Craniocorpographie

Bei der Craniocorpographie (CCG) handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren der Neurootologie und Arbeitsmedizin, welches zur Beurteilung von Gleichgewichtsfunktionsstörungen entwickelt wurde. Die vestibulo-spinalen Gleichgewichtsprüfung unter Verwendung der Craniocorpographie bietet sowohl die Möglichkeit der weitestgehend objektiven als auch der quantifizierbaren Messung und Auswertung der Gleichgewichtsprüfung.

Indikation (Anwendungsgebiete)

Das Verfahren der Craniocorpographie dient der neurootologischen Diagnostik, wobei es primär innerhalb der berufsgenossenschaftlichen Richtlinie G-41 „Arbeiten mit Absturzgefahr“ als Untersuchungsmethode eingesetzt wird. Die Craniocorpographie ist somit für Arbeitsplätze mit erhöhter Absturzgefahr vorgesehen.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

In der Akutdiagnostik, beispielsweise im Rahmen eines Hirnstamm- oder Kleinhirninfarkts, ist die Anwendung der Craniocorpographie nicht angezeigt, da primär bildgebende Verfahren zur (Sofort-) Diagnostik eingesetzt werden.

Vor dem Verfahren

Da es sich bei der Craniocorpographie um ein nicht-invasives Verfahren handelt, sind vor Durchführung der Craniocorpographie keine weiteren Maßnahmen notwendig. Es ist jedoch zu überprüfen, ob die Indikation für den Einsatz der Craniocorpographie korrekt gestellt wurde.

Das Verfahren

Für die Durchführung und Beurteilung der Craniocorpographie wird während der Untersuchungen ein Helm mit zwei Lampen vom jeweiligen Patienten getragen, wobei zwei zusätzliche Lampen an den Schultern des Patienten befestigt sind. Mit Hilfe einer Kamera, die sich über dem Patienten befindet, können die Bewegungsmuster präzise aufgezeichnet und anschließend beurteilt werden.

Das Verfahren der Craniocorpographie stellt eine Methode dar, bei der die folgenden klinischen Untersuchungsverfahren beurteilt werden:

  • Unterberger-Tretversuch − Für die Durchführung dieser Methode wird der Patient gebeten, mit geschlossenen Augen 50 Mal auf der Stelle zu treten. Der Befund ist als positiv (klinisch auffällig) zu bewerten, falls sich der Patient im Laufe der Durchführung um mehr als 45 Grad um die eigene Achse dreht. Ein positiver Versuch spricht für eine Kleinhirnläsion oder für eine Schädigung des Vestibularorgans (Gleichgewichtsorgan im Ohr).
  • Romberg-Stehversuch (Synonyme: Romberg-Test; Romberg-Versuch) − Der Romberg-Stehversuch dient als klinischer Test der Untersuchung einer Ataxie (vestibulär, spinal (Rückenmark) oder zerebellär (Kleinhirn)) und kann helfen, zwischen einer spinalen und einer zerebellären Ataxie zu differenzieren.
    Zur Durchführung wird der Patient gebeten, sich mit dicht nebeneinander stehenden Füßen und vorgestreckten Armen hinzustellen und die Augenlider zu schließen.
    Ein positiver Befund (= positives Romberg-Zeichen) bezeichnet eine Verschlechterung der Koordination durch den Schluss der Augenlider. Als Zeichen der Verschlechterung ist ein zunehmendes Schwanken zu erwarten, welches für eine spinale Ataxie spräche.
    Bei einem negativen Befund liegt eine unveränderte Koordination nach Augenschluss vor.
    • Kann der Patient auch mit geöffneten Augen ein Schwanken nur unvollständig oder gar nicht kontrollieren, spricht dies für eine zerebelläre Ataxie.
    • Eine Fallneigung in eine Richtung nach Augenschluss spräche für eine Schädigung des jeweiligen Vestibularorgans.
  • LOLAVHESLIT-Test − Der Name dieser Methode stellt ein Akronym für den "Longitudinal, Lateral, Vertical Head-Sliding Test" dar, welche zur Beurteilung von pathologischen Prozessen im Zusammenhang mit den Halswirbeln, der Wirbelsäule und von Bewegungsstörungen des Nackens genutzt werden kann. 
  • NEFERT-Test − Das Akronym steht für "Neck Flexion Rotation Test", wobei die Methode zur Diagnose von innerkörperlicher Bewegungsunterschieden zwischen dem Kopf und dem restlichen Körper dient, insbesondere an dem Kopfgelenk und der unteren Halswirbelsäule. Der diagnostische Nutzen dieser Methode liegt in der Erkennung von Verstauchungen des Nackens sowie der Diagnose eines "steifen Nackens" und der Mitbeurteilung eines Schleudertraumas.
  • WOFEC-Test − Dieses Akronym steht für "Walk on floor eyes closed", wobei diese Testmethode zur zusätzlichen Beurteilung einer Ataxie eingesetzt werden kann.

Nach dem Verfahren

Im Anschluss an die Durchführung und Beurteilung der Craniocorpographie müssen in Abhängigkeit von den Testresultaten weitere Verfahren eingesetzt werden. Bei einem pathologischen Befund ist in der Regel eine Bildgebung mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) vom Schädel bzw. vom Spinalkanal notwendig.

Literatur

  1. May C: Die Ultraschall-Cranio-Corpo-Graphie als Routine-Test in der neurootologischen Untersuchung. Dissertation, Universität Würzburg 2005
  2. Claussen CF, Gerdes-Götz T, Hald G, Henneken M, Hüdepohl J: Die Bedeutung der Prüfung des Gleichgewichtsorgans in der arbeitsmedizinischen Praxis. Arbeitsmed.Sozialmed.Umweltmed. 2007.
  3. Mattle H: Kurzlehrbuch Neurologie. Georg Thieme Verlag 2011
  4. Hufschmidt A: Neurologie compact. Georg Thieme Verlag 2009
  5. Claussen CF, Burkard F: Contemporary and practical neurootology. Neurootologisches Forschungsinst. der 4-G-Forschung e.V, Bad Kissingen 200, ISBN 3-00-016398-0
  6. Fregly AR, Graybiel A, Smith MJ: Walk on floor eyes closed (WOFEC): a new addition to an ataxia test battery. Aerosp Med. 1972. 43(4):395-9

     
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