Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – Medizingerätediagnostik
Obligate Medizingerätediagnostik
- Spirometrie (Lungenfunktionstest) – gehört zur Erstdiagnostik/Stufe 1
- [COPD (chronische obstruktive Lungenerkrankung) wird nach GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) anhand der FEV1 eingeteilt: s. u.
- Achtung! Laut einer Studie haben 54,1 % der (Ex-)Raucher ohne spirometrischen COPD-Nachweis (GOLD 0) mindestens einen klinisch oder radiologisch erkennbaren Lungenschaden [1].
- Für die Diagnose einer COPD sollen leitliniengerecht möglichst die Referenzwerte der GLI (Global Lung Initiative) genutzt werden; der fixe Tiffeneau-Index-Grenzwert von 0,70 kann bei Jüngeren zur Unterdiagnose und bei Älteren zur Überdiagnose führen [S2k-Leitlinie].
- Bodyplethysmographie (Ganzkörperplethysmographie) (Messung von Lungenvolumen und Atemwegswiderstand) – Erstdiagnostik/Stufe 2; gibt Aufschluss über den Grad der Lungenüberblähung (Lungenemphysem) (Überblähung der Lunge), über das Ausmaß der Atemwegsobstruktion (Verengung der Atemwege) sowie über statische Lungenvolumina und Atemwegswiderstände; in der spezialfachärztlichen Diagnostik zusammen mit Bronchodilatationstest (Test nach Erweiterung der Atemwege) und CO-Diffusionskapazität obligat [S2k-Leitlinie]:
- COPD
- COPD mit geringer bis mäßiger Überblähung: Residualvolumen (RV) unauffällig oder leicht erhöht
- COPD mit Emphysem: RV deutlich erhöht; häufig Diffusionskapazität erniedrigt
- Asthma bronchiale (Asthma): variable Obstruktion, RV häufig unauffällig oder nur vorübergehend erhöht
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche): RV meist unauffällig
- Interstitielle Lungenerkrankung (Erkrankung des Lungenzwischengewebes): Totale Lungenkapazität (TLC) vermindert
- COPD
- Röntgenaufnahme des Thorax (Röntgen-Thorax) (Röntgenaufnahme des Brustkorbs), in zwei Ebenen, oder native Low-dose-Computertomographie des Thorax (Computertomographie des Brustkorbs mit niedriger Strahlendosis) – gehört zur Erstdiagnostik [S2k-Leitlinie]
- COPD
- Frühe COPD: häufig unauffällig
- Fortgeschrittene COPD mit Emphysem: Zwerchfelltiefstand, abgeflachte Zwerchfelle, horizontal verlaufende Rippen, erhöhte Strahlentransparenz, verminderte Lungengefäßzeichnung
- Asthma bronchiale: häufig unauffällig
- Herzinsuffizienz: verstärkte Lungengefäßzeichnung, Kardiomegalie (Herzvergrößerung)
- Interstitielle Lungenerkrankung: interstitielle und/oder feinfleckige Zeichnungsvermehrung
- COPD
- Pulsoxymetrie (Messung der Sauerstoffsättigung) – obligat zur Erfassung der arteriellen Sauerstoffsättigung; bei pathologischen Werten, fortgeschrittener Erkrankung oder Verdacht auf ventilatorische Insuffizienz (unzureichende Atmung) ergänzt durch Blutgasanalyse (Messung der Atemgase im Blut) [S2k-Leitlinie]
Die COPD wird nach GOLD (Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease) anhand der FEV1 wie folgt eingeteilt:
| Stadium |
FEV1 |
Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) |
| 1 (leicht) |
FEV1 ≥ 80 % vom Soll | postbronchodilatatorisch < 70 % |
| 2 (mittel) |
FEV1 50-79 % vom Soll | postbronchodilatatorisch < 70 % |
| 3 (schwer) |
FEV1 30-49 % vom Soll | postbronchodilatatorisch < 70 % |
| 4 (sehr schwer) |
FEV1 < 30 % vom Soll | postbronchodilatatorisch < 70 % |
Beachte:
- FVC (forcierte Vitalkapazität) und FEV1 (Einsekundenkapazität) sind bei einer COPD wichtige Prognoseparameter.
- Jeder zweite Raucher, der bei der Spirometrie die Kriterien einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) (noch) nicht erfüllte [Tiffeneau-Index (forcierte Einsekundenkapazität (FEV1)/forcierte Vitalkapazität (FVC)) > 70 %], hatte einen CAT-Score (COPD Assessment Test, s. u. Anamnese) von 10 oder mehr, d. h. er litt unter den Symptomen einer COPD [3].
- Eine Studie mit 24.207 Teilnehmern hatte das Ziel, den Tiffeneau-Index-Grenzwert zu finden, der die höchste Sensitivität und Spezifität hatte: Das Ergebnis war ein Tiffeneau-Index von 0,71 bei einer Sensitivität von 66 % und einer Spezifität von 79 % [4].
- Bei alten Menschen ist ein Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) von unter 0,7 womöglich noch normal!
- Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) < 70 Prozent als Schwellenwert führt bei Menschen im Alter bis 55 Jahre zur Unterdiagnose und bei Älteren häufig zur Überdiagnose. Für die Diagnose einer COPD sollen möglichst nur noch die Referenzwerte der GLI (Global Lung Initiative) genutzt werden [4, S2k-Leitlinie].
Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese, körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung
- Echokardiographie (Echo) (Ultraschalluntersuchung des Herzens) wg.
- Verdacht auf Cor pulmonale (Rechtsherzbelastung durch Lungenerkrankung) [häufig leichte Form der pulmonalen Hypertonie (PH) (Lungenhochdruck)]
- Prüfung der systolischen und diastolischen linksventrikulären Funktion (Funktion der linken Herzkammer)
- Computertomographie des Thorax (Thorax-CT) (Computertomographie des Brustkorbs) – Indikationen:
- zur detaillierten Darstellung von COPD-assoziierten Atemwegsveränderungen und Lungenemphysem-Manifestationen
- bei Diskrepanz zwischen Symptomen und Spirometrie [S2k-Leitlinie]
- bei häufigen Exazerbationen (akuten Verschlechterungen) [S2k-Leitlinie]
- notwendig vor operativen/interventionellen Eingriffen oder bei Verdacht auf Tumoren (Geschwülste), Bronchiektasen (Synonym: Bronchiektasie) (Ausweitungen der Bronchien)
- Quantitative Computertomographie (qCT) – zur Darstellung anatomischer Strukturen und funktioneller Lungenparameter [Nachweis von Arealen, in denen die Luft beim Ausatmen „steckenbleibt“ („air trapping“)]
- Elektrokardiogramm (EKG) (Aufzeichnung der Herzströme) – bei Verdacht auf Herzrhythmusstörungen oder Herzhypertrophie (Verdickung des Herzmuskels)
- 6-Minuten-Gehtest (Belastungstest beim Gehen) – standardisiertes Verfahren zur objektiven Beurteilung, Bestimmung des Schweregrades sowie Verlaufsbeurteilung einer Belastungseinschränkung, die auf kardiopulmonale Ursachen (Ursachen an Herz und Lunge) zurückzuführen ist.
- FeNO-Messung (Messung von Stickstoffmonoxid in der Atemluft) (Synonyme: Bestimmung der Stickoxid-Konzentration (FENO) in der Atemluft; Mehrfachatemzugmethode, FENO-Test) – Biomarker für Inflammation (Entzündung):
- COPD: üblicherweise normal; erniedrigt bei ehemaligen Rauchern
- Asthma bronchiale: > 50 ppb (hoher Wert), bei Nichtrauchern stützt dies die Diagnose einer eosinophilen Atemwegsinflammation
- Eine Bestimmung der CO-Diffusionskapazität (Synonyme: Kohlenmonoxid-Diffusionskapazität, Kohlenmonoxid-Transferfaktor (TLCO); Lungendiffusionsmessung; engl.: Diffusing capacity or Transfer factor of the lung for carbon monoxide, DLCO) ist in der spezialfachärztlichen Diagnostik obligater Bestandteil der erweiterten Lungenfunktionsdiagnostik [S2k-Leitlinie]. [Im Falle einer COPD auf dem Boden eines Lungenemphysems häufig erniedrigt; bei Asthma normal oder leicht erhöht].
- Bei Patienten, die unter Belastung eine starke Dyspnoe (Atemnot) aufweisen oder Anzeichen einer Rechtsherzbelastung zeigen, sollte eine Blutgasanalyse in Ruhe sowie ggf. unter Belastung durchgeführt werden [S2k-Leitlinie].
Diagnoseschema für eine COPD: Paradigmenwechsel durch Integration der CT-Bildgebung
Ein US-amerikanisches Forschungsteam um Surya P. Bhatt (University of Alabama) schlägt ein erweitertes COPD-Diagnoseschema vor, das nicht mehr allein auf der Atemwegsobstruktion basiert, sondern strukturelle Veränderungen in der Thorax-CT explizit integriert [5].
Zentrale Neuerung:
Personen ohne postbronchodilatatorische Obstruktion (FEV₁/FVC < 0,70) können nun ebenfalls als COPD-Patienten gelten, sofern mindestens drei von fünf Nebenkriterien erfüllt sind:
- Emphysem oder Bronchialwandverdickung in der CT
- Dyspnoe
- Eingeschränkte respiratorische Lebensqualität
- Chronische Bronchitis (dauerhafte Entzündung der Bronchien)
Kategorisierung:
- Hauptdiagnose: Obstruktion plus ≥ 1 Nebenkriterium
- Nebendiagnose: ≥ 3 Nebenkriterien ohne Obstruktion (Emphysem und Bronchialwandverdickung zwingend bei unklarer Ätiologie (Ursache))
Ergebnisse der Kohortenanalyse (COPDGene, CanCOLD):
- 15,4 % der vormals obstruktionsfreien Personen wurden neu als COPD klassifiziert.
- Diese zeigten eine deutlich erhöhte Gesamtmortalität und Atemwegsmortalität sowie mehr Exazerbationen und schnelleren FEV₁-Abfall [5].
- Gleichzeitig wurden 6,8 % vormals als COPD geltende Personen ausgeschlossen, da sie keine Symptome oder strukturellen Veränderungen zeigten.
Bewertung:
Die neue Systematik erlaube laut Francesca Polverino (Baylor College of Medicine) eine frühere und differenziertere Diagnosestellung, insbesondere bei bislang unklassifizierten Patienten, und stelle einen Paradigmenwechsel dar [6].
Fazit:
Das modifizierte Schema erkennt COPD auch ohne Obstruktion, setzt jedoch die strukturelle Bildgebung (CT) voraus. Es verbessert die Prognoseabschätzung und könnte die klinische Praxis grundlegend verändern.
Lungenrundherd (LRH) (kleiner runder Lungenknoten)
Als Lungenrundherd gilt eine intrapulmonale Parenchymverdichtung (Verdichtung des Lungengewebes) mit einem Durchmesser von weniger als 3 cm, die weder mit einer Atelektase (nicht belüfteter Lungenabschnitt) noch mit einem pathologisch vergrößerten Lymphknoten einhergeht.
Die Empfehlungen für das Vorgehen bei Lungenrundherden basieren auf den Fleischer Kriterien (Fleischner Society guidelines (FSG)) von 2005 [2]:
| Rundherdgröße | Patient mit niedrigem Risiko | Pat mit hohem Risiko |
| ≤ 4 mm | keine Nachkontrolle | Kontrolle in 12 Monaten; kein Wachstum? = Halt |
| 4 - 6 mm | Kontrolle in 12 Monaten; kein Wachstum? = Halt |
Kontrolle in 8-12 Monaten; kein Wachstum? = Kontrolle in 18-24 Monaten |
| 6 - 8 mm | Kontrolle in 8-12 Monaten; kein Wachstum? = Kontrolle in 18-24 Monaten |
Kontrolle in 3-6 Monaten; kein Wachstum? = Kontrolle in 18-24 Monaten |
| > 8 mm | CT-Kontrolle in 3, 9, 24 Mo. oder CT-PET oder Biopsie | Kontrolle in 3 Monaten und weitere Kontrollen, alternativ Biopsie |
Die angegebenen Kontrollen sind CT-Untersuchungen.
Literatur
- Regan EA et al.: Clinical and Radiologic Disease in Smokers With Normal Spirometry. JAMA Intern Med. 2015 Jun 22. doi: 10.1001/jamainternmed.2015.2735
- Macmahon H, Austin JH, Gamsu G et-al. Guidelines for management of small pulmonary nodules detected on CT scans: a statement from the Fleischner Society. Radiology. 2005;237 (2): 395-400.
- Woodruff PG et al.: Clinical Significance of Symptoms in Smokers with Preserved Pulmonary Function. N Engl J Med 2016; 374:1811-1821, May 12, 2016, DOI: 10.1056/NEJMoa1505971
- Bhatt SP et al.: Discriminative Accuracy of FEV1:FVC Thresholds for COPD-Related Hospitalization and Mortality JAMA. 2019;321(24):2438-2447. doi:10.1001/jama.2019.7233
- A Multidimensional Diagnostic Approach for Chronic Obstructive Pulmonary Disease COPDGene 2025 Diagnosis Working Group and CanCOLD Investigators JAMA. Published online May 18, 2025. doi:10.1001/jama.2025.7358
- Polverino F: Beyond Obstruction—A Milestone in COPD Diagnosis JAMA. Published online May 18, 2025. doi:10.1001/jama.2025.6653
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Akuter und chronischer Husten. (AWMF-Registernummern: 053-013) Februar 2021. Kurzfassung Langfassung
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): 2021 GOLD Report. Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of Chronic Obstructive Pulmonary Disease. www.goldcopd.org
- S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie COPD. (AWMF-Registernummer: nvl- 003). Juni 2021 Kurzfassung Langfassung
- S2k-Leitlinie: Fachärztliche Diagnostik und Therapie der COPD. (AWMF-Registernummer: 020 - 006), Februar 2026 Langfassung