Adrenopause – Medizingerätediagnostik
Obligate Medizingerätediagnostik
Bei der Adrenopause (altersbedingter Rückgang der Nebennierenandrogene) bestehen keine obligaten medizingerätediagnostischen Untersuchungen. Als Adrenopause wird der physiologische, altersabhängige Rückgang der adrenalen Androgene (männliche Geschlechtshormone aus der Nebenniere) Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) bezeichnet. Die Konzentrationen von DHEA und DHEAS erreichen ihr Maximum im jungen Erwachsenenalter und nehmen anschließend kontinuierlich ab; die Cortisolsekretion (Ausschüttung des Hormons Cortisol) zeigt demgegenüber keinen vergleichbaren altersabhängigen Rückgang [1]. Die Adrenopause ist somit ein altersphysiologisches endokrines Phänomen (hormonelles Geschehen) und keine bildmorphologisch definierte Erkrankung der Nebennieren.
Eine Sonographie, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) oder nuklearmedizinische Untersuchung kann eine Adrenopause weder diagnostizieren noch quantifizieren. Ein isolierter, altersentsprechender Abfall von DHEA bzw. DHEAS begründet daher keine Indikation zur Bildgebung der Nebennieren [1]. Eine Medizingerätediagnostik ist nur angezeigt, wenn Anamnese, körperliche Untersuchung und insbesondere die endokrinologische Labordiagnostik Hinweise auf eine pathologische Nebennierenfunktionsstörung (krankhafte Funktionsstörung der Nebenniere), eine strukturelle Nebennierenerkrankung oder eine andere relevante Differentialdiagnose ergeben [LL1-LL3].
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von Anamnese, körperlicher Untersuchung und klinischer Verdachtsdiagnose – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Computertomographie (CT) der Nebennieren ohne Kontrastmittel – bei biochemisch gesicherter primärer Nebenniereninsuffizienz (Unterfunktion der Nebennierenrinde) unklarer Ätiologie, insbesondere wenn keine autoimmune Genese (durch das Immunsystem verursachte Entstehung) nachgewiesen werden kann; bei Männern ist zuvor bzw. parallel insbesondere eine X-chromosomale Adrenoleukodystrophie (erblich bedingte Stoffwechselerkrankung) zu berücksichtigen. Die CT dient der Ursachenabklärung und kann unter anderem Hinweise auf infektiöse oder infiltrative Nebennierenerkrankungen, Einblutungen, Tumoren (Geschwülste) oder Metastasen (Tochtergeschwülste) liefern [LL1].
- Computertomographie (CT) der Nebennieren ohne Kontrastmittel – bei einer sonographisch oder anderweitig zufällig entdeckten Nebennierenraumforderung (Gewebeveränderung der Nebenniere) zur primären morphologischen Charakterisierung. Bei einem Nebenniereninzidentalom (zufällig entdeckte Raumforderung der Nebenniere) ist die native CT das bevorzugte bildgebende Verfahren. Eine homogene Nebennierenraumforderung mit einer Dichte von ≤ 10 Hounsfield-Einheiten (HU) in der nativen CT ist mit einer benignen lipidreichen Läsion (gutartigen fettreichen Gewebeveränderung) vereinbar und erfordert unabhängig von ihrer Größe keine weitere bildgebende Abklärung [LL2].
- Magnetresonanztomographie (MRT) der Nebennieren einschließlich Chemical-Shift-Bildgebung – zur weiterführenden Charakterisierung ausgewählter indeterminierter Nebennierenraumforderungen bzw. wenn eine CT vermieden werden soll. Ein Signalverlust in der Opposed-Phase spricht bei einer homogenen Raumforderung für intrazelluläres Lipid und damit typischerweise für ein lipidreiches Adenom (gutartigen Drüsentumor). Bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren ist bei erforderlicher spezifischer Nebennierenbildgebung die MRT gegenüber einer CT zu bevorzugen [LL2].
- Computertomographie (CT) bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) der Nebennieren bei klinischem oder biochemischem Verdacht auf einen androgenproduzierenden Nebennierentumor – insbesondere bei rasch progredienter Virilisierung (Vermännlichung), schwerem biochemischem Androgenexzess (Überschuss männlicher Geschlechtshormone) oder neu aufgetretenem Androgenexzess bei postmenopausalen Frauen; bei solchen Warnkonstellationen ist eine zeitnahe ovarielle und adrenale Bildgebung erforderlich [LL3].
- 18F-Fluordesoxyglucose-Positronenemissionstomographie/Computertomographie (18F-FDG-PET/CT) – bei ausgewählten indeterminierbaren oder malignitätsverdächtigen Nebennierenraumforderungen zur weiterführenden Charakterisierung bzw. zum Staging, wenn das Ergebnis das weitere therapeutische Vorgehen beeinflusst; keine Indikation bei isolierter physiologischer Adrenopause [LL2, LL4].
Red Flags (Warnzeichen) bei Adrenopause
Folgende Befunde sind nicht durch eine physiologische Adrenopause zu erklären und erfordern eine gezielte endokrinologische sowie gegebenenfalls medizingerätediagnostische Abklärung:
- Hypotonie (niedriger Blutdruck) bzw. Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel), Hyponatriämie, Hyperkaliämie, Hyperpigmentierung (verstärkte Hautfärbung), unerklärter Gewichtsverlust, rezidivierende Übelkeit, Erbrechen oder abdominelle Schmerzen – Verdacht auf eine primäre Nebenniereninsuffizienz [LL1]
- Akute Kreislaufinstabilität, schwere Hypotonie bzw. Schock, ausgeprägte gastrointestinale Beschwerden oder Hypoglykämie bei entsprechender klinischer Konstellation – Verdacht auf eine Nebennierenkrise (akute lebensbedrohliche Unterfunktion der Nebennierenrinde); eine erforderliche Akuttherapie darf nicht durch bildgebende Untersuchungen verzögert werden [LL1]
- Rasch progrediente Virilisierung oder schwerer biochemischer Androgenexzess bei Frauen – Ausschluss einer androgenproduzierenden ovariellen oder adrenalen Neoplasie (krankhaften Gewebeneubildung) [LL3]
- Neu aufgetretener klinischer oder biochemischer Androgenexzess bei postmenopausalen Frauen – erhöhte Wahrscheinlichkeit einer neoplastischen Genese und Indikation zur zeitnahen gezielten Bildgebung [LL3]
- Inhomogene Nebennierenraumforderung, native CT-Dichte > 20 HU, relevante Größe bzw. weitere bildmorphologische Malignitätskriterien (Hinweise auf Bösartigkeit) – interdisziplinäre Abklärung zum Ausschluss einer malignen Nebennierenerkrankung (bösartige Erkrankung der Nebenniere) [LL2, LL4]
Literatur
- Nawata H, Yanase T, Morohashi KI et al.: Anti-aging effects of the adrenal androgens dehydroepiandrosterone and dehydroepiandrosterone sulfate: mechanisms of action and beneficial effects in older people. Endocr J. 2026;73(4):495-516. doi:10.1507/endocrj.EJ25-0483.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Bornstein SR, Allolio B, Arlt W et al.: Diagnosis and Treatment of Primary Adrenal Insufficiency: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2016;101(2):364-389. doi:10.1210/jc.2015-1710. [LL1]
- Fassnacht M, Tsagarakis S, Terzolo M et al.: European Society of Endocrinology clinical practice guidelines on the management of adrenal incidentalomas, in collaboration with the European Network for the Study of Adrenal Tumors. Eur J Endocrinol. 2023;189(1):G1-G42. doi:10.1093/ejendo/lvad066. [LL2]
- Elhassan YS, Hawley JM, Cussen L et al.: Society for Endocrinology Clinical Practice Guideline for the Evaluation of Androgen Excess in Women. Clin Endocrinol (Oxf). 2025;103(4):540-566. doi:10.1111/cen.15265. [LL3]
- Expert Panel on Urological Imaging, Chang SD, Jeavons C et al.: ACR Appropriateness Criteria® Staging and Follow-Up of Adrenal Cancer. J Am Coll Radiol. 2026. Online ahead of print. doi:10.1016/j.jacr.2026.02.023. [LL4]