Appetitlosigkeit (Anorexie) – Einleitung

Anorexie – umgangssprachlich Appetitlosigkeit genannt – (Synonyme: anorektisches Syndrom; Anorexia; Appetitmangel; Appetitstörung; Appetitverlust; Essunlust; Inappetenz; reduziertes Essverhalten; ICD-10-GM R63.0: Anorexie) beschreibt die Herabsetzung des Triebes zur Nahrungsaufnahme. Während Appetit "Lust auf Essen" bedeutet, verspüren Menschen, die unter Anorexie leiden, keinerlei Verlangen nach Nahrung und das, obwohl sie seit Stunden oder Tagen nichts bzw. kaum etwas zu sich genommen haben.

Eine Anorexie kann Symptom vieler Erkrankungen – körperlichen oder seelischen Ursprungs – sein. So tritt sie häufig im Rahmen von Infektionskrankheiten, Tumorerkrankungen und Depressionen auf. Des Weiteren kann eine Appetitlosigkeit Nebenwirkung von Medikamenten, Therapien wie Chemotherapie oder Radiatio (Strahlentherapie) sein sowie durch Alkohol-/Drogenmissbrauch entstehen (siehe unter "Differentialdiagnosen").

Nicht immer muss sich hinter einer Anorexie eine Krankheit verbergen. Der Appetit lässt genau wie das Durstgefühl im Alter nach, da Geschmacks- und Geruchssinn mit dem Älterwerden abnehmen. Auch sich verändernde Lebensumstände (Liebeskummer, Stresssituationen, Trauer) können zu einem Appetitverlust führen. "Mir ist etwas auf den Magen geschlagen" oder "Mir ist der Appetit vergangen" heißt es dann. Solange eine Appetitlosigkeit nur vorübergehend ist, besteht kein Grund zur Sorge. Hellhörig sollte man werden, wenn die Appetitlosigkeit länger anhält oder sich der Appetit drastisch verändert.

Die Anorexia nervosa (Magersucht; psychisch bedingte Essstörung) ist eine Form der Anorexie, zu deren Beginn der Appetit völlig normal ist, dann aber durch den Widerwillen der Betroffenen gegen Essen im Laufe der Zeit nebst Hungergefühl verschwindet. Zur Anorexia nervosa s. u. der gleichnamigen Erkrankung.

Verlauf und Prognose: Verlauf und Prognose sind abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung der Anorexie.
Bei anhaltender Anorexie lässt im Laufe der Zeit auch das Hungergefühl nach. Durch die fehlende Aufnahme von Nahrung kommt es zu einer abnormen Gewichtsabnahme und es besteht die Gefahr einer Mangelernährung (Mangel an Energie, Makro- und Mikronährstoffen (Kohlenhydrate, Proteine/Eiweiße, Fette, Vitalstoffe) bzw. Unterernährung (Energiespeicher des Körpers sind verbraucht). Um den Mangel an Makro- und Mikronährstoffen zu kompensieren, baut der Körper Gewebe ab, es kommt zu einer Kachexie. Bei einer Kachexie wird der Stoffwechsel von der anabolen (aufbauenden) auf die katabole (abbauenden) Seite verschoben, entsprechend kommt es nicht nur zu einem vollständigen Abbau der Speicherfettdepots, sondern auch zu einer generalisierten Atrophie ("Auszehrung") mit einem schrittweisen Funktionsausfall der Organe, was lebensbedrohliche Folgen haben kann.