Kontaktlinsen: Komplikationen und Nebenwirkungen
Kontaktlinsen können trotz fachgerechter Anpassung und moderner, hoch sauerstoffdurchlässiger Materialien zu Veränderungen von Tränenfilm, Augenoberfläche, Hornhaut (durchsichtige Vorderfläche des Auges), Bindehaut (Schleimhaut des Auges) und Augenlidern führen. Die meisten kontaktlinsenassoziierten Beschwerden und Nebenwirkungen sind mild und reversibel; einzelne Komplikationen, insbesondere die mikrobielle Keratitis (durch Mikroorganismen verursachte Hornhautentzündung), können jedoch akut visusbedrohend sein [LL1, LL2].
Pathophysiologisch lassen sich kontaktlinsenassoziierte Komplikationen in infektiöse, inflammatorische (entzündliche), hypoxisch-metabolische (durch Sauerstoffmangel und Stoffwechselveränderungen bedingte), mechanische, toxisch-allergische sowie Tränenfilm- und Komfortstörungen einteilen. Art und Risiko einer Komplikation werden wesentlich durch Kontaktlinsenmaterial und -design, Passform, Tragemodus, Tragedauer, Austauschintervall, Hygiene, Wasserexposition, Schlafen mit Kontaktlinsen sowie individuelle Faktoren der Augenoberfläche beeinflusst [1-4, LL1-LL3].
| Komplikationsgruppe | Typische Manifestationen | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Infektiös | Mikrobielle Keratitis, Akanthamöbenkeratitis (Hornhautentzündung durch Akanthamöben), Pilzkeratitis (durch Pilze verursachte Hornhautentzündung) | Selten, potenziell visusbedrohend; dringliche Diagnostik und Therapie erforderlich |
| Inflammatorisch | Sterile Hornhautinfiltrate (nichtinfektiöse Zellansammlungen in der Hornhaut), sterile Keratitis (nichtinfektiöse Hornhautentzündung), Contact Lens Acute Red Eye | Meist reversibel; infektiöse Keratitis (durch Krankheitserreger verursachte Hornhautentzündung) muss sicher ausgeschlossen werden |
| Hypoxisch/metabolisch | Hornhautödem (Flüssigkeitseinlagerung in der Hornhaut), epitheliale Mikrozysten (kleine Bläschen in der oberflächlichen Hornhautschicht), Striae/Falten, Neovaskularisation (krankhafte Gefäßneubildung), Endothelveränderungen (Veränderungen der innersten Hornhautzellschicht) | Heute durch hoch sauerstoffdurchlässige Materialien seltener; insbesondere bei Übertragen und Nachttragen relevant |
| Mechanisch | Epitheldefekte (Defekte der oberflächlichen Zellschicht), Abrasionen (oberflächliche Abschürfungen), Superior Epithelial Arcuate Lesion, Tight-Lens-Syndrom, Corneal Warpage | Abhängig von Passform, Linsendesign, Fremdkörpern und Augenoberfläche |
| Toxisch/allergisch | Kontaktlinseninduzierte papilläre Konjunktivitis (kontaktlinsenbedingte Bindehautentzündung mit Papillenbildung), Lösungsmittelreaktionen, toxische Keratopathie (toxische Hornhautschädigung) | Meist reversibel nach Ausschaltung des Auslösers |
| Tränenfilm/Komfort | Trockenheitsgefühl, Brennen, Fremdkörpergefühl, fluktuierender Visus (schwankende Sehschärfe), Kontaktlinsenintoleranz (Unverträglichkeit von Kontaktlinsen) | Häufigste Ursache eingeschränkter Tragezeit bzw. des Abbruchs des Kontaktlinsentragens |
Kontaktlinsenbeschwerden und trockene Augen
Kontaktlinsenbeschwerden umfassen episodische oder persistierende okuläre (das Auge betreffende) Missempfindungen während des Kontaktlinsentragens, die mit oder ohne Sehstörungen auftreten können und häufig mit zunehmender Tragedauer zunehmen. Typische Beschwerden sind Trockenheitsgefühl, Brennen, Fremdkörpergefühl, Müdigkeit der Augen, intermittierendes Verschwommensehen und verkürzte komfortable Tragezeit [LL1-LL3].
Kontaktlinsen verändern die Struktur und Dynamik des Tränenfilms. Die präkorneale Tränenfilmschicht (Tränenfilmschicht vor der Hornhaut) wird durch die Kontaktlinse in eine prä- und postlinsale Schicht geteilt; Verdunstung, Benetzbarkeit, Lipidverteilung, Lidschlag und Meibomdrüsenfunktion (Funktion der Talgdrüsen der Augenlider) können dadurch beeinflusst werden. Kontaktlinsenassoziierte Beschwerden sind jedoch multifaktoriell und lassen sich nicht allein durch einen einzelnen Tränenfilmparameter erklären [LL2, LL3].
Zu den klinisch relevanten Begleitbefunden können gehören:
- Instabiler Tränenfilm.
- Hornhaut- und Bindehautfärbung.
- Meibomdrüsendysfunktion (Funktionsstörung der Talgdrüsen der Augenlider).
- Lid Wiper Epitheliopathy (LWE) [Epitheliopathie der lidrandnahen Bindehaut]
- Lidparallele konjunktivale Falten (zur Lidkante parallel verlaufende Bindehautfalten).
- 3- und 9-Uhr-Stippung insbesondere bei formstabilen kornealen Kontaktlinsen.
- Reduzierte Benetzbarkeit der Kontaktlinsenoberfläche.
- Ablagerungen auf der Kontaktlinsenoberfläche.
Eine Cochrane-Analyse von 2024 ergab für Benetzungstropfen bei Kontaktlinsenbeschwerden lediglich Evidenz niedriger bis sehr niedriger Sicherheit. Eine symptomatische Therapie sollte daher nicht die systematische Suche nach Ursachen wie unzureichender Passform, Materialproblemen, Tränenfilmstörung, Meibomdrüsendysfunktion oder inadäquatem Trageverhalten ersetzen [5].
Mikrobielle Keratitis
Die mikrobielle Keratitis ist die klinisch bedeutsamste kontaktlinsenassoziierte Komplikation. Sie kann durch Bakterien, Akanthamöben, Pilze und seltener andere Erreger verursacht werden. Kontaktlinsentragen gehört insbesondere in industrialisierten Ländern zu den wichtigsten Risikofaktoren für infektiöse Keratitiden [1-4, LL1, LL4].
Typische klinische Zeichen sind:
- Augenschmerzen.
- Photophobie (Lichtscheu).
- Akute Visusminderung (akute Verschlechterung der Sehschärfe).
- Konjunktivale bzw. ziliäre Injektion (Rötung der Bindehaut bzw. des Bereichs um die Hornhaut).
- Korneales Infiltrat (entzündliche Zellansammlung in der Hornhaut) mit epithelialem Defekt.
- Hornhautödem.
- Vorderkammerreaktion (Entzündungszeichen in der vorderen Augenkammer) bzw. Hypopyon (Eiteransammlung in der vorderen Augenkammer) bei schwerem Verlauf.
Zu den wichtigsten modifizierbaren Risikofaktoren gehören Nachttragen, mangelnde Hygiene, Wasserexposition, Überschreiten der Austauschintervalle und unsachgemäße Wiederverwendung von Kontaktlinsen [1-4, LL1, LL4].
Eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie von 2024 fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Silikonhydrogelmaterial bzw. Tages- oder wiederverwendbarer Kontaktlinse und dem grundsätzlichen Auftreten einer bakteriellen Keratitis (durch Bakterien verursachte Hornhautentzündung) innerhalb einer Hochrisikopopulation. Unter bereits erkrankten Patienten war das Tragen von Tageskontaktlinsen jedoch mit einem geringeren Risiko für einen schweren Verlauf assoziiert; wiederverwendbare Kontaktlinsen waren gegenüber regelgerecht verwendeten Tageslinsen mit einem etwa 3,0- bis 4,4-fach höheren Risiko einer schweren bakteriellen Keratitis verbunden [1].
Eine populationsbasierte Untersuchung aus Norwegen ergab für hospitalisationspflichtige schwere kontaktlinsenassoziierte Keratitiden eine deutlich höhere Inzidenz bei über Nacht getragenen Extended-Wear-Kontaktlinsen als bei Tageskontaktlinsen [4]. Diese Beobachtungsdaten unterstreichen insbesondere die Bedeutung des Tragemodus.
Akanthamöbenkeratitis
Die Akanthamöbenkeratitis ist eine seltene, jedoch potenziell schwerwiegende und therapeutisch anspruchsvolle Form der infektiösen Keratitis. Kontaktlinsenträger stellen die wichtigste Risikogruppe dar. Besonders relevant ist die Exposition gegenüber nicht sterilem Wasser [2, 6].
Typische Risikofaktoren sind:
- Duschen mit Kontaktlinsen.
- Schwimmen bzw. Whirlpoolnutzung mit Kontaktlinsen.
- Reinigung oder Aufbewahrung mit Leitungswasser.
- Wiederverwendung von Tageskontaktlinsen.
- Nachttragen.
- Unzureichende professionelle Nachkontrolle.
Carnt et al. zeigten in einer Fall-Kontroll-Studie ein höheres Risiko einer Akanthamöbenkeratitis unter wiederverwendbaren weichen Tagestragekontaktlinsen als unter Tageskontaktlinsen (OR 3,84; 95-%-KI 1,75-8,43). Bei Tageskontaktlinsenträgern waren insbesondere Wiederverwendung, Duschen mit Kontaktlinsen und Nachttragen unabhängige modifizierbare Risikofaktoren [2].
Eine 2026 publizierte Fall-Kontroll- und klinisch-epidemiologische Untersuchung bestätigt erneut die Bedeutung kontaktlinsenbezogener Expositionen für Akanthamöben- und Fusariumkeratitiden (Hornhautentzündungen durch Fusarium-Pilze) [6].
Beachte: Starke Schmerzen bei zunächst relativ geringem klinischem Hornhautbefund können insbesondere im Frühstadium einer Akanthamöbenkeratitis auftreten. Bei entsprechender Anamnese (Krankengeschichte) muss die Diagnose frühzeitig berücksichtigt werden.
Pilzkeratitis
Pilzkeratitiden sind bei Kontaktlinsenträgern deutlich seltener als bakterielle Keratitiden. Relevant sind insbesondere Fusarium- und andere filamentöse Pilze. Risikofaktoren umfassen Kontamination von Kontaktlinsen bzw. Pflegesystemen, Wasser- und Umweltexposition sowie eine gestörte Hornhautbarriere [6, LL4].
Der klinische Verlauf kann protrahiert (langwierig) sein. Bei atypischer, therapieresistenter oder chronisch verlaufender Keratitis ist deshalb neben Akanthamöben auch eine mykotische Genese (Verursachung durch Pilze) differentialdiagnostisch zu berücksichtigen.
Sterile Hornhautinfiltrate und inflammatorische Ereignisse
Kontaktlinsen können auch ohne mikrobielle Invasion zu sterilen kornealen Infiltraten und entzündlichen Hornhautreaktionen führen [LL1]. Hierzu gehören verschiedene klinische Phänotypen (Erscheinungsformen), deren Terminologie teilweise überlappt:
- Kontaktlinsenassoziierte sterile Keratitis.
- Contact Lens Acute Red Eye (CLARE) (akutes kontaktlinsenbedingtes rotes Auge) – akutes gerötetes Auge, typischerweise nach Schlafen mit Kontaktlinsen.
- Contact Lens Peripheral Ulcer (CLPU) (kontaktlinsenbedingtes peripheres Hornhautgeschwür) – peripheres fokales Infiltrat mit kleinem Epitheldefekt, häufig im Zusammenhang mit bakteriellen Toxinen.
- Asymptomatische bzw. gering symptomatische periphere Infiltrate.
Die klinische Abgrenzung einer sterilen inflammatorischen Reaktion von einer beginnenden mikrobiellen Keratitis kann schwierig sein. Zentrale Lokalisation, zunehmende Schmerzen, größerer Epitheldefekt, Progression, Vorderkammerreaktion oder Visusminderung sprechen stärker für eine infektiöse Genese. Bei diagnostischer Unsicherheit muss eine mikrobielle Keratitis angenommen und entsprechend dringlich abgeklärt werden [LL1, LL4].
Hypoxische und metabolische Veränderungen
Durch moderne, hoch sauerstoffdurchlässige Silikonhydrogel- und formstabile Materialien sind ausgeprägte hypoxische Komplikationen seltener geworden. Sie können jedoch bei geringer Sauerstofftransmissibilität, zu großer Linsendicke, engem Linsensitz, verlängerter Tragezeit oder Nachttragen weiterhin auftreten [LL1, LL2].
Mögliche Veränderungen sind:
- Epitheliale Mikrozysten und Vakuolen (kleine Hohlräume in der oberflächlichen Hornhautschicht).
- Epitheliales Hornhautödem.
- Stromaödem (Flüssigkeitseinlagerung in der mittleren Hornhautschicht) mit Striae bzw. Descemet-Falten (Falten der inneren Hornhautmembran).
- Hornhautneovaskularisation (Gefäßneubildung in der Hornhaut) – insbesondere bei chronischer peripherer Hypoxie (Sauerstoffunterversorgung).
- Endotheliale Blebs (vorübergehende umschriebene Veränderungen der innersten Hornhautzellen).
- Endotheliale Polymegalethie (ungleiche Größe der innersten Hornhautzellen) bzw. Pleomorphie (ungleiche Form der innersten Hornhautzellen) bei chronischer Belastung.
- Tight-Lens-Syndrom (Syndrom einer zu fest sitzenden Kontaktlinse) mit reduziertem Tränenaustausch und sekundärer Hypoxie.
Eine neu auftretende oder progrediente Hornhautneovaskularisation erfordert eine Reevaluation von Material, Sauerstofftransmissibilität, Linsendicke, Passform und Tragemodus [LL1, LL2].
Mechanische Komplikationen
Mechanische Schäden entstehen durch direkten Kontakt zwischen Kontaktlinse und Augenoberfläche, inadäquate Passform, Fremdkörper unter der Linse, Randinteraktion oder wiederholte Mikrotraumatisierung (wiederholte kleinste Verletzungen).
- Hornhautabrasion bzw. Epitheldefekt (oberflächliche Abschürfung bzw. Defekt der Hornhaut).
- Rezidivierende Hornhauterosion (wiederkehrender oberflächlicher Hornhautdefekt).
- Superior Epithelial Arcuate Lesion (bogenförmiger oberflächlicher Hornhautdefekt im oberen Bereich) – bogenförmiger epithelialer Defekt im oberen Hornhautbereich, insbesondere bei weichen Kontaktlinsen.
- Mucin Balls (kleine Schleimkügelchen unter der Kontaktlinse) – kleine sphärische Mucinaggregate zwischen Kontaktlinse und Hornhaut, vor allem bei Silikonhydrogellinsen; meist klinisch wenig bedeutsam.
- Konjunktivale epitheliale Flaps (kleine oberflächliche Bindehautläppchen).
- 3- und 9-Uhr-Stippung (punktförmige Hornhautschädigung seitlich der Hornhaut) bei formstabilen cornealen Kontaktlinsen.
- Contact Lens Binding (Festhaften der Kontaktlinse) – verminderte Mobilität bzw. Adhärenz einer formstabilen Kontaktlinse.
- Ptosis (Herabhängen des Oberlids) – selten bei langjährigem Kontaktlinsentragen, insbesondere im Zusammenhang mit wiederholter Manipulation am Oberlid.
Bei neu auftretenden Epitheldefekten muss das Kontaktlinsentragen pausiert und eine infektiöse Genese ausgeschlossen werden.
Kontaktlinseninduzierte Hornhautverformung
Corneal Warpage (kontaktlinsenbedingte Hornhautverformung) bezeichnet eine durch Kontaktlinsentragen hervorgerufene reversible Veränderung der Hornhautform mit Änderung von Refraktion und Hornhauttopographie. Sie tritt insbesondere bei formstabilen Kontaktlinsen auf, kann jedoch auch bei weichen Linsen vorkommen [LL1, LL2].
Klinisch können fluktuierende Refraktion, reduzierter bestkorrigierter Visus und topographisch irreguläre Veränderungen auftreten. Der Befund ist insbesondere vor refraktiver Chirurgie (operativer Korrektur einer Fehlsichtigkeit) sowie bei Keratokonusdiagnostik relevant, da kontaktlinsenbedingte Hornhautverformungen eine Ektasie (krankhafte Vorwölbung der Hornhaut) vortäuschen oder maskieren können.
Kontaktlinseninduzierte papilläre Konjunktivitis
Die kontaktlinseninduzierte papilläre Konjunktivitis bzw. bei ausgeprägter Manifestation Riesenpapillenkonjunktivitis (Bindehautentzündung mit stark vergrößerten Papillen) ist eine immunologisch-mechanisch vermittelte Erkrankung der tarsalen Bindehaut (Bindehaut an der Innenseite des Augenlids). Sie kann bei allen Kontaktlinsentypen auftreten [7, LL1, LL2].
Typische Beschwerden und Befunde sind:
- Juckreiz.
- Schleimige Sekretion.
- Kontaktlinsenintoleranz.
- Zunehmende Linsenbewegung bzw. Dezentrierung.
- Fluktuierender Visus.
- Papilläre Hypertrophie (Vergrößerung der Bindehautpapillen) der oberen tarsalen Bindehaut.
Risikofaktoren sind Ablagerungen auf der Linsenoberfläche, mechanische Reizung, lange Austauschintervalle, lange tägliche Tragedauer und atopische Disposition (Neigung zu allergischen Erkrankungen) [7]. Die Behandlung umfasst abhängig vom Schweregrad eine Tragepause, Optimierung der Hygiene, kürzere Austauschintervalle bzw. Tageslinsen, Änderung von Material oder Design sowie bei Bedarf eine antiallergische lokale Therapie.
Toxische und pflegemittelassoziierte Reaktionen
Kontaktlinsenpflegemittel können durch Konservierungsmittel, Desinfektionswirkstoffe oder Fehlanwendung toxische bzw. irritative Veränderungen der Augenoberfläche verursachen [LL1].
Hierzu gehören:
- Solution-induced Corneal Staining (durch Pflegemittel ausgelöste punktförmige Hornhautfärbung) – oberflächliche punktförmige Hornhautanfärbung im Zusammenhang mit bestimmten Kombinationen aus Kontaktlinsenmaterial und Pflegemittel.
- Toxische Keratopathie.
- Konjunktivale Hyperämie (verstärkte Rötung der Bindehaut) und Brennen.
- Unvollständig neutralisiertes Wasserstoffperoxid – kann zu akutem starken Brennen, Schmerzen, Blepharospasmus (krampfhaftem Lidschluss), Hyperämie und epithelialer Hornhautschädigung führen.
- Überempfindlichkeit gegenüber Bestandteilen des Pflegesystems.
Bei Verdacht auf eine pflegemittelassoziierte Reaktion sind das verwendete System, Materialkompatibilität, Neutralisationsverfahren und tatsächliche Anwendung durch den Patienten zu überprüfen.
Limbale Stammzellinsuffizienz
Eine kontaktlinsenassoziierte limbale Stammzellinsuffizienz (Funktionsverlust der Stammzellen am Hornhautrand) ist selten, klinisch jedoch relevant. Chronische mechanische Belastung, Hypoxie, Entzündung und toxische Einflüsse können wahrscheinlich gemeinsam zur Schädigung der limbalen Stammzellnische beitragen [LL1].
Klinische Hinweise sind persistierende epitheliale Irregularität, konjunktivale Überwachsung der Hornhaut (Einwachsen von Bindehautgewebe auf die Hornhaut), Neovaskularisation und chronisch rezidivierende Epithelstörungen. Bei Verdacht ist das Kontaktlinsentragen zu pausieren und eine spezialisierte korneale Beurteilung erforderlich.
Komplikationen bei Sklerallinsen
Sklerallinsen besitzen aufgrund ihres Überbrückungs- und Auflageprinzips ein eigenes Komplikationsprofil [LL5].
- Hornhautödem – beeinflusst durch Material-Dk, Linsendicke und Dicke des postlinsalen Flüssigkeitsreservoirs.
- Konjunktivales Blanching (Abblassen der Bindehaut durch Gefäßdruck) – Gefäßkompression durch die haptische Auflagezone.
- Impingement (lokale Druckeinwirkung) – lokale mechanische Einschnürung bzw. Druckbelastung der Bindehaut.
- Konjunktivaler Prolaps (Vorwölbung der Bindehaut) unter den Linsenrand.
- Limbale Kompression bzw. unzureichende limbale Clearance (Druck am Hornhautrand bzw. unzureichender Abstand der Linse zum Hornhautrand).
- Lufteinschlüsse unter der Linse.
- Midday Fogging (zunehmende Eintrübung unter der Sklerallinse im Tagesverlauf) – zunehmende Eintrübung des postlinsalen Flüssigkeitsreservoirs durch zelluläre, lipidreiche oder andere Bestandteile.
- Reduzierte Oberflächenbenetzbarkeit und Ablagerungen.
- Mechanische bzw. hypoxische epitheliale Veränderungen.
Bei vorbestehender endothelialer Dysfunktion (Funktionsstörung der innersten Hornhautzellschicht) ist das Risiko eines klinisch relevanten Hornhautödems erhöht; Linsendesign, zentrale Clearance, Linsendicke und Sauerstoffdurchlässigkeit müssen besonders kritisch beurteilt werden [LL2, LL5].
Komplikationen bei Orthokeratologie
Orthokeratologielinsen werden typischerweise während des Schlafs getragen. Neben erwarteten reversiblen topographischen Veränderungen können Dezentrierung, irregulärer Astigmatismus (unregelmäßige Hornhautverkrümmung), epitheliale Veränderungen, Hornhautanfärbung und infektiöse Keratitis auftreten [LL6].
Die schwerwiegendste Komplikation ist auch hier die mikrobielle Keratitis. Eine multizentrische Untersuchung aus Japan mit 1.438 Orthokeratologieträgern und 7.415 Patientenjahren identifizierte vier Fälle einer mikrobiellen Keratitis; dies entsprach einer Inzidenz von 5,4 Fällen pro 10.000 Patientenjahre (95-%-KI 1,0-9,8) [8].
Da Orthokeratologie häufig bei Kindern zur Myopiekontrolle (Verlangsamung des Fortschreitens der Kurzsichtigkeit) eingesetzt wird, sind konsequente Hygiene, Vermeidung von Wasserkontakt, professionelle Anpassung und regelmäßige Nachkontrollen essenziell [8, LL6].
Risikofaktoren für kontaktlinsenassoziierte Komplikationen
- Schlafen mit Kontaktlinsen bzw. nicht vorgesehenes Nachttragen.
- Wasserexposition – Duschen, Schwimmen, Whirlpool, Leitungswasser bei Reinigung oder Aufbewahrung.
- Unzureichende Händehygiene.
- Wiederverwendung von Tageskontaktlinsen.
- Überschreiten des vorgesehenen Austauschintervalls.
- Unsachgemäße Pflege bzw. Desinfektion.
- Kontaminierter Kontaktlinsenbehälter.
- Unzureichende Passform.
- Überlange tägliche Tragezeit.
- Vorliegende Erkrankung der Augenoberfläche – z. B. Blepharitis (Lidrandentzündung), Meibomdrüsendysfunktion oder ausgeprägtes trockenes Auge.
- Reduzierte Hornhautsensibilität (verminderte Empfindlichkeit der Hornhaut).
- Rauchen – in Beobachtungsstudien mit schwereren infektiösen Verläufen assoziiert [1].
- Fehlende bzw. unregelmäßige professionelle Nachkontrolle [2].
Klinische Einordnung
Ein rotes oder schmerzendes Auge bei einem Kontaktlinsenträger muss zunächst als potenziell kontaktlinsenassoziierte Komplikation betrachtet werden. Eine rein symptomatische Behandlung ohne Untersuchung der Hornhaut ist insbesondere bei Schmerzen, Photophobie oder Visusminderung nicht ausreichend.
Bei jeder relevanten Kontaktlinsenkomplikation sind mindestens zu prüfen:
- Kontaktlinsentyp, Material und Design.
- Passform und Linsendynamik.
- Tragemodus und tägliche Tragedauer.
- Austauschintervall.
- Schlafen mit Kontaktlinsen.
- Wasserexposition.
- Hygiene und Pflegesystem.
- Spaltlampenbefund (Untersuchungsbefund am Augenmikroskop) von Lidern, Bindehaut, Limbus (Grenzbereich zwischen Hornhaut und Lederhaut) und Hornhaut.
- Epitheldefekte bzw. Hornhautinfiltrate.
- Tränenfilm und Augenoberfläche.
Red Flags (Warnzeichen) bei Kontaktlinsen: Komplikationen und Nebenwirkungen
- Akute bzw. rasch zunehmende Augenschmerzen.
- Akute Visusminderung.
- Ausgeprägte Photophobie.
- Einseitiges stark gerötetes Auge.
- Korneales Infiltrat bzw. weißlicher Hornhautherd.
- Epitheldefekt oder Hornhautulkus (Hornhautgeschwür).
- Eitrige Sekretion.
- Vorderkammerreaktion bzw. Hypopyon.
- Ausgeprägtes Hornhautödem.
- Beschwerden nach Wasserkontakt – insbesondere bei starken Schmerzen und zunächst diskretem klinischem Befund an Akanthamöbenkeratitis denken.
- Progredienter Befund trotz Kontaktlinsenkarenz (Fortschreiten der Beschwerden trotz Tragepause).
Bei diesen Befunden ist die Kontaktlinse unverzüglich abzusetzen. Bei Verdacht auf eine infektiöse Keratitis ist eine dringliche augenärztliche Untersuchung erforderlich [3, LL1, LL4]. Kontaktlinse, Kontaktlinsenbehälter und Pflegelösung sollten bei klinischem Verdacht auf eine schwere Infektion nicht vorschnell entsorgt werden, da sie für die mikrobiologische Diagnostik relevant sein können.
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