Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – Symptome – Beschwerden
Folgende Symptome und Beschwerden können auf eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) hinweisen:
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine Herzinsuffizienz und werden oft zuerst bemerkt:
- Dyspnoe (Atemnot)*: Zunächst meist Belastungsdyspnoe (Atemnot bei körperlicher Belastung); mit zunehmendem Schweregrad auch Dyspnoe bei geringer Belastung, Orthopnoe (Atemnot im Liegen), paroxysmale nächtliche Dyspnoe (anfallsartige nächtliche Atemnot) oder Ruhedyspnoe (Atemnot in Ruhe)
- Im Regelfall besteht bei leichter bis mittelschwerer Herzinsuffizienz keine Ruhedyspnoe; der Patient fühlt sich in Ruhe wohl, entwickelt aber bereits bei geringer Anstrengung Kurzatmigkeit („comfortable at rest but breathless on slight exertion“, CARBOSE).
- Leistungsminderung, Fatigue (krankhafte Erschöpfung) bzw. Abgeschlagenheit und Erschöpfung: Reduzierte körperliche Belastbarkeit, rasche Ermüdbarkeit und verlängerte Erholungszeit nach Belastung
- Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitseinlagerung): Klinisch insbesondere durch eine rasche Gewichtszunahme oder abhängige Ödeme (Wassereinlagerungen) erkennbar
- Periphere Ödeme in abhängigen Körperpartien wie Knöcheln und Unterschenkeln, bei bettlägerigen Patienten auch sakral (am Kreuzbein); bei generalisierter Flüssigkeitseinlagerung Anasarka (ausgedehnte Wassereinlagerungen im gesamten Körper)
- Lungenödem (Wasseransammlung in der Lunge), insbesondere bei akuter linksseitiger Dekompensation (akuter Verschlechterung)
- Pleuraerguss (Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand), häufig beidseitig oder rechtsbetont
- Aszites (Bauchwassersucht), insbesondere bei ausgeprägter Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche)
- Gewichtszunahme durch Flüssigkeitsretention; eine Zunahme von mehr als 2 kg innerhalb einer Woche kann auf eine Dekompensation hinweisen
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild einer Herzinsuffizienz:
- Paroxysmale nächtliche Dyspnoe: Anfallsartige nächtliche Atemnot, die den Patienten zum Aufsitzen oder Aufstehen zwingt
- Trockener Husten: Insbesondere nachts oder im Liegen; differentialdiagnostisch sind unter anderem Asthma bronchiale (Asthma der Atemwege), Bronchitis (Entzündung der Bronchien) und ein durch Angiotensin-Converting-Enzyme-Hemmer (ACE-Hemmer) induzierter Husten zu berücksichtigen
- Nykturie (vermehrtes nächtliches Wasserlassen): Vermehrtes nächtliches Wasserlassen infolge der im Liegen verbesserten renalen Perfusion (Nierendurchblutung) und Mobilisierung peripherer Ödeme
- Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden): Appetitlosigkeit, Übelkeit, Völlegefühl, Abdominalbeschwerden (Bauchbeschwerden), Meteorismus (Blähungen) oder Obstipation (Verstopfung), insbesondere bei venöser Stauung und fortgeschrittener Herzinsuffizienz
- Kachexie (krankhafte Auszehrung): Unbeabsichtigter Gewichtsverlust mit Verlust von Fett- und Muskelmasse bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz
- Konzentrationsprobleme: Insbesondere bei älteren Patienten oder bei vermindertem Herzzeitvolumen (vom Herzen pro Minute gepumpter Blutmenge)
- Leistungsschwäche: Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und des Aktionsradius
- Muskelatrophie (Muskelschwund): Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft im Rahmen einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz; gegebenenfalls Entwicklung einer Sarkopenie (krankhafte Abnahme von Muskelmasse und Muskelkraft)
- Schwindelanfälle, Palpitationen (Herzklopfen) und Synkopen (kurzzeitige Bewusstlosigkeit): Können auf intermittierende oder permanente Herzrhythmusstörungen, eine Hypotonie (niedrigen Blutdruck) oder ein vermindertes Herzzeitvolumen hinweisen
- Zerebrale Funktionseinschränkungen (Störungen der Gehirnfunktion): Z. B. Gedächtnisstörungen, Lethargie (ausgeprägte Teilnahmslosigkeit) oder Verwirrtheitszustände, insbesondere bei älteren Patienten
- Zyanose (Blauverfärbung von Haut oder Schleimhäuten): Vor allem bei schwerer Dekompensation, Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut) oder ausgeprägter peripherer Minderperfusion (verminderte Durchblutung der äußeren Körperbereiche)
- Eine periphere Zyanose kann infolge einer verminderten peripheren Durchblutung und erhöhten Sauerstoffausschöpfung auftreten.
- Eine zentrale Zyanose weist auf eine arterielle Hypoxämie hin und erfordert die Abklärung zusätzlicher pulmonaler oder kardialer Ursachen.
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf eine fortgeschrittene Erkrankung oder Komplikationen hinweisen:
- Schwächegefühl und Erschöpfung: Häufig belastungsabhängig; bei älteren Patienten gegebenenfalls verbunden mit einer Einschränkung der Mobilität, Stürzen oder einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes
*Bei einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz kann beim Vorbeugen des Oberkörpers, z. B. beim Anziehen von Socken oder Schuhen, Dyspnoe auftreten. Diese Form der Dyspnoe wird als Bendopnoe (Atemnot beim Vorbeugen) bezeichnet. Sie ist mit erhöhten kardialen Füllungsdrücken (Druckwerten während der Herzfüllung) assoziiert, aber nicht spezifisch für eine systolische Herzinsuffizienz (Herzschwäche mit verminderter Pumpkraft) [1, LL1, LL2].
Orthopnoe, d. h. eine im Liegen auftretende oder zunehmende Atemnot mit Besserung nach dem Aufrichten, spricht für eine pulmonale Kongestion (Blutstauung in der Lunge) infolge erhöhter linksseitiger kardialer Füllungsdrücke. Der pulmonalkapilläre Verschlussdruck (PCWP; Pulmonary Capillary Wedge Pressure) bzw. pulmonalarterielle Verschlussdruck (PAWP; Pulmonary Artery Wedge Pressure) dient bei invasiver Messung als Näherungsparameter für den mittleren linksatrialen Druck (Druck im linken Vorhof).
Zungendiagnostik
- Explorative Befunde: In einer kleinen, nicht unabhängig validierten Untersuchung wurden bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz eine stärker gerötete Zunge, ein gelblicher Zungenbelag und Unterschiede des Zungenbelag-Mikrobioms (Gesamtheit der Mikroorganismen des Zungenbelags) gegenüber gesunden Kontrollpersonen beschrieben. Genannt wurden insbesondere Unterschiede bei Capnocytophaga, TM7-Bakterien incertae sedis, Peptostreptococcus, Solobacterium und Eubacterium sowie eine tendenzielle Abnahme von Eubacterium und Solobacterium bei zunehmender Schwere der Herzinsuffizienz [3]. Aufgrund des kleinen, altersmäßig nicht vergleichbaren Kollektivs, des explorativen Studiendesigns und fehlender externer Validierung besitzt die Zungendiagnostik derzeit keinen Stellenwert in der leitliniengerechten Diagnostik der Herzinsuffizienz.
Score zur Frühdiagnostik der Herzinsuffizienz bei nicht akuter Dyspnoe [2]
Der folgende Score wurde zur Auswahl älterer, ambulant behandelter Patienten mit nicht akut aufgetretener Dyspnoe für eine Echokardiographie entwickelt. Er ist nicht als allgemein anwendbarer Diagnosescore validiert und ersetzt weder die Bestimmung natriuretischer Peptide noch die Echokardiographie.
| Parameter | Punktzahl |
| Alter > 75 Jahre | 3 |
| Body-Mass-Index (BMI) > 30 kg/m2 | 4 |
| N-terminales pro-B-Typ-natriuretisches Peptid (NT-proBNP) > 125 pg/ml bzw. > 14,75 pmol/l | 9 |
| Auffälliges Elektrokardiogramm (EKG) | 5 |
| Nach lateral verlagerter Herzspitzenstoß (seitlich verlagerter tastbarer Herzschlag an der Brustwand) | 4 |
| Systolisches Herzgeräusch (während der Auswurfphase des Herzens hörbares Herzgeräusch) | 3 |
| Herzfrequenz > 90/min | 1 |
| Periphere Ödeme | 4 |
| Ischämische Herzerkrankung (Herzerkrankung durch Mangeldurchblutung) | 2 |
Legende: Bei ≥ 21 Punkten wurde in der zugrunde liegenden Untersuchung eine Echokardiographie zur Abklärung einer möglichen Herzinsuffizienz vorgeschlagen. Der negative Vorhersagewert betrug 87 % und der positive Vorhersagewert 73 %. Diese Werte sind prävalenz- und populationsabhängig und nicht ohne Weiteres auf andere Patientengruppen übertragbar [2].
Linksherzinsuffizienz (Linksherzschwäche)
Bei der Linksherzinsuffizienz bestehen eine unzureichende systolische Auswurfleistung des linken Ventrikels (linken Herzkammer) und/oder erhöhte linksventrikuläre Füllungsdrücke. Daraus können ein vermindertes Herzzeitvolumen („Vorwärtsversagen“) und ein Rückstau in den Lungenkreislauf mit pulmonalvenöser Kongestion (Blutstauung in den Lungenvenen) entstehen. Bei einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (Herzschwäche mit erhaltener Auswurfleistung; HFpEF; Heart Failure with Preserved Ejection Fraction) kann das Herzzeitvolumen in Ruhe erhalten sein, während die Füllungsdrücke insbesondere unter Belastung pathologisch ansteigen [5, 6, LL2].
Beschwerden aufgrund eines unzureichenden Herzzeitvolumens (HZV)
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine Linksherzinsuffizienz mit unzureichendem Herzzeitvolumen und werden oft zuerst bemerkt:
- Leistungsminderung*: Rasche Ermüdbarkeit, reduzierte Belastbarkeit und verlängerte Erholungszeit nach Belastung
- Fatigue und allgemeine Schwäche: Infolge einer verminderten Organ- und Skelettmuskelperfusion (Durchblutung der Organe und Skelettmuskulatur) sowie mitbedingender Begleiterkrankungen
- Schwindel oder Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht): Insbesondere bei Hypotonie, Herzrhythmusstörungen oder ausgeprägtem Vorwärtsversagen
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild einer Linksherzinsuffizienz mit unzureichendem Herzzeitvolumen:
- Tachykardie (zu schneller Herzschlag): Möglicher kompensatorischer Befund; eine normale Herzfrequenz schließt ein vermindertes Herzzeitvolumen nicht aus
- Periphere Zyanose: Bei ausgeprägter peripherer Minderperfusion und erhöhter Sauerstoffausschöpfung
- Eingeschränkte Leistungsfähigkeit bzw. Leistungsabfall: Häufig verbunden mit einer Einschränkung des Aktionsradius
- Vertigo (Drehschwindel): Insbesondere bei zerebraler Minderperfusion (verminderter Gehirndurchblutung), Hypotonie oder Herzrhythmusstörungen
- Zerebrale Funktionsstörungen: Z. B. Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen oder Lethargie, insbesondere bei älteren Patienten
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome können bei gleichzeitig bestehender pulmonaler Kongestion oder fortgeschrittener Herzinsuffizienz auftreten:
- Paroxysmale nächtliche Dyspnoe bzw. Asthma cardiale (anfallsartige Atemnot durch Herzschwäche): Anfallsartige nächtliche Atemnot infolge pulmonaler Kongestion
- Nächtlicher Husten: Vor allem im Liegen
- Lungenödem: Akute schwere Manifestation der pulmonalen Kongestion, gegebenenfalls mit Husten und schaumigem, gelegentlich rosafarbenem Auswurf
- Orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen): gegebenenfalls verbunden mit Schwindel oder Synkopen; auch medikamentös mitbedingt
Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Erkrankungen auf und tragen weniger zur Diagnose bei:
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Nykturie
- Appetitlosigkeit
Beschwerden aufgrund des Rückstaus in der Lungenstrombahn
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine Herzinsuffizienz mit Rückstau in der Lungenstrombahn und werden oft zuerst bemerkt:
- Belastungsdyspnoe*: Kardinalsymptom der pulmonalvenösen Kongestion; bei fortgeschrittener oder akut dekompensierter Herzinsuffizienz auch Orthopnoe, paroxysmale nächtliche Dyspnoe oder Ruhedyspnoe
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild einer Herzinsuffizienz mit Rückstau in der Lungenstrombahn:
- Lungenödem: Akute schwere Manifestation erhöhter linksseitiger Füllungsdrücke
- Pulmonale Rasselgeräusche (knisternde Atemgeräusche über der Lunge): Vor allem bei akuter Dekompensation mit interstitiellem (im Lungenzwischengewebe gelegenem) oder alveolärem (die Lungenbläschen betreffendem) Lungenödem; bei chronischer stabiler Herzinsuffizienz können sie fehlen
- Schaumiges Sputum (schaumiger Auswurf): Möglich bei schwerem alveolärem Lungenödem
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf Komplikationen hinweisen:
- Asthma cardiale: Anfallsartige, häufig nächtliche Atemnot mit gegebenenfalls pfeifender Atmung infolge pulmonaler Kongestion
- Stauungsbronchitis (Entzündung der Bronchien infolge Blutstauung): Husten und bronchiale Obstruktionszeichen (Zeichen einer Verengung der Atemwege) bei chronischer pulmonaler Kongestion; differentialdiagnostisch sind primäre Atemwegserkrankungen abzugrenzen
- Pleuratranssudat (nicht entzündlich bedingte Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustwand) bzw. Pleuraerguss: Kann die Atmung zusätzlich beeinträchtigen
Unspezifische Symptome
Diese unspezifischen Symptome treten bei vielen Erkrankungen auf und tragen weniger zur Diagnose bei:
- Zentrale Zyanose: Hinweis auf eine arterielle Hypoxämie; nicht spezifisch für eine Herzinsuffizienz
*Dyspnoe und Leistungsintoleranz sind Kardinalsymptome sowohl der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (Herzschwäche mit verminderter Auswurfleistung; HFrEF; Heart Failure with Reduced Ejection Fraction; linksventrikuläre Ejektionsfraktion ≤ 40 %) als auch der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF; linksventrikuläre Ejektionsfraktion ≥ 50 %). Bei der HFpEF kann die Belastungsdyspnoe insbesondere im höheren Lebensalter das einzige klinische Symptom sein. Fehlende periphere Ödeme und fehlende pulmonale Rasselgeräusche schließen eine HFpEF nicht aus, da eine isolierte, vor allem unter Belastung auftretende pulmonalvenöse Druckerhöhung bestehen kann [5, 6, LL2].
Rechtsherzinsuffizienz
Bei einer Rechtsherzinsuffizienz ist die Pump- oder Füllungsfunktion des rechten Ventrikels (rechten Herzkammer) beeinträchtigt. Der daraus resultierende Rückstau in das systemisch-venöse Gefäßsystem (Venensystem des Körpers; „Rückwärtsversagen“) kann zu einer Halsvenenstauung (sichtbaren Blutstauung in den Halsvenen), peripheren Ödemen, einer Leber- und gastrointestinalen Stauung sowie Aszites führen.
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine Rechtsherzinsuffizienz und werden oft zuerst bemerkt:
- Periphere Ödeme und Gewichtszunahme: Typischerweise symmetrische, eindrückbare Ödeme der Knöchel und Unterschenkel; bei Bettlägerigkeit auch sakral
- Halsvenenstauung: Klinischer Hinweis auf einen erhöhten rechtsatrialen Druck (Druck im rechten Vorhof)
- Ein erhöhter Jugularvenendruck (JVP; Druck in der Halsvene) bzw. eine Jugularvenenstauung (JVD; Blutstauung in der Halsvene) ist ein relativ spezifisches Zeichen einer systemisch-venösen Kongestion.
- Eine ausgeprägte Jugularvenenstauung findet sich insbesondere bei dekompensierter Herzinsuffizienz.
- Hepatojugulärer Reflux (Anstieg des Halsvenendrucks bei Druck auf den Bauch; HJR): Als positiv gilt ein während kontinuierlicher abdomineller Druckausübung über mindestens 10-15 Sekunden anhaltender Anstieg des Jugularvenendrucks um mehr als 3 cm. Der Befund spricht für erhöhte rechtsseitige Füllungsdrücke und ist bei Herzinsuffizienz mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert.
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild einer Rechtsherzinsuffizienz:
- Stauungsleber (durch Blutstau vergrößerte Leber): Hepatomegalie (Lebervergrößerung), Druckgefühl oder Schmerzen im rechten Oberbauch; eine lang anhaltende schwere venöse Stauung kann zu einer kongestiven Hepatopathie (Leberschädigung durch Blutstauung) und selten zu einer kardialen Zirrhose (Lebervernarbung infolge einer Herzschwäche) führen
- Stauungsgastritis (Magenschleimhautentzündung infolge Blutstauung): Übelkeit, Völlegefühl, Appetitlosigkeit oder Oberbauchbeschwerden infolge gastrointestinaler venöser Kongestion
- Stauungsenteropathie (Darmerkrankung infolge Blutstauung): Abdominalbeschwerden, Diarrhoe (Durchfall), Eiweißverlust oder Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme) bei ausgeprägter intestinaler venöser Kongestion
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf eine fortgeschrittene Erkrankung oder Komplikationen hinweisen:
- Anasarka: Generalisierte Flüssigkeitseinlagerung bei schwerer Dekompensation
- Periphere Ödeme der unteren Körperhälfte: Symmetrische, lageabhängige Ödeme infolge erhöhten systemisch-venösen Drucks
- Stauungsbedingte Hautveränderungen: Eine Stauungsdermatitis (Hautentzündung durch Blutstauung) oder Ulzeration (Geschwürbildung) ist nicht spezifisch für die Rechtsherzinsuffizienz; bei entsprechender Ausprägung ist insbesondere eine chronische venöse Insuffizienz (lang anhaltende Venenschwäche) differentialdiagnostisch abzugrenzen
- Zyanose: Möglich bei gleichzeitigem Low-Output-Syndrom (Zustand mit zu geringer Herzleistung), Hypoxämie oder schwerer pulmonaler Grunderkrankung
- Gewichtszunahme: Hinweis auf eine zunehmende Flüssigkeitsretention
- Aszites und zunehmender Bauchumfang: Bei ausgeprägter systemisch-venöser Kongestion
Akute Herzinsuffizienz (plötzlich auftretende Herzschwäche)
Leitsymptome
Diese Leitsymptome lenken den Verdacht auf eine akute Herzinsuffizienz und werden oft zuerst bemerkt:
- Akut aufgetretene oder rasch zunehmende Dyspnoe: Häufig verbunden mit Orthopnoe, Tachypnoe (beschleunigter Atmung), Hypoxämie oder klinischen Zeichen einer pulmonalen Kongestion
- Akute Flüssigkeitsretention bzw. Kongestion: Zunehmende Ödeme, rasche Gewichtszunahme, Halsvenenstauung, Pleuraergüsse oder Aszites
- Schocksymptomatik (Anzeichen eines Kreislaufschocks): Hypotonie, kalte und feuchte Haut, Bewusstseinsstörung und Oligurie (verminderte Urinmenge) bei kardiogenem Schock (durch Herzversagen verursachtem Kreislaufschock); der kardiogene Schock ist eine schwere, aber nur bei einer Minderheit der Patienten auftretende Verlaufsform der akuten Herzinsuffizienz
Hauptsymptome (primäre Symptome)
Diese Hauptsymptome prägen das klinische Bild einer akuten Herzinsuffizienz:
- Tachykardie: Mögliche kompensatorische Reaktion oder Folge einer auslösenden Herzrhythmusstörung; eine normale Herzfrequenz oder Bradykardie (zu langsamer Herzschlag) schließt eine akute Herzinsuffizienz nicht aus
- Kühle, feuchte Akren (Körperenden wie Hände und Füße): Hinweis auf eine periphere Vasokonstriktion (Gefäßverengung) und Hypoperfusion (Minderdurchblutung)
- Pulmonales Ödem: Schwere Dyspnoe, Orthopnoe, Rasselgeräusche und gegebenenfalls schaumiger Auswurf
Begleitsymptome (sekundäre Symptome)
Diese Begleitsymptome sind weniger charakteristisch und können auf Komplikationen hinweisen:
- Verwirrtheit oder Somnolenz (krankhafte Schläfrigkeit): Hinweis auf eine zerebrale Hypoperfusion, Hypoxämie oder Hyperkapnie (erhöhten Kohlendioxidgehalt im Blut)
- Oligurie: Hinweis auf eine renale Hypoperfusion oder schwere venöse Nierenstauung
- Brustschmerzen: Können auf ein akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens) als Auslöser hinweisen
- Palpitationen oder Synkopen: Können auf eine auslösende Tachy- oder Bradyarrhythmie (Herzrhythmusstörung mit zu schnellem oder zu langsamem Herzschlag) hinweisen
Beachte: Klinisch erkennbare Stauungszeichen (Anzeichen einer Flüssigkeitsüberlastung) können insbesondere bei vorwiegender Hypoperfusion, isolierter akuter Rechtsherzinsuffizienz oder sehr frühem Krankheitsstadium fehlen.
Typische Symptome und klinische Zeichen der linksseitigen Kongestion:
- Dyspnoe, Orthopnoe und Tachypnoe
- Feuchte pulmonale Rasselgeräusche
- Hypoxämie
- Pulmonales Ödem
Typische Symptome und klinische Zeichen der rechtsseitigen Kongestion:
- Periphere Ödeme
- Erhöhter Jugularvenendruck bzw. Halsvenenstauung
- Hepatomegalie und Aszites
Klassifizierung der Patienten hinsichtlich ihres Perfusions- und Stauungszustandes (Durchblutungs- und Flüssigkeitszustandes):
- Gut perfundiert [warm]
- Schlecht perfundiert [kalt]
- Gestaut [feucht]
- Nicht gestaut [trocken]
Daraus ergeben sich die klinischen Profile „warm-feucht“, „kalt-feucht“, „kalt-trocken“ und „warm-trocken“. Das Profil „warm-feucht“ ist bei akuter dekompensierter Herzinsuffizienz am häufigsten; eine ausgeprägte Hypoperfusion kennzeichnet dagegen einen prognostisch ungünstigen Verlauf [LL2].
FIND-HF: Merkschema zur frühzeitigen Erkennung einer möglichen Herzinsuffizienz
Die Heart Failure Association (HFA) der European Society of Cardiology (ESC) hat das Akronym FIND-HF als klinische Gedächtnisstütze vorgeschlagen. Es handelt sich nicht um einen validierten Diagnosescore. Bei entsprechenden Symptomen soll an eine Herzinsuffizienz gedacht und eine strukturierte Diagnostik einschließlich der Bestimmung natriuretischer Peptide eingeleitet werden [4].
FIND-HF-Akronym
- F – Fatigue: Müdigkeit, Erschöpfung oder Leistungsminderung
- I – Increased water accumulation: Vermehrte Flüssigkeitsansammlung, z. B. Beinödeme oder Gewichtszunahme
- N – Natriuretic peptide testing: Bestimmung natriuretischer Peptide, insbesondere NT-proBNP
- D – Dyspnoea: Dyspnoe, insbesondere Belastungsdyspnoe oder Orthopnoe
Diagnostischer Ansatz im ambulanten Bereich
- Bei einem oder mehreren FIND-HF-Merkmalen sollen Anamnese, klinische Stauungszeichen, Elektrokardiogramm und natriuretische Peptide beurteilt werden.
- Ein NT-proBNP-Wert < 125 pg/ml macht eine chronische Herzinsuffizienz im ambulanten Bereich unwahrscheinlich, schließt sie jedoch insbesondere bei Adipositas (starkem Übergewicht) oder behandelter HFpEF nicht absolut aus.
- Von der HFA vorgeschlagene altersabhängige NT-proBNP-Rule-in-Schwellenwerte:
- < 50 Jahre: ≥ 125 pg/ml
- 50-74 Jahre: ≥ 250 pg/ml
- ≥ 75 Jahre: ≥ 500 pg/ml
- Bei Überschreiten dieser altersabhängigen Schwellenwerte ist eine Herzinsuffizienz wahrscheinlicher; eine echokardiographische Abklärung innerhalb von etwa sechs Wochen wird empfohlen. Die Werte stellen keine alleinigen Diagnosekriterien dar [4].
Wichtige Hinweise
- Alter, Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus aus den Herzvorhöfen) sowie eine akute oder chronische Nierenfunktionsstörung können NT-proBNP unabhängig von einer Herzinsuffizienz erhöhen.
- Bei Adipositas können trotz klinisch relevanter Herzinsuffizienz, insbesondere einer HFpEF, vergleichsweise niedrige NT-proBNP-Werte vorliegen.
- Erhöhte Werte steigern die Wahrscheinlichkeit einer Herzinsuffizienz, beweisen die Diagnose jedoch nicht. Entscheidend ist die Gesamtschau aus Klinik, Elektrokardiogramm, Echokardiographie und gegebenenfalls weiterer Bildgebung.
Sehr hohe NT-proBNP-Werte
- NT-proBNP > 2.000 pg/ml: Im ambulanten Bereich wird wegen des erhöhten Hospitalisierungs- und Mortalitätsrisikos (Risiko einer Krankenhausaufnahme und zu versterben) eine priorisierte klinische Beurteilung und Echokardiographie innerhalb von zwei Wochen vorgeschlagen [4].
Das Akronym „CHAMP“ unterstützt die rasche Suche nach potenziell lebensbedrohlichen Ursachen oder Auslösern einer akuten Herzinsuffizienz:
- C – Akutes Koronarsyndrom: Instabile Angina pectoris (anfallsartige Brustenge durch eine Durchblutungsstörung des Herzens), Nicht-ST-Hebungsinfarkt (Herzinfarkt ohne bestimmte ST-Strecken-Hebungen) oder ST-Hebungsinfarkt (Herzinfarkt mit ST-Strecken-Hebungen)
- H – Hypertensiver Notfall (Blutdrucknotfall)
- A – Arrhythmie (Herzrhythmusstörung): Tachy- oder Bradyarrhythmie
- M – Akute mechanische Ursache: Z. B. akute Klappeninsuffizienz (Undichtigkeit einer Herzklappe), Ventrikelseptumruptur (Riss der Scheidewand zwischen den Herzkammern) oder Ruptur der freien Ventrikelwand (Riss der freien Herzkammerwand)
- P – Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel): Pulmonary embolism
Literatur
- Thibodeau JT, Turer AT, Gualano SK et al.: Characterization of a novel symptom of advanced heart failure: bendopnea. JACC Heart Fail. 2014;2(1):24-31. doi:10.1016/j.jchf.2013.07.009
- van Riet EES, Hoes AW, Limburg A et al.: Extended prediction rule to optimise early detection of heart failure in older persons with non-acute shortness of breath: a cross-sectional study. BMJ Open. 2016;6:e008225. doi:10.1136/bmjopen-2015-008225
- Yuan T, Ye X, Jiang X et al.: 16S rRNA Survey Reveals the Potential of Tongue Coating Microbiota in Distinguishing Patients with Chronic Heart Failure from Healthy Controls. Research Square. 2022 [Preprint]. doi:10.21203/rs.3.rs-1727994/v1
- Bayes-Genis A, Docherty KF, Petrie MC et al.: Practical algorithms for early diagnosis of heart failure and heart stress using NT-proBNP: A clinical consensus statement from the Heart Failure Association of the ESC. Eur J Heart Fail. 2023;25(11):1891-1898. doi:10.1002/ejhf.3036
- Valentová M, Steinhaus KE, Chebbok M: Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion im Alter: Diagnostische Strategien in der klinischen Praxis. Z Gerontol Geriatr. 2026;59(4):321-332. doi:10.1007/s00391-026-02594-x
- Pieske B, Tschöpe C, de Boer RA et al.: How to diagnose heart failure with preserved ejection fraction: the HFA-PEFF diagnostic algorithm: a consensus recommendation from the Heart Failure Association (HFA) of the European Society of Cardiology (ESC). Eur J Heart Fail. 2020;22(3):391-412. doi:10.1002/ejhf.1741
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz (AWMF-Register-Nr. nvl-006) Dezember 2023 Langfassung [LL1]
- McDonagh TA, Metra M, Adamo M et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021;42(36):3599-3726. doi:10.1093/eurheartj/ehab368 [LL2]
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