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Klassifikation
Brustkrebs - Mammakarzinom

Brustkrebs – Mammakarzinom – wird standardmäßig nach der so genannten "TNM-Klassifikation" definiert

  • "T" steht für einen klinisch beurteilten "Primärtumor",
  • "pT" für einen histopathologisch beurteilten Primärtumor.
  • "N" bezeichnet klinisch beurteilte regionäre Lymphknoten,
  • "pN" histopathologisch beurteilte regionäre Lymphknoten.
  • "M" bezeichnet Metastasen (Tochtergeschwülste)

Klinische TNM-Klassifikation (cTNM) nach Singletary [1]
T - Primärtumor
T0 Kein Tumor nachweisbar
Tis Carcinoma in situ, nicht infiltrierendes Karzinom, Morbus Paget der Mamille ohne nachweisbaren Tumor
T1 Tumor
T1a Ohne Fixation an die Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T1b Mit Fixation an die darunter liegende Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T2 Tumor >2 cm bis
T2a Ohne Fixation an die darunter liegende Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T2b Mit Fixation an die darunter liegende Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T3 Tumor >5 cm
T3a Ohne Fixation an die darunter liegende Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T3b Mit Fixation an die darunter liegende Pectoralisfaszie und/oder an den Muskel
T4 Tumor jeder Größe mit Infiltration in die Brustwand oder Haut
T4a Fixierung an der Brustwand
T4b Mit Infiltration oder Ulzeration der Haut (einschließlich Apfelsinenhaut) oder mit Satellitenknoten in der gleichen Brust
N - Regionäre Lymphknoten
NX Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden (z.B. vor klinischer Klassifikation bioptisch entfernt)
N0 Keine regionären Lymphknotenmetastasen
N1 Metastasen in beweglichen ipsilateralen axillären Lymphknoten
N2 Metastasen in ipsilateralen axillären Lymphknoten, untereinander oder an andere Strukturen fixiert oder in klinisch apparenten* Lymphknoten entlang der A. mammaria interna ohne gleichzeitiges Vorhandensein klinisch nachweisbarer axillärer Lymphknoten
N2a Metastasen in ipsilateralen axillären Lymphknoten,untereinander oder an andere Strukturen fixiert
N2b Metastasen lediglich in klinisch apparenten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna ohne gleichzeitiges Vorhandensein klinisch nachweisbarer axillärer Lymphknoten
N3 Metastasen in ipsilateralen infraklavikulären Lymphknoten oder in klinisch apparenten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna bei gleichzeitig klinisch nachweisbaren axillären Lymphknoten oder Metastasen in ipsilateralen supraklavikulären Lymphknoten mit oder ohne Beteiligung von axillären oder mammaria interna Lymphknoten
N3a Metastasen in ipsilateralen infraklavikulären Lymphknoten und axillären Lymphknoten
N3b Metastasen in Lymphknoten entlang der A. Mammaria interna und in axillären Lymphknoten
N3c Metastasen in ipsilateralen supraklavikulären Lymphknoten
M - Fernmetastasen
M0 Keine Fernmetastasen nachweisbar
M1 Fernmetastasen vorhanden
* Definition von klinisch apparent: Nachweisbar durch klinische Untersuchung oder Bild gebende Untersuchungen (Ausnahme: Lymphszintigraphie)


Postoperative histopathologische Klassifikation (pTNM) nach Singletary [1]
T- Primärtumor
pTX Primärtumor kann nicht beurteilt werden
pTis Carcinoma in situ
pTis (DCIS) Intraduktales Karzinom
pTis (LCIS) Lobuläres Carcinoma in situ
pTis (Paget) M. Paget der Mamille ohne nachweisbaren Tumor;ist der M. Paget kombiniert mit einem nachweisbaren Tumor, wird entsprechend der Größe des Tumors klassifiziert
pT1 Tumor
pT1mic Mikroinvasion1); Tumor < 0,1 cm
pT1a Tumor > 0,1 cm, aber < 0,5 cm
pT1b Tumor > 0,5 cm, aber < 1,0 cm
pT1c Tumor > 1,0 cm, aber < 2,0 cm
pT2 Tumor > 2,0 cm, aber < 5,0 cm
pT3 Tumor >5 cm
pT4 Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf Brustwand oder Haut, soweit unter T4a bis T4d beschrieben
pT4a mit Ausdehnung auf Brustwand, nicht aber den M. pectoralis
pT4b mit Ödem (einschließlich Apfelsinenhaut) oder Ulzeration der Brusthaut oder Satellitenknötchen der Haut der gleichen Brust
pT4c Kriterien 4a und 4b gemeinsam
pT4d entzündliches (inflammatorisches) Karzinom
N - Regionäre Lymphknoten
pN0 Keine regionären Lymphknotenmetastasen, keine zusätzliche Untersuchung nach isolierten Tumorzellen2)
pNX Regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden (zur Untersuchung nicht entnommen oder bereits früher entfernt)
pN0(i+) Histologisch keine regionären Lymphknotenmetastasen, IHC3)positiv
pN0(mol-) Histologisch keine regionären Lymphknotenmetastasen, molekularbiologische Untersuchungen (RT-PCR4)) negativ
pN0(mol+) Histologisch keine regionären Lymphknotenmetastasen, molekularbiologische Untersuchungen (RT-PCR) positiv
pN1a Metastasen in 1 bis 3 axillären Lymphknoten
pN1mic Mikrometastasen > 0,2 mm, aber < 2,0 mm
pN1b Mikroskopischer Befall der durch Sentinel-Lymphknotenbiopsie entdeckten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna, wobei die Lymphknoten nicht klinisch nachweisbar sind
pN1c Metastasen in 1 bis 3 axillären Lymphknoten und mikroskopischer Befall der durch Sentinel-Lymphknotenbiopsie entdeckten klinisch inapparenten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna
pN2 Metastasen in 4 bis 9 axillären Lymphknoten oder Metastasen in klinisch apparenten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna ohne gleichzeitiges Vorhandensein klinisch nachweisbarer axillärer Lymphknoten
pN2a Metastasen in 4 bis 9 axillären Lymphknoten (mindestens eine größer als 2,0 mm)
pN2b Metastasen in klinisch nachweisbaren Lymphknoten entlang der A. mammaria interna ohne gleichzeitiges Vorhandensein klinisch nachweisbarer axillärer Lymphknoten
pN3 Metastasen in 10 oder mehr axillären Lymphknoten oder in infraklavikulären Lymphknoten oder in klinisch nachweisbaren ipsilateralen Lymphknoten entlang der A. mammaria interna bei gleichzeitig mindestens einem befallenen axillären Lymphknoten 1 oder bei mehr als 3 befallenen axillären Lymphknoten und klinisch inapparenten Lymphknoten entlang der A. mammaria interna 1 oder bei Metastasen in supraklavikulären Lymphknoten
pN3a Metastasen in 10 oder mehr axillären Lymphknoten oder Metastasen in infraklavikulären Lymphknoten
pN3b Metastasen in klinisch apparenten ipsilateralen Lymphknoten entlang der A. mammaria interna bei gleichzeitig mindestens einem befallenen axillären Lymphknoten oder bei mehr als 3 befallenen axillären Lymphknoten und mikroskopischem Befall der durch Sentinel-Lymphknotenbiopsie entdeckten klinisch inapparenten A.-mammaria-interna-Lymphknoten
pN3c Metastasen in ipsilateralen supraklavikulären Lymphknoten
M – Fernmetastasen
pM0 keine Fernmetastasen
pM1 Fernmetastasen entsprechend den M-Kategorien
G – Grading
G1 hoch differenziert
G2 mittelgradig differenziert
G3 gering differenziert
L – Lymphgefäßinvasion
L0 keine Lymphgefäßinvasion
L1 Lymphgefäßinvasion
V – Veneninvasion
V0 keine Veneninvasion
V1 mikroskopische Veneninvasion
V2 makroskopische Veneninvasion
R – Residualtumor
R0 kein Residualtumor
R1 mikroskopischer Residualtumor
R2 makroskopischer Residualtumor

1) Unter Mikroinvasion wird ein Eindringen von Karzinomzellen über die Basalmembran hinaus verstanden. Kein Invasionsherd darf >0,1 cm in größter Ausmessung messen.
2) Als isolierte Tumorzellen werden einzelne Tumorzellen oder Zellhaufen, die nicht größer als 0,2 mm sind, bezeichnet, unabhängig von der Methode des Nachweises (Detektionsmethode).
3) IHC = Immunhistochemie
4) RT-PCR = reverse transcriptase polymerase chain reaction

Neben der TNM-Klassifikation gibt es weitere Klassifikationen, nach denen das Mammakarzinom eingeteilt werden kann

  • Nach dem histologischen Bild (WHO-Klassifikation)
  • B-Kategorien der Mammastanzbiopsie
  • Nach dem Van-Nuys-Prognostic-Index
  • Einteilung in Risikokategorien nach der St.Gallen Konsensus Konferenz 2005
  • Nach dem Rezeptorstatus

WHO-Klassifikation des Mammakarzinoms nach dem histologischen Bild

  • Nicht-invasive Karzinome (durchbrechen nicht die Basalmembran)
    - Intraduktales Karzinom (DCIS)
    – Karzinom, welches vom Epithel der Milchgänge ausgeht
    - Carcinoma lobulare in situ (CLIS) – Karzinom, welches vom Epithel der Lobuli (Läppchen) ausgeht
  • Invasive Karzinome (durchbrechen die Basalmembran)
    - Invasives duktales Karzinom – von den Milchgängen ausgehend
    - Invasives duktales Karzinom mit dominierender intraduktaler Komponente
    - Invasives lobuläres Karzinom – von den Lobuli ausgehend
    - Muzinöses Karzinom
    - Papilläres Karzinom
    - Tubuläres Karzinom
    - Adenoid-zystisches Karzinom
    - Sekretorisches Karzinom
    - Apokrines Karzinom
    - Karzinom mit Metaplasie
    - Weitere Unterformen
  • Morbus Paget der Mamille (invasiv und nicht-invasiv)

B-Kategorien der Mammastanzbiopsie

Heute ist eine präoperative histologische Untersuchung des suspekten Befundes mittels einer Stanzbiopsie obligat. Dabei wird die Stanze vom Pathologen untersucht und in folgende Kategorien eingeteilt

B-Kategorie Beschreibung
   
B 1 Nicht verwertbar oder
ausschließlich Normalgewebe
B 2 Benigne (gutartig)
B 3 Benigne, aber mit unsicherem biologischem Potential
B 4 Malignitätsverdächtig
B 5 Maligne (bösartig) B 5a – nichtinvasives Mammakarzinom
B 5b – invasives Mammakarzinom
B 5c – fraglich invasives Karzinom
B 5d – maligner Tumor, nicht primär Mamma

Zur Einteilung der Prognose des Mammakarzinoms kann man den Van-Nuys-Prognostic-Index [2] bestimmen

Score 1 2 3
       
Größe in mm ≤ 15 16-40 ≥ 41
Distanz des Resektionsrandes in mm ≥ 10 1-9 < 1
Pathologische Klassifikation non-high grade ohne Nekrosen non-high grade mit Nekrosen high-grade mit/ohne Nekrosen
Alter der Patientin in Jahre > 60 40-60 < 40

Je höher dieser Score ausfällt, desto radikaler sollte die Therapie erfolgen, da dann das Risiko eines Rezidives hoch ist.

Daneben gibt es eine Einteilung in Risikokategorien des Mammakarzinoms nach der St.Gallen Konsensus-Konferenz 2005 [3]

Risiko Faktoren


Niedriges Risiko pT1 undG1 und Östrogen- und/oder Progesteronrezeptor-positiv und keine Hämangiosis carcinomatosa und keine c-erbB2 (HER-2/neu)-Überexpression
Mittleres Risiko N0 undÖstrogen- und/oder Progesteron-Rezeptor-positiv sowie
- Tumor > 2cm oder
- G2/G3 oder
- Alter der Patientin < 35 Jahre oder
- N+ (mind. 1 Lymphknoten positiv) und
keine Hämangiosis carcinomatosa und keine c-erbB2-Überexpression
Hohes Risiko N+ (mind. 4 Lymphknoten positiv) oder Hämangiosis carcinomatosa und/oder C-erbB2-Überexpression


Das Mammakarzinom kann nach dem Rezeptorstatus unterteilt werden

  • Hormonrezeptoren – hierbei wird der entfernte Tumor vom Pathologen auf das Vorhandensein von Progesteron- und Östrogenrezeptoren getestet; die fehlende Expression von Östrogen- und/oder Progesteron-Rezeptoren geht mit einer schlechteren Prognose einher; Die Untersuchung des Gewebes auf diese Rezeptoren bildet die Grundlage für eine mögliche begleitende Hormontherapie
  • HER2/neu-Rezeptor (c-erbB2) auch die Überexpression dieses Rezeptors wird beim Tumorpräparat bestimmt (bei Vorliegen einer Überexpression wird eine spezielle Therapieform (Antikörper Trastuzumab) angewandt); die HER2-Überexpression geht mit einer schlechteren Prognose einher

 

Literatur

  1. Singletary SE, Allred C, Ashley P, Bassett LW, Berry D, Bland KI, Borgen PI, Clark G, Edge SB, Hayes DF, Hughes LL, Hutter RV, Morrow M, Page DL, Recht A, Theriault RL, Thor A, Weaver DL, Wieand HS, Greene FL.
    Revision of the American Joint Committee on Cancer staging system for breast cancer.
    J Clin Oncol 2002;20:3628-3636. PM:12202663
    [
    Medline]
  2. MJ Silverstein
    The University of Southern California/Van Nuys prognostic index for ductal carcinoma in situ of the breast
    Am J Surg, 2003 Oct;186(4):337-47
  3. B Thürlimann, HJ Senn
    Konsensusmeeting der 9th International Conference on Primary Therapy of Early Breast Cancer (St. Gallen, 26.-29. Januar 2005)
  4. M Stauber, T Weyerstahl
    Gynäkologie und Geburtshilfe, 2.Auflage
    Thieme Verlag Stuttgart, 2005
  5. http://www.patho-trier.de/Mammapathologie.htm
     
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