Einleitung
Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Unter einer Hypoglykämie (Synonyme: Glukopenie; Glykopenie; ICD-10 E16.1/E16.2) versteht man eine Unterzuckerung mit einem Glucose-Serumspiegel (Blutzucker) von unter 50 mg/dl (< 2,77 mmol/l). Bezieht man die Schwere der Symptomatik mit ein, ergibt sich folgende Einteilung der Hypoglykämie:

  • Glucose-Serumspiegel < 50 mg/dl (< 2,77 mmol/l) ohne Symptomeasymptomatische Hypoglykämie
  • Glucose-Serumspiegel < 50 mg/dl (< 2,77 mmol/l) mit Symptomensymptomatische Hypoglykämie mit zwei Schweregraden:
    • 1. Patient kann sich noch selbst helfen
    • 2. Patient braucht auf Grund der schweren Symptome Fremdhilfe

Man kann viele verschiedene Ursachen einer Hypoglykämie unterscheiden. Diese werden nach dem Zeitpunkt des Auftretens unterteilt in:

  • Nüchternhypoglykämie
  • Reaktive (postprandiale) Hypoglykämie – Unterzuckerung, die nach einer Mahlzeit auftritt
  • Exogene Hypoglykämie – von außen verursache Unterzuckerung, beispielsweise durch Medikamente

In seltenen Fällen einer Hypoglykämie liegt ein Insulinom (ein seltener, meist benigner (gutartiger) Tumor aus den endokrinen Zellen (Langerhans-Inseln des Pankreas/Bauchspeicheldrüse)) vor. Der diesen Sachverhalt beschreibende Symptomenkomplex wird als Whipple-Trias bezeichnet:

  1. Hypoglykämien mit einem Glucosespiegel unter 45 mg/dl (< 2,5 mmol/l)
  2. mit Hypoglykämie assoziierte neurologische und autonome Symptome wie Schwitzen, Tremor (Zittern), Verwirrtheit, Parästhesien (Empfindungsstörungen), Vertigo (Schwindel), Tachykardie (Herzrasen; schneller, anhaltender Herzrhythmus von mehr als 100 Schlägen pro Minute), Palpitationen (Herzstolpern)
  3. rasche Besserung der klinischen Symptomatik bei Infusion einer Glucoselösung

Die Hypoglykämie tritt in der Regel beim Diabetiker auf. Hypoglykämien beim Nicht-Diabetiker sind selten.

Verlauf und Prognose: Neben der Behandlung der Symptomatik steht die Beseitigung der auslösenden Ursache im Vordergrund.
Diabetiker müssen intensiv geschult werden, um Frühsymptome einer Hypoglykämie zu erkennen und entsprechend gegen steuern zu können.
Beachte: Bei langsam auftretenden Hypoglykämien können autonome Zeichen fehlen und neuroglykopenische Zeichen (Zeichen, die durch den Glucosemangel im zentralen Nervensystem entstehen) können ohne Vorwarnung auftreten. Dieses führt dann plötzlich zu schweren Störungen des Zentralnervensystems (hypoglykämischer Schock; auch als hypoglykämisches Koma bezeichnet)

Schwere Hypoglykämien gehen mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit) einher. In einer Studie mit Typ-2-Diabetikern blieb das Mortalitätsrisiko (Sterberisiko) noch für Wochen bis Monate nach dem Ereignis erhöht (Mortalitätsrisiko 15 Tage nach Auftreten der Hypoglykämie um das 4,2-fache (Hazard Ratio, HR: 4,20), 180 Tage später um das 3,13-fache (HR: 3,13) und 365 Tage nach dem Vorfall um das 2,7-fache (HR: 2,7) erhöht) [1].

Literatur

  1. Pieber T et al.: DEVOTE 3: temporal relationship between severe hypoglycaemia, cardiovascular outcomes and mortality. Diabetologia 2017 Sep 15. doi: 10.1007/s00125-017-4422-0.

     
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