Zahnnervenentzündung (Pulpitis) – Klassifikation

Bei einer Pulpitis handelt es sich um eine Entzündungsreaktion der Pulpa (des Zahnmarks) auf Reize hin. Dabei können verschiedene Entzündungsstadien in verschiedenen Bereichen nebeneinander vorliegen.

Die Reize können mikrobiologischer und/oder physikalischer bzw. chemischer Natur sein. Bestehen sie über einen längeren Zeitraum fort, können sich verschiedene Formen der Entzündungsreaktion ausbilden, die letztendlich zur schrittweisen Nekrose des Pulpengewebes und zu periapikalen Erkrankungen (um die Wurzelspitze) führen können.

Auf Grund der Dynamik des Entzündungsgeschehens gestaltet sich die Einteilung schwierig. Selbst akute und chronische Entzündungsstadien sind diagnostisch schwer zu unterscheiden, da sie zeitgleich vorliegen können.

Einteilung nach ICD-10-GM Code 2020:

  • ICD-10-GM K04.- Krankheiten der Pulpa und des periapikalen Gewebes
  • ICD-10-GM K04.0 Pulpitis
    • akut
    • chronisch (hyperplastisch, ulzerös)
    • irreversibel
    • reversibel
    • o.n.A.

Klassische Einteilung der Pulpitiden [1]

Klassifikation Beschreibung
Hyperämie (übermäßiges Blutangebot in einem Organ oder Gewebe)
entzündungsbedingt,
übermäßige Durchblutung der Pulpa
Pulpitis serosa partialis wässrige Sekretion, lokal begrenztes Geschehen innerhalb der Pulpa
Pulpitis serosa totalis wässrige Sekretion, Pulpa ist vollständig erfasst
Pulpitis purulenta partialis eitrige Sekretion, lokal begrenztes Geschehen innerhalb der Pulpa
Pulpitis purulenta totalis eitrige Sekretion, Pulpa ist vollständig erfasst


Weitere Pulpitiden
[1]

Klassifikation Beschreibung
Pulpitis acuta serosa akute seröse Pulpitis
Pulpitis acuta purulenta akute eitrige Pulpitis
Pulpitis chronica granulomatosa clausa/ Internes Granulom chronische granulomatöse geschlossene Pulpitis – in verbindung mit einer lang andauernden chronischen Pulpitis wird umgebendes Dentin resorbiert
Retrograde Pulpitis Als Folge einer profunden (tiefen), bis zum Apex (zur Wurzelspitze) fortgeschrittenen Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) erfolgt eine bakterielle Invasion in die Pulpa über das foramen apicale.


Einteilung nach Symptomatik
[1, 2]

Klassifikation Symptomatik
Pulpitis chronica clausa klinisch symptomlos,
Beginn bereits bei jeder oberflächlichen Dentinkaries
Pulpitis chronica aperta ulcerosa kariös eröffnete Pulpa,
schmierige Ulzerationen;
Beschwerden bei Sondierung,
keine weiteren Schmerzsymptome
Pulpitis chronica aperta granulomatosa/ hyperplastica  kariös eröffnete Pulpa,
Ausbildung eines Pulpenpolypen,
keine Schmerzsymptome
v. a. erste Dentition (Milchzähne)
Pulpitis acuta partialis starker, v. a. lokalisierter SpontanschmerzVerstärkung nachts kurze Schmerzanamnese (Stunden) kann reversibel sein
Pulpitis acuta totalis starker, auch ausstrahlender Spontanschmerz,
Aufbiss- und Klopfempfindlichkeit, weil übergehend in Parodontitis, ggf. Ödem/Rötung der umgebenden Weichgewebe,
längere Schmerzanamnese (Tage),
irreversibel


Einteilung nach Ätiologie [1]

Klassifikation Ätiologie (Ursache)
Infektiöse Pulpitis (durch bakterielle Invasion) Karies
Parodontopathie (retrograde Pulpitis),
nicht kariös bedingter Verlust von Zahnhartsubstanz, Hämatogen
Traumatische Pulpitis Kronenfraktur, Wurzelfraktur, Kontusion, Luxation, Infraktion, Traumatische Okklusion
Iatrogene Pulpitis Präparationstrauma (durch Beschleifen), Reinigung/Desinfektion der Kavität, Trocknung der Kavität, Kieferorthopädische Behandlung u. a.

Literatur

  1. Hellwig E, Klimek J, Attin T: Einführung in die Zahnerhaltung. Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. Deutscher Zahnärzte Verlag 2013: 331 ff
  2. Gängler P, Hoffmann T, Willershausen B: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010: 151