Symptome – Beschwerden
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

Die Haupt-Symptome der Erkrankung sind:

  • DyspnoeAtemnot; zunächst unter Belastung (Belastungsdyspnoe), später auch in Ruhe
  • Chronischer Husten sowie
  • Gesteigerte Schleimproduktion bzw. Sputum-/Auswurfproduktion.

Daher wird auch von der sogenannten AHA-Symptomatik gesprochen.
Ca. 40 Prozent der COPD-Patienten haben ausgeprägte morgendliche Symptome.

Weitere Symptome können sein:

  • Chronische Lungenüberblähung – abgeschwächte Atemgeräusche, leise Herztöne, Vergrößerung des Brustkorbs – sogenannter Fassthorax
  • Pfeifende Atemgeräusche
  • Zentrale Zyanose – violett-bläuliche Verfärbung von Mundschleimhaut, Zunge, Lippen und Bindehaut infolge einer verminderten Sauerstoffsättigung (SpO2) des Blutes
  • Bronchiale Infekte, länger anhaltende
  • Konzentrationsschwäche
  • Nagelsymptome:
    • Trommelschlegelfinger – rundliche Auftreibung der Fingerendglieder (Endphalangen) mit Weichteilverdickung
    • Uhrglasnägel – Aufgewölbte Nägel
  • Verminderte Vigilanz – verminderte Aufmerksamkeit
  • Gewichtsverlust (im Spätstadium)
  • Periphere Ödeme (Wassereinlagerungen)
  • Schlaflosigkeit
  • Müdigkeit

Hinweis!

Bei vielen Patienten treten diese Symptome erst auf, nachdem bereits 50-70 % des funktionellen Lungengewebes zerstört sind.

Gender-Unterschiede (Gendermedizin) [3]

  • Frauen sind besonders empfindlich gegenüber Tabak und anderen Noxen aus der Atemluft; haben bei gleicher Atemwegsobstruktion im Schnitt weniger Packungsjahre (pack years) hinter sich als männliche COPD-Patienten.
  • Rauchen führt bei Frauen zu rascherem FEV1-Verlust und auch zur höheren Exazerbationshäufigkeit (akute Verschlechterung bei der COPD). Die Ursache dafür liegt in anatomischen Unterschieden begründet: aufgrund der kleineren Oberfläche der Atemwege kann die gleiche Menge an Noxen zu einem größeren Schaden führen.
    Hinweis: Das Verfahren zur Bestimmung der FEV₁ (Einsekundenkapazität) wird Tiffeneau-Test oder auch Atemstoßtest bezeichnet.
  • Auch bei gleicher FEV1 leiden Frauen stärker an Dyspnoe und Husten. Dabei ist Dyspnoe bei Frauen häufiger assoziiert mit Angststörungen/und oder Depressionen.
  • Bei Frauen mit COPD liegt eher der Phänotyp einer chronischen Bronchitis vor. 

Schlüsselindikatoren für die Diagnose einer COPD [2]

Erwäge eine COPD und führe eine Spirometrie durch, wenn eine der nachfolgenden Indikatoren bei einem Individuum mit über 40 Jahren auftritt.
Beachte: Keine der Indikatoren für sich alleine hat einen diagnostischen Wert, aber das Auftreten zahlreicher Schlüsselindikatoren lässt die Wahrscheinlichkeit der Diagnose einer COPD ansteigen. Die Spirometrie ist erforderlich, um die Diagnose einer COPD zu stellen.
Dyspnoe (Atemnot)
  • fortschreitend über die Zeit 
  • charakteristischerweise schlimmer werden bei Bewegung
  • anhaltend
Chronischer Husten
  • ggf. intermittierend und ggf. unproduktiv 
  • wiederkehrend pfeifendes Atemgeräusch
Chronische Sputumproduktion 
  • jedes Bild einer chronischen Sputumproduktion kann auf eine COPD hinweisen
Wiederkehrende Infektion der unteren Atemwege  
Vorhandensein von Risikofaktoren
  • Eigenschaften (genetische Faktoren; kongenitale oder Entwicklungsanomalitäten etc.)
  • Tabakrauchen
  • Rauch vom Kochen und/oder Heizungskraftstoffen
  • beruflich bedingte Stäube, Gase, Dämpfe und andere Chemikalien
Familiengeschichte einer COPD und/oder Kindheitsfaktoren
  • z. B. niedriges Geburtsgewicht, Atemwegsinfektionen in der Kindheit etc


Differenzierung von COPD und Asthma bronchiale [1]

Alter
< 40 Jahre
0 Punkte
40-60 Jahre
2 Punkte
> 60 Jahre
4 Punkte
Andauernde Kurzatmigkeit   Nein: 0 Punkte
Ja: 1 Punkt
Tageszyklische Variation der Kurzatmigkeit   Ja: 0 Punkte
Nein: 1 Punkt
Veränderungen des Lungenemphysems   Nein: 0 Punkte
Ja:  1 Punkt

Beurteilung: 

  • 0-2 Punkte: Wahrscheinlichkeit von Asthma bronchiale
  • 3-4 Punkte: schwer zu differenzieren
  • 5 bis 7 Punkte: Wahrscheinlichkeit von COPD

Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) werden zwei Emphysemtypen (Phänotypen/Erscheinungsbilder) unterschieden:

  Blue Bloater
Pink Puffer
Habitus (Gewicht)
übergewichtig schlank bis kachektisch
Hautkolorit
zyanotisch (bläuliche Verfärbung der Haut oder der Schleimhäute) blass
Klinische Symptomatik
leidet kaum unter Dyspnoe (Atemnot), aber unter produktiven Husten starke Dyspnoe und trockener Reizhusten
Körperliche Untersuchung (Auskultation/ Abhören)
feuchte Rasselgeräusche (feuchte RGs),
exspiratorischem Giemen (zum Teil Distanzgiemen)
leise Atemgeräusche; Silent Chest (Phänomen der stillen Lunge)
Blutgasanalyse (BGA)
frühzeitig respiratorische Globalinsuffizienz
(Sauerstoffpartialdruck: pO2 ↓ ,  Kohlendioxidpartialdruck: pCO2 ↑)
respiratorische Partialinsuffizienz
(pO2 ↓, pCO2 normal oder ↓)
Komplikationen
(s. a. unter Folgeerkrankungen)
  • chronische Hypoxie (Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff) mit sekundärer Polyglobulie (Erhöhung der Zahl der roten Blutkörperchen), Trommelschlegelfinger (TSF) und Uhrglasnägel (rundlich geformt und stark nach außen gewölbt)
  • frühes Cor pulmonale ("Lungenherz")
  • pulmonale Kachexie
  • spätes Cor pulmonale

Literatur

  1. Lee YS, Baek S, Ko Y, Kim MY, Lee HK, Kim TB, Cho YS, Moon HB, Lee SD, Oh YM: New scoring system for the differentiation of chronic obstructive pulmonary disease and asthma. Respirology. 2015 Mar 30. doi: 10.1111/resp.12511.
  2. Vogelmeier CF et al.: Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Lung Disease 2017 Report. GOLD Executive Summary. Am J Respir Crit Care Med. 2017 Mar 1;195(5):557-582. doi: 10.1164/rccm.201701-0218PP.
  3. Gut-Gobert C et al.: Women and COPD: do we need more evidence? European Respiratory Review 2019 28: 180055; doi: 10.1183/16000617.0055-2018
     
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