Farbsinnstörungen (Farbsehstörung, Farbfehlsichtigkeit) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße
  • Augenärztliche Untersuchung – jeweils seitengetrennte Untersuchung beider Augen; inklusive:
    • Bestimmung der Sehschärfe mit bestmöglicher Refraktionskorrektur (Korrektur einer Fehlsichtigkeit) [bei erworbener Farbsinnstörung ggf. Visusminderung (verminderte Sehschärfe)]
    • Prüfung der Pupillenreaktionen einschließlich Swinging-Flashlight-Test [relativer afferenter Pupillendefekt (Störung der Lichtreizleitung zum Gehirn) bei einseitiger bzw. asymmetrischer Schädigung des Sehnervs]
    • Prüfung der Rotentsättigung (verminderte Wahrnehmung der Farbe Rot) im Seitenvergleich [verminderte Farbsättigung, insbesondere bei Optikusneuropathie (Erkrankung des Sehnervs)]
    • Orientierende Gesichtsfeldprüfung durch Konfrontation [Gesichtsfeldausfälle (Ausfälle in Bereichen des wahrgenommenen Sehfeldes) bei retinaler (die Netzhaut betreffender), optischer (den Sehnerv betreffender) oder zentralnervöser (das zentrale Nervensystem betreffender) Ursache]
    • Untersuchung der vorderen Augenabschnitte mit der Spaltlampe einschließlich Cornea, Vorderkammer und Linse [Trübung optischer Medien, insbesondere Linsentrübung, als mögliche Ursache einer erworbenen Farbsinnstörung]
    • Stereoskopische Untersuchung des Augenhintergrundes mit Beurteilung von Papille (Sehnervenkopf), Makula (Stelle des schärfsten Sehens) und Retina (Netzhaut) [Papillenödem (Schwellung des Sehnervenkopfes) oder Papillenblässe (Blässe des Sehnervenkopfes) bei Optikusneuropathie; makuläre (die Stelle des schärfsten Sehens betreffende) bzw. retinale Veränderungen bei erworbener Farbsinnstörung]
    • Farbsehprüfung unter standardisierten Beleuchtungsbedingungen und grundsätzlich monokular (mit jeweils nur einem Auge) für jedes Auge getrennt:
      • Pseudoisochromatische Farbtafeln, insbesondere Ishihara-Test – Screening vorwiegend auf angeborene Rot-Grün-Farbsinnstörungen [reproduzierbare Protan- bzw. Deutan-Verwechslungen]
      • Hardy-Rand-Rittler-(HRR-)Test – Prüfung von Rot-Grün- sowie Blau-Gelb-Störungen und orientierende Graduierung (Einteilung nach Schweregrad) des Schweregrades [Protan-, Deutan- oder Tritan-Verwechslungsmuster]
      • Farnsworth-D15-Test (Panel-D15-Test) – Anordnungstest zur Beurteilung klinisch relevanter Farbverwechslungen und ihrer Verwechslungsachse [charakteristische Protan-, Deutan- oder Tritan-Achse]
      • Farnsworth-Munsell-100-Hue-Test – bei Bedarf zur differenzierten quantitativen (zahlenmäßigen) Erfassung der Farbdiskrimination (Fähigkeit zur Unterscheidung von Farben) [erhöhte Fehlerzahl und charakteristische Verwechslungsachsen]
      • Anomaloskop nach Nagel – Referenzverfahren zur exakten Differenzierung und Quantifizierung angeborener Rot-Grün-Farbsinnstörungen [Protanomalie (Rotsehschwäche)/Protanopie (Rotblindheit) bzw. Deuteranomalie (Grünsehschwäche)/Deuteranopie (Grünblindheit)]
    • Beurteilung der Seiten- und Verlaufskonstellation [angeborene Farbsinnstörungen typischerweise beidseits symmetrisch und stabil; erworbene Farbsinnstörungen häufiger neu aufgetreten, progredient (fortschreitend) oder zwischen beiden Augen asymmetrisch (ungleich ausgeprägt)]
  • Neurologische Untersuchung – bei neu aufgetretener, einseitiger/asymmetrischer oder anderweitig nicht ophthalmologisch (augenärztlich) erklärbarer Farbsinnstörung; inklusive:
    • Hirnnervenstatus (Untersuchung der Hirnnerven) [weitere Hirnnervenausfälle (Funktionsstörungen von Hirnnerven) bei zentralnervöser bzw. kompressiver (durch Druck verursachter) Ursache]
    • Motorik (Bewegungsfunktion), Sensibilität (Empfindungsfähigkeit), Koordination (Abstimmung von Bewegungen) und Reflexstatus (Prüfung der Reflexe) [zusätzliche fokal-neurologische (örtlich begrenzte, das Nervensystem betreffende) Defizite bei zentralnervöser Ursache]

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.