Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Weitere Therapie
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)

Die Therapie der ALS sollte interdisziplinär erfolgen. Im Vordergrund stehen Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, eine psychotherapeutische Begleitung sowie palliativmedizinische Maßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen

  • Erhalt der Autonomie des Patienten, das heißt u. a. frühzeitige Aufklärung und Erstellung einer Patientenverfügung.
  • Ernährungsmedizinische Maßnahmen (s. u.), die dem Gewichtsverlust entgegenwirken und damit das Überleben des Patienten verlängern.
  • Überprüfung der Dauermedikation wg. möglicher Auswirkung auf die vorhandene Krankheit

Konventionelle nicht-operative Therapieverfahren

  • Logopädische Therapie im Anfangsstadium zur Prophylaxe einer Pneumonie (Lungenentzündung), aber auch zur Sprechtherapie, da durch die Beeinträchtigung der Zungen-, Mund- und Gaumenmuskulatur sowie durch eine sprechabhängige Dyspnoe (Atemnot) die Sprache gestört ist. Auch bei Dysphagie (Schluckstörung) ist eine logopädische Behandlung empfohlen (zum Erlernen von Schlucktechniken).
  • Nichtinvasive Heimbeatmung („non-invasive ventilation“, NIV) – zur Verbesserung der Lebenserwartung und Lebensqualität

Medizinische Hilfsmittel

  • Im Verlauf werden Peroneusschiene (verhindert mechanisch das Absinken der Fußspitze und vereinfacht dadurch das Gehen) und Rollstuhl nötig.
  • Falls die Sprache des Erkrankten stark beeinträchtigt ist, werden Kommunikationshilfen wie Sprachcomputer oder Buchstabentafel verordnet.
  • Bei progredienter (fortschreitender) Ateminsuffizienz muss abgewägt werden, ob der Erkrankte (Dauer-)beatmet werden soll (Heimbeatmung). Man unterscheidet zwischen einer nichtinvasiven (maschinell unterstützte Beatmung über eine Atemmaske) und invasiven Beatmung (maschinelle Beatmung über ein Tracheostoma (nach chirurgischem Luftröhrenschnitt)).

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

  • Regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen

Ernährungsmedizin

  • Eine Multicenterstudie mit 302 Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS) konnte nachweisen [1], dass
    • eine Ernährung reich an Gemüse, Früchte, Nüsse, Kerne und Körner sowie Geflügel, Fisch, aber auch an Eier, zu besseren Körperfunktionen – gemessen mittels der ALS Functional Rating Scale (ALSFRS-R – beitrug.
    • dass eine höhere Aufnahme von Mikronährstoffe (Vitalstoffe; Antioxidantien, Carotinoide) positiv mit dem ALSFRS-R assoziiert war.
    • Milch, Wurst, Rind- und Schweinefleisch negativ mit dem ALSFRS-R assoziiert waren.
  • Beachtung folgender spezieller Ernährungsempfehlungen während der Erkrankung:
    • Bei Dysphagie (Schluckstörung) ist eine Umstellung auf pürierte Speisen und angedickte Flüssigkeiten empfohlen.
    • Hochkalorische fettreiche Nahrungsergänzungsmittel zur Deckung des Energiebedarfs (s. u.):
      Patienten mit ALS und einem besonders schnellen Verlauf haben durch eine hochkalorische fettreiche Diät einen Überlebenszeitgewinn [2].
    • Anlage einer perkutanen endoskopischen Gastrektomie (PEG) (endoskopisch angelegter künstlicher Zugang von außen durch die Bauchdecke in den Magen) in der Endphase der Erkrankung (unter Berücksichtigung der respiratorischen Situation!)
  • Siehe auch unter "Therapie mit Mikronährstoffen (Vitalstoffe)" – ggf. Einnahme eines geeigneten Nahrungsergänzungsmittels: vollbilanzierte Diät zum Diätmanagement von Patienten bei Untergewicht und Mangelernährung – Energie-Konzentrat als Trinknahrung als Zwischenmahlzeit
  • Detaillierte Informationen zur Ernährungsmedizin erhalten Sie von uns.

Physikalische Therapie (inkl. Physiotherapie)

  • Physiotherapeutische Behandlung im Anfangsstadium
  • Zur Prävention von Krämpfen: krankengymnastische Übungen und Massagen
  • Akuttherapie bei Krämpfen: passive Dehnung des Muskels
  • Ergotherapie – Sowohl Physio- als auch Ergotherapie dienen dazu, die Restfunktion der Muskeln zu fördern und der Unbeweglichkeit der Muskeln entgegenzuwirken.
  • Atemgymnastik und Klopfmassagen sollen die Funktion der Atemmuskulatur fördern und die Schleimbildung der Bronchien begrenzen.

Psychotherapie

  • Ein Viertel der Erkrankten entwickelt im Verlauf eine Depression oder Angststörungen, die psychotherapeutisch behandelt werden sollten. Die Patienten erleben das Fortschreiten der Erkrankung bei vollem Bewusstsein.
  • Detaillierte Informationen zur Psychosomatik (inkl. Stressmanagement) erhalten Sie von uns.

Organisationen und Selbsthilfegruppen

  • ALS-Selbsthilfe (Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke e. V. DGM)
    E-Mail: info@dgm.org, Internet: www.als-selbsthilfe.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA)
    Postfach 91 01 52, D-51071 Köln
    Telefon: 0221-89920, Fax: 0221-8992300 E-Mail: poststelle@bzga.de, Internet: www.bzga.de

Falls Sie sich zu weiteren möglichen Therapiemaßnahmen informieren möchten, geben Sie in die Suche des DocMedicus Gesundheitsportals die jeweilige Krankheit ein und klicken auf "Enter". Das Ergebnis der Suche ist u. a. eine Trefferliste zur Kategorie "Therapie".

Literatur

  1. Nieves JW et al. Association Between Dietary Intake and Function in Amyotrophic Lateral Sclerosis. JAMA Neurol 2016, online 24. Oktober; doi: 10.1001/jamaneurol.2016.3401
  2. Ludolph A, Dorst J, Dreyhaupt J et al. for the LIPCAL-ALS Study Group. Effect of high-caloric nutrition on survival in amyotrophic lateral sclerosis. Ann Neurol 2020; 87: 206-16 doi: 10.1002/ana.25661
     
Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Die auf unserer Homepage für Sie bereitgestellten Gesundheits- und Medizininformationen ersetzen nicht die professionelle Beratung oder Behandlung durch einen approbierten Arzt.
DocMedicus Suche

 
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
   -
ArztOnline.jpg
 
DocMedicus                          
Gesundheitsportal

Unsere Partner DocMedicus Verlag