Sinusarrhythmie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Sinusarrhythmie (unregelmäßiger Herzrhythmus aus dem Sinusknoten) mitbedingt sein können:

Die respiratorische Sinusarrhythmie ist in der Regel keine Erkrankung, sondern eine physiologische (natürliche), atemabhängige Variation des Sinusrhythmus (normaler Herzrhythmus). Elektrokardiographisch liegen monoforme P-Wellen mit Ursprung im Sinusknoten (Taktgeber des Herzens) und eine atemabhängige Variation der RR-Intervalle vor. Für eine isolierte respiratorische Sinusarrhythmie bestehen keine belastbaren Hinweise auf eigenständige Folgeerkrankungen, Organschäden, Mortalitätserhöhung (erhöhte Sterblichkeit) oder eine Therapiebedürftigkeit [1-3].

Eine nicht-respiratorische oder ventrikulophasische Sinusarrhythmie ist nicht als Folgeerkrankung der Sinusarrhythmie zu werten. Sie kann ein Hinweis auf eine zugrunde liegende kardiale (das Herz betreffende), neurologische (das Nervensystem betreffende), autonome (das unwillkürliche Nervensystem betreffende) oder medikamentös-toxische Ursache sein und sollte dann differentialdiagnostisch (zur Abklärung anderer möglicher Ursachen) abgeklärt werden [1, 4].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Keine gesicherten Folgeerkrankungen bei isolierter respiratorischer Sinusarrhythmie [1-3]
  • Keine gesicherte Assoziation (Zusammenhang) mit verminderter Lebenserwartung, struktureller Herzerkrankung, Herzinsuffizienz (Herzschwäche), thromboembolischen Ereignissen (Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel) oder behandlungsbedürftiger Arrhythmie (Herzrhythmusstörung) bei isolierter respiratorischer Sinusarrhythmie [1-3]
  • Keine Indikation (Behandlungsgrund) zur spezifischen Therapie (Behandlung) bei isolierter respiratorischer Sinusarrhythmie ohne Symptome (Beschwerden) und ohne Hinweis auf strukturelle Herzerkrankung [1, 4]
  • Abklärungsbedürftige Differenzialdiagnosen (mögliche andere Ursachen), aber keine Folgeerkrankungen der Sinusarrhythmie: Vorhofflimmern (unregelmäßiger Herzrhythmus aus den Herzvorhöfen), Vorhofflattern (schneller regelmäßiger Rhythmus aus den Herzvorhöfen), multifokale atriale Tachykardie (schneller Herzrhythmus aus mehreren Vorhofbereichen), Sick-Sinus-Syndrom (Erkrankung des Sinusknotens), sinuatrialer Block (Überleitungsstörung vom Sinusknoten zum Vorhof), atrioventrikulärer Block III. Grades (vollständige Überleitungsstörung zwischen Vorhof und Herzkammer) [1, 4]

Weiteres

  • Keine weiteren ICD-10-zuordenbaren Folgeerkrankungen bei isolierter respiratorischer Sinusarrhythmie [1-3]
  • Eine reduzierte oder fehlende respiratorische Sinusarrhythmie kann ein Marker (Hinweiszeichen) eingeschränkter autonomer Regulation sein; dies ist jedoch keine Folge der Sinusarrhythmie, sondern eine kontextabhängige Befundinterpretation (Einordnung eines Untersuchungsergebnisses) [2, 3]
  • Die respiratorische Sinusarrhythmie darf nicht mit pathologischen Bradyarrhythmien (krankhaft langsamen Herzrhythmusstörungen) oder supraventrikulären Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen oberhalb der Herzkammern) gleichgesetzt werden [1, 4]

Prognosefaktoren

  • Günstige Prognose
    • Isolierte respiratorische Sinusarrhythmie
    • Atemabhängige Rhythmusvariation
    • Normale P-Wellen-Morphologie (Form der P-Wellen) im Elektrokardiogramm (EKG; Herzstromkurve)
    • Normale atrioventrikuläre Überleitung (Erregungsleitung zwischen Vorhof und Herzkammer)
    • Fehlen von Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Präsynkope (Beinahe-Ohnmacht), Dyspnoe (Atemnot), Thoraxschmerz (Brustschmerz), Palpitationen (Herzstolpern) mit hämodynamischer Relevanz (Auswirkung auf den Kreislauf) oder Zeichen einer strukturellen Herzerkrankung
  • Abklärungsbedürftige Konstellationen
    • Nicht-respiratorische Sinusarrhythmie
    • Ventrikulophasische Sinusarrhythmie
    • Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) mit Pausen, Synkopen oder Präsynkopen
    • Hinweise auf sinuatrialen Block oder atrioventrikulären Block höheren Grades
    • Verdacht auf Digitalisintoxikation (Vergiftung durch Digitalis-Medikamente) oder andere medikamentös-toxische Ursache
    • Bekannte strukturelle Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) oder relevante Elektrolytstörung (Störung der Blutsalze)

Literatur

  1. Soos MP, McComb D. Sinus Arrhythmia. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK537011/
  2. Grossman P. Respiratory sinus arrhythmia (RSA), vagal tone and biobehavioral integration: Beyond parasympathetic function. Biol Psychol. 2024;186:108739. https://doi.org/10.1016/j.biopsycho.2023.108739
  3. Karemaker JM. Case report: Extreme respiratory sinus arrhythmia in a non-athlete female student - a peculiar finding at the Physiology practicum. Front Neurosci. 2024;18:1507269. https://doi.org/10.3389/fnins.2024.1507269

Leitlinien

  1. Kusumoto FM, Schoenfeld MH, Barrett C, Edgerton JR, Ellenbogen KA, Gold MR, et al. 2018 ACC/AHA/HRS Guideline on the Evaluation and Management of Patients With Bradycardia and Cardiac Conduction Delay. Circulation. 2019;140(8):e382-e482. https://doi.org/10.1161/CIR.0000000000000628