Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Extrasystolen

Therapieziel

  • Beschwerdefreiheit 

Therapieempfehlungen

  • Extrasystolen bedürfen in der Regel keiner Therapie. Die kausale Behandlung liegt bei Personen mit einer bestehenden Herzerkrankung in der Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung.
  • Supraventrikuläre Extrasystolen (SVES):
    • Keine Behandlung bei Gesunden
    • Überprüfung des Kalium- und Magnesium-Serumspiegel (Mangel dieser Elektrolyte/Blutsalze kann Ursache der Extrasystolen sein); ggf. Supplementierung von Magnesium und Kalium (z. B. Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium- und Kaliumcitrat)
    • In Einzelfällen kann eine Therapie mit einem Betablocker (z. B. Bisoprolol) indiziert sein.
  • Ventrikuläre Extrasystolen (VES):
    • Belastende Symptome, häufiges Auftreten (ab ca. 10 % aller QRS-Komplexe in 24 Stunden) und bestehende oder zu befürchtende Verschlechterung der Pumpfunktion (prognostische Indikation), Therapieversuch mit Betablockern (geringe Suppressionsrate) oder Amiodaron; ggf. Einsatz von Klasse-I-Antiarrhythmika (s. u.)
    • Beachte: Bei (überwiegend) monomorphen VES kann die Katheterablation eine dauerhafte Heilung ermöglichen.

Mineralstoffe

Magnesium und Kalium

Wirkstoff Dosierung Besonderheiten
Magnesium 10-20-(30) mmol pro Tag (entspricht circa 240-480-(720) mg Magnesium)
Zufuhr bevorzugt als Magnesiumcitrat
Einnahme mind. 2 Stunden zeitversetzt zur Nahrungsaufnahme 
Kalium 40 mmol pro Tag (entspricht circa 1.600 mg Kalium) 
Zufuhr bevorzugt als Kaliumcitrat
 
 
  • Wirkung: Zur Aufrechterhaltung der elektrischen Stabilität der Herzfunktion ist stets eine positive Kalium- und Magnesiumbilanz notwendig.
    Magnesium wirkt als physiologischer Calcium-Antagonist. Er verdrängt kompetitiv an der Zellmembran Calciumionen von den Rezeptoren und Bindungsstellen, kontrolliert damit den Einstrom von Calcium in die Zellen und wirkt so einer Calciumüberladung entgegen. Neben dem Calcium-Antagonismus hemmt Magnesium die Herzmuskelerregung, durch die Herzrhythmusstörungen (z. B. Torsade-de-pointes-Tachykardien; Kammertachykardien; Vorhofflimmern und -flattern; multifokale atriale Tachykardien [2]) verhindert oder beseitigt werden können.
    Des Weiteren ist Magnesium als Cofaktor der Natrium-Kalium-ATPase in der Lage, die Aufnahme von Kalium in die Zelle zu fördern. Bzgl. der Herzfunktion ergänzen sich beide Mineralstoffe. 
    Beachte: Eine Hypomagnesiämie (Magnesiummangel) erhöht die Durchlässigkeit von Kalium durch die K+-Kanäle, was zu einem ungleichen Verhältnis zwischen extra- und intrazellulärem Kalium führt und negative Auswirkungen auf das Herzmuskelaktionspotential hat [1]. Der Ausgleich eines Kaliumdefizites macht somit eine gleichzeitige Magnesiumzufuhr erforderlich. Magnesium verschließt dann die K+-Kanäle und gewährleistet so ausreichend hohe intrazelluläre Kaliumkonzentrationen.
  • Indikationen:
    • ventrikuläre Extrasystolen (Extraschläge aus der Herzkammer) bei fehlender oder stabiler kardialer Grunderkrankung
    • Prävention und Therapie von supraventrikulären Extrasystolen (SVES; Extraschläge aus dem Vorhof)
  • Dosierung: Zusätzliche Zufuhr zur Ernährung
    • Magnesium sollte relativ hoch dosiert werden (s. u.: Dosierung) und über einen längeren Zeitraum, ggf auch auf Dauer, zugeführt werden.
    • Dosen über 300 mg Magnesium auf Einnahmen morgens und abends aufteilen.
    • Obergrenze der Zufuhr ist erreicht, wenn der Stuhl dünn aber zugleich noch geformt ist.
    • 4-6-(8) Wochen nach Therapiebeginn sind im Regelfall die Magnesiumspeicher gefüllt – danach erfolgt eine Dosisreduktion:
      Als mittlere Tagesdosis gelten 0,2 mmol (entsprechend ca. 5 mg Magnesium) pro kg Körpergewicht (KG). Diese Dosis kann bei schweren Magnesiummangelzuständen unbedenklich auf 0,4 mmol (entsprechend ca. 10 mg Magnesium) pro kg KG erhöht werden.
  • Kontraindikationen
    • Magnesiumtherapie: schwere Nierenfunktionsstörungen; Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) mit Anurie (Versagen der Urinausscheidung) und Exsikkose (Austrocknung durch Abnahme des Körperwassers); Störungen der Erregungsleitung im Herzen (AV-Block); Myasthenia gravis (seltene neurologische Autoimmunerkrankung mit charakteristischen Symptomen wie einer abnormen belastungsabhängigen und schmerzlosen Muskelschwäche); Veranlagung zu Harnwegsinfektionen mit Bildung von Magnesium-Ammoniumphosphat-Steinen
    • Kaliumtherapie: Hyperkaliämie (Kaliumüberschuss); schwere Niereninsuffizienz (Oligurie); Behandlung mit kaliumsparenden Diuretika; Nebenniereninsuffizienz, unbehandelter Morbus Addison (primäre Nebennierenrindeninsuffizienz); schwere Dehydratation (Flüssigkeitsmangel)
  • Nebenwirkungen (bei Überdosierung von Magnesium): Diarrhoe (Durchfall), Meteorismus (Blähbauch)
    Hinweis: Ein weicher und geformter Stuhl gilt noch nicht als Zeichen einer Überdosierung.
  • Der Kalium-Serumspiegel sollte hoch normal um 4,4 mmol/l (entspricht 17.2 mg/dl) und der Magnesium-Serumspiegel um 0,9 mmol/l (entspricht 2,2 mg/dl) liegen.

Differenzierung der verschiedenen Klassen der Antiarrhythmika (nach Vaughan Williams)

Klasse Wirkstoffe Wirkmechanismus
Ia Ajmalin
Chinidin
Disopyramid
Prajmalin

Hemmung des schnellen Natriumeinstroms in die Zelle und langsame Reaktivierung
→ Leitungsverzögerung

Ib Aprindin
Lidocain
Phenytoin
Tocainid
Hemmung des schnellen Natriumeinstroms und schnelle Reaktivierung
→ Leitungsverbesserung (durch Verkürzung des Aktionspotentials)
Ic Flecainid
Lorcainid
Propafenon
Hemmung des schnellen Natriumeinstroms und langsame Reaktivierung
→ Leitungsverzögerung
II Atenolol
Bisoprolol
Metoprolol
Propranolol
Kompetitive Hemmung der ß-Rezeptoren
→ Erregbarkeit ↓
III Amiodaron
(Dronedaron)
Sotalol
Hemmung des Kaliumausstroms
→ Aktionspotential ↑
IV Diltiazem
Verapamil
Hemmung des Calciumausstroms
→ Leitungsverzögerung
Nicht-
Klassifiziert
Adenosin Hemmung der Erregungsüberleitung
  (Dronedaron) Multikanalblocker
  Magnesium Calciumantagonist

Literatur

  1. Marktl W: Physiologie der Interaktion zwischen Kalium und Magnesium. J. Miner. Stoffwechs. 2003; 10: 5-7
  2. Liebscher DH, Micke O, von Ehrlich B, Kisters K: Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Vierling W,  Dtsch Med Wochenschr 2013; 138: 1165-1171

     
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