Plasmozytom – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anämie (Blutarmut), chronische Erkrankung – normozytäre oder mikrozytäre Anämie bei chronischer Entzündung; differentialdiagnostisch relevant bei Fatigue (Erschöpfung), Leistungsminderung und erhöhten Entzündungsparametern ohne Nachweis einer monoklonalen Plasmazellerkrankung
  • Eisenmangelanämie – mikrozytäre Anämie mit erniedrigtem Ferritin beziehungsweise erniedrigter Transferrinsättigung; wichtige Differentialdiagnose bei Müdigkeit, Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung) und Schwäche
  • Megaloblastäre Anämie – Vitamin-B12- oder Folsäuremangel mit makrozytärer Anämie; Abgrenzung gegenüber Knochenmarkinfiltration (Einwachsen in das Knochenmark) durch Plasmazellen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Primärer Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen) – Hypercalcämie (erhöhter Calciumspiegel im Blut) mit inadäquat erhöhtem oder nicht supprimiertem Parathormon; wichtige Differentialdiagnose der myelomassoziierten Hypercalcämie
  • Vitamin-D-Intoxikation (Vitamin-D-Vergiftung) – Hypercalcämie durch exzessive Vitamin-D-Zufuhr; differentialdiagnostisch relevant bei erhöhtem Calcium ohne monoklonale Gammopathie (krankhafte Eiweißvermehrung im Blut) und ohne osteolytische Läsionen (knochenauflösende Veränderungen)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Chronische Osteomyelitis (Knochenmarkentzündung) – chronische Knochenmarkinfektion mit lokaler Schmerzsymptomatik, Entzündungszeichen und bildgebenden Knochenveränderungen; kann osteolytische Läsionen imitieren
  • Spondylodiszitis (Entzündung von Wirbelkörper und Bandscheibe) – infektiöse Entzündung von Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörpern; wichtige Differentialdiagnose bei Rückenschmerz, Fieber, erhöhtem CRP und Wirbelkörperdestruktion (Zerstörung eines Wirbelkörpers)
  • Tuberkulose (Schwindsucht), ossär – granulomatöse Knochen- oder Wirbelkörpermanifestation; differentialdiagnostisch relevant bei osteolytischen Läsionen, B-Symptomatik (Allgemeinsymptome), und chronischer Entzündungskonstellation

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Osteomalazie (Knochenerweichung) – gestörte Knochenmineralisation, meist bei Vitamin-D-Mangel; kann diffuse Knochenschmerzen, Muskelschwäche und Frakturen (Knochenbrüche) verursachen
  • Osteoporose (Knochenschwund) – systemische Verminderung der Knochenmasse mit Fragilitätsfrakturen; wichtige Differentialdiagnose bei Wirbelkörperfrakturen, wobei Osteoporose oder Wirbelkörperkompressionsfrakturen ohne osteolytische Läsionen nicht als ausreichendes Myelom-Knochenkriterium gelten
  • Paget-Krankheit des Knochens – fokaler gesteigerter Knochenumbau mit Knochenschmerzen, Deformierungen und erhöhter alkalischer Phosphatase (AP); kann bildgebend tumoröse Knochenveränderungen imitieren
  • Polymyalgia rheumatica (entzündlicher Muskelschmerz) – entzündliches Schmerzsyndrom des höheren Lebensalters mit proximal betonten Muskel- und Gelenkschmerzen sowie erhöhter BSG/CRP; Abgrenzung gegenüber myelombedingten Knochenschmerzen
  • Rheumatoide Arthritis (Gelenkrheuma) – chronisch-entzündliche Gelenkerkrankung mit Gelenkschmerz, Morgensteifigkeit und Entzündungsparametern; keine osteolytischen Myelomläsionen und keine monoklonale Plasmazellproliferation (Vermehrung von Plasmazellen)

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • AL-Amyloidose (Eiweißablagerungskrankheit) – monoklonale Plasmazellerkrankung mit Ablagerung von Leichtketten-Amyloid; kann mit Proteinurie (Eiweiß im Urin), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Neuropathie (Nervenschädigung), Hepatomegalie (Lebervergrößerung) und monoklonalem Protein ein multiples Myelom imitieren oder begleiten
  • Chronische lymphatische Leukämie (chronischer Blutkrebs der Lymphozyten) – reife B-Zell-Neoplasie mit Lymphozytose (Vermehrung der Lymphozyten), Lymphadenopathie (Lymphknotenschwellung), Splenomegalie (Milzvergrößerung) und Immunglobulinveränderungen; Abgrenzung gegenüber Plasmazellneoplasie
  • Langerhans-Zell-Histiozytose – neoplastische Erkrankung dendritischer Zellen mit osteolytischen Knochenläsionen; differentialdiagnostisch relevant bei solitären oder multiplen Osteolysen (Knochenauflösungen)
  • Leichtketten-Ablagerungskrankheit – monoklonale Immunglobulin-Leichtkettenablagerung, insbesondere renal (die Niere betreffend); kann Proteinurie und Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) verursachen und muss von myelombedingter Cast-Nephropathie (Nierenschädigung durch Eiweißzylinder) abgegrenzt werden
  • Lymphom (Lymphdrüsenkrebs) mit plasmatischer Differenzierung – B-Zell-Lymphom mit monoklonaler Immunglobulinproduktion; Abgrenzung über Histologie (Gewebeuntersuchung), Immunphänotyp (Oberflächenmerkmale der Zellen) und Knochenmarkbefund
  • Metastatische Knochenkrankheit (Knochenabsiedlungen) – osteolytische oder osteoblastische Knochenmetastasen, insbesondere bei Mammakarzinom (Brustkrebs), Prostatakarzinom (Prostatakrebs), Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), Nierenzellkarzinom (Nierenkrebs) und Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs); wichtigste tumoröse Differentialdiagnose multipler Knochenläsionen
  • Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) – asymptomatische monoklonale Gammopathie ohne Myelom-definierende Ereignisse und ohne CRAB-Kriterien; obligate Abgrenzung gegenüber aktivem multiplem Myelom (Plasmazellkrebs)
  • Morbus Waldenström (Waldenströms Makroglobulinämie) – lymphoplasmozytisches Lymphom mit monoklonalem Immunglobulin M (IgM); typisch sind Hyperviskosität (erhöhte Zähflüssigkeit des Blutes), Lymphadenopathie, Splenomegalie, Neuropathie und IgM-Paraproteinämie (krankhafte Eiweißvermehrung vom Typ IgM), während klassische osteolytische Myelomläsionen und Hypercalcämie untypisch sind
  • Myelodysplastisches Syndrom (Knochenmarkbildungsstörung) – klonale hämatopoetische Erkrankung mit Zytopenien (Verminderung von Blutzellen) und dysplastischer Hämatopoese (gestörte Blutbildung); Differentialdiagnose bei Anämie, Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) oder Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) ohne Plasmazellinfiltration
  • Nonsekretorisches Myelom – plasmazelluläre Neoplasie ohne messbares monoklonales Protein in Serum- und Urinelektrophorese; Abgrenzung über Knochenmarkdiagnostik, freie Leichtketten, Bildgebung und Histologie
  • Plasmazellleukämie – aggressive plasmazelluläre Neoplasie mit zirkulierenden klonalen Plasmazellen; Abgrenzung gegenüber multiplem Myelom mit leukämischer Ausschwemmung
  • Plasmablastisches Lymphom – aggressives Non-Hodgkin-Lymphom mit plasmablastischem Phänotyp; seltene, aber relevante Differentialdiagnose bei plasmablastischer Morphologie (Zellgestalt), extranodaler Manifestation (Auftreten außerhalb von Lymphknoten) oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems)
  • POEMS-Syndrom – seltene monoklonale Plasmazellerkrankung mit Polyneuropathie (Schädigung mehrerer Nerven), monoklonalem Plasmazellklon und weiteren Kriterien wie Organomegalie (Organvergrößerung), Endokrinopathie (Hormondrüsenerkrankung), Hautveränderungen, sklerotischen Knochenläsionen (knochenverdichtende Veränderungen) oder erhöhtem VEGF
  • Smouldering Multiple Myeloma – asymptomatische Vorstufe des multiplen Myeloms mit höherer Tumorlast als MGUS, aber ohne Myelom-definierende Ereignisse und ohne CRAB-Kriterien
  • Solitär extramedulläres Plasmozytom – lokalisierte klonale Plasmazellneoplasie außerhalb des Knochens ohne systemische Myelomkriterien
  • Solitäres Plasmozytom des Knochens – lokalisierte klonale Plasmazellneoplasie im Knochen mit fehlender oder minimaler Knochenmarkbeteiligung und ohne weitere Myelom-definierende Läsionen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hypercalcämie – differentialdiagnostisch abzuklären bei Übelkeit, Obstipation (Verstopfung), Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Polydipsie (starker Durst), Exsikkose (Austrocknung), Bewusstseinsstörung oder Nierenfunktionsverschlechterung; beim Plasmozytom meist Folge osteolytischer Knochenresorption (Knochenabbau)
  • Monoklonale Paraproteinämie – Nachweis eines monoklonalen Proteins ohne sichere Zuordnung; Differentialdiagnose umfasst MGUS, Smouldering Multiple Myeloma, multiples Myelom, AL-Amyloidose, Morbus Waldenström und andere B-Zell-Neoplasien
  • Polyneuropathie – sensible oder sensomotorische Neuropathie; relevant bei AL-Amyloidose, POEMS-Syndrom, Morbus Waldenström, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Vitamin-B12-Mangel und therapieassoziierten Ursachen

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Chronische Nierenkrankheit anderer Genese – diabetische Nephropathie (Nierenschädigung durch Zuckerkrankheit), hypertensive Nephropathie (Nierenschädigung durch Bluthochdruck), glomeruläre Erkrankungen (Erkrankungen der Nierenkörperchen) oder tubulointerstitielle Nephritis (Entzündung von Nierenkanälchen und Zwischengewebe); Abgrenzung gegenüber myelombedingter Nierenschädigung
  • Glomerulonephritis (Nierenkörperchenentzündung) – entzündliche glomeruläre Nierenerkrankung mit Proteinurie, Hämaturie (Blut im Urin) und Nierenfunktionsstörung; Differentialdiagnose zur Leichtketten-assoziierten Nierenbeteiligung
  • Leichtketten-Cast-Nephropathie – myelomassoziierte tubuläre Nierenschädigung durch freie Leichtketten; bei akuter oder chronischer Niereninsuffizienz mit monoklonaler Leichtkettenexkretion (Ausscheidung von Leichtketten) zentral abzugrenzen
  • Monoklonale Gammopathie renaler Signifikanz – monoklonale Gammopathie mit nierenschädigender Wirkung ohne Erfüllung der Kriterien eines multiplen Myeloms; wichtige Differentialdiagnose bei Proteinurie, Hämaturie und eingeschränkter Nierenfunktion

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Pathologische Fraktur – Fraktur ohne adäquates Trauma (Verletzung); Differentialdiagnose umfasst Osteoporose, Knochenmetastasen (Knochenabsiedlungen), multiples Myelom, Osteomalazie und andere strukturelle Knochenerkrankungen
  • Traumatische Wirbelkörperfraktur – Fraktur nach adäquatem Trauma; Abgrenzung gegenüber atraumatischer beziehungsweise pathologischer Wirbelkörperfraktur bei Plasmozytom

Medikamente

  • Glukokortikoide (Kortisonpräparate) – können Osteoporose, Wirbelkörperfrakturen, Immunsuppression, Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker) und Muskelschwäche verursachen; wichtige Differentialdiagnose beziehungsweise Cofaktor bei Knochenschmerz und Frakturanamnese (Vorgeschichte von Knochenbrüchen)
  • Nephrotoxische Medikamente (nierenschädigende Medikamente) – nichtsteroidale Antirheumatika, Aminoglykoside, jodhaltige Kontrastmittel, Calcineurin-Inhibitoren und andere nephrotoxische Substanzen können eine Nierenfunktionsstörung verursachen oder verstärken