Ursachen
Bauchaortenaneurysma (Abdominales Aortenaneurysma)

Pathogenese (Krankheitsentstehung)

Die Atherosklerose (= Intimaläsion/Verletzung der inneren Schicht eines Gefäßes) ist die häufigste Ursache für Aortenaneurysem (Medialäsion/Verletzung der mittleren Schicht eines Gefäßes).

Die Pathogenese ist noch sehr unklar. Von Bedeutung scheint eine erhöhte Aktivität der Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) bei den betroffenen Patienten zu sein. Diese regulieren die Bindegewebshomöostase.

Aneurysmen der abdominellen Aorta liegen in bis zu 95 % infrarenal (unterhalb der Nierenarterien gelegene Abschnitt).
Beckenarterienaneurysmen beschränken sich auf die Arteria iliaca communis und die Arteria iliaca interna.

Ätiologie (Ursachen)

Biographische Ursachen

  • Genetische Belastung – erhöhtes Risiko bei erstgradig Verwandten
    • Genetisches Risiko abhängig von Genpolymorphismen:
      • Gene/SNPs (Einzelnukleotid-Polymorphismus; engl.: single nucleotide polymorphism):
        • Gene: DAB2IP
        • SNP: rs7025486 im Gen DAB2IP
          • Allel-Konstellation: AG (1,2-fach)
          • Allel-Konstellation: AA (1,4-fach)
        • SNP: rs10757278 in einer intergenischen Region
          • Allel-Konstellation: GG (1,3-fach)
          • genetische Erkrankungen genetische Erkrankungen Allel-Konstellation: AA (0,77-fach)
    • Genetische Erkrankungen
      • Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS) ‒ genetische Erkrankungen, die sowohl autosomal-dominant als auch autosomal-rezessiv sind; heterogene Gruppe, die durch eine Störung der Kollagensynthese bedingt sind; gekennzeichnet durch eine erhöhte Elastizität der Haut und ungewöhnliche Zerreißbarkeit derselbigen
      • Loeys-Dietz-Syndrom – Aortenaneurysma-Syndrom mit autosomal-dominantem Erbgang, welches durch eine Mutation des TGF-β-Rezeptors bedingt ist  (98-100 % dieser Patienten haben ein Aneurysma)
      • Marfan-Syndrom – genetische Erkrankung, die sowohl autosomal-dominant vererbt werden oder vereinzelt (als Neumutation) auftreten kann; systemische Bindegewebserkrankung, die vor allem durch Hochwuchs auffällt; 75 % dieser Patienten haben ein Aneurysma 
  • Geschlecht: männliches Geschlecht (Odds Ratio 5,69) [S3-Leitlinie]

Verhaltensbedingte Ursachen

  • Nikotinabusus (Nikotinabhängigkeit) (Odds Ratio 2,41) [S3-Leitlinie]

Krankheitsbedingte Ursachen

Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)

  • Anlagestörungen der Aortenklappe
  • Ehlers-Danlos-Syndrom (s. u. "Biographische Ursachen")
  • Loeys-Dietz-Syndrom (s. u. "Biographische Ursachen")
  • Marfan-Syndrom (s. u. "Biographische Ursachen")

Atmungssystem (J00-J99)

  • Asthma bronchiale (65-74 Jahre alte Männer) [1]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) (+65 %) [3]
    • systolischer Blutdruck: jeder Anstieg um 20 mmHg war mit einem um 14 % höheren AAA-Risiko (abdominelles Aortenaneurysma, AAA) verknüpft
    • diastolischer Blutdruck: jeder Anstieg um 10 mmHg war mit einem um 28 % höheren AAA-Risiko (abdominelles Aortenaneurysma, AAA) verknüpft; diastolischer Druck um 110 mmHg: Risiko einer AAA rund fünfmal so hoch wie bei Werten um 70 mmHg;
  • Atherosklerose (Arteriosklerose, Arterienverkalkung)
  • Vaskulitis (Gefäßentzündung)

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Aortitis, z. B. durch Syphilis (Lues)

Labordiagnosen Laborparameter, die als unabhängige Risikofaktoren gelten

  • Hypercholesterinämie

Medikamente

  • Antiasthmatische Medikation (Beta-2-Sympathomimetika oder Glucocorticoide) (OR=1,46) [2]
  • Chinolone/Fluorchinolone/Gyrasehemmer (Ciprofloxacin, Moxifloxacin, Nalidixinsäure, Norfloxacin, Lomefloxacin, Levofloxacin, Ofloxacin) – Bei einer Verordnung innerhalb der letzten 60 Tage Erhöhung des relativen Risikos auf ein Aortenaneurysma oder eine Aortendissektion um den Faktor 2,43 [1].

Literatur

  1. Lee CC et al.: Risk of Aortic Dissection and Aortic Aneurysm in Patients Taking Oral Fluoroquinolone. JAMA Intern Med. Published online October 05, 2015. doi:10.1001/jamainternmed.2015.5389
  2. Liu CL, et al.: Asthma associates with human abdominal aortic aneurysm and rupture Arterio Thromb Vasc Biol 2016; doi: 10.1161/ATVBAHA.115.306497
  3. Kobeissi E et al. Blood pressure, hypertension and the risk of abdominal aortic aneurysms: a systematic review and meta‑analysis of cohort studies. Europ J Epidemiol 2019;34:547-555; https://doi.org/10.1007/s10654-019-00510-9

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Screening, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Bauchaortenaneurysmas. (AWMF-Registernummer: 004 - 014), Juli 2018 Langfassung
     
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