Aufnahme hoher Energiemengen durch Fett

Eine Aufnahme hoher Energiemengen durch Fett ist insbesondere dann ernährungsmedizinisch relevant, wenn fettreiche Lebensmittel zu einer dauerhaft positiven Energiebilanz beitragen. Für die Gewichtsentwicklung ist primär das Verhältnis zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch entscheidend. Für das kardiometabolische Risiko (Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen) sind darüber hinaus die Fettsäurequalität und der jeweils ersetzte Nährstoff relevant [LL1, LL2, LL4].

Nahrungsfette sind essenzielle Bestandteile der Ernährung. Sie liefern essenzielle Fettsäuren (lebensnotwendige Fettsäuren), ermöglichen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine (Vitamine, die der Körper zusammen mit Fett aufnimmt) und beeinflussen die Energiedichte (Energiegehalt pro Lebensmittelmenge) der Ernährung. Eine ernährungsmedizinische Intervention (gezielte ernährungsmedizinische Maßnahme) sollte daher nicht auf eine möglichst vollständige Fettrestriktion (Einschränkung der Fettzufuhr), sondern auf die Kontrolle der Gesamtenergiezufuhr, die Auswahl geeigneter Fettquellen und eine hohe Nährstoffdichte ausgerichtet sein [LL1, LL2].

Energiedichte von Fett

Fett liefert etwa 37 kJ bzw. 9 kcal pro Gramm und damit mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Proteine mit jeweils etwa 17 kJ bzw. 4 kcal pro Gramm. Eine Erhöhung des Fettanteils steigert deshalb häufig die Energiedichte eines Lebensmittels, insbesondere wenn gleichzeitig der Wassergehalt niedrig ist [LL1].

Eine Metaanalyse (zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien) von 38 randomisierten kontrollierten Studien (Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung und Vergleichsgruppe) zeigte, dass eine Verringerung der Energiedichte von Mahlzeiten die Energieaufnahme gegenüber Mahlzeiten mit höherer Energiedichte im Mittel um 223 kcal reduzierte. Die verzehrte Lebensmittelmenge unterschied sich dabei nicht signifikant. Die hohe statistische Heterogenität (Unterschiedlichkeit der Studienergebnisse) weist darauf hin, dass das Ausmaß des Effekts von Alter, Mahlzeitentyp, Interventionsdauer und Lebensmittelzusammensetzung abhängt [1].

Bei vergleichbarer verzehrter Lebensmittelmenge kann eine höhere Energiedichte somit zu einer höheren Energieaufnahme führen. Die Energiedichte stellt daher einen relevanten Ansatzpunkt für die Prävention (Vorbeugung) und Therapie (Behandlung) einer überhöhten Energiezufuhr dar [1].

Gesamtfettzufuhr und Körpergewicht

Ein Cochrane-Review (systematische wissenschaftliche Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration) randomisierter kontrollierter Studien untersuchte eine Verringerung der Gesamtfettzufuhr bei Erwachsenen ohne ausdrückliches Gewichtsreduktionsziel. Eine niedrigere Fettzufuhr führte gegenüber einer höheren Fettzufuhr im Mittel zu einem um 1,4 kg niedrigeren Körpergewicht. Zusätzlich wurden geringfügige Verminderungen des Body-Mass-Index (BMI, Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße), des Körperfettanteils und des Taillenumfangs beobachtet [2].

Die Gewichtsabnahme ging in den Studien meist mit einer niedrigeren Gesamtenergieaufnahme einher. Der kausale Vermittlungsweg (ursächliche Wirkungskette) wurde jedoch nicht formal untersucht [2].

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen zur Prävention einer ungesunden Gewichtszunahme, die Gesamtfettzufuhr auf höchstens 30 Energieprozent (Anteil an der gesamten Energiezufuhr in Prozent) zu begrenzen. Es handelt sich um eine bedingte populationsbezogene Empfehlung. Der Wert von 30 Energieprozent ist nicht als anzustrebende Mindestzufuhr für Personen mit einer bereits niedrigeren und bedarfsdeckenden Fettaufnahme zu interpretieren [LL1].

Bei einer gezielten Gewichtsreduktion ist eine fettreduzierte Ernährung nicht grundsätzlich wirksamer als eine kohlenhydratreduzierte oder anders zusammengesetzte hypokalorische Ernährung (Ernährung mit verminderter Energiezufuhr). Bei vergleichbarem Energiedefizit unterscheiden sich Ernährungsformen mit unterschiedlichen Anteilen an Fett, Kohlenhydraten und Protein langfristig nur geringfügig hinsichtlich der Gewichtsabnahme. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind die tatsächlich erreichte Energieeinsparung, die langfristige Adhärenz (Einhaltung der Behandlungsempfehlungen), die individuelle Umsetzbarkeit und die ernährungsphysiologische Qualität [LL3].

Die S3-Leitlinie (medizinische Leitlinie der höchsten Entwicklungsstufe) zur Prävention und Therapie der Adipositas (starkes Übergewicht) empfiehlt zur Gewichtsreduktion ein tägliches Energiedefizit von etwa 500-600 kcal oder alternativ ein individuell ermitteltes Energiedefizit. Damit ist zunächst über einen Zeitraum von maximal drei Monaten eine Gewichtsabnahme von ungefähr 0,5 kg pro Woche zu erwarten. Bei einem Energiedefizit von 500-600 kcal täglich beträgt der erwartbare Gewichtsverlust unabhängig von der Art der Ernährungstherapie nach zwölf Monaten im Mittel etwa 5-6 kg [LL3].

Fettqualität

Die gesundheitliche Bewertung einer hohen Fettzufuhr erfordert eine getrennte Betrachtung gesättigter, einfach ungesättigter, mehrfach ungesättigter und transkonfigurierter Fettsäuren (Fettsäuren mit einer besonderen räumlichen chemischen Struktur). Eine pauschale Einteilung in tierische und pflanzliche Fette bildet die unterschiedliche Fettsäurezusammensetzung der Lebensmittel nicht ausreichend ab [LL2].

Für die ernährungsmedizinische Bewertung sind daher neben der Gesamtfettzufuhr insbesondere der Anteil gesättigter und transkonfigurierter Fettsäuren sowie die Art der Ersatznährstoffe relevant [LL2].

Gesättigte Fettsäuren und LDL-Cholesterin

Gesättigte Fettsäuren erhöhen im Vergleich zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren das Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin (LDL-Cholesterin, ungünstiges Cholesterin). Eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Ernährungsstudien zeigte, dass isoenergetische Ernährungsformen (Ernährungsformen mit gleicher Energiezufuhr) mit einem höheren Verhältnis mehrfach ungesättigter zu gesättigten Fettsäuren stärkere Senkungen des LDL-Cholesterins bewirkten als Ernährungsformen mit einem niedrigeren Verhältnis. Das Ausmaß der LDL-Cholesterin-Senkung hing wesentlich davon ab, in welchem Umfang gesättigte durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren ersetzt wurden [3].

Der gesundheitliche Effekt einer Verringerung gesättigter Fettsäuren hängt vom Ersatznährstoff ab. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, gesättigte Fettsäuren durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren pflanzlicher Herkunft oder Kohlenhydrate aus Lebensmitteln mit natürlich vorkommenden Ballaststoffen zu ersetzen. Freie Zucker und stark raffinierte Kohlenhydratquellen werden nicht als geeigneter Ersatz empfohlen [LL2].

Kardiovaskuläre Ereignisse (Herz-Kreislauf-Ereignisse)

Ein Cochrane-Review mit 15 randomisierten kontrollierten Studien und mehr als 56.000 Teilnehmenden zeigte, dass eine mindestens zweijährige Verringerung der Aufnahme gesättigter Fettsäuren das relative Risiko kombinierter kardiovaskulärer Ereignisse um etwa 17 % senkte. Für die Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) und die kardiovaskuläre Mortalität (Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ergab sich kein eindeutiger Effekt. Die statistische Heterogenität der Analyse war relevant [4].

Eine 2026 veröffentlichte risikostratifizierte systematische Übersichtsarbeit (nach Risikogruppen ausgewertete Zusammenfassung mehrerer Studien) umfasste 17 randomisierte Studien mit 66.337 Teilnehmenden. Bei Personen mit niedrigem kardiovaskulärem Ausgangsrisiko lagen die absoluten Effekte einer Reduktion oder Modifikation gesättigter Fettsäuren über fünf Jahre unter den von den Autoren definierten Schwellen klinischer Relevanz. Bei Personen mit hohem Ausgangsrisiko ergaben sich dagegen Hinweise auf klinisch relevante absolute Verminderungen von Mortalität und schweren kardiovaskulären Ereignissen [5].

Der Ersatz gesättigter durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren war in dieser Analyse hinsichtlich nichttödlicher Myokardinfarkte (Herzinfarkte) günstiger als andere untersuchte Ersatzstrategien. Für den Subgruppeneffekt (Unterschied der Wirkung zwischen untersuchten Teilgruppen) bestand eine moderate Glaubwürdigkeit. Die Evidenzsicherheit (Sicherheit der wissenschaftlichen Belege) der Gesamtanalyse wurde abhängig vom Endpunkt (vorab festgelegtes Untersuchungsergebnis) als niedrig bis moderat bewertet [5].

Der erwartbare absolute Nutzen einer Reduktion oder Modifikation gesättigter Fettsäuren hängt somit wesentlich vom individuellen kardiovaskulären Ausgangsrisiko ab [5, LL4].

Orientierungswerte

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für Erwachsene zur Prävention einer ungesunden Gewichtszunahme eine Gesamtfettzufuhr von höchstens 30 Energieprozent. Gleichzeitig sollte die Gesamtfettzufuhr bei den meisten Erwachsenen mindestens 15-20 Energieprozent betragen, um eine ausreichende Zufuhr von Energie und essenziellen Fettsäuren sowie die Aufnahme fettlöslicher Vitamine zu unterstützen [LL1].

  • Gesamtfett bei Erwachsenen – höchstens 30 Energieprozent zur Prävention einer ungesunden Gewichtszunahme als bedingte Empfehlung [LL1]
  • Gesättigte Fettsäuren – höchstens 10 Energieprozent [LL2]
  • Transfettsäuren – höchstens 1 Energieprozent [LL2]
  • Bevorzugter Ersatz gesättigter Fettsäuren – mehrfach ungesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren pflanzlicher Herkunft oder Kohlenhydrate aus Lebensmitteln mit natürlich vorkommenden Ballaststoffen [LL2]

Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit Typ 2)

Für die Gesamtfettzufuhr besteht kein konsistenter unabhängiger Zusammenhang mit der Inzidenz (Häufigkeit neu auftretender Erkrankungen) eines Diabetes mellitus Typ 2. Eine Dosis-Wirkungs-Metaanalyse (zusammenfassende Auswertung des Zusammenhangs zwischen aufgenommener Menge und Wirkung) von 23 prospektiven Beobachtungsstudien (vorausschauenden Studien ohne gezielte Behandlungsvorgabe) zeigte überwiegend keine oder nur schwache Assoziationen zwischen der Aufnahme von Gesamtfett bzw. einzelnen Fettsäuren und dem Erkrankungsrisiko [6].

Eine höhere Aufnahme pflanzlicher Fette war in dieser Analyse mit einer niedrigeren Diabetesinzidenz assoziiert. Die Evidenzsicherheit der untersuchten Zusammenhänge lag jedoch nur zwischen sehr niedrig und moderat. Aufgrund der beobachtenden Studiendesigns, möglicher Residualkonfundierung (verbleibender Verzerrung durch nicht vollständig berücksichtigte Einflussfaktoren), der hohen unerklärten Heterogenität und unvermeidbarer Messfehler bei der Erfassung der Ernährung kann daraus keine sichere Kausalität (ursächlicher Zusammenhang) abgeleitet werden [6].

Für die Prävention des Diabetes mellitus Typ 2 sind daher insbesondere die langfristige Energiebilanz, die Entwicklung des Körpergewichts und das gesamte Ernährungsmuster relevant. Eine hohe Fettzufuhr ist vor allem dann ungünstig, wenn sie eine positive Energiebilanz und Gewichtszunahme begünstigt [6, LL3].

Mikronährstoffmedizinische Relevanz

Die verfügbare Metaanalysenevidenz (zusammengefasste wissenschaftliche Belege aus mehreren Studien) beschreibt kein spezifisches Mikronährstoffmangelsyndrom (Krankheitsbild durch einen Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen), das allein aus einer hohen Gesamtfettzufuhr abgeleitet werden kann. Mikronährstoffmedizinisch relevant ist vielmehr das gesamte Ernährungsmuster und insbesondere die mögliche Verdrängung nährstoffreicher Lebensmittel durch energiedichte, nährstoffärmere Produkte [7].

Eine Metaanalyse national repräsentativer Ernährungserhebungen zeigte, dass ein höherer Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel (industriell sehr stark verarbeiteter Lebensmittel) an der Energiezufuhr mit einer höheren Aufnahme von Gesamtfett, gesättigten Fettsäuren und freien Zuckern assoziiert war. Gleichzeitig bestanden Assoziationen mit einer niedrigeren Aufnahme von Ballaststoffen, Protein, Kalium, Magnesium, Zink, Phosphor sowie den Vitaminen A, C, D, E, B12 und Niacin [7].

Diese Ergebnisse beschreiben die Nährstoffqualität eines gesamten Ernährungsmusters. Sie belegen nicht, dass Nahrungsfett selbst die niedrigere Mikronährstoffaufnahme verursacht. Klinisch relevant ist die geringere Mikronährstoffdichte pro aufgenommener Energiemenge [7].

Bei moderater Energiebegrenzung lässt sich eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen (Haupt- und Kleinstnährstoffen) durch übliche ausgewogene Kostformen in der Regel sicherstellen. Sehr niedrigkalorische oder stark einseitige Ernährungsformen können dagegen bereits kurz- bis mittelfristig zu einer unzureichenden Nährstoffversorgung führen. Bei Verdacht auf einen Mikronährstoffmangel sind weiterführende Untersuchungen sowie eine Änderung der Ernährungsweise bzw. eine gezielte Supplementation (ergänzende Einnahme von Nährstoffen) erforderlich [LL3].

Eine routinemäßige Supplementation von Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen allein aufgrund einer hohen Fettzufuhr ist nicht begründet. Eine Supplementation sollte auf einer konkreten Indikation (medizinischer Grund für eine Maßnahme), einer plausiblen Risikokonstellation (Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren) oder einem nachgewiesenen Defizit beruhen [LL3].

Ernährungsmedizinische Diagnostik (Untersuchungen zur ernährungsmedizinischen Beurteilung)

Die Diagnostik sollte die Gesamtenergieaufnahme, die Fettmenge, die Fettqualität, die Lebensmittelquellen und das kardiometabolische Risikoprofil berücksichtigen [LL3, LL4].

  • Ernährungsanamnese (Erhebung der Ernährungsgewohnheiten) – Gesamtenergiezufuhr, Fettanteil in Energieprozent, Fettquellen, zugesetzte Fette, Portionsgrößen, Mahlzeitenstruktur und Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel
  • Qualitative Fettanalyse – Abschätzung der Aufnahme gesättigter, einfach ungesättigter, mehrfach ungesättigter und transkonfigurierter Fettsäuren
  • Ernährungsqualität – Aufnahme ballaststoff- und mikronährstoffreicher Lebensmittel sowie Vielfalt der Lebensmittelauswahl
  • Anthropometrie (Messung von Körpermaßen) – Körpergewicht, Body-Mass-Index, Taillenumfang und längerfristiger Gewichtsverlauf
  • Kardiometabolische Diagnostik – Blutdruck, LDL-Cholesterin, Non-High-Density-Lipoprotein-Cholesterin (Gesamtheit der ungünstigen Cholesterinanteile), Triglyceride (Blutfette), Nüchternglucose (Blutzucker im nüchternen Zustand) und glykiertes Hämoglobin (Langzeitblutzuckerwert)
  • Mikronährstoffdiagnostik – gezielte Laboruntersuchungen bei restriktiver Ernährung, klinischen Hinweisen auf eine Unterversorgung, Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme im Darm), relevanten Begleiterkrankungen oder stark verminderter Lebensmittelvielfalt

Ernährungstherapeutische Maßnahmen

Reduktion der Energiedichte – Lebensmittel mit hoher Energiedichte sollten durch wasser- und ballaststoffreichere Lebensmittel ergänzt oder teilweise ersetzt werden. Dadurch kann die Energieaufnahme reduziert werden, ohne dass die verzehrte Lebensmittelmenge entsprechend stark vermindert werden muss [1].

Quantitative Berücksichtigung von Nahrungsfetten – Zugesetzte Fette und fettreiche Lebensmittelkomponenten sollten bei der Beurteilung der Gesamtenergiezufuhr systematisch erfasst werden. Aufgrund der hohen Energiedichte können bereits vergleichsweise geringe Fettmengen die Energiezufuhr relevant erhöhen [LL1, LL3].

Optimierung der Fettqualität – Ein Teil der Lebensmittel mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren sollte durch Quellen mehrfach ungesättigter Fettsäuren oder einfach ungesättigter Fettsäuren pflanzlicher Herkunft ersetzt werden. Auch bei ernährungsphysiologisch geeigneten Fettquellen bleibt die aufgenommene Menge für die Energiebilanz relevant [LL1, LL2, LL4].

Reduktion ultrahochverarbeiteter Lebensmittel – Eine Verminderung des Anteils ultrahochverarbeiteter Lebensmittel zugunsten geringer verarbeiteter und mikronährstoffreicher Lebensmittel kann die Nährstoffdichte des Ernährungsmusters verbessern [7].

Individuelles Energiedefizit – Bei Übergewicht oder Adipositas kann ein Energiedefizit von etwa 500-600 kcal täglich oder ein individuell ermitteltes Energiedefizit angestrebt werden. Ob dieses primär durch eine Verringerung der Fettzufuhr, der Kohlenhydratzufuhr, der Portionsgrößen oder durch eine Kombination dieser Maßnahmen erreicht wird, sollte anhand der medizinischen Gegebenheiten, Ernährungspräferenzen und langfristigen Umsetzbarkeit entschieden werden [LL3].

Sicherung der Nährstoffversorgung – Die Gewichtsreduktion sollte mit einer ausreichenden Versorgung mit Protein, essenziellen Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen verbunden werden. Eine Supplementation erfolgt indikationsbezogen bei nachgewiesener oder mit hoher Wahrscheinlichkeit bestehender Unterversorgung [LL3].

Fazit

Eine Aufnahme hoher Energiemengen durch Fett ist insbesondere aufgrund der hohen Energiedichte von etwa 9 kcal pro Gramm relevant. Eine hohe Fettzufuhr führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Gewichtszunahme. Entscheidend ist eine langfristig positive Energiebilanz.

Eine Verringerung der Gesamtfettzufuhr kann auch ohne ausdrückliches Gewichtsreduktionsziel zu einer kleinen, aber konsistenten Verminderung von Körpergewicht und Körperfettmaßen führen. Bei einer gezielten hypokalorischen Ernährung ist dagegen primär das erreichte Energiedefizit und nicht eine bestimmte Makronährstoffverteilung für die Gewichtsreduktion entscheidend.

Für das kardiovaskuläre Risiko sind insbesondere die Aufnahme gesättigter und transkonfigurierter Fettsäuren, die Art des Ersatznährstoffs und das individuelle Ausgangsrisiko relevant. Der Ersatz gesättigter durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren senkt das LDL-Cholesterin und kann insbesondere bei Personen mit hohem kardiovaskulärem Risiko klinisch relevante Vorteile bieten.

Die mikronährstoffmedizinische Bedeutung einer energiereichen, fettreichen Ernährung ergibt sich primär aus einer möglichen niedrigen Mikronährstoffdichte des gesamten Ernährungsmusters. Die Therapie umfasst daher eine individualisierte Kontrolle der Energiezufuhr, eine Verringerung der Energiedichte, eine Optimierung der Fettqualität und die Sicherung der Mikronährstoffversorgung.

Literatur

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  2. Hooper L, Abdelhamid AS, Jimoh OF, Bunn D, Skeaff CM: Effects of total fat intake on body fatness in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2020;6:CD013636. doi:10.1002/14651858.CD013636
  3. Hart TL, Damani JJ, DiMattia ZS, Tate KE, Jafari F, Petersen KS: Dietary Polyunsaturated to Saturated Fatty Acid Ratio as an Indicator for LDL Cholesterol Response: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Adv Nutr. 2025;16:100502. doi:10.1016/j.advnut.2025.100502
  4. Hooper L, Martin N, Jimoh OF, Kirk C, Foster E, Abdelhamid AS: Reduction in saturated fat intake for cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev. 2020;8:CD011737. doi:10.1002/14651858.CD011737.pub3
  5. Steen JP, Klatt KC, Chang Y et al.: Effect of Interventions Aimed at Reducing or Modifying Saturated Fat Intake on Cholesterol, Mortality, and Major Cardiovascular Events: A Risk Stratified Systematic Review of Randomized Trials. Ann Intern Med. 2026;179:242-255. doi:10.7326/ANNALS-25-02229
  6. Neuenschwander M, Barbaresko J, Pischke CR, Iser N, Beckhaus J, Schwingshackl L, Schlesinger S: Intake of dietary fats and fatty acids and the incidence of type 2 diabetes: A systematic review and dose-response meta-analysis of prospective observational studies. PLoS Med. 2020;17:e1003347. doi:10.1371/journal.pmed.1003347
  7. Martini D, Godos J, Bonaccio M, Vitaglione P, Grosso G: Ultra-Processed Foods and Nutritional Dietary Profile: A Meta-Analysis of Nationally Representative Samples. Nutrients. 2021;13:3390. doi:10.3390/nu13103390

Leitlinien

  1. World Health Organization: Total fat intake for the prevention of unhealthy weight gain in adults and children: WHO guideline. Geneva: World Health Organization; 2023. WHO-Leitlinie
  2. World Health Organization: Saturated fatty acid and trans-fatty acid intake for adults and children: WHO guideline. Geneva: World Health Organization; 2023. WHO-Leitlinie
  3. S3-Leitlinie: Prävention und Therapie der Adipositas. (AWMF-Registernummer: 050-001), Version 5.0, Oktober 2024. Langfassung
  4. Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. Eur Heart J. 2021;42:3227-3337. doi:10.1093/eurheartj/ehab484