Pulsmessung

Der Puls beschreibt die fühlbare Druckwelle im Blutkreislauf, die durch den Herzschlag bedingt ist.
Der Puls wird in der Regel an Arterien gemessen, jedoch gibt es auch an Venen einen schwachen Puls.

Man kann die folgenden Formen der Aufzeichnung/Pulsmessung nutzen:

  • Druckpulsmessung (Sphygmographie)
  • Strömungspulsmessung
  • Volumenpulsmessung

An den folgenden Arterien kann der Puls gut getastet werden:

  • Arteria carotis ‒ tastbar am Hals
  • Arteria axillaris ‒ tastbar unter der Achsel
  • Arteria radialis ‒ tastbar am daumenseitigen Handgelenk
  • Arteria femoralis ‒ tastbar in der Leiste
  • Arteria poplitea ‒ tastbar in der Kniekehle
  • Arteria tibialis posterior ‒ tastbar am Innenknöchel
  • Arteria dorsalis pedis ‒ tastbar auf dem Fußrücken

Die Pulsmessung sollte in sitzender Position nach einer fünfminütigen Ruhephase zweimal für je 30 sec erfolgen.

Man kann den Puls nach Frequenz, Rhythmus und Qualität untersuchen:

Pulsfrequenz/Ruheherzfrequenz (RHF; Ruhepuls) beim Erwachsenen

  • Bradykardie: < 60 Schläge/min (beats per minute, bpm)
    • Herzerkrankungen, nicht näher bezeichnet
    • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
    • Sportler
    • Vagusreiz
  • Norm: 60-100 Schläge/min
  • Tachykardie: > 100 Schläge/min
    • Anämie (Blutarmut)
    • Fieber
    • Herzerkrankungen, nicht näher bezeichnet
    • Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion)
    • Körperliche Anstrengung

Die durchschnittliche Ruheherzfrequenz (RHF; Ruhepuls) beträgt beim:

  • Fötus: 150 Schläge/min
  • Säugling: 130 Schläge/min
  • Kind: 100 Schläge/min
  • Jugendlichen: 85 Schläge/min

Weitere Hinweise

  • In einer Metaanalyse wurde eine nichtlineare Beziehung zwischen der Ruheherzfrequenz und dem Risiko eines Typ-2-Diabetes nachgewiesen (1,83-fach; 1,2-fach für einen Anstieg von 10 Herzschlägen) [1].
  • Die Ruheherzfrequenz (RHF) ist ein unabhängiger Prädiktor für Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) und Myokardinfarkte (Herzinfarkte) in der Allgemeinbevölkerung mittleren Alters: Personen ohne Herzfrequenz-senkende Medikation mit einer RHF über 70 Schläge/min wiesen eine um etwa 60 % erhöhte Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) und ein fast um 90 Prozent erhöhtes Risiko für einen Myokardinfarkt (Herzinfarkt) auf, verglichen mit dem Kollektiv mit einer RHF unter 70 Schläge/min [2].
  • Eine Erhöhung der Ruhefrequenz um 10 Schläge pro Minute führt zur einer Steigerung des Mortalitätsrisikos um 9 % [3].
  • Einfluss der Ruheherzfrequenz bei Männern im Alter von 50 Jahren: eine prospektive bevölkerungsgestützte Langzeitstudie zeigte, dass ein hoher hoher Ruhepuls (> 75 Schläge/Min.) im Alter von 50 Jahren als auch eine Frequenzzunahme im weiteren Verlauf im Vergleich zu stabilen Werten mit einem schlechteren kardiovaskulären Ergebnis assoziiert sind (Gesamtsterberisiko war ca. doppelt so hoch wie bei Männern mit einem Ruhepuls unter 55; das KHK-Risiko war 2,2-fach erhöht; jede Zunahme der Herzfrequenz um einen Herzschlag pro Minute war rechnerisch mit einem um 1 % höheren Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung und um 2 % höheren KHK-Risiko assoziiert) [4].
  • Möglicherweise zeigt ein erhöhter Ruhepuls ein Störung des sympathiko-vagalen Gleichgewichts an. Diese spielt bekanntermaßen eine zentrale Rolle in der Pathogenese (Krankheitsentstehung) von Störungen der linksventrikulären Funktion (Funktion der linken Herzkammer), myokardialen Ischämien (Minderdurchblutungen des Herzmuskels), Arrhythmien und der Koronarsklerose (Verkalkung der Herzkranzgefäße).

Pulsrhythmus

  • Pulsus regularis ‒ regelmäßiger Puls
  • Pulsus irregularis (Arrhythmie) ‒ unregelmäßiger Puls, kann unterteilt werden in:
    • Respiratorische Arrhythmie ‒ physiologische Frequenzsteigerung bei Inspiration (Einatmung), bei der Expiration (Ausatmung) nimmt sie wieder ab; Normalbefund, der vor allem bei Kindern und Jugendlichen am ausgeprägtesten ist.
    • Absolute Arrhythmie (Arrhythmia absoluta) ‒ Herzrhythmusstörung: Puls mit vollkommener Unregelmäßigkeit des Pulses ohne Abhängigkeit von der Atmung; tritt auf bei z. B. Vorhofflimmern (VHF): je nach Pulsfrequenz wird dieser unterteilt in:
      • Bradyarrhythmia absoluta (BAA; Puls unter 60 Schläge pro Minute)
      • normfrequente absolute Arrhythmie (Puls 60 bis 100 Schläge pro Minute)
      • Tachyarrhythmia absoluta (TAA; mit einem Puls über 100 Schläge pro Minute)
  • Extrasystolen ‒ Extraschläge mit gleichmäßigem Grundrhythmus
    • Bei nicht näher bezeichneten Herzerkrankungen oder Digitalisintoxikation (Vergiftung mit einem Medikament, welches bei Herzinsuffizienz (Herzschwäche) eingesetzt wird)

Pulsqualitäten

Pulsspannung

  • Pulsus durus – harter Puls ("Wasserhammerpuls")
  • Pulsus mollis weicher Puls

Pulshöhe/Pulsgröße

  • Pulsus altus – hochamplitudiger Puls durch großes Auswurfvolumen (große Blutdruckampitude); evtl. bei Aortenklappeninsuffizienz; Thyreotoxikose
  • Pulsus parvus – niedrigamplitudiger Puls; bei Aortenklappen-/Mitralklappenstenose (Verengung der Aortenklappe/Mitralklappe)
  • Pulsus parvus et tardus – niedrigamplitudiger Puls mit niedriger Anstiegssteilheit; bei Aortenstenose, Herzinsuffizienz, Kreislaufkollaps

Pulsform

  • Pulsus celer – Puls mit hoher Anstiegssteilheit; bei Aortenklappeninsuffizienz, AV-Block
  • Pulsus tardus – Puls mit niedriger Anstiegssteilheit; bei Aortenklappenstenose, Mitralklappeninsuffizienz, Perikarditis (Herzbeutelentzündung)

Pulsqualität

  • Pulsus alterans ‒ jeder zweite Schlag mit geringerer Pulshöhe; bei Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
  • Pulsus differens – Seitendifferenz des Pulse; bei Aortenaneurysma. Aorteninsuffizienz, einseitiger Radialisverschluss
  • Pulsus intermittens – Aussetzen einzelner Schläge, wobei dem Herzschlag kein fühlbarer Puls an z. B. der A. radialis entspricht; vgl. Pulsdifferenz
  • Pulsus paradoxus (paradoxer Puls) ‒ Abfall des systolischen Blutdruckes > 10 mmHg während der Inspiration (Einatmung), mit der Folge, dass der Puls während der Inspiration deutlich abgeschwächt ist; bei perikonstriktiver Perikarditis (Herzbeutelentzündung) oder Herzbeuteltamponade (wg. Einengung des Herzbeutels) und bei Spannungspneumothorax oder schwerem Asthmaanfall (wg. Kompression des Herzens)

Pulsdifferenz

  • Differenz zwischen der Herzfrequenz (per Auskultation oder EKG gemessen) und der peripher messbaren Pulsfrequenz; Ursachen:
    • frustrane Herzmuskelkontraktionen: z. B. Extrasystolen (zusätzliche Herzschläge), Hypotonie (niedriger Blutdruck), Vorhofflimmern (VHF)
    • periphere Störung: arterielle Embolie (Gefäßverschluss), periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Literatur

  1. Aune D: Resting heart rate and the risk of type 2 diabetes: a systematic review and dose-response meta-analysis of cohort studies. doi: http://dx.doi.org/10.1016/j.numecd.2015.02.008
  2. Custodis F et al.: Die Herzfrequenz ist ein unabhängiger Prädiktor für Gesamtmortalität und Myokardinfarkte in der Allgemeinbevölkerung mittleren Alters: DGK 2015, Abstract V 122
  3. Zhang D et al.: Resting heart rate and all-cause and cardiovascular mortality in the general population: a meta-analysis. CMAJ 2015, online 23. November. doi: 10.1503 / cmaj.150535
  4. Chen X et al.: Impact of changes in heart rate with age on all-cause death and cardiovascular events in 50-year-old men from the general population. Open Heart 2019;6:e000856. doi: https://dx.doi.org/10.1136/openhrt-2018-000856
     
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