Grüner Star (Glaukom) – Anamnese
Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Glaukoms dar.
Familienanamnese
- Gibt es in Ihrer Familie häufig Augenkrankheiten, insbesondere Glaukom?
- Bestehen in Ihrer Familie weitere Erkrankungen wie Hypertonie (Bluthochdruck) oder Diabetes mellitus?
Sozialanamnese
- Beruf:
- Welchen Beruf üben Sie aus?
- Arbeiten Sie häufig am Bildschirm oder in Umgebungen mit schlechter Beleuchtung?
- Gibt es Hinweise auf psychosoziale Belastungen?
Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)
- Haben Sie Gesichtsfeldausfälle bemerkt, z. B. schwarze Flecken oder Einschränkungen im Randbereich des Sichtfeldes?*
- Hat sich Ihre Sehschärfe vermindert (verschwommenes Sehen, Schwierigkeiten beim Lesen)?
- Treten Symptome wie Regenbogenfarben um Lichtquellen auf?*
- Haben Sie akut Schmerzen an einem Auge?*
- Haben Sie gleichzeitig eine fortschreitende Verschlechterung des Sehvermögens?*
- Ist Ihnen Übelkeit aufgefallen, insbesondere in Verbindung mit Sehstörungen?*
- Verspüren Sie ein Druckgefühl im oder um das betroffene Auge?
- Leiden Sie unter Kopfschmerzen, insbesondere in Verbindung mit den anderen genannten Symptomen?
- Hat sich Ihr Schlafverhalten verändert?
- Leiden Sie unter Schlafstörungen oder Schlafapnoe?
Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese
- Sind Sie übergewichtig? Geben Sie uns bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
- Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
- Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
Eigenanamnese
- Vorerkrankungen:
- Augenkrankheiten (z. B. frühere Glaukomepisoden, Netzhauterkrankungen)?
- Hypertonie (Bluthochdruck)?
- Diabetes mellitus?
- Hypercholesterinämie?
- Schlafapnoe-Syndrom?
- Gab es in der Vergangenheit Verletzungen am Auge?
- Haben Sie bereits Augenoperationen durchlaufen (z. B. Katarakt-OP)?
- Sind bei Ihnen Allergien bekannt?
Medikamentenanamnese
- Alpha-1-Agonisten (Phenylephrin, Ephedrin)**
- Beta-2-Agonisten (Albuterol, Salbutamol)**
- Anticholinergika (Atropin, Glykopyrrolat, Oxybutynin, Scopolamin, (Ipratropium), Botulinumtoxin)**
- Antidiabetika
- Biguanide (Drucksteigerung von > 1 mmHg = 14 % erhöhtes Risiko, innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom zu entwickeln) [1]
- Sulfonylharnstoffe (Drucksteigerung von > 1 mmHg = 14 % erhöhtes Risiko, innerhalb von fünf Jahren ein Glaukom zu entwickeln) [1]
- Antihistaminika (Cetirizin, Loratadin)**
- Bevacizum – Patienten, die mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) pro Jahr sieben oder mehr intravitreale Injektionen dieses Medikaments erhielten (2,48-faches Risiko) [2]
- Calciumantagonisten (Calciumkanalblocker) – Glaukomprävalenz (Krankheitshäufigkeit) für ein primäres Offenwinkelglaukom bzw. nicht näher spezifiziertes Glaukom: 0,4 % unter den Patienten mit Calciumantagonisten und 0,2 % für die Patienten ohne eine solche Medikation; höheres Risiko für Patienten ohne Hypertonie (verdoppeltes Glaukomrisiko); mit Hypertonie (Bluthochdruck) betrug die Risikosteigerung 47 % [4]
- Cortison (Salbe oder Augentropfen), Langzeitbehandlung
- Serotonerge Wirkstoffe (SSRI; SNRI; Triptan; Aripiprazol)**
- Sulfonamide (Topiramat, Acetazolamid, Methylsulfonylmethan (MSM))**
- Tadalafin – Die langfristige Anwendung von Tadalafil bei Männern mit LUTS war in einer multinationalen Kohortenstudie über bis zu 5 Jahre mit einem moderat erhöhten Glaukomrisiko assoziiert (HR 1,22; 95-%-KI 1,12-1,33). Die 5-Jahres-Inzidenz betrug 3,93 % unter Tadalafil versus 3,16 % in der Vergleichsgruppe (absolute Differenz 0,77 Prozentpunkte). Auch okuläre Hypertension, primäres Offenwinkelglaukom und der Beginn einer Glaukomtherapie traten häufiger auf; für Normaldruck- und Winkelblockglaukom bestand kein signifikanter Zusammenhang. Aufgrund des Beobachtungsdesigns lässt sich daraus keine Kausalität ableiten [5].
** Medikamente, die einen akuten Winkelblock induzieren können.
Umweltanamnese
- Feinstaubgehalt – Menschen aus Wohngegenden im obersten Viertel der Feinstaubwerte (PM 2,5) litten zu 6 % häufiger an einem Glaukom als die Bewohner im untersten Viertel der Feinstaubbelastung [3].
* Falls diese Frage mit "Ja" beantwortet worden ist, ist ein sofortiger Arztbesuch erforderlich! (Angaben ohne Gewähr)
Unsere Empfehlung: Drucken Sie die Anamnese aus, markieren Sie alle mit „Ja“ beantworteten Fragen und nehmen Sie das Dokument mit zu Ihrem behandelnden Arzt.
Literatur
- Ho H et al.: Association of Systemic Medication Use With Intraocular Pressure in a Multiethnic Asian Population. JAMA Ophthalmol 2017, online 12. Januar; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2016.5318
- Eadie BD et al.: Association of Repeated Intravitreous Bevacizumab Injections With Risk for Glaucoma Surgery. JAMA Ophthalmol. Published online March 16, 2017. doi:10.1001/jamaophthalmol.2017.0059
- Chua SYL et al.: The Relationship Between Ambient Atmospheric Fine Particulate Matter (PM2.5) and Glaucoma in a Large Community Cohort. Investigative Ophthalmology & Visual Science November 2019, Vol.60, 4915-4923. doi:https://doi.org/10.1167/iovs.19-28346
- Kastner A et al.: Calcium Channel Blocker Use and Associated Glaucoma and Related Traits Among UK Biobank Participants. JAMA Ophthalmol 2023; https://doi.org/10.1001/jamaophthalmol.2023.3877
- Hsia Y, Tsai CY, Hung SC, Chen JP, Pan SY, Lin HJ et al.: Risk of glaucoma among patients using tadalafil for lower urinary tract symptoms: a multinational cohort study. Br J Ophthalmol. 2026; online ahead of print. doi:10.1136/bjo-2026-329957