Legionellose – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

  • Verbesserung der Symptomatik
  • Rasche Eliminierung der Erreger
  • Vermeidung von respiratorischem Versagen (Atemversagen), Sepsis (Blutvergiftung), Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) und weiteren Komplikationen
  • Vermeidung von Rezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung) und unnötig langer Antibiotikaexposition

Therapieempfehlungen

  • Pontiac-Fieber (milde Legionellen-Erkrankung ohne Lungenentzündung): Eine antibiotische Therapie ist nicht erforderlich. Im Regelfall genügt eine symptomatische Behandlung [LL4].
  • Legionellen-Pneumonie (Lungenentzündung durch Legionellen):
    • Bei klinischem Verdacht soll die wirksame Antibiotikatherapie unverzüglich begonnen und nicht bis zum Vorliegen der mikrobiologischen Befunde verzögert werden. Eine innerhalb der ersten 24 Stunden eingeleitete Legionellen-wirksame Therapie ist mit einem günstigeren klinischen Verlauf assoziiert [1, 4].
    • Bei gesicherter Legionellen-Pneumonie sind ein respiratorisches Fluorchinolon – Levofloxacin oder Moxifloxacin – oder ein modernes Makrolid, vorzugsweise Azithromycin, geeignete gezielte Erstlinienoptionen. Clarithromycin ist eine Alternative. Eine generelle Überlegenheit der Fluorchinolone oder Makrolide hinsichtlich der Mortalität (Sterblichkeit) ist nicht belegt [2, 3, LL1, LL3].
    • Bei älteren Patienten, umfangreicher Begleitmedikation oder erhöhtem Interaktionsrisiko ist innerhalb der Makrolidgruppe Azithromycin gegenüber Clarithromycin zu bevorzugen [LL1].
    • Bei mittelschwerer oder schwerer Pneumonie soll die Therapie initial intravenös erfolgen. Nach hämodynamischer Stabilisierung, Besserung der respiratorischen Insuffizienz und gesicherter gastrointestinaler Resorption (Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt) ist eine orale Sequenztherapie möglich [4, LL1].
    • Bei schwerer, noch ätiologisch ungeklärter ambulant erworbener Pneumonie (außerhalb des Krankenhauses erworbener Lungenentzündung) soll die kalkulierte Initialtherapie neben der Legionellen-Wirksamkeit auch typische bakterielle Erreger erfassen. Leitliniengerecht ist eine intravenöse Kombination aus einem geeigneten Beta-Laktam-Antibiotikum und einem Makrolid. Eine Fluorchinolon-Monotherapie ist bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie nur ohne septischen Schock (lebensbedrohliches Kreislaufversagen bei schwerer Infektion) eine mögliche kalkulierte Alternative [LL1, LL2].
    • Nach gesichertem Legionellen-Nachweis und Ausschluss einer relevanten Koinfektion (gleichzeitig bestehenden zusätzlichen Infektion) kann auf eine Legionellen-wirksame Monotherapie fokussiert werden. Beta-Laktam-Antibiotika besitzen als Monotherapie keine ausreichende Wirkung gegen die intrazellulär (innerhalb von Körperzellen) lokalisierten Legionellen [LL4].
    • Eine routinemäßige Kombination von Fluorchinolon und Makrolid ist auch bei schwerer Legionellen-Pneumonie nicht durch belastbare randomisierte Daten gestützt. Eine aktuelle multizentrische Kohortenstudie zeigte keinen signifikanten Vorteil gegenüber der überwiegend Fluorchinolon-basierten Monotherapie. Bei septischem Schock, ausgeprägter Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) oder fehlendem Ansprechen kann die Kombination nach infektiologischer und intensivmedizinischer Nutzen-Risiko-Abwägung erwogen werden [4, 5].
    • Rifampicin soll weder routinemäßig zusätzlich noch als reguläre Alternative eingesetzt werden. Ein klinischer Zusatznutzen ist nicht belegt; dem stehen relevante Arzneimittelinteraktionen und hepatotoxische Risiken (Risiken einer Leberschädigung) gegenüber [4, 5].
    • Erythromycin wird aufgrund der höheren kardiovaskulären Toxizität (Schädlichkeit für Herz und Kreislauf) und besser verträglicher Alternativen nicht mehr empfohlen [LL1].
  • Therapiedauer:
    • Die Therapiedauer ist nach Schweregrad, Immunstatus, eingesetztem Wirkstoff, klinischem Ansprechen und Komplikationen festzulegen.
    • Bei nicht schwerer Legionellen-Pneumonie und rascher klinischer Stabilisierung sind kurze Therapien vertretbar; bei oralem Azithromycin können wirkstoffbedingt 3-5 Tage ausreichen. Die jeweilige Fachinformation ist zu beachten [6, FI3, FI4].
    • Bei mittelschwerer bis schwerer Legionellen-Pneumonie werden im Regelfall 7-10 Tage empfohlen [3, 4].
    • Bei schwerem Verlauf und/oder Immunsuppression sind in der Regel 10-14 Tage erforderlich. Bei ausgeprägter Immunsuppression, verzögertem Ansprechen, Lungenabszess (abgekapselter Eiteransammlung in der Lunge), Empyem (Eiteransammlung in einer Körperhöhle), extrapulmonaler Manifestation (Krankheitsbeteiligung außerhalb der Lunge) oder Rezidiv kann eine Verlängerung auf bis zu 21 Tage erforderlich sein [3, 4, 6].
    • Vor Beendigung der Therapie soll für mindestens 48 Stunden klinische Stabilität mit Entfieberung, stabiler Hämodynamik (Kreislauffunktion), ausreichender Oxygenierung (Sauerstoffversorgung des Blutes) und möglicher oraler Aufnahme bestehen [LL1].
  • Symptomatische und supportive Therapie: Sauerstoffgabe bei Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), bedarfsgerechte Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution sowie Analgesie und Antipyrese nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung. Antitussiva sind nicht routinemäßig indiziert und bei produktivem Husten wegen einer möglichen Sekretretention (Zurückhaltung von Schleim in den Atemwegen) zu vermeiden.
  • Glucocorticoide: Die Legionellen-Ätiologie (Legionellen als Krankheitsursache) allein stellt keine Indikation für eine systemische Glucocorticoidtherapie dar. Eine Anwendung bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie oder refraktärem septischem Schock richtet sich nach den entsprechenden übergeordneten Leitlinien; spezifische Wirksamkeitsnachweise für die Legionellen-Pneumonie fehlen [4, LL2].

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Fluorchinolone

Wirkstoffgruppe/Wirkstoff(e) Besonderheiten
Fluorchinolone
Levofloxacin
Sehr hohe orale Bioverfügbarkeit; Dosisanpassung bei einer Kreatinin-Clearance ≤ 50 ml/min erforderlich; bei schwerer Pneumonie initial i.v. [FI1]
Fluorchinolone
Moxifloxacin
Keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Nierenschwäche); die orale Darreichungsform ist nicht zur Initialtherapie einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie vorgesehen; ausgeprägtes Potenzial zur QT-Zeit-Verlängerung [FI2]
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV; bakterizide Wirkung mit hoher intrazellulärer Aktivität in Alveolarmakrophagen (Fresszellen in den Lungenbläschen).
  • Indikation: Gezielte Therapie der Legionellen-Pneumonie; bei schwerem Verlauf vorzugsweise initial intravenös [2-4, LL1].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Alter unter 18 Jahren und anamnestische Sehnenerkrankung nach Chinolonbehandlung; Levofloxacin zusätzlich bei Epilepsie (Krampfleiden). Für Moxifloxacin gelten zusätzliche Kontraindikationen bei relevanter QT-Zeit-Verlängerung, unkorrigierter Hypokaliämie, klinisch relevanter Bradykardie (zu langsamem Herzschlag), symptomatischen Herzrhythmusstörungen, schwerer systolischer Herzinsuffizienz (Herzschwäche mit verminderter Pumpfunktion) und schwerer Leberfunktionsstörung [FI1, FI2].
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden, hepatotoxische Reaktionen, Dysglykämien (Störungen des Blutzuckerspiegels), QT-Zeit-Verlängerung, neuropsychiatrische Reaktionen (Beschwerden des Nervensystems und der Psyche), periphere Neuropathie (Schädigung der außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegenden Nerven), Tendinitis (Sehnenentzündung) und Sehnenruptur (Sehnenriss). Sehr selten sind langanhaltende, die Lebensqualität beeinträchtigende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen des Bewegungsapparates, Nervensystems und der Sinnesorgane möglich [B1, FI1, FI2].
  • Risikopatienten: Besondere Vorsicht ist bei älteren Patienten, Niereninsuffizienz, Organtransplantation (Übertragung eines Spenderorgans) und gleichzeitiger systemischer Glucocorticoidtherapie erforderlich. Die Kombination von Fluorchinolonen mit Glucocorticoiden soll wegen des erhöhten Risikos für Tendinitis und Sehnenruptur möglichst vermieden werden [B1].
  • Interaktionen: Zwei- oder dreiwertige Kationen vermindern die orale Resorption. Eisen-, Zink-, Magnesium- und Aluminiumpräparate sind zu Levofloxacin mit mindestens 2 Stunden und zu Moxifloxacin mit etwa 6 Stunden Abstand einzunehmen. Bei gleichzeitiger Behandlung mit weiteren QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln ist Moxifloxacin kontraindiziert; auch bei Levofloxacin ist eine sorgfältige Prüfung erforderlich [FI1, FI2].

Makrolide

Wirkstoffgruppe/Wirkstoff(e) Besonderheiten
Makrolide
Azithromycin
Innerhalb der Makrolide bevorzugte Substanz bei älteren Patienten oder interaktionsrelevanter Begleitmedikation; bei schwerer Pneumonie initial i.v. [LL1, FI3, FI4]
Makrolide
Clarithromycin
Alternative zu Azithromycin; Dosisreduktion bei einer Kreatinin-Clearance < 30 ml/min; ausgeprägtes Interaktionspotenzial durch Hemmung von Cytochrom P450 3A4 und P-Glykoprotein [FI5]
  • Wirkweise: Bindung an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen (Orte der Eiweißherstellung in Zellen) mit Hemmung der Proteinsynthese; überwiegend bakteriostatische Wirkung und hohe intrazelluläre Konzentrationen.
  • Indikation: Azithromycin ist eine geeignete Erstlinienoption der gezielten Legionellen-Therapie; Clarithromycin ist eine Alternative [2-4, LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Makrolide sowie wirkstoffspezifische Kontraindikationen. Bei angeborener oder erworbener QT-Zeit-Verlängerung, Elektrolytstörungen, Bradykardie, relevanten Herzrhythmusstörungen oder gleichzeitiger Gabe QT-Zeit-verlängernder Arzneimittel ist besondere Vorsicht erforderlich. Clarithromycin besitzt zahlreiche zusätzliche arzneimittelspezifische Kontraindikationen [FI3-FI5].
  • Nebenwirkungen: Übelkeit, Diarrhoe (Durchfall), Bauchschmerzen, Geschmacksstörungen, reversible Hörstörungen, Transaminasenanstieg, cholestatische oder andere hepatotoxische Reaktionen (Leberschädigungen durch Gallenstau oder andere Ursachen), QT-Zeit-Verlängerung und selten Torsade-de-Pointes-Tachykardien (besondere Form einer gefährlichen Herzrhythmusstörung).
  • Interaktionen: Clarithromycin ist ein starker Inhibitor von Cytochrom P450 3A4 und P-Glykoprotein und interagiert unter anderem mit bestimmten Statinen, oralen Antikoagulanzien, Immunsuppressiva und Antiarrhythmika. Azithromycin besitzt ein geringeres, aber nicht vollständig fehlendes Interaktionspotenzial [LL1, FI3-FI5].
  • Schwangerschaft: Fluorchinolone sind kontraindiziert. Bei zwingend erforderlicher Legionellen-Therapie in der Schwangerschaft ist Azithromycin nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung im Regelfall die geeignetere Option; Clarithromycin soll insbesondere im ersten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) nur bei zwingender Indikation eingesetzt werden [FI1-FI5].

Wirkstoffe (Nebenindikation)

Eine krankheitsspezifische pharmakologische Zusatztherapie mit gesichertem Einfluss auf Erregerelimination oder Prognose ist nicht etabliert. Analgetika und Antipyretika können ausschließlich symptomorientiert eingesetzt werden. Eine routinemäßige antitussive Behandlung sowie eine spezifisch wegen der Legionellen-Ätiologie begonnene Glucocorticoidtherapie werden nicht empfohlen.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Falcone M, Russo A, Tiseo G et al.: Predictors of intensive care unit admission in patients with Legionella pneumonia: role of the time to appropriate antibiotic therapy. Infection 2021;49:321-325. doi:10.1007/s15010-020-01565-7 [1]
  2. Jasper AS, Musuuza JS, Tischendorf JS et al.: Are Fluoroquinolones or Macrolides Better for Treating Legionella Pneumonia? A Systematic Review and Meta-analysis. Clin Infect Dis 2021;72:1979-1989. doi:10.1093/cid/ciaa441 [2]
  3. Viasus D, Gaia V, Manzur-Barbur C, Carratalà J: Legionnaires' Disease: Update on Diagnosis and Treatment. Infect Dis Ther 2022;11:973-986. doi:10.1007/s40121-022-00635-7 [3]
  4. Rello J, Allam C, Ruiz-Spinelli A, Jarraud S: Severe Legionnaires' disease. Ann Intensive Care 2024;14:51. doi:10.1186/s13613-024-01252-y [4]
  5. Bouteiller M, Cossé C, Beduneau G et al.: Monotherapy versus combination therapy in severe Legionella pneumonia: a multicenter retrospective observational study. Crit Care 2026;30:153. doi:10.1186/s13054-026-05907-z [5]
  6. Dinh A, Saliba M, Maulin L, Welker Y: Treatment duration of community-acquired pneumonia due to Legionella pneumophila: where do we stand? Infect Dis Now 2026;56:105299. doi:10.1016/j.idnow.2026.105299 [6]

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S3-Leitlinie: Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – Update 2021. (AWMF-Registernummer 020-020) April 2021 Langfassung [LL1]
  2. International clinical practice guideline: ERS/ESICM/ESCMID/ALAT guidelines for the management of severe community-acquired pneumonia. Eur Respir J 2023;61:2200735. doi:10.1183/13993003.00735-2022 [LL2]
  3. Practice guideline: Update of guidelines for management of Community Acquired pneumonia in adults by the French Infectious Disease Society (SPILF) and the French-Speaking Society of Respiratory Diseases (SPLF). Respir Med Res 2025;87:101161. doi:10.1016/j.resmer.2025.101161 [LL3]
  4. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Legionellose. Vollständig aktualisierte Fassung September 2019; letzte Aktualisierung Oktober 2021. Volltext [LL4]

Behördliche und regulatorische Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika – Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. 7. Juni 2023. Volltext [B1]

Fachinformationen

  1. Fachinformation Levofloxacin-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. Stand Dezember 2025. Fachinformation [FI1]
  2. Fachinformation Moxifloxacin TAD 400 mg Filmtabletten. Stand April 2026. Fachinformation [FI2]
  3. Fachinformation Azithromycin Friedrich Eberth 500 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Stand September 2025. Fachinformation [FI3]
  4. Fachinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. Stand 2026. Fachinformation [FI4]
  5. Fachinformation Klacid Filmtabletten. Stand Juli 2025. Fachinformation [FI5]