Netzhautablösung (Ablatio retinae) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Ablatio retinae (Netzhautablösung) mitbedingt sein können:

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Dauerhafte Visusminderung (Verminderung der Sehschärfe) bis zur Amaurose (Erblindung) – insbesondere bei Foveabeteiligung (Beteiligung der Stelle des schärfsten Sehens), längerer Dauer der Makulaablösung (Ablösung der Netzhautmitte), ausgeprägter retinaler Schädigung (Schädigung der Netzhaut) oder kompliziertem Verlauf [1, 5].
  • Epiretinale Membran (Narbenhäutchen auf der Netzhaut) – kann nach anatomisch erfolgreicher Wiederanlage der Netzhaut auftreten und mit Visusminderung sowie Metamorphopsien (verzerrtem Sehen) einhergehen [1].
  • Metamorphopsie – kann trotz anatomisch erfolgreicher Wiederanlage persistieren; das Risiko ist bei präoperativer Makulaablösung deutlich erhöht [2].
  • Proliferative Vitreoretinopathie (Narbenbildung an Netzhaut und Glaskörper) (PVR) – fibroproliferative Narbenreaktion (überschießende Narbenbildung) mit traktiver Netzhautverziehung (zugbedingter Verformung der Netzhaut); eine der wichtigsten Ursachen für anatomisches Versagen und erneute Netzhautablösung nach operativer Versorgung [1, 3].
  • Rezidivierende Ablatio retinae (wiederkehrende Netzhautablösung) – erneute Netzhautablösung nach primär erfolgreicher Versorgung, insbesondere bei PVR, persistierenden bzw. neu entstandenen Netzhautdefekten (Netzhautrissen oder Netzhautlöchern) oder komplexer Ausgangssituation; häufig mit erneuter Operationsnotwendigkeit [1, 3].

Prognosefaktoren

  • Foveastatus (Zustand der Stelle des schärfsten Sehens) – eine anliegende Fovea (Stelle des schärfsten Sehens) hat die günstigste funktionelle Prognose; eine Foveabeteiligung ist mit schlechterem postoperativem Visus (Sehschärfe) und häufiger persistierenden visuellen Verzerrungen (anhaltenden Bildverzerrungen) assoziiert [1, 2, 5, LL1].
  • Dauer der Fovea-/Makulaablösung – mit zunehmender Dauer verschlechtert sich die funktionelle Prognose; bei abgehobener Fovea zeigt die Metaanalyse bessere Visusergebnisse bei Versorgung innerhalb von 0-3 Tagen gegenüber 4-7 Tagen [1, 5, LL1].
  • Anliegende Fovea mit drohender Foveabeteiligung – operative Versorgung innerhalb von 0-24 Stunden kann gegenüber einer Verzögerung von mehr als 24 Stunden mit einem geringfügig besseren finalen Visus assoziiert sein [5]; die individuelle Dringlichkeit richtet sich insbesondere nach dem Risiko einer raschen Progression zur Fovea [LL1].
  • Temporal-superiore Lokalisation der Ablösung bzw. der verursachenden Netzhautforamina (Netzhautlöcher), hochblasige Ablösung, unmittelbare Foveanähe und Zustand nach Vitrektomie – erhöhtes Risiko einer raschen Progression mit Foveabeteiligung [LL1].
  • Präoperativer bestkorrigierter Visus – einer der wichtigsten Prädiktoren des postoperativen funktionellen Ergebnisses [1].
  • Ausdehnung der Netzhautablösung – ausgedehnte bzw. totale Ablösungen sind mit ungünstigerer anatomischer und funktioneller Prognose sowie erhöhtem PVR-Risiko verbunden [1, 3].
  • Proliferative Vitreoretinopathie – präoperativ bestehende bzw. postoperative PVR verschlechtert die anatomische Erfolgsrate und die Visusprognose (Aussicht auf Wiederherstellung der Sehschärfe) deutlich [1, 3].
  • Präoperative morphologische Makulaveränderungen (Formveränderungen der Netzhautmitte) in der optischen Kohärenztomographie (OCT) – insbesondere Störungen der Ellipsoidzone (lichtempfindliche Schicht der Netzhaut) bzw. der äußeren Grenzmembran (Grenzschicht der Netzhaut), intraretinale zystische Veränderungen (zystische Veränderungen innerhalb der Netzhaut) und eine größere subfoveale Ablösungshöhe (Höhe der Netzhautablösung unter der Stelle des schärfsten Sehens) sind mit einer ungünstigeren Visusprognose assoziiert [1, 4].
  • Primärer anatomischer Operationserfolg – erfolgreiche Wiederanlage mit einer Operation ist prognostisch günstiger als ein Verlauf mit Rezidiv (Wiederauftreten) und wiederholten Eingriffen [1, LL1].

Literatur

  1. La Rosa A, Feo A, Govetto A et al.: Prognostic factors after rhegmatogenous retinal detachment repair: An overview of the clinical and imaging insights. Surv Ophthalmol. 2026;71(4):1015-1028. doi:10.1016/j.survophthal.2026.01.002.
  2. Chen Z, Liu W, Liu G, Lu P: Incidence of Metamorphopsia After Successful Rhegmatogenous Retinal Detachment Surgery: A Systematic Review and Meta-Analysis. Semin Ophthalmol. 2024;39(1):66-73. doi:10.1080/08820538.2023.2279221.
  3. Xiang J, Fan J, Wang J: Risk factors for proliferative vitreoretinopathy after retinal detachment surgery: A systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2023;18(10):e0292698. doi:10.1371/journal.pone.0292698.
  4. Murtaza F, Goud R, Belhouari S et al.: Prognostic Features of Preoperative OCT in Retinal Detachments: A Systematic Review and Meta-analysis. Ophthalmol Retina. 2023;7(5):383-397. doi:10.1016/j.oret.2022.11.011.
  5. Sothivannan A, Eshtiaghi A, Dhoot AS et al.: Impact of the Time to Surgery on Visual Outcomes for Rhegmatogenous Retinal Detachment Repair: A Meta-Analysis. Am J Ophthalmol. 2022;244:19-29. doi:10.1016/j.ajo.2022.07.022.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, Retinologische Gesellschaft, Berufsverband der Augenärzte Deutschlands: Stellungnahme zur zeitlichen Planung der Versorgung einer rhegmatogenen Amotio retinae. Oktober 2020. DOG Langfassung. [LL1]