. Das Ungleichgewicht zwischen reduzierten Aufbau- und verstärkten Abbauprozessen begünstigt langfristig den Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, der für das Frailty-Syndrom typisch ist.

Ein weiterer wesentlicher Mechanismus ist die sogenannte chronische niedriggradige Inflammation (Entzündungsprozesse mit geringer Intensität, aber dauerhaft vorhanden). Dabei führen erhöhte Spiegel proinflammatorischer Zytokine (entzündungsfördernde Botenstoffe) zu einer verstärkten Proteolyse (Abbau von Proteinen) und zu einer Hemmung der Muskelproteinsynthese.

Hinzu kommt die sogenannte Anorexie des Alters. Altersbedingte Veränderungen von Geschmack, Geruch, gastrointestinaler Funktion, Hormonen der Sättigungsregulation sowie psychosoziale Faktoren führen häufig zu einer verminderten Nahrungsaufnahme. Dadurch entsteht eine negative Energiebilanz, die den Muskelabbau weiter beschleunigt.

Internationale Leitlinien betonen daher die zentrale Rolle der Ernährung im Management des Frailty-Syndroms. Besonders relevant sind eine ausreichende Energiezufuhr, eine erhöhte Proteinaufnahme sowie eine gezielte Versorgung mit kritischen Mikronährstoffen (Vitalstoffen).

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie verfolgt beim Frailty-Syndrom primär das Ziel, katabole Prozesse zu begrenzen und funktionelle Reserven zu stabilisieren. Dabei geht es nicht nur um Gewichtsstabilisierung, sondern vor allem um den Erhalt von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit.

Zu den wichtigsten therapeutischen Zielparametern gehören Körpergewicht, Muskelkraft (z. B. Handkraftmessung), körperliche Leistungsfähigkeit (z. B. Gehgeschwindigkeit oder Timed-Up-and-Go-Test (Aufstehen vom Stuhl, drei Meter gehen, umdrehen und wieder hinsetzen)) sowie Veränderungen der Körperzusammensetzung.

Neben diesen primären Zielgrößen spielen auch funktionelle und prognostische Ziele eine wichtige Rolle. Dazu zählen die Reduktion des Sturzrisikos, die Stabilisierung der Selbstständigkeit im Alltag, eine Verringerung von Krankenhausaufenthalten sowie eine Verzögerung der Progression in Pflegebedürftigkeit.

Die therapeutische Logik folgt dabei einer klaren Struktur: Indikation → Intervention → Monitoring → Risikoabschätzung.

  • Die Indikation ergibt sich aus diagnostizierter Frailty oder Prä-Frailty.
  • Die Intervention besteht in einer energie- und proteinoptimierten Ernährung, gegebenenfalls ergänzt durch orale Nahrungssupplemente.
  • Das Monitoring umfasst regelmäßige Gewichtskontrollen, funktionelle Tests sowie eine Reevaluation der Ernährungsaufnahme.
  • Die Risiken bestehen insbesondere bei stark mangelernährten Patienten, bei denen ein Refeeding-Syndrom berücksichtigt werden muss.

Kurzfristig steht die Stabilisierung der Energie- und Proteinversorgung im Vordergrund. Langfristig zielt die Ernährungstherapie darauf ab, funktionelle Fähigkeiten zu erhalten und die Progression der Gebrechlichkeit zu verlangsamen.

Grundprinzipien

Die Ernährungstherapie beim Frailty-Syndrom basiert auf mehreren zentralen Grundprinzipien, die sich aus der Pathophysiologie des Syndroms ableiten.

Ein entscheidender Faktor ist eine ausreichende Energiezufuhr. Viele ältere Menschen nehmen aufgrund von Appetitverlust, Erkrankungen oder sozialen Faktoren zu wenig Energie auf. Dadurch wird körpereigenes Muskelprotein zur Energiegewinnung genutzt. Ziel der Ernährungstherapie ist daher eine Energiezufuhr von etwa 25-30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Von besonderer Bedeutung ist die Proteinzufuhr. Während für gesunde Erwachsene etwa 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen werden, benötigen ältere Menschen mit Frailty deutlich mehr. Leitlinien empfehlen eine tägliche Zufuhr von etwa 1,0-1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

Neben der Gesamtmenge spielt auch die Verteilung des Proteins über den Tag eine wichtige Rolle. Eine gleichmäßige Verteilung auf mindestens drei Mahlzeiten unterstützt die Muskelproteinsynthese effektiver als eine stark einseitige Aufnahme.

Ein weiteres zentrales Prinzip ist die Kombination der Ernährung mit körperlicher Aktivität, insbesondere mit Widerstands- oder Krafttraining. Zahlreiche Studien zeigen, dass Ernährung und Training synergistisch wirken und gemeinsam deutlich stärkere Effekte auf Muskelmasse und Muskelkraft erzielen als eine isolierte Intervention.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die Ernährungstherapie beim Frailty-Syndrom zielt darauf ab, zentrale pathophysiologische Mechanismen zu beeinflussen.

Eine ausreichende Proteinzufuhr liefert die notwendigen Aminosäuren für den Aufbau und Erhalt von Muskelgewebe. Nach einer proteinreichen Mahlzeit gelangen diese Aminosäuren ins Blut und stimulieren in den Muskelzellen die Muskelproteinsynthese (Aufbau neuer Muskelproteine). Dabei spielt die essentielle Aminosäure Leucin eine besonders wichtige Rolle. Leucin wirkt in den Muskelzellen wie ein metabolisches Signalsystem: Es aktiviert den sogenannten mTOR-Signalweg, einen zentralen regulatorischen Mechanismus für Zellwachstum und Proteinaufbau. Wird dieser Signalweg aktiviert, erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der Muskelzellen neue Proteine herstellen. Bei älteren Menschen ist diese Reaktion auf Nahrungsprotein häufig abgeschwächt (anabole Resistenz). Deshalb ist im höheren Lebensalter eine höhere Proteinzufuhr pro Mahlzeit erforderlich, um die Muskelproteinsynthese ausreichend zu stimulieren und dem altersbedingten Muskelabbau entgegenzuwirken.
Eine ausreichende Energiezufuhr verhindert gleichzeitig, dass Aminosäuren zur Energiegewinnung genutzt werden. Dadurch können sie bevorzugt für strukturelle Funktionen wie Muskelaufbau eingesetzt werden.

Ferner spielt Vitamin D eine wichtige Rolle für die Muskelfunktion. Muskelzellen besitzen spezifische Vitamin-D-Rezeptoren, über die Vitamin D direkt auf den Muskelstoffwechsel einwirken kann. Eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung unterstützt daher die Muskelkraft und die neuromuskuläre Koordination. Zusätzlich beeinflusst Vitamin D die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Diese neuromuskuläre Kommunikation ist entscheidend für Bewegungsabläufe, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit. Bei einem Vitamin-D-Mangel können Muskelkraft, Stabilität und Koordination beeinträchtigt sein.
Studien zeigen, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung insbesondere bei älteren Menschen mit einem geringeren Risiko für Stürze und funktionelle Einschränkungen verbunden ist. Daher wird eine adäquate Vitamin-D-Zufuhr als wichtiger unterstützender Faktor in der Prävention und Therapie von Frailty und Sarkopenie angesehen.

Weitere potentielle Mechanismen betreffen entzündungsmodulierende Effekte bestimmter Nährstoffe. Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) könnten beispielsweise über antiinflammatorische (entzündungshemmende) Wirkungen katabole Prozesse abschwächen. Die Evidenz hierzu ist jedoch heterogen und nicht eindeutig.

Insgesamt zielt die Ernährungstherapie darauf ab, den Teufelskreis aus Mangelernährung, Muskelabbau, reduzierter Aktivität und funktionellem Verlust zu durchbrechen.

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Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Ältere Menschen ab etwa 65 Jahren mit diagnostizierter Frailty
  • Personen im Stadium der Prä-Frailty
  • Geriatrische (ältere) Patienten nach Krankenhausaufenthalt
  • Bewohner von Pflegeeinrichtungen
  • Ältere Menschen mit ungewolltem Gewichtsverlust oder Sarkopenie

Eingeschränkte Eignung

  • Fortgeschrittene Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit notwendiger Proteinrestriktion
  • Schwere metabolische Entgleisungen
  • Schwere Dysphagie (Schluckstörung) ohne angepasste Ernährung

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Am Beginn der Ernährungstherapie steht eine strukturierte Ernährungsanamnese. Dabei werden Gewichtsverlauf, Essgewohnheiten, Appetit, mögliche Kau- oder Schluckprobleme sowie soziale Rahmenbedingungen erfasst. Ergänzend können validierte Screening-Instrumente wie das Mini Nutritional Assessment (MNA) eingesetzt werden.

Häufige Fehler zu Beginn der Therapie bestehen darin, den Energiebedarf zu unterschätzen oder zu große Mahlzeiten zu planen. Viele ältere Menschen haben einen verminderten Appetit und profitieren eher von kleineren, dafür häufigeren Mahlzeiten.

In der Praxis erfolgt die Umsetzung schrittweise. Zunächst wird der individuelle Energie- und Proteinbedarf berechnet. Anschließend wird die tägliche Mahlzeitenstruktur angepasst, sodass jede Mahlzeit eine proteinreiche Komponente enthält. Bei unzureichender Aufnahme können proteinreiche Zwischenmahlzeiten oder orale Nahrungssupplemente eingesetzt werden. Diese liefern bei geringem Volumen relativ viel Energie und Protein und können daher helfen, den täglichen Bedarf leichter zu erreichen. Besonders geeignet sind Produkte mit etwa 20-30 g Protein pro Portion, die beispielsweise zwischen den Mahlzeiten oder nach körperlicher Aktivität eingenommen werden können. Solche Supplemente sollten jedoch als Ergänzung zur normalen Ernährung und nicht als vollständiger Mahlzeitenersatz verstanden werden.

Parallel zur Ernährung sollte möglichst früh körperliche Aktivität integriert werden. Besonders effektiv sind strukturierte Widerstands- oder Krafttrainingsprogramme, die den muskulären Stimulus für die Proteinsynthese liefern.

Die Therapie erfolgt in den meisten Fällen ambulant unter hausärztlicher oder geriatrischer Betreuung. In der geriatrischen Rehabilitation oder in Pflegeeinrichtungen können strukturierte Ernährungsprogramme implementiert werden. Eine regelmäßige Verlaufskontrolle von Gewicht, Muskelkraft und funktionellen Parametern ist essentiell, um den Therapieerfolg zu beurteilen.

Empfohlene Lebensmittel

Bei der Ernährungstherapie des Frailty-Syndroms steht eine nährstoffdichte, energie- und proteinreiche Ernährung im Vordergrund. Ziel ist es, mit möglichst kleinen Portionsmengen eine hohe Versorgung mit Energie, hochwertigem Protein, Vitaminen und Mineralstoffen zu erreichen. Dies ist besonders wichtig, da viele ältere Menschen einen verminderten Appetit haben oder nur kleine Mahlzeiten zu sich nehmen.

  • Milchprodukte (Quark, Skyr, Joghurt, Käse)
    Sie liefern hochwertige Proteine sowie Calcium und Vitamin B12. Besonders praktisch sind Naturjoghurt, Skyr oder Magerquark, die sich gut als Frühstück oder Zwischenmahlzeit eignen. Auch kleine Portionen Käse können zur Proteinversorgung beitragen.
  • Eier
    Eier sind eine leicht zuzubereitende, gut verträgliche Proteinquelle mit hoher biologischer Wertigkeit. Sie eignen sich beispielsweise als Rührei, Omelett oder gekochtes Ei zum Frühstück oder Abendessen.
  • Fisch
    Fettreiche Fischarten wie Lachs, Makrele oder Hering liefern neben Protein auch Omega-3-Fettsäuren. Diese können entzündungsmodulierende Effekte haben. Magerer Fisch wie Kabeljau oder Seelachs stellt ebenfalls eine gut verdauliche Proteinquelle dar.
  • Geflügel und mageres Fleisch
    Geflügel, Rind oder Schwein liefern hochwertiges Protein sowie wichtige Mikronährstoffe wie Eisen, Zink und Vitamin B12. Besonders gut geeignet sind leicht verdauliche Zubereitungen wie gedünstetes oder gebratenes Fleisch.
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen)
    Sie stellen eine wichtige pflanzliche Proteinquelle dar und liefern zusätzlich Ballaststoffe, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie können beispielsweise als Linsengericht, Bohnensalat oder Hummus in die Ernährung integriert werden.
  • Nüsse und Samen
    Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse sowie Sonnenblumen- oder Kürbiskerne liefern Energie, gesunde Fettsäuren und pflanzliches Protein. Aufgrund ihrer hohen Energiedichte eignen sie sich gut als kleine Zwischenmahlzeit.
  • Vollkornprodukte
    Haferflocken, Vollkornbrot oder Naturreis liefern komplexe Kohlenhydrate, Ballaststoffe sowie wichtige B-Vitamine. Sie tragen zur Energieversorgung bei und stabilisieren den Blutzuckerspiegel.
  • Obst und Gemüse
    Sie liefern Vitamine, Mineralstoffe und antioxidative Pflanzenstoffe. Besonders geeignet sind leicht kaubare Varianten wie Beeren, Bananen, gedünstetes Gemüse oder Suppen.
  • Hochwertige Pflanzenöle (z. B. Olivenöl, Rapsöl)
    Sie stellen eine wichtige Energiequelle dar und liefern ungesättigte Fettsäuren. Ein Esslöffel Öl kann beispielsweise über Gemüse, Salat oder Kartoffeln gegeben werden, um die Energiezufuhr zu erhöhen.

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Produkte mit geringer Nährstoffdichte und hohem Anteil an Zucker oder stark verarbeiteten Fetten sollten reduziert werden.

  • Stark verarbeitete Fertigprodukte
    Viele Fertiggerichte enthalten große Mengen Salz, Zucker oder ungünstige Fette, liefern aber nur wenige Vitamine, Mineralstoffe oder hochwertigee Proteine.
  • Stark zuckerhaltige Getränke
    Limonaden, gezuckerte Fruchtsäfte oder Energy-Drinks liefern überwiegend „leere Kalorien“, ohne einen nennenswerten Beitrag zur Protein- oder Mikronährstoffversorgung zu leisten.
  • Sehr fettreiche Snacks mit geringer Proteinmenge
    Beispiele sind Chips, stark verarbeitete Backwaren oder Süßigkeiten. Sie liefern zwar Energie, tragen aber kaum zur Versorgung mit wichtigen Nährstoffen bei.

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen)

  • Rauchen beschleunigt Muskelabbau und fördert inflammatorische (entzündungsfördernde) Prozesse.
  • Erhöht das Risiko für funktionellen Verlust und Mortalität
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.

Alkohol

  • Empfehlung: maximal Niedrigrisikokonsum (Erwachsene, ohne relevante Vorerkrankungen/Interaktionen):
    • Frauen: maximal 10-12 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche
    • Männer: maximal 20-24 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Eine erfolgreiche Ernährungstherapie bei Frailty hängt stark von der praktischen Umsetzbarkeit im Alltag ab. Besonders wichtig ist es, die Ernährung an den häufig verminderten Appetit und die eingeschränkten Kräfte vieler älterer Menschen anzupassen.

Kleine Mahlzeiten statt großer Portionen
Viele Betroffene schaffen keine großen Mahlzeiten mehr. Drei kleinere Hauptmahlzeiten und zwei proteinreiche Zwischenmahlzeiten sind häufig besser verträglich als wenige große Mahlzeiten.

Protein gezielt in jede Mahlzeit integrieren
Ein praktischer Grundsatz lautet: Jede Mahlzeit sollte eine Proteinquelle enthalten. Beispiele:

  • Frühstück: Joghurt, Quark oder Ei
  • Mittagessen: Fisch, Geflügel, Hülsenfrüchte oder Tofu
  • Abendessen: Käse, Hüttenkäse oder Eier

Energie gezielt erhöhen
Bei niedrigem Körpergewicht kann die Energiezufuhr einfach gesteigert werden:

  • 1 Löffel Olivenöl über Gemüse oder Salat
  • Nüsse als Snack
  • Avocado auf Brot
  • Milch oder Joghurt statt Wasser im Müsli

Proteinreiche Snacks nutzen
Geeignete Zwischenmahlzeiten sind beispielsweise:

  • Naturjoghurt oder Skyr
  • Hüttenkäse mit Obst
  • Handvoll Nüsse
  • Käsebrot

Vorratshaltung erleichtert die Umsetzung
Praktische Lebensmittel im Haushalt:

  • Tiefkühlgemüse
  • vorgekochte Hülsenfrüchte
  • Naturjoghurt oder Quark
  • Eier
  • Nüsse und Samen

Damit lassen sich auch bei geringem Aufwand nährstoffreiche Mahlzeiten zubereiten.

Soziale Faktoren berücksichtigen
Gemeinsame Mahlzeiten fördern die Nahrungsaufnahme. Einsamkeit, Depression oder eingeschränkte Mobilität können die Ernährung stark beeinträchtigen und sollten im Rahmen der Therapie berücksichtigt werden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Aus ernährungsphysiologischer Sicht stellt die Ernährungstherapie bei Frailty vor allem eine Optimierung der Energie- und Proteinversorgung dar. Während viele ältere Menschen eine zu geringe Energiezufuhr aufweisen, steigt gleichzeitig der Bedarf an hochwertigen Proteinen, um Muskelabbauprozesse zu begrenzen. Empfohlen werden etwa 1,0-1,5 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag.

Die Fettzufuhr kann etwa 30-35 % der täglichen Energiezufuhr ausmachen und stellt eine wichtige Energiequelle dar, insbesondere bei reduziertem Appetit. Kohlenhydrate dienen vor allem als Energiequelle und sollten bevorzugt aus komplexen Quellen wie Vollkornprodukten stammen.

Ballaststoffe sollten weiterhin etwa 20-30 g pro Tag betragen, sofern keine gastrointestinalen Einschränkungen bestehen. Insgesamt bleibt die Ernährung bei angemessener Planung langfristig ausgewogen und entspricht weitgehend allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung im Alter.

Von besonderer Bedeutung ist außerdem die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen. Häufig kritisch sind Vitamin D, Vitamin B12, Calcium, Eisen und teilweise auch Zink. Vitamin D spielt dabei eine wichtige Rolle für Muskelfunktion und Knochenstoffwechsel.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die Ernährungstherapie gilt grundsätzlich als sicher, dennoch müssen einige medizinische Risiken berücksichtigt werden. Bei stark mangelernährten Patienten besteht zu Beginn der Therapie das Risiko eines Refeeding-Syndroms (potentiell lebensbedrohliche Stoffwechselstörung, die auftreten kann, wenn stark mangelernährte Menschen nach längerer Unterernährung plötzlich wieder größere Mengen an Nahrung oder Energie erhalten). Dieses kann durch rasche metabolische Veränderungen nach Wiederaufnahme einer ausreichenden Energiezufuhr entstehen und erfordert eine vorsichtige, schrittweise Steigerung der Nahrungszufuhr.

Bei Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) muss die Proteinzufuhr individuell angepasst werden, um eine zusätzliche metabolische Belastung zu vermeiden. Auch bei schwerer Herzinsuffizienz oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen kann eine individuelle Anpassung erforderlich sein.

Weitere praktische Risiken betreffen Schluckstörungen, Kauprobleme oder gastrointestinale Beschwerden, die bei älteren Menschen häufig vorkommen. In solchen Fällen kann eine Konsistenzanpassung der Nahrung oder eine spezielle ernährungsmedizinische Betreuung notwendig werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen

  • Fortgeschrittene chronische Niereninsuffizienz
  • Dekompensierte Herzinsuffizienz (Situation, in der das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen)
  • Schwere Stoffwechselentgleisungen

In diesen Situationen ist eine individuelle Anpassung der Ernährung erforderlich.

Vorteile

  • Stabilisierung der Muskelmasse
  • Verbesserung der Muskelkraft
  • Reduktion des Sturzrisikos
  • Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Unterstützung der Selbstständigkeit im Alltag

Grenzen

  • Ernährung allein kann Frailty nicht vollständig reversibel machen.
  • Wirksamkeit ist ohne körperliches Training deutlich geringer.
  • Appetitverlust kann die Umsetzung erschweren.
  • Multimorbidität begrenzt teilweise therapeutische Möglichkeiten.

Wissenschaftliche Einordnung

Beobachtungsstudien zeigen konsistent, dass eine unzureichende Energie- und Proteinaufnahme mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Frailty, funktionellen Einschränkungen und Sarkopenie assoziiert ist.

Interventionsstudien und Metaanalysen weisen darauf hin, dass eine gezielte Verbesserung der Proteinversorgung – insbesondere in Kombination mit strukturiertem Widerstands- oder Krafttraining – zu messbaren Verbesserungen von Muskelkraft, Muskelmasse und körperlicher Leistungsfähigkeit führen kann. Der Effekt der Ernährung allein ist dabei meist moderat, entfaltet jedoch in Kombination mit körperlicher Aktivität eine deutlich stärkere Wirkung.

Internationale Fachgesellschaften empfehlen deshalb ein frühzeitiges Screening auf Frailty und Mangelernährung sowie eine gezielte ernährungsmedizinische Intervention als Bestandteil geriatrischer Behandlungskonzepte. Besonders im Stadium der Prä-Frailty gilt eine Verbesserung der Ernährungsversorgung als wichtige präventive Strategie, um funktionelle Einschränkungen möglichst lange hinauszuzögern.

Fazit

Das Frailty-Syndrom stellt eine zentrale Herausforderung der alternden Gesellschaft dar, da es mit einem erhöhten Risiko für funktionellen Verlust, Stürze, Krankenhausaufenthalte und Pflegebedürftigkeit verbunden ist.

Eine gezielte Ernährungstherapie gehört zu den wichtigsten modifizierbaren Maßnahmen innerhalb der Behandlung. Eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung unterstützt den Erhalt von Muskelmasse, stabilisiert die körperliche Leistungsfähigkeit und kann den funktionellen Abbau im Alter verlangsamen.

Den größten Nutzen zeigt die Ernährungstherapie, wenn sie frühzeitig beginnt und mit körperlichem Training kombiniert wird. Besonders im Stadium der Prä-Frailty besteht die Möglichkeit, den weiteren Funktionsverlust deutlich zu bremsen und die Selbstständigkeit älterer Menschen länger zu erhalten.

Aus klinischer Sicht sollte die strukturierte Ernährungstherapie daher ein fester Bestandteil geriatrischer Präventions- und Behandlungskonzepte sein.

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