Einleitung
Diabetes mellitus Typ 1

Beim Diabetes mellitus Typ 1 (Synonyme: juveniler Diabetes mellitus, engl.: juvenile Diabetes mellitus, dieses ist die veraltete Bezeichnung für Typ-1-Diabetes; weitere Synonyme: Typ-1-Diabetes; Typ1 Diabetes; ICD-10 E10.-: Primär insulinabhängiger Diabetes mellitus, engl. insulin dependent (IDDM) [Typ-1-Diabetes]) handelt es sich um die sogenannte "Zuckerkrankheit". Der Typ-1-Diabetes mellitus beruht auf einer autoimmunologischen (durch den Körper selbst verursachten, Typ 1a) oder idiopathischen (Ursache unbekannt, Typ 1b) Zerstörung der Betazellen der Langerhans-Inseln (Ort der Insulinproduktion) des Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und führt üblicherweise zu absolutem Insulinmangel. Insulin ist ein wichtiges Hormon zur Regulation der Glucose (Blutzucker) im Blut.

Etwa 5-10 % aller Diabetiker haben einen Typ-1-Diabetes.

Meistens beginnt die Erkrankung schon im Kindes- und Jugendalter.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt in der Regel vor dem 40. Lebensjahr auf (Erstmanifestation), kann jedoch auch im höheren Alter vorkommen.
Die Neuerkrankungen erreichen ihren Höhepunkt in der Altersgruppe der 11- bis 13-Jährigen.
Beachte: 42 % der Typ-1-Diabetesfälle manifestieren sich erst zwischen dem 31. und 60. Lebensjahr [6].

In Deutschland sind in etwa 400.000 Menschen an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt.

Die Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) beträgt ca. 8-17 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr (in Deutschland), weltweit gibt es jedoch sehr große Unterschiede. In den letzten Jahren steigt die Inzidenz von Diabetes mellitus Typ 1 bei Kindern unter 6 Jahren an.

Verlauf und Prognose: Erstmanifestation durch Hyperglykämie (Überzuckerung) mit typischen Symptomen wie Polydipsie (übermäßiger Durst), Polyurie (vermehrte Harnausscheidung) und Gewichtsverlust.
In circa 25 % der Fälle ist das ketoazidotische Koma (Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) bei Insulinmangel) das erste Zeichen eines Diabetes mellitus Typ 1 (Manifestationskoma).
Typische Komplikationen der Erkrankung sind eine diabetische Retinopathie (Verschlechterung der Sehfähigkeit bis hin zur Erblindung, bedingt durch die hohen Zuckerwerte), die diabetische Nephropathie (die Nieren werden durch Mikroangiopathie (Gefäßveränderungen, die kleinen Gefäße betreffend) geschädigt) und die diabetische Neuropathie (chronische Störungen der peripheren Nerven oder Anteilen von Nerven; diese führen vorwiegend zu Gefühlsstörungen in den betroffenen Körperregionen).

Diabetes mellitus Typ 1 ist nicht heilbar. Die Betroffenen müssen sich ihr Leben lang Insulin spritzen (Insulinsubstitution). 

Im Vergleich zu Nicht-Diabetikern haben Typ-1-Diabetiker eine um ca. 12 Jahre reduzierte Lebenserwartung (Männer 11,11 Jahre; Frauen 12,9 Jahre). Im Durchschnitt sterben Typ-1-Diabetiker im Alter von ca. 67 Jahren [2].

Typ-1-Diabetiker zeigen auch ohne Albuminurie (erhöhte Ausscheidung von Albumin mit dem Urin) eine Exzessmortalität (Übersterblichkeit) im Vergleich zur Kontrollgruppe ohne Diabetes. Die erhöhte Mortalität (Sterberate) wird hauptsächlich durch eine 4‑fach erhöhte Rate an KHK-assoziierten Todesfällen (Koronare Herzkrankheit (KHK); Herzkranzgefäßerkrankung) sowie akute Diabeteskomplikationen bedingt [7].

Beachte: Wg. intensivierter Insulintherapie und infolge veränderter Lebensgewohnheiten liegt heute der BMI (Body-Mass-Index; Körpermassen-Index) vieler Patienten im Kindes- und Jugendalter über den alters- und geschlechtsabhängigen Referenzwerten, was nachteilige Auswirkungen auf die Blutzuckerkontrolle hat. Dieses führt zu erhöhten HbA1c-Werten (Blutzucker-Langzeitwert) und einer erhöhten Häufigkeit von schweren Hypoglykämien (Unterzuckerung mit Krampfanfällen und Bewusstseinsstörungen) [4].

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen): Studien weisen darauf hin, dass Zöliakie (chronische Erkrankung der Dünndarmmukosa (Dünndarmschleimhaut), die auf einer Überempfindlichkeit gegen das Getreideeiweiß Gluten beruht) mit Diabetes mellitus Typ 1 assoziiert ist. Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 liegt die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) von Zöliakie bei größer 5 % [1]. Zöliakie erhöht auch bei Typ-1-Diabetikern das Risiko für mikrovaskuläre (betreffend den kleinen Blutgefäßen) Komplikationen (Retino- und Nephropathie/Erkrankung von Netzhaut und Nieren) [4].
Weitere Komorbiditäten sind Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto-Thyreoiditis/Autoimmunthyreoiditis (AIT), Morbus Basedow; im Vergleich zu Kindern ohne Diabetes auf das 14,2-fache erhöht), nicht infektiöse Enteritiden (Darmentzündungen) und Kolitiden (Dickdarmentzündungen; 5,6-fach erhöht), kardiovaskuläre Erkrankungen (3,1-fach erhöht), obstruktive Lungenerkrankungen möglich, (Lungenerkrankungen, bei denen die Verengung bzw. Verlegung der Atemwege (Obstruktion) im Vordergrund steht; 1,5-fach erhöht) sowie psychische Störungen und Epilepsie (jeweils 2,0-fach erhöht) [3].

Literatur

  1. Elfström P, Sundström J, Ludvigsson JF: Systematic review with meta-analysis: associations between coeliac disease and type 1 diabetes. Aliment Pharmacol Ther. 2014 Nov;40(10):1123-32. doi: 10.1111/apt.12973. Epub 2014 Oct 1
  2. Livingstone SJ et al.: Estimated Life Expectancy in a Scottish Cohort With Type 1 Diabetes, 2008-2010. JAMA. 2015;313(1):37-44. doi:10.1001/jama.2014.16425.
  3. Fazeli Farsani S et al.: Chronic comorbidities in children with type 1 diabetes: a population-based cohort study. Arch Dis Child 2015; online 15. April 2015; doi:10.1136/archdischild-2014-307654
  4. Rohrer T, Wolf J, Liptay S et al.: Microvascular complications in childhood-onset type 1 diabetes mellitus and celiac disease: a multicenter longitudinal analysis of 56514 patients from the German-Austrian DPV database. Diabetes Care 2015;38(5):801-7.
  5. DuBose SN et al.: Obesity in Youth with Type 1 Diabetes in Germany, Austria, and the United States. doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.jpeds.2015.05.046
  6. Thomas NJ et al.: Frequency and phenotype of type 1 diabetes in the first six decades of life: a cross-sectional, genetically stratified survival analysis from UK Biobank. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6: 122-29 Published Online November 30, 2017 http://dx.doi.org/10.1016/ S2213-8587(17)30362-5
  7. Groop P‑H, Thomas M, Feodoroff M et al.: Excess mortality in patients with type 1 diabetes without albuminuria – separating the contribution of early and late risks. Diabetes Care  2018 Apr;41(4):748-754. https://​doi.​org/​10.​2337/​dc17-1618

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Lokaltherapie chronischer Wunden bei Patienten mit den Risiken periphere arterielle Verschlusskrankheit, Diabetes mellitus, chronische venöse Insuffizienz. (AWMF-Registernummer: 091-001), Juni 2012 Kurzfassung Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Ernährungsempfehlung zur Behandlung des Diabetes mellitus – Empfehlungen zur Proteinzufuhr. (AWMF-Registernummer: 057-025), Oktober 2015 Langfassung
  3. S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter. (AWMF-Registernummer: 057-016), Oktober 2015 Langfassung
  4. S2e-Leitlinie: Diabetes und Straßenverkehr. (AWMF-Registernummer: 057-026), Dezember 2017 Langfassung
  5. S3-Leitlinie: Therapie des Typ-1-Diabetes. (AWMF-Registernummer: 057-013), März 2018 Langfassung

     
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