Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Reduktion der aktuellen Krankheitslast – Linderung von Dyspnoe (Atemnot), Husten und Auswurf sowie Verbesserung von Belastbarkeit und gesundheitsbezogener Lebensqualität [LL1, LL2]
- Verlangsamung der Krankheitsprogression (des Fortschreitens der Erkrankung) – insbesondere Verlangsamung des Lungenfunktionsverlustes [LL1, LL2]
- Vermeidung von Exazerbationen (akuten Verschlechterungen) und Hospitalisierungen (Krankenhausaufnahmen) [LL1, LL2]
- Senkung der COPD-bedingten Mortalität (Sterblichkeit) [LL1, LL2]
- Vollständiger und dauerhafter Rauchstopp sowie Vermeidung weiterer inhalativer Noxen (eingeatmeter Schadstoffe); Tabakrauchen ist ein wesentlicher modifizierbarer Faktor für Entstehung und Progression der COPD [LL1, LL4]
Therapieempfehlungen
Die Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung) der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) (chronische Lungenerkrankung mit dauerhaft verengten Atemwegen) richtet sich primär nach Symptomlast, Exazerbationshistorie, bisheriger inhalativer Therapie und der Zahl der Eosinophilen im peripheren Blut. Die spirometrischen GOLD-Schweregrade 1-4 anhand der Einsekundenkapazität (FEV1, forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde) dienen der funktionellen Schweregradeinteilung, stellen jedoch kein eigenständiges pharmakologisches Stufenschema dar [LL1, LL2].
Zur standardisierten Symptomerfassung sollen der CAAT (Chronic Airways Assessment Test; frühere Bezeichnung: COPD Assessment Test, CAT) und/oder die mMRC-Dyspnoe-Skala (modified Medical Research Council Dyspnoea Scale) verwendet werden. CAAT und der frühere CAT sind inhaltlich gleichwertig und austauschbar [LL1].
Vor jeder Therapieeskalation sollen Diagnose, Adhärenz (Therapietreue), Inhalationstechnik, Eignung des Inhalationssystems, Impfstatus, Rauchstatus, Möglichkeiten einer pneumologischen Rehabilitation (Lungenrehabilitation) sowie relevante Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) überprüft werden [LL1].
Abkürzungen
- LABA = langwirksame Beta-2-Agonisten (long-acting beta2-agonists)
- LAMA = langwirksame Muskarinantagonisten (long-acting muscarinic antagonists)
- ICS = inhalative Corticosteroide (inhaled corticosteroids)
- SABA = kurzwirksame Beta-2-Agonisten (short-acting beta2-agonists)
- SAMA = kurzwirksame Muskarinantagonisten (short-acting muscarinic antagonists)
Initiale pharmakologische Behandlung nach GOLD-A/B/E-System
| GOLD-Gruppe | Kriterien | Initiale Pharmakotherapie |
| A | Keine mittelgradige oder schwere Exazerbation im vorausgegangenen Jahr; geringe Symptomlast, in der Regel CAAT < 10 und mMRC 0-1 | Bevorzugt ein langwirksamer Bronchodilatator (bronchienerweiternder Wirkstoff) (LAMA oder LABA); bei nur sehr gelegentlicher Atemnot kann ein kurzwirksamer Bronchodilatator als Bedarfstherapie ausreichen [LL1, LL2] |
| B | Keine mittelgradige oder schwere Exazerbation im vorausgegangenen Jahr; relevante Symptomlast, CAAT ≥ 10 und/oder mMRC ≥ 2 | LABA + LAMA [LL1, LL2] |
| E | ≥ 1 mittelgradige oder schwere Exazerbation im vorausgegangenen Jahr, unabhängig von der Symptomlast | LABA + LAMA [LL1, LL2] Bei Bluteosinophilen ≥ 300/µl kann bei entsprechendem Exazerbationsrisiko eine direkte LABA/LAMA/ICS-Triple-Therapie erwogen werden [LL1, LL2]. Beachte: Die direkte Einleitung einer Triple-Therapie bei therapienaiven Patienten stellt formal einen Off-Label-Einsatz dar [LL1]. |
Beachte: Seit GOLD 2026 werden Patienten bereits ab einer mittelgradigen Exazerbation pro Jahr der Gruppe E zugeordnet. Die randomisierten Studien zur Triple-Therapie und zu Biologika schlossen überwiegend Patienten mit höherem Exazerbationsrisiko entsprechend der früheren GOLD-Gruppe E ein, d. h. meist ≥ 2 mittelgradige oder ≥ 1 schwere Exazerbation pro Jahr. Dies ist bei der individuellen Therapieentscheidung zu berücksichtigen [LL1, LL2].
Eine alleinige Kombination aus LABA + ICS wird bei COPD grundsätzlich nicht empfohlen. Bei Patienten mit langjährig stabilem Krankheitsverlauf unter LABA/ICS kann die bestehende Therapie in begründeten Einzelfällen fortgeführt werden. Bei gleichzeitig bestehendem Asthma bronchiale (Asthma) richtet sich die antiinflammatorische Therapie (entzündungshemmende Behandlung) primär nach der Asthma-Leitlinie; eine ICS-haltige Therapie ist dann regelhaft erforderlich [LL1, LL2].
Die FLAME-Studie zeigte bei COPD-Patienten mit Exazerbationsanamnese eine niedrigere Exazerbationsrate unter Indacaterol/Glycopyrronium (LABA/LAMA) als unter Salmeterol/Fluticason (LABA/ICS) [3].
Follow-up-Therapie bei persistierenden Symptomen bzw. Dyspnoe
- Persistierende Symptome unter LAMA- oder LABA-Monotherapie – Eskalation auf LABA + LAMA [LL1].
- Persistierende Symptome unter LABA + LAMA – Inhalationstechnik und Adhärenz überprüfen; ggf. Wechsel des Präparates bzw. Inhalationssystems; andere Ursachen der Dyspnoe, insbesondere kardiovaskuläre Komorbiditäten, abklären und nichtmedikamentöse Therapieoptionen ausschöpfen [LL1].
- Persistierende Symptome unter LABA + ICS ohne Exazerbationshistorie – Wechsel auf LABA + LAMA [LL1].
- ICS sollen nicht allein wegen persistierender Dyspnoe ohne entsprechende Exazerbations- bzw. Asthmaindikation ergänzt werden [LL1, LL2].
Follow-up-Therapie bei Exazerbationen
- Bereits eine Exazerbation unter bestehender inhalativer Therapie soll zu einer Überprüfung der Therapie und ggf. ihrer Anpassung führen [LL1].
- Fortbestehende Exazerbationen unter LAMA- oder LABA-Monotherapie und Bluteosinophile < 300/µl – Eskalation auf LABA + LAMA [LL1].
- Folgeexazerbationen unter Monotherapie und Bluteosinophile ≥ 300/µl – eine direkte Eskalation auf LABA + LAMA + ICS kann erfolgen [LL1].
- Fortbestehende Exazerbationen unter LABA + LAMA und Bluteosinophile ≥ 100/µl – Eskalation auf LABA + LAMA + ICS [LL1].
- Bluteosinophile < 100/µl – ein zusätzlicher Nutzen von ICS zur Exazerbationsprävention ist im Allgemeinen gering; bei fortbestehenden Exazerbationen sollen Phänotyp (Erscheinungsform der Erkrankung), Begleiterkrankungen und alternative Add-on-Therapien geprüft werden [LL1, LL2].
- Triple-Therapie – wenn möglich als fixe Single-Inhaler-Triple-Therapie (SITT) verordnen [LL1].
Bei symptomatischen COPD-Patienten mit Exazerbationsanamnese reduziert eine LABA/LAMA/ICS-Triple-Therapie gegenüber LABA/LAMA die Rate mittelgradiger bis schwerer Exazerbationen und verbessert die gesundheitsbezogene Lebensqualität; gleichzeitig ist das Pneumonierisiko (Risiko einer Lungenentzündung) erhöht. Für eine Reduktion der Gesamtmortalität besteht in entsprechenden Hochrisikokollektiven ein günstiges Signal, die Evidenzsicherheit ist hierfür geringer [4-6, LL1].
Inhalative Corticosteroide (ICS)
- Stellenwert – ICS werden bei COPD nicht als Monotherapie und regelhaft auch nicht als LABA/ICS-Zweifachtherapie eingesetzt, sondern bei entsprechender Exazerbationsindikation als Bestandteil einer LABA/LAMA/ICS-Triple-Therapie [LL1, LL2].
- Bluteosinophile als prädiktiver Biomarker – mit steigender Eosinophilenzahl nimmt die Wahrscheinlichkeit eines ICS-Nutzens zur Exazerbationsprävention zu. Bei < 100 Zellen/µl ist kaum ein zusätzlicher Nutzen nachweisbar; bei ≥ 300 Zellen/µl ist die Wahrscheinlichkeit eines klinisch relevanten Ansprechens hoch [LL1, LL2].
- ICS-Deeskalation – bei fehlender Exazerbationsindikation bzw. relevanten Nebenwirkungen kann ein ICS-Entzug erwogen werden. Bei Bluteosinophilen ≥ 300/µl sollen ICS wegen des erhöhten Exazerbationsrisikos nach Absetzen grundsätzlich nicht entzogen werden [2, LL3].
- Nebenwirkungen – lokale Candidose (Pilzinfektion), Dysphonie (Stimmstörung) und insbesondere ein erhöhtes Pneumonierisiko; nach der Inhalation Mund ausspülen [7, LL1].
- Infektiöse Risiken – Beobachtungsdaten zeigen Assoziationen einer ICS-Therapie mit nichttuberkulösen Mykobakteriosen (Infektionen durch nichttuberkulöse Mykobakterien) sowie dosisabhängig mit einer Pseudomonas-aeruginosa-Besiedelung (Besiedelung mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa) [8, 9].
- Systemische Glucocorticoide – eine systemische Glucocorticoid-Dauertherapie ist bei stabiler COPD aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht indiziert [LL1, LL2].
Add-on-Therapie bei rezidivierenden Exazerbationen trotz optimaler Triple-Therapie
Bei rezidivierenden Exazerbationen trotz LABA/LAMA/ICS-Triple-Therapie und nachgewiesener guter Adhärenz und Inhalationstechnik soll vor einer weiteren medikamentösen Eskalation eine erneute detaillierte Anamnese (Krankengeschichte), die Bestimmung relevanter Biomarker und, wenn möglich, ein natives Low-dose-CT des Thorax erfolgen [LL1].
| Wirkstoff/-gruppe | Indikation/Besonderheiten |
| Azithromycin Makrolid |
Off-Label-Use zur Exazerbationsprophylaxe. Kann bei ausgewählten Nichtrauchern bzw. Ex-Rauchern mit rezidivierenden Exazerbationen trotz Triple-Therapie erwogen werden [10, LL1]. Vor Therapiebeginn Infektion mit nichttuberkulösen Mykobakterien ausschließen. EKG einschließlich QT-Zeit, Innenohr-/Gehörfunktion und Leberfunktion kontrollieren; Arzneimittelinteraktionen und Resistenzentwicklung berücksichtigen [LL1]. |
| Roflumilast PDE-4-Inhibitor |
Leitlinie: ergänzende Therapie kann bei postbronchodilatatorischer FEV1 < 50 % des Sollwertes und rezidivierenden Exazerbationen erwogen werden [15, LL1]. Zulassung: Erhaltungstherapie bei schwerer COPD mit postbronchodilatatorischer FEV1 < 50 % des Sollwertes, chronischer Bronchitis (dauerhafte Entzündung der Bronchien) und häufigen Exazerbationen in der Anamnese als Add-on zu einer bronchodilatatorischen Therapie [R1]. Häufige bzw. klinisch relevante Nebenwirkungen: Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit, Appetitminderung, Gewichtsverlust, Kopfschmerzen und Schlafstörungen; psychische Nebenwirkungen einschließlich Depression und suizidaler Gedanken beachten [LL1, R1]. |
| Dupilumab monoklonaler Antikörper gegen die Interleukin-4-Rezeptor-α-Untereinheit |
Zulassung: Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit unkontrollierter COPD und erhöhten Bluteosinophilen unter ICS/LABA/LAMA bzw. LABA/LAMA, wenn ICS nicht geeignet sind [R2]. Leitlinienbasierte Patientenselektion: Bei rezidivierenden Exazerbationen trotz Triple-Therapie, Bluteosinophilen ≥ 300/µl, fehlenden klinischen Hinweisen auf Asthma und klinischen Zeichen einer chronischen Bronchitis prüfen [11, 12, LL1]. Die Schwelle von ≥ 300/µl und die chronische Bronchitis entsprechen den BOREAS-/NOTUS-Kriterien, sind jedoch nicht als solche Bestandteil der europäischen Zulassungsformulierung [11, 12, LL1, R2]. |
| Mepolizumab monoklonaler Anti-Interleukin-5-Antikörper |
Zulassung: Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit unkontrollierter COPD und erhöhten Bluteosinophilen unter ICS/LABA/LAMA [R3]. Leitlinienbasierte Patientenselektion: Bei rezidivierenden Exazerbationen trotz Triple-Therapie, Bluteosinophilen ≥ 300/µl und fehlenden klinischen Hinweisen auf Asthma prüfen; anders als bei Dupilumab ist eine chronische Bronchitis kein erforderliches Selektionsmerkmal [13, LL1]. |
Beachte: Dupilumab und Mepolizumab sind Erhaltungstherapien und keine Therapie der akuten COPD-Exazerbation. Bei klinischen Hinweisen auf ein zusätzliches schweres Asthma soll die Indikation für ein entsprechend der Asthma-Indikation zugelassenes Biologikum geprüft werden [LL1].
Wirkstoffe (Hauptindikation) bei stabiler COPD
Kurzwirksame Bronchodilatatoren
| Wirkstoffgruppe | Wirkstoffe | Stellenwert | Wichtige Nebenwirkungen |
| Kurzwirksame Beta-2-Agonisten (SABA) | Fenoterol Salbutamol |
Bedarfsmedikation bei akuter Dyspnoe bzw. Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien); keine reguläre Dauertherapie bei häufigem Bedarf [LL1, LL2] | Tremor (Zittern), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Palpitationen (Herzklopfen), Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzrhythmus), Hypokaliämie |
| Kurzwirksame Muskarinantagonisten (SAMA) | Ipratropiumbromid | Bedarfsmedikation; insbesondere auch bei akuter Exazerbation allein oder in Kombination mit SABA [LL1] | Mundtrockenheit, Husten, lokale Reizung; Vorsicht bei Engwinkelglaukom (bestimmter Form des Grünen Stars) und relevanten Harnabflussstörungen (Störungen beim Abfluss des Urins) |
Langwirksame Beta-2-Agonisten (LABA)
| Wirkstoffe | Typische Anwendung | Besonderheiten |
| Formoterol | Inhalativ, präparateabhängig 1- bis 2-mal täglich | Rascher Wirkungseintritt |
| Indacaterol | Inhalativ 1-mal täglich | Langwirksam |
| Olodaterol | Inhalativ 1-mal täglich | Langwirksam |
| Salmeterol | Inhalativ 2-mal täglich | Langsamerer Wirkungseintritt als Formoterol |
- Wirkweise – Stimulation bronchialer Beta-2-Adrenozeptoren → Bronchodilatation (Erweiterung der Bronchien).
- Nebenwirkungen – Tremor, Tachykardie, Palpitationen, Herzrhythmusstörungen und Hypokaliämie.
Langwirksame Muskarinantagonisten (LAMA)
| Wirkstoffe | Typische Anwendung | Besonderheiten |
| Aclidiniumbromid | Inhalativ 2-mal täglich | LAMA |
| Glycopyrronium | Inhalativ 1-mal täglich | LAMA |
| Tiotropiumbromid | Inhalativ 1-mal täglich | LAMA; dosisabhängig vom Inhalationssystem |
| Umeclidinium | Inhalativ 1-mal täglich | LAMA |
- Wirkweise – Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren und damit Hemmung des parasympathisch vermittelten Bronchomotorustonus (Spannungszustandes der Bronchialmuskulatur) → Bronchodilatation.
- Nebenwirkungen – Mundtrockenheit, Husten, lokale Reizung und Obstipation (Verstopfung); Vorsicht bei Engwinkelglaukom und relevanter Harnabflussstörung.
Fixkombinationen aus LABA + LAMA
- Aclidinium/Formoterol
- Glycopyrronium/Indacaterol
- Tiotropium/Olodaterol
- Umeclidinium/Vilanterol
Die duale Bronchodilatation mit LABA + LAMA ist die bevorzugte Initialtherapie der GOLD-Gruppen B und E und die zentrale Eskalationsstufe bei unzureichender Wirkung einer langwirksamen Bronchodilatator-Monotherapie [LL1, LL2].
Fixkombinationen aus LABA + LAMA + ICS
- Beclometason/Formoterol/Glycopyrronium
- Budesonid/Formoterol/Glycopyrronium
- Fluticasonfuroat/Umeclidinium/Vilanterol
Bei bestehender ICS-Indikation sollte die Triple-Therapie bevorzugt als Fixkombination in einem Inhalator eingesetzt werden [LL1]. Die konkrete Dosierung der inhalativen Mono- und Kombinationspräparate richtet sich nach Wirkstärke, Präparat und Inhalationssystem; die jeweilige Fachinformation ist maßgeblich.
Mukolytika
- N-Acetylcystein – bei symptomatischen Patienten mit überwiegend bronchitischen Beschwerden kann eine längerfristige mukolytische Therapie zur Exazerbationsprävention erwogen werden. Die Evidenz spricht insbesondere für eine ausreichend hohe Dosierung und Dauertherapie; für N-Acetylcystein zeigte sich bei 1.200 mg/Tag ein Exazerbationsschutz. Für den Einsatz von Mukolytika in der akuten COPD-Exazerbation besteht dagegen keine entsprechende Evidenz [LL4].
Theophyllin
Theophyllin gehört aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite, zahlreicher Arzneimittelinteraktionen und des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht zur regulären Erstlinien- oder Eskalationstherapie der COPD. In der Akuttherapie einer COPD-Exazerbation soll Theophyllin nicht eingesetzt werden [LL1, LL2].
Akute COPD-Exazerbation
Bronchodilatation
- SABA und/oder SAMA – kurzwirksame Beta-2-Agonisten und kurzwirksame Muskarinantagonisten sind die inhalative Akuttherapie der ersten Wahl; sie können als Mono- oder Kombinationstherapie eingesetzt werden [LL1].
- SABA – 100-200 µg initial über Dosieraerosol oder Pulverinhalator; bei ausbleibender Besserung kann die Gabe nach 10-15 Minuten wiederholt werden [LL1].
- Ipratropiumbromid – 20 µg pro Sprühstoß, initial 2-4 Sprühstöße, oder 250-500 µg über einen Vernebler [LL1].
- Bestehende inhalative Dauertherapie – LAMA, LABA und ggf. ICS sollen während der Exazerbation im Regelfall fortgeführt bzw. angepasst werden, sofern keine Kontraindikationen (Gegenanzeigen) vorliegen [LL1].
Systemische Glucocorticoide
- Prednisolon-Äquivalent 40 mg p.o. 1-mal täglich morgens für 5 Tage [1, LL1].
- Längere bzw. höher dosierte Therapie – nur in begründeten Einzelfällen [LL1].
- Orale Applikation bevorzugen – bei möglicher oraler Einnahme bietet die intravenöse Gabe keinen klinischen Vorteil und ist mit einem höheren Hyperglykämierisiko verbunden [LL1].
- Eosinophilengesteuerte Steroidtherapie – hierfür besteht bislang keine ausreichende Grundlage für eine allgemeine leitlinienbasierte Therapieempfehlung bei akuter Exazerbation [LL1].
Antibiotika
Eine Antibiotikatherapie ist bei einer COPD-Exazerbation nicht generell indiziert. Die Evidenz für Antibiotika bei akut exazerbierter COPD ist insgesamt begrenzt; die Indikation soll im Sinne des Antibiotic Stewardship restriktiv gestellt werden [LL1, LL4].
- Stationär behandelte Exazerbation – Antibiotika bei C-reaktivem Protein (CRP) > 50 mg/l oder eindeutig purulentem Sputum (eitrigem Auswurf) [LL1].
- CRP < 20 mg/l – eine Antibiotikatherapie ist nicht indiziert, sofern keine anderweitigen dringlichen Gründe bestehen [LL1].
- Procalcitonin < 0,1 ng/ml – ebenfalls keine Antibiotikatherapie empfohlen; eine Procalcitonin-gesteuerte Festlegung der Antibiotikadauer wird aufgrund heterogener Evidenz derzeit nicht empfohlen [LL1].
- Sehr schwere Exazerbation mit intensivmedizinischer Behandlung – eine Antibiotikatherapie kann auch ohne Sputumpurulenz bzw. deutlich erhöhte Entzündungsparameter erfolgen [LL1].
- Therapiedauer im stationären Setting – im Regelfall 5-7 Tage [LL1].
Die folgende Antibiotikaauswahl basiert auf dem Expertenkonsens der S2k-Leitlinie und NVL und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; lokale Resistenzlage, individuelle Risikofaktoren, Allergien, Vorbehandlungen, Organfunktionen und mikrobiologische Befunde sind zu berücksichtigen [LL1].
| Versorgungssituation | Antibiotika | Beachte |
| Ambulant | Amoxicillin Amoxicillin/Clavulansäure Doxycyclin Makrolid |
Bei Makroliden Arzneimittelinteraktionen und QT-Verlängerung berücksichtigen [LL1]. |
| Stationär | Amoxicillin Amoxicillin/Clavulansäure Doxycyclin Levofloxacin Moxifloxacin |
Fluorchinolone nur einsetzen, wenn keine gleichwertige therapeutische Alternative verfügbar ist [LL1]. |
| Intensivmedizinisch | Amoxicillin/Clavulansäure oder Cephalosporin der 3. Generation i.v. ggf. Levofloxacin oder Moxifloxacin |
Fluorchinolone nur einsetzen, wenn keine gleichwertige Alternative verfügbar ist; bei Verdacht auf multiresistente Erreger individuelle, möglichst mikrobiologisch und resistenzgerecht gesteuerte Therapie [LL1]. |
Typische bakterielle Erreger einer akuten COPD-Exazerbation sind Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae und Moraxella catarrhalis. Bei schwerer COPD, insbesondere mit Bronchiektasen (dauerhaften Erweiterungen der Bronchien) bzw. relevanter antibiotischer Vorbehandlung, sind auch Pseudomonas aeruginosa und andere multiresistente Erreger zu berücksichtigen [LL1].
Beachte: Eine Sputumpurulenz kann Bestandteil der Antibiotikaindikation sein; die frühere schematische Aussage „Kontrolle durch Sputumentfärbung“ ist dagegen kein leitliniengerechtes Therapiekriterium.
Sauerstofftherapie und Beatmung
- Akute hypoxämische respiratorische Insuffizienz (akutes Atemversagen mit Sauerstoffmangel) – kontrollierte Sauerstofftherapie nach klinischem Zustand und Blutgasanalyse; bei COPD ist insbesondere eine unkontrollierte Hyperoxie (zu hohe Sauerstoffzufuhr) wegen des Risikos einer Hyperkapnie (erhöhte Kohlendioxidkonzentration im Blut) zu vermeiden [LL1].
- Akute hyperkapnische respiratorische Insuffizienz mit respiratorischer Azidose (Übersäuerung des Blutes durch Atemversagen) – die nichtinvasive Beatmung (NIV) ist die bevorzugte Beatmungsform. Bei schwerer COPD-Exazerbation und arteriellem pH < 7,35 soll ein NIV-Therapieversuch erfolgen; der größte belegte Nutzen besteht bei pH 7,35-7,20 [LL1].
- NIV reduziert bei geeigneten Patienten Intubations- und Komplikationsraten und verkürzt die Hospitalisationsdauer [LL1].
- Langzeitsauerstofftherapie – bei stabiler chronischer hypoxämischer respiratorischer Insuffizienz und PaO2 < 55 mmHg bzw. < 60 mmHg bei gleichzeitigem Cor pulmonale (durch Lungenerkrankung bedingter Belastung des rechten Herzens) anbieten [LL1].
- Außerklinische NIV – sollte bei stabiler hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz mit PaCO2 > 52 mmHg am Tag angeboten werden; weitere leitliniengerecht definierte Konstellationen sind nächtliche bzw. nach akuter Exazerbation persistierende Hyperkapnie [LL1].
Kardiovaskuläre Erkrankungen und COPD
Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), koronare Herzkrankheit (Erkrankung der Herzkranzgefäße), Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus aus den Herzvorhöfen) sind häufige Komorbiditäten der COPD und sollen grundsätzlich entsprechend den jeweiligen kardiologischen Leitlinien behandelt werden. Eine COPD stellt keine generelle Kontraindikation gegen einen medizinisch indizierten Betablocker dar; bei entsprechender kardiovaskulärer Indikation sind kardioselektive Betablocker zu bevorzugen [LL1, LL4].
Betablocker sollen jedoch nicht allein zur Prävention von COPD-Exazerbationen verordnet werden. Im randomisierten BLOCK-COPD-Trial reduzierte Metoprolol bei COPD-Patienten ohne anderweitige Betablockerindikation das Exazerbationsrisiko nicht; schwere, hospitalisierungspflichtige Exazerbationen traten unter Metoprolol häufiger auf [14, LL4].
Beachte
- Inhalationstechnik und Adhärenz sollen vor jeder Therapieeskalation und regelmäßig im Verlauf kontrolliert werden [LL1].
- Inhalationssystem – Auswahl nach inspiratorischem Fluss, kognitiven, visuellen und motorischen Fähigkeiten sowie Patientenpräferenz; bei Wechsel eines Systems ist eine erneute Einweisung erforderlich [LL1].
- Fixkombinationen sollen bevorzugt werden, sofern sie für die benötigten Wirkstoffe verfügbar und für den Patienten geeignet sind [LL1].
- LABA + ICS allein wird bei COPD grundsätzlich nicht mehr empfohlen; begründete Ausnahmen bei langjährig stabilen Patienten sind möglich [LL1, LL2].
- ICS werden zur Exazerbationsprävention anhand von Exazerbationshistorie und Bluteosinophilenzahl eingesetzt, nicht allein aufgrund des spirometrischen COPD-Schweregrades [LL1, LL2].
- Systemische Glucocorticoide als Dauertherapie sind bei stabiler COPD nicht indiziert [LL1, LL2].
- Theophyllin soll bei einer akuten COPD-Exazerbation nicht eingesetzt werden [LL1].
- Azithromycin-Dauertherapie ist keine Standardbehandlung und erfolgt zur Exazerbationsprophylaxe als Off-Label-Use [LL1].
- Roflumilast – Leitlinienempfehlung und zugelassene Indikation sind nicht vollständig deckungsgleich; für die Verordnung ist die Fachinformation maßgeblich [LL1, R1].
- Biologika – vor Dupilumab oder Mepolizumab müssen insbesondere Adhärenz, Inhalationstechnik, Exazerbationshistorie, Bluteosinophile und ein mögliches Asthma sorgfältig geprüft werden [LL1, R2, R3].
- Nach schwerer COPD-Exazerbation sollte innerhalb von 4 Wochen eine strukturierte Reevaluation (erneute Beurteilung) einschließlich Überprüfung der Dauertherapie, Inhalationstechnik und Komorbiditäten erfolgen [LL1].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, K, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor)
- Spurenelemente (Chrom, Eisen, Fluorid, Jod, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäuren: Linolsäure)
- Weitere Vitalstoffe (Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat))
Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Literatur
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- Wedzicha JA et al.: Indacaterol-Glycopyrronium versus Salmeterol-Fluticasone for COPD. N Engl J Med. 2016;374:2222-2234. doi: 10.1056/NEJMoa1516385
- Lipson DA et al.: Once-Daily Single-Inhaler Triple versus Dual Therapy in Patients with COPD. N Engl J Med. 2018;378:1671-1680. doi: 10.1056/NEJMoa1713901
- Rabe KF et al.: Triple Inhaled Therapy at Two Glucocorticoid Doses in Moderate-to-Very-Severe COPD. N Engl J Med. 2020;383:35-48. doi: 10.1056/NEJMoa1916046
- van Geffen WH, Tan DJ, Walters JAE, Walters EH: Inhaled corticosteroids with combination inhaled long-acting beta2-agonists and long-acting muscarinic antagonists for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev. 2023;12:CD011600. doi: 10.1002/14651858.CD011600.pub3
- Kew KM, Seniukovich A: Inhaled steroids and risk of pneumonia for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database Syst Rev. 2014;3:CD010115. doi: 10.1002/14651858.CD010115.pub2
- Brode SK et al.: The risk of mycobacterial infections associated with inhaled corticosteroid use. Eur Respir J. 2017;50:1700037. doi: 10.1183/13993003.00037-2017
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- Sciurba FC et al.: Mepolizumab to Prevent Exacerbations of COPD with an Eosinophilic Phenotype. N Engl J Med. 2025;392:1710-1720. doi: 10.1056/NEJMoa2413181
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Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie: Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 2026. (AWMF-Registernummer 020-006) Februar 2026, Version 5.2. Langfassung [LL1]
- Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD): Global Strategy for Prevention, Diagnosis and Management of COPD: 2026 Report. 2026 GOLD Report and Pocket Guide [LL2]
- Chalmers JD et al.: Withdrawal of inhaled corticosteroids in COPD: a European Respiratory Society guideline. Eur Respir J. 2020;55:2000351. doi: 10.1183/13993003.00351-2020 [LL3]
- Nationale VersorgungsLeitlinie: COPD. 2. Auflage, Version 1. (AWMF-Registernummer nvl-003) 2026. Langfassung [LL4]
- European Medicines Agency (EMA): Daxas (Roflumilast) – EPAR Product Information. Fachinformation/EPAR [R1]
- European Medicines Agency (EMA): Dupixent (Dupilumab) – EPAR Product Information. Fachinformation [R2]
- European Medicines Agency (EMA): Nucala (Mepolizumab) – EPAR Product Information. Fachinformation [R3]