Kardio-MRT

Die Kardio-Magnetresonanztomographie (Synonyme: kardiale Magnetresonanztomographie (cMRT), Kardio-MRT; Cardio-MRT; MRT-Kardio; MRT-Cardio) bezeichnet ein radiologisches Untersuchungsverfahren, bei dem mit Hilfe eines Magnetfeldes das Herz dargestellt wird.

Die Kardio-Magnetresonanztomographie liefert Echtzeitbilder und ermöglicht eine dreidimensionale Rekonstruktion des Herzens und seiner Umgebung. Mit dem Verfahren lassen sich die Anatomie des Herzens, die Funktion der Herzkammern und Schäden des Herzmuskels darstellen. Das Verfahren gilt mittlerweile als Goldstandard für sämtliche Vitalitätsuntersuchungen am Herzen.

Eine spezielle Form der Kardio-Magnetresonanztomographie erfasst präzise das Ausmaß und den Ort von Durchblutungsstörungen und liefert Kardiologen (Herzspezialisten) klare Hinweise, ob und wie weiter behandelt werden sollte. Ohne Eingriff in den Körper und ohne Röntgenstrahlen zeigt die „hochdosierte "Dobutamin-Stress-MRT“ (DSMR) zum Beispiel, ob die Therapie einer Gefäßstenose (Gefäßverengung) mittels Herzkatheter (im Sinne der Behandlung mittels Stents/Gefäßprothesen) in Frage kommt oder ob eine medikamentöse Therapie vorrangig verwendet werden soll. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) mit 1.575 herzkranken Patienten, die auf der 77. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 27. bis 30. April 2011 in Mannheim vorgestellt wurde. „Im medizinischen Alltag muss häufig die Entscheidung zur Durchführung einer Herzkatheter-Untersuchung bei Patienten mit bekannter oder vermuteter koronarer Herzerkrankung (KHK) abgewägt werden. Der Stellenwert der DSMR bei der klinischen Entscheidungsfindung für oder gegen eine Herzkatheter-Untersuchung wurde bisher jedoch noch nicht hinreichend untersucht“, begründet Prof. Dr. Eckart Fleck (DHZB) die Motive für die Studie.

Die Ergebnisse der Studie: Die DSMR ist als Routineverfahren mit hoher Erfolgsrate und einer relativ kurzen Untersuchungszeit von etwa 30 Minuten gut einsetzbar, so Prof. Fleck. Sie bewies sich als zuverlässiges Instrument zur Entscheidungsfindung hinsichtlich einer invasiven (Herzkatheter) versus medikamentösen Behandlungsstrategie. Der positive Vorhersagewert der DSMR zur Erkennung von Gefäßverengungen (koronaren Stenosen) von über 50 Prozent ist hoch. Prof. Fleck: „Ein positiver DSMR-Befund, bei dem sich ein Durchblutungsdefekt zeigt, ist ein aussagekräftiger Prädiktor für künftige kardiale Ereignisse. Und aus einem negativen DSMR-Befund lässt sich ein niedriges Risiko für spätere kardiale Ereignisse ableiten. Nur wenige Patienten dieser Gruppe erlitten in den folgenden zwei Jahren eine Verschlechterung ihres Krankheitszustandes.“ Weitere Studien zum Stress-MRT s. u. "Weitere Hinweise".

Eine weitere Form des Stress-MRT bzw. Stress-Perfusion-MRT wird mittels Adenosin oder Regadenoson durchgeführt. Bei der Anwendung von Adenosin (Adenosin-Stress-MRT) handelt es sich um ein Off-Label-Use

Die Kardio-MRT wird heute routinemäßig bei vielen Fragestellungen eingesetzt, da sie ein sehr aussagekräftiges diagnostisches Verfahren darstellt. 

Indikationen (Anwendungsgebiete)

  • Herzvitien (Herzklappenfehler) mit Beurteilung des Schweregrades
  • Kardiale Raumforderungen
  • Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) – insbesondere auch die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), die Ursache des plötzlichen Herztodes bei Sportlern sein kann
  • Koronare Herzkrankheit (KHK) – bei mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit für eine KHK, wenn eine der folgenden EKG-Veränderungen vorliegt: Kammerrhythmus durch Schrittmacher oder Linksschenkelblock oder nicht aussagekräftige Ergometrie zur Früherkennung von Patienten mit einem erhöhten Infarktrisiko
  • Myokardaktivität (nach Myokardinfarkt) – Aktivität des Herzmuskels; vor allem nach einem Herzinfarkt
  • Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Perikarderguss (Herzbeutelerguss)
  • Unklare Perikardverdickungen

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Für eine Kardio-MRT gelten die üblichen Kontraindikationen wie für jede MRT-Untersuchung:

  • Herzschrittmacher (mit Ausnahmen)
  • Mechanische künstliche Herzklappen (mit Ausnahmen)
  • ICD (implantierter Defibrillator)
  • Metallische Fremdkörper in gefährlicher Lokalisation (z. B. in direkter Nähe zu Gefäßen oder Augapfel)
  • Andere Implantate wie: Cochlear-/Okularimplantat, implantierte Infusionspumpen, Gefäßclips, Swan-Ganz-Katheter, epikardiale Drähte, Neurostimulatoren etc.

Bei hochgradiger Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) und bestehender Schwangerschaft sollte auf eine Kontrastmittelgabe verzichtet werden.

Das Verfahren

Die Magnetresonanztomographie zählt zu den nicht invasiven, das heißt nicht in den Körper eindringenden, bildgebenden Verfahren. Durch die Nutzung des Magnetfeldes werden im Körper Protonen (vor allem Wasserstoff) zur Kernspinresonanz angeregt. Dabei handelt es sich um eine Veränderung der Ausrichtung der Teilchen aufgrund des Magnetfeldes. Dieses wird als Signal über die Spulen, die um den Körper während der Untersuchung aufgestellt sind, aufgefangen und an den Computer geschickt, der aus den vielen Messungen, die während einer Untersuchung ablaufen, das genaue Bild der Körperregion errechnet. Bei diesen Bildern entstehen die Unterschiede in den Grautönen also durch die Verteilung der Wasserstoffteilchen.

Bei der MRT kann man verschiedene Aufnahmeverfahren unterscheiden, wie beispielsweise die T1- und T2-gewichteten Sequenzen. Die MRT bietet eine sehr gute Darstellung von Weichteilstrukturen. Zur noch besseren Differenzierung der Gewebearten kann ein Kontrastmittel verabreicht werden. So kann der Radiologe durch diese Untersuchung noch detailliertere Erkenntnisse über eventuell vorliegende Krankheitsprozesse erhalten.

Anatomie des Herzens

Bei der Kardio-MRT wird das Herz und seine Umgebung dargestellt. Dabei wird die Anatomie des Herzens, die Funktion der Herzkammern und eventuelle Schäden des Myokards (Herzmuskel) dargestellt. Aus den Datensätzen können u. a. sämtliche Volumetrie-Parameter des linken Ventrikels (LV; linke Herzkammer) gewonnen werden.

Physiologische Parameter

Physiologische Parameter wie Herzfrequenz in Ruhe und unter maximaler Belastung sowie Blutdruck in Ruhe und unter maximaler Belastung werden gemessen.

Funktionsparameter

Nachfolgend einige der wichtigsten Funktionsparameter:

Funktionsparameter Abkürzung Beschreibung  Normwerte in Ruhe
Linksventrikuläres enddiastolisches Volumen LV-EDV EDV = Blutvolumen, das am Ende der Diastole nach maximaler Füllung eines Ventrikels, d. h. nach Vorhofkontraktion und Schließen der Atrioventrikularklappen, in einer Herzkammer vorhanden ist  ca. 130-140 ml
Rechtsventrikuläres enddiastolisches Volumen RV-EDV  ca. 150-160 ml
Linksventrikuläres endsystolisches Volumen LV-ESV ESV = Blutvolumen, das am Ende der Systole nach maximaler Entleerung eines Ventrikels, d. h. nach nach vollstänger Kammerkontraktion, in eineHerzkammer vorhanden ist  ca. 50-60 ml
Rechtsventrikuläres
endsystolisches Volumen
RV-ESV  ca. 60-70 ml 

Linksventrikuläres 
Schlagvolumen (SV)

LV-SV Blutvolumen, das bei einem Herzschlag von der linken Herzkammer ausgeworfen wird ca. 70-100 ml
Linksventrikuläre Ejektionsfraktion LV-EF Prozentsatz des Blutvolumens, der von der linken Herzkammer während einer Herzaktion ausgeworfen wird in Bezug auf das Gesamtvolumen der entsprechenden Herzkammer ca.  60-70 %


Myokardtextur

Die Myokardtextur (Herzmuskelgewebe) wird untersucht. Normalbefunde sind: Kein Nachweis von Infarktnarben/regionalen Fibrosen des LV-Myokards; kein Nachweis von Perikarderguss (Herzbeutelerguss), normale Dicke des Perikards (Herzbeutel).

MR-Angiographie

Im Rahmen einer MR-Angiographie werden u, a, dargestellt: Aorta thorakalis ascendens (Hauptschlagader), der  Aortenbogen, die Aorta thorakalis  descendens, die Pumonalarterie (PA) (PA-Hautstamm und PA rechts und links) sowie die vier Pulmonalvenen (Lungenvenen).

Die Kardio-MRT stellt ebenso eine wertvolle Bereicherung der nicht-invasiven Diagnostik bei Herzvitien /Herzklappenfehler) dar.

Des Weiteren sind auch Aufnahmen unter Stress möglich, um Leistungseinschränkungen besser beurteilen zu könne(.

Die Kontrastmittelgabe erfolgt über eine Armvene. Das dabei eingesetzte Kontrastmittel, Gadolinium (z. B. Gadoterat-Megulumin), ist im Vergleich zum Röntgenkontrastmittel wesentlich verträglicher. Nierenschädigungen stellen keine Kontraindikation gegen die Gabe von Gadolinium dar.

Stress-MRT des Herzens

Die Dobutamin-Stress-MRT zeigt ein niedriges Risiko an, wenn keine dysfunktionellen Segmente (Wandbewegungsstörungen) nachweisbar sind.

Die Stress-Perfusion-MRT mittels Adenosin (Adenosin-Stress-MRT) (max. 6 Minuten Dauer)/Regadesonon zeigt ein niedriges Risiko an, wenn keine Zeichen einer Ischämie (Minderdurchblutung) nachweisbar sind.

Man befindet sich während der Untersuchung in einem abgeschlossenen Raum, in dem ein starkes Magnetfeld herrscht.

Da das MRT-Gerät relativ laut ist, werden dem Patienten Kopfhörer aufgesetzt.

Durch die um die zu untersuchende Region liegenden Spulen kann es zur Klaustrophobie (Raumangst) kommen. Neuere offene Geräte stehen in einigen Krankenhäusern/Praxen schon zur Verfügung.

 Dauer der Untersuchungen:

  • Kardio-MRT: 30 bis 45 Minuten
  • Stress-Perfusions-MRT: 20 bis 30 Minuten
  • Dobutamin-MRT: 40 bis 60 Minuten

Die Kardio-MRT stellt ein sehr präzises diagnostisches Verfahren dar, mit dem heute schon viele Erkrankungen nachgewiesen werden können. Ein Ende des Fortschrittes in diesem Bereich ist noch nicht sichtbar. 

Mögliche Komplikationen

Ferromagnetische Metallkörper (auch metallisches Make-Up oder Tätowierungen) können zur lokalen Wärmeentwicklung führen und möglicherweise Parästhesie-ähnliche Empfindungen (Kribbeln) auslösen.

Durch eine Kontrastmittelgabe können allergische Reaktionen (bis hin zum lebensbedrohlichen, jedoch nur sehr seltenen anaphylaktischen Schock) auftreten. Die Gabe eines Gadolinium-haltigen Kontrastmittels kann außerdem in seltenen Fällen eine nephrogene systemische Fibrose auslösen.

Weitere Hinweise

  • Nach aktueller Datenlage gibt es keine hinreichenden Daten dafür, dass eine kardiale Magnetresonanztomographie zu einer erhöhten Rate von DNA-Doppelstrangbrüchen führt [1].
  • In einer Studie führten CT- und MRT-Aufnahmen im Rahmen der interventionellen Kardiologie in 43,1 % der Fälle zu nicht-kardialen Inzidentalomen (zufällig gefundene Raumforderung (Tumor) bei einem bildgebenden Verfahren, ohne Vorliegen einer klinischen Symptomatik; am häufigsten Nierenzysten bei 16,3 %, Lungenrundherde bei 13,3 %; bei 1,6 % wurde Krebs neu entdeckt) [2].
  • Die MAGnet-Studie mit Patienten mit stabiler Angina pectoris (Angina pectoris-Anfälle/Brustenge bzw. Herzschmerz mit gleicher Intensität oder Dauer), die ein mittleres bis hohes KHK-Risiko aufwiesen, wurde eine Aufteilung in zwei Gruppen randomisiert vorgenommen: Adenosin-Stress-MRT oder Koronarangiographie (Darstellung der Koronararterien (Herzkranzgefäße) mittels Kontrastmitteleinsatz).
    Es konnte nachweisen werden, dass nur 28,1 Prozent der Patienten in der Adenosin-Stress-MRT-Gruppe eine Revaskularisation benötigten. Dabei wurde eine sofortige Koronarangiographie durchgeführt, wenn mindestens 10 % des Myokards (Herzmuskel) eine Hinweise für belastungsabhängige Ischämie (Minderdurchblutung) zeigten.
    Nach einer Nachbeobachtungszeit von einem Jahr wurde der primäre Endpunkt, ein Komposit aus kardialem Tod und nicht-tödlichem Myokardinfarkt, in der Koronarangiographie-Gruppe bei 3, 1 % der Patienten und in der MRT-Gruppe bei 4, 2 % der Patienten erreicht. Der Unterschied war nicht signifikant. Bei den Endpunktereignissen in der nach Beobachtungszeit handelt es sich ausschließlich um nicht-tödliche Myokardinfarkte (Herzinfarkte) [3].

Literatur

  1. Brand M, Ellmann S, Sommer M, May MS et al.: Influence of cardiac MR imaging on DNA double-strand breaks in human blood lymphocytes. Radiology 2015 277:406-412. doi.org/10.1148/radiol.2015150555
  2. Moss AJ et al.: The updated NICE guidelines: cardiac CT as the first-line test for coronary artery disease. Curr Cardiovasc Imaging Rep 2017;10(5):15. doi: 10.1007/s12410-017-9412-6. Epub 2017 Mar 27.
  3. Buckert D et al.: Comparing Cardiac Magnetic Resonance–Guided Versus Angiography-Guided Treatment of Patients With Stable Coronary Artery Disease. JACC: Cardiovascular Imaging 2018; 11:987-96 doi: 10.1016/j.jcmg.2018.05.007

     
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag