Medikamentöse Therapie
Adrenogenitales Syndrom (AGS)

Therapieziel

  • Symptomatische Therapie

Therapieempfehlungen

Patienten mit klassischem AGS erhalten überphysiologische Glucocorticoidgaben zur Therapie der adrenalen Androgenüberproduktion. Des Weiteren erfolgt eine Mineralocorticoidsubstitution (s. u. Therapie). Bei Männern verhindert die Suppressionstherapie zudem das Wachstum testikulärer adrenaler Resttumoren (TART).
Beachte: Bei Jungen muss der mit behandelnde Urologe über die Krankheit informiert werden, um eine unnötige Hodenoperation zu vermeiden.

Bei Vorliegen des
nicht klassischem AGS wird nur bei relevanten Symptomen therapiert. Im Kindesalter ist eine niedrig dosierte Cortisoltherapie ausreichend. Im Erwachsenenalter werden Antikonzeptiva (s. u. Hirsutismus) eingesetzt.

Therapieempfehlungen

  • Substitution mit Glucocorticoiden (lebenslang!): Hydrocortison (Mittel der Wahl bei Kindern)
    • Bei Erwachsenen bzw. nach Abschluss des Längenwachstums: Dexamethason oder Prednison/Prednisolon; Dosierung nicht höher als 5 mg Prednisolon bzw. 0,5 mg Dexamethason 
    • Teil der Dosis abends einnehmen: z. B. 0,5 mg Dexamethason gegen 23.00 h → zur Supprimierung (Unterdrückung) des morgendlichen ACTH-Peaks
    • Dosis so hoch wählen, dass die Ausschüttung der Androgene gehemmt ist und so niedrig, dass kein iatrogener (durch den Arzt ausgelöster) Hypercortisolismus (Überangebot von Cortisol) auftritt
    • Regelmäßige Kontrollen von 17α-Hydroxyprogesteron (Serum oder Speichel), um die Substitution der Glucocorticoide zu optimieren. Alternativ: Kontrolle des Metaboliten Pregnantriol im 24 h-Urin.
    • In Stresssituationen bzw. bei erhöhtem Cortisolbedarf (Fieber, Operationen): Glucocorticoid-Dosis kurzfristig erhöhen (Dosis verdoppeln bis verdreifachen); Betroffene erhalten vor diesem Hintergrund einen Notfallausweis
  • Weibliche Patienten: zusätzliche Therapie der Virilisierung (Vermännlichung) und der Akne mit Antiandrogenen
  • Bei Wachstumsstörungen: Therapie mit Wachstumshormonen (GH); vor Schluss der Epiphysenfugen!
  • Bei Aldosteronmangel bzw. Salzverlustsyndrom: zusätzliche Gabe von Mineralcorticoiden (Fludrocortison)
    • Kontrolle über den Plasma-Renin-Spiegel
    • Aldosteron selbst kann nicht resorbiert (aufgenommen) werden.
  • Pränatale Therapie bei hohem Risiko:
    • Indikationen [1]: 
      • Eltern haben bereits ein Kind mit AGS bzw. Nachweis der Heterozygotie der Eltern oder
      • ein Elternteil hat ein homozygotes oder compound-heterozygotes AGS und der andere Elternteil ist heterozygoter Genträger i
    • möglichst frühzeitige Gabe von Dexamethason (plazentagängig) zur Hemmung der ACTH-Sekretion beim Fötus
    • Therapiestopp nach der Chorionzottenbiopsie bei männlichem und/oder gesundem Kind!

Literatur

  1. S1-Leitlinie: Adrenogenitales Syndrom mit 21-Hydroxylase-Defekt (AGS), Pränatale Therapie. (AWMF-Registernummer: 174 - 013), Juli 2015 Langfassung

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Adrenogenitales Syndrom mit 21-Hydroxylase-Defekt (AGS), Pränatale Therapie. (AWMF-Registernummer: 174 - 013), Juli 2015 Langfassung
     
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