Grüner Star (Glaukom) – Prävention

Zur Prävention des Glaukoms (Grüner Star) muss auf eine Reduktion der Risikofaktoren geachtet werden.

Verhaltensbedingte Risikofaktoren 

  • Ernährung
    • Mikronährstoffmangel (Vitalstoffe) – siehe Prävention mit Mikronährstoffen
  • Genussmittelkonsum
    • Tabak (Rauchen) – Risikoerhöhung um ca. 88 % [4]
  • Psychosoziale Situation
    • Schlafstörungen: Menschen, die weniger als drei oder mehr als zehn Stunden pro Nacht schliefen, zeigten dreimal häufiger Sehnervenschäden durch ein Glaukom als Probanden mit sieben Stunden Nachtruhe [5].
  • Schlaf
    • Hochlagerung des Kopfes beim Schlafen, bei der der Kopf mit 2 Kissen um 20-35° angehoben wird → erhöhter Augeninnendruck (IOD, Intraokulardruck) und ein verringerter okulärer Perfusionsdruck (OPP) [6]
      Konsequenz: Glaukom-Patienten können davon profitieren, dass sie Schlafpositionen vermeiden, die eine Kompression der Halsvene verursachen.
  • Übergewicht (BMI ≥ 25; Adipositas) 

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Feinstaubgehalt – Menschen aus Wohn­gegenden im obersten Viertel der Feinstaubwerte (PM 2,5) litten zu 6 % häufiger an einem Glaukom als die Bewohner im untersten Viertel der Feinstaubbelastung [3]

Präventionsfaktoren

  • Genetische Faktoren:
    • Genetische Risikoreduktion abhängig von Genpolymorphismen, bezogen auf das Pseudoexfoliationsglaukom (Synonym: PEX-Glaukom):
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gen: LOXL1
        • SNP: rs3825942 im Gen LOXL1
          • Allel-Konstellation: TT (0,1-fach bis 0,03-fach)
          • Allel-Konstellation: CT (leicht niedriger)
  • Auf Grundlage der Daten der Nurses' Health Study (63.893 Frauen, Untersuchungszeitraum 1984-2012) und der Health Professionals Follow-up Study (41.094 Männer, 1986-2012) wurde der Einfluss von nitrathaltigen Nahrungsmitteln auf die Erkrankungs­häufigkeit des Offenwinkelglaukoms untersucht. Dabei zeigte sich, dass der reichliche Verzehr von Nahrungs­mitteln mit hohem Nitratgehalt  (z. B. grünes Gemüse, Kohl) möglicherweise vor einem Offenwinkelglaukom schützt. Teilnehmer im obersten Quintil der Nitrataufnahme (ca. 240 mg/die) erkrankten im Vergleich zum Quintil mit der niedrigsten Nitrataufnahme (ca. 80 mg/die) zu 21 % seltener an einem Offenwinkelglaukom. In einer Untergruppe von Patienten mit parazentralem Gesichtsfeldausfall erkrankte das Quintil mit der höchsten Nitrat­zufuhr sogar zu 44 % seltener (MVRR/multivariable relative Risiko: 0,56; 0,40-0,79) [1].
  • Teetrinker (Tee mit Koffein) hatten ein 74 Prozent geringeres Risiko, zur Glaukom-Gruppe zu gehören, als jene, die nicht täglich Tee tranken. Kaffeetrinker dagegen – ob mit oder ohne Koffein – waren gleich häufig in der Glaukomgruppe vertreten. Der Konsum entkoffeinisierten Tees hatte keine Auswirkung auf das Glaukomrisiko [2]. Weitere Studien sind abzuwarten.

Sekundärprävention

Die Sekundärprävention zielt darauf ab, eine frühzeitige Diagnosestellung und das Auftreten schwerer Symptome bei Glaukom zu verhindern.

  • Früherkennung und Diagnostik:
    • Augeninnendruckmessung (Tonometrie) – Zur Früherkennung von erhöhtem Augeninnendruck.
    • Gesichtsfelduntersuchung – Zur Erkennung von Sehverlusten im peripheren Gesichtsfeld.
    • Ophthalmoskopie – Untersuchung des Sehnervenkopfes auf Schäden.
  • Medikamentöse Maßnahmen bei ersten Anzeichen:
    • Drucksenkende Augentropfen – Zur Reduktion des Augeninnendrucks und Verlangsamung des Krankheitsverlaufs.
    • Lasertherapie – Zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses.
    • Operative Eingriffe – In fortgeschrittenen Stadien zur dauerhaften Senkung des Augeninnendrucks.

Tertiärprävention

Die Tertiärprävention zielt darauf ab, die Progression des Glaukoms zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

  • Langzeittherapie
    • Regelmäßige Kontrolle des Augeninnendrucks und Anpassung der medikamentösen Therapie.
    • Sehhilfen – Anpassung von Brillen oder Kontaktlinsen zur Optimierung des Sehvermögens.
  • Rehabilitation und Nachsorge
    • Augenschulungen – Schulungen zur Verbesserung der Sehfähigkeit im Alltag.
    • Psychosoziale Unterstützung – Unterstützung durch Selbsthilfegruppen und psychologische Beratung zur Bewältigung der Erkrankung.

Literatur

  1. Kang JH et al.: Association of Dietary Nitrate Intake With Primary Open-Angle Glaucoma. A Prospective Analysis From the Nurses’ Health Study and Health Professionals Follow-up Study. JAMA Ophthalmol. Published online January 14, 2016. doi:10.1001/jamaophthalmol.2015.5601
  2. Wu CM et al.: Frequency of a diagnosis of glaucoma in individuals who consume coffee, tea and/or soft drinks. Br J Ophthalmol 2017;0:1–7. doi:10.1136/bjophthalmol-2017-310924
  3. Chua SYL et al.: The Relationship Between Ambient Atmospheric Fine Particulate Matter (PM2.5) and Glaucoma in a Large Community Cohort. nvestigative Ophthalmology & Visual Science November 2019, Vol.60, 4915-4923. doi:https://doi.org/10.1167/iovs.19-28346
  4. Erb C: Sekundäre Neuroprotektion beim Glaukom durch Lebensstiländerungen Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 237(02):158-162 doi: 10.1055/a-1078-1333
  5. Qiu M, Ramulu PY, Boland MV: Association Between Sleep Parameters and Glaucoma in the United States Population: National Health and Nutrition Examination Survey. J Glaucoma. 2019 Feb;28(2):97-104. doi: 10.1097/IJG.0000000000001169.
  6. Liu T et al.: Association of high-pillow sleeping posture with intraocular pressure in patients with glaucoma Journal of Ophthalmology Published Online First: 27 January 2026. doi: 10.1136/bjo-2025-328037