Sick-Sinus-Syndrom – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Sick-Sinus-Syndrom (Sinusknotendysfunktion) (Funktionsstörung des natürlichen Herzschrittmachers) mitbedingt sein können:

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Atriale Tachyarrhythmien (schnelle Herzrhythmusstörungen der Herzvorhöfe), insbesondere Vorhofflimmern (unregelmäßiger und meist schneller Herzrhythmus der Vorhöfe) – zwischen Sinusknotendysfunktion und Vorhofflimmern besteht eine enge bidirektionale Beziehung. Eine Metaanalyse von 35 Studien mit 37.550 Patienten zeigte bei Sick-Sinus-Syndrom ein erhöhtes Risiko für neu auftretendes Vorhofflimmern sowie eine klinisch relevante Progression atrialer Arrhythmien [1].
  • Arterielle Thromboembolien (Gefäßverschlüsse durch verschleppte Blutgerinnsel) und ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt durch Gefäßverschluss) – eine Metaanalyse von sechs Studien mit 106.163 Patienten ergab bei Sinusknotendysfunktion eine gepoolte jährliche Schlaganfallinzidenz von 1,542 %. Die Inzidenz unterschied sich nicht signifikant zwischen isolierter Sinusknotendysfunktion und Sinusknotendysfunktion mit Vorhofflimmern; die Kausalität und insbesondere die Konsequenzen für eine Antikoagulation (medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung) bei Sinusknotendysfunktion ohne dokumentiertes Vorhofflimmern sind jedoch nicht abschließend geklärt [2].
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bzw. kardiale Dekompensation (akute Verschlechterung der Herzleistung) – ausgeprägte Bradykardie (zu langsamer Herzschlag) und chronotrope Inkompetenz (unzureichende Steigerung der Herzfrequenz bei Belastung) können das Herzzeitvolumen (vom Herzen pro Minute gepumpte Blutmenge) vermindern; zusätzlich können begleitende atriale Tachyarrhythmien zur kardialen Dekompensation beitragen. Insbesondere beim Tachykardie-Bradykardie-Syndrom (Wechsel zwischen zu schnellem und zu langsamem Herzschlag) sind Herzinsuffizienzereignisse klinisch relevant [1, 3, LL1, LL2].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht) und Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) – längere Sinuspausen (vorübergehende Aussetzer des Sinusknotens), ausgeprägte Bradykardien oder posttachykarde Konversionspausen (Herzpausen nach Beendigung einer schnellen Herzrhythmusstörung) können zu einer vorübergehenden zerebralen Minderperfusion (verminderten Durchblutung des Gehirns) bis zum Bewusstseinsverlust führen. Die zeitliche Korrelation zwischen Bradyarrhythmie (langsamer Herzrhythmusstörung) und Symptomatik ist für die klinische Beurteilung und Therapieindikation entscheidend [4, LL1, LL2].

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Sturzbedingte Verletzungen und Frakturen (Knochenbrüche) – insbesondere bei älteren Patienten können bradykardiebedingte Synkopen oder Präsynkopen zu Stürzen führen. Bei älteren Patienten mit Sinusknotendysfunktion und Schrittmacherindikation (medizinischer Notwendigkeit einer Herzschrittmacherbehandlung) waren Stürze, verletzungsbedingte Stürze und Frakturen nach Schrittmacherimplantation (Einsetzen eines Herzschrittmachers) deutlich seltener [5].

Prognosefaktoren

  • Vorhofflimmern ist ein wesentlicher prognostischer Faktor. Bei Patienten mit Sinusknotendysfunktion war vorbestehendes Vorhofflimmern mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko assoziiert (Hazard-Ratio 1,53; 95-%-Konfidenzintervall 1,01-2,33) [2].
  • Ein vorausgegangener Schlaganfall, eine transitorische ischämische Attacke (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns) bzw. ein anderes thrombotisches Ereignis (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und Herzinsuffizienz sind mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko bei Sinusknotendysfunktion assoziiert. Auch ein steigender CHA2DS2-VASc-Score korreliert mit einem zunehmenden Schlaganfallrisiko [2].
  • Höheres Lebensalter und kardiovaskuläre Komorbiditäten (Begleiterkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems) bestimmen die Langzeitprognose wesentlich mit [6]. Im verlängerten DANPACE-Follow-up waren höheres Alter, männliches Geschlecht, ein vorausgegangener Schlaganfall, ein vorausgegangener Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion (Auswurfleistung der linken Herzkammer) < 50 % mit einer erhöhten Gesamtmortalität (Gesamtsterblichkeit) assoziiert [7].
  • Beim Tachykardie-Bradykardie-Syndrom beeinflusst die Behandlung der zugrunde liegenden atrialen Tachyarrhythmie die Prognose. Eine Metaanalyse von fünf Studien mit 843 Patienten zeigte nach Katheterablation (Verödungsbehandlung über einen Herzkatheter) von Vorhofflimmern gegenüber einer primären Schrittmachertherapie niedrigere Raten von Gesamtmortalität, Thromboembolien, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Progression zu persistierendem Vorhofflimmern. Aufgrund der begrenzten Studienzahl und des teilweise erhöhten Verzerrungsrisikos ist die Evidenz zurückhaltend zu interpretieren [3].
  • Bei schrittmacherversorgten Patienten beeinflussen Stimulationsmodus und Programmierung die Morbidität. Eine alleinige Minimierung der atrialen Stimulation reduzierte in DANPACE II das Auftreten von Vorhofflimmern nicht; eine niedrige Basisfrequenz von 40/min ohne Frequenzadaptation war dagegen mit mehr Synkopen bzw. Präsynkopen verbunden [4]. Ein hoher Anteil unnötiger rechtsventrikulärer Stimulation (elektrischer Stimulation der rechten Herzkammer) sollte bei erhaltener atrioventrikulärer Überleitung (elektrischer Reizleitung von den Herzvorhöfen auf die Herzkammern) möglichst vermieden werden [1, LL1].

Literatur

  1. Liu Y, Zheng Y, Tse G et al.: Association between sick sinus syndrome and atrial fibrillation: A systematic review and meta-analysis. Int J Cardiol. 2023;381:20-36. doi:10.1016/j.ijcard.2023.03.066.
  2. Dong H, Chen H, Hidru TH et al.: Sinus node dysfunction and stroke risk: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open. 2023;13(11):e076499. doi:10.1136/bmjopen-2023-076499.
  3. Su L, Wang X, Kang F et al.: Atrial fibrillation ablation compared to pacemaker therapy in patients with tachycardia-bradycardia syndrome: A systematic review and updated meta-analysis. Medicine (Baltimore). 2024;103(16):e37543. doi:10.1097/MD.0000000000037543.
  4. Kronborg MB, Park Frausing MHJ, Malczynski J et al.: Atrial pacing minimization in sinus node dysfunction and risk of incident atrial fibrillation: a randomized trial. Eur Heart J. 2023;44(40):4246-4255. doi:10.1093/eurheartj/ehad564.
  5. Brenner R, Ammann P, Yoon SI et al.: Reduction of falls and fractures after permanent pacemaker implantation in elderly patients with sinus node dysfunction. Europace. 2017;19(7):1220-1226. doi:10.1093/europace/euw156.
  6. Manoj P, Kim JA, Kim S et al.: Sinus node dysfunction: current understanding and future directions. Am J Physiol Heart Circ Physiol. 2023;324(3):H259-H278. doi:10.1152/ajpheart.00618.2022.
  7. Brandt NH, Kirkfeldt RE, Nielsen JC et al.: Single lead atrial vs. dual chamber pacing in sick sinus syndrome: extended register-based follow-up in the DANPACE trial. Europace. 2017;19(12):1981-1987. doi:10.1093/europace/euw364.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Glikson M, Nielsen JC, Kronborg MB et al.: 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy. Eur Heart J. 2021;42(35):3427-3520. doi:10.1093/eurheartj/ehab364. European Society of Cardiology. [LL1]
  2. Kusumoto FM, Schoenfeld MH, Barrett C et al.: 2018 ACC/AHA/HRS Guideline on the Evaluation and Management of Patients With Bradycardia and Cardiac Conduction Delay: A Report of the American College of Cardiology/American Heart Association Task Force on Clinical Practice Guidelines and the Heart Rhythm Society. J Am Coll Cardiol. 2019;74(7):e51-e156. doi:10.1016/j.jacc.2018.10.044. American College of Cardiology. [LL2]