Morbus Basedow – Differentialdiagnosen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Autonomes Adenom (gutartiger Knoten) der Schilddrüse – fokal autonom hormonproduzierender Schilddrüsenknoten; Abgrenzung zum Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) durch fehlende TSH-Rezeptor-Antikörper, fokale Mehrspeicherung in der Szintigraphie (nuklearmedizinische Untersuchung) und fehlende diffuse Hypervaskularisation (verstärkte Durchblutung)
- Hashitoxikose – passagere thyreotoxische Phase einer Autoimmunthyreoiditis (autoimmune Schilddrüsenentzündung); Abgrenzung durch Verlauf, Antikörperprofil, Sonographie (Ultraschalluntersuchung) und fehlende typische diffuse Mehrspeicherung
- Jodinduzierte Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) – Hyperthyreose nach erhöhter Jodzufuhr, insbesondere bei vorbestehender funktioneller Autonomie (selbstständige Hormonproduktion) der Schilddrüse
- Postpartum-Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung nach der Geburt) – schmerzlose Thyreoiditis (Schilddrüsenentzündung) innerhalb des ersten Jahres nach Entbindung; thyreotoxische Phase meist transient und ohne gesteigerte Hormonsynthese (Hormonbildung)
- Schmerzlose Thyreoiditis – destruierende Thyreoiditis mit passagerer Thyreotoxikose (Schilddrüsenhormonvergiftung); Abgrenzung durch niedrige Radiojodaufnahme beziehungsweise fehlende gesteigerte Schilddrüsenhormonsynthese
- Struma multinodosa toxica (toxische knotige Schilddrüsenvergrößerung) – multinoduläre funktionelle Autonomie mit Hyperthyreose; Abgrenzung durch knotiges Schilddrüsenmuster, heterogene Mehrspeicherung und meist fehlende endokrine Orbitopathie (Basedow-Augenbeteiligung)
- Subakute Thyreoiditis de Quervain – meist schmerzhafte entzündliche Thyreoiditis mit passagerer Thyreotoxikose; typisch sind Halsschmerz, Druckschmerz der Schilddrüse und erhöhte Entzündungsparameter
- TSHom – TSH-produzierendes Hypophysenadenom (gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse) mit inadäquat normalem oder erhöhtem TSH bei erhöhten freien Schilddrüsenhormonen
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Funktionell aktive Metastasen (Tochtergeschwülste) eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms (Schilddrüsenkrebs) – sehr seltene Ursache einer Thyreotoxikose; klinisch relevant vor allem bei bekannter Schilddrüsenkarzinomanamnese (Vorgeschichte mit Schilddrüsenkrebs)
- Phäochromozytom – katecholaminproduzierender Tumor (Geschwulst) des Nebennierenmarks; kann Palpitationen (Herzklopfen), Tremor (Zittern), Schwitzen, Gewichtsverlust und Hypertonie (Bluthochdruck) imitieren, verursacht jedoch keine primäre thyreogene Hyperthyreose
- Struma ovarii – monodermaler Teratomanteil mit funktionell aktivem Schilddrüsengewebe; seltene Ursache einer extrathyreoidalen Thyreotoxikose
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Amphetaminmissbrauch – kann Tremor, Tachykardie (Herzrasen), Schwitzen, Unruhe und Gewichtsverlust imitieren; Abgrenzung durch Anamnese (Krankengeschichte), Toxikologie (Giftstoffuntersuchung) und Schilddrüsenlabor
- Kokainmissbrauch – kann sympathikotone Symptome mit Tachykardie, Schwitzen, Tremor und Angst imitieren; Abgrenzung durch Anamnese, Toxikologie und Schilddrüsenlabor
- Manie – kann Unruhe, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust und gesteigerten Antrieb imitieren; Abgrenzung durch psychiatrischen Befund und Schilddrüsenlabor
- Panikstörung/Panikattacken – episodische Palpitationen, Tremor, Schwitzen und Angst; Abgrenzung durch Verlauf, fehlende persistierende biochemische Hyperthyreose und fehlende Schilddrüsenbefunde
Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)
- Gestationelle transiente Thyreotoxikose – HCG-vermittelte Thyreotoxikose, insbesondere bei Hyperemesis gravidarum (schwerem Schwangerschaftserbrechen); Abgrenzung durch Schwangerschaftskontext, fehlende TSH-Rezeptor-Antikörper und meist spontanen Rückgang
- Hyperemesis gravidarum – kann mit HCG-vermittelter TSH-Suppression und erhöhten freien Schilddrüsenhormonen einhergehen; Abgrenzung zum Morbus Basedow insbesondere durch fehlende endokrine Orbitopathie und fehlende TSH-Rezeptor-Antikörper
Medikamente
- Amiodaroninduzierte Thyreotoxikose – Typ 1 durch jodinduzierte Hormonsynthese, Typ 2 durch destruierende Thyreoiditis; Abgrenzung durch Medikamentenanamnese, Sonographie, Entzündungszeichen und nuklearmedizinische Diagnostik
- Exogene Schilddrüsenhormonzufuhr – Thyreotoxicosis factitia durch Überdosierung oder nicht deklarierte Einnahme von Levothyroxin beziehungsweise Liothyronin; typisch sind supprimiertes TSH, erhöhte Schilddrüsenhormone und meist niedrige Thyreoglobulinwerte
- Immuncheckpoint-Inhibitoren – können eine destruktive Thyreoiditis mit thyreotoxischer Phase auslösen; Abgrenzung durch Onkologieanamnese, Verlauf und häufig niedrige Radiojodaufnahme
- Interferon alfa – kann autoimmune oder destruktive Schilddrüsenfunktionsstörungen auslösen; Abgrenzung durch Medikamentenanamnese, Antikörperprofil und Verlauf
- Lithium – kann selten eine Thyreotoxikose beziehungsweise Thyreoiditis triggern; häufiger ist eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)