Metabolisches Syndrom – Differentialdiagnosen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Akromegalie (krankhafte Vergrößerung von Körperendteilen) – kann durch Insulinresistenz (verminderte Wirkung von Insulin), gestörten Glucosestoffwechsel (gestörte Zuckerverwertung), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und atherogene Dyslipidämie (ungünstige Blutfettveränderung) eine metabolische Konstellation (Stoffwechselveränderung) hervorrufen; insbesondere bei typischen akralen (die Körperenden betreffenden) und fazialen (das Gesicht betreffenden) Veränderungen abzugrenzen
- Cushing-Syndrom (Erkrankung durch einen Überschuss an Cortisol) – wichtige sekundäre Ursache einer metabolischen Konstellation mit viszeraler Adipositas (Fettleibigkeit mit vermehrtem Bauchfett), Insulinresistenz bzw. Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker), arterieller Hypertonie und Dyslipidämie; klinische Cushing-Zeichen (typische Krankheitszeichen eines Cortisolüberschusses) sprechen gegen ein primäres metabolisches Syndrom (Zusammentreffen mehrerer Stoffwechselrisikofaktoren)
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – kann insbesondere durch Gewichtszunahme, Dyslipidämie (Störung der Blutfettwerte) und arterielle Hypertonie Komponenten eines metabolischen Syndroms imitieren bzw. verstärken
- Lipodystrophiesyndrome (Erkrankungen mit krankhafter Fettverteilung), generalisierte oder partielle – ausgeprägte Insulinresistenz, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Hypertriglyceridämie (erhöhte Triglyceridwerte im Blut) und metabolische Lebererkrankung (stoffwechselbedingte Lebererkrankung) trotz fehlender oder atypischer Adipositas (Fettleibigkeit); charakteristische Fettverteilungsstörung wegweisend
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) (Syndrom der Eierstöcke mit Hormon- und Zyklusstörungen) – eigenständige endokrin-metabolische Erkrankung (hormon- und stoffwechselbedingte Erkrankung) mit häufigem Überlappungsphänotyp (überlappendem Erscheinungsbild) aus Insulinresistenz, abdominaler Adipositas (Fettleibigkeit mit vermehrtem Bauchfett) und Dyslipidämie; Hyperandrogenismus (Überschuss männlicher Geschlechtshormone) und Ovulationsstörungen (Störungen des Eisprungs) sind differentialdiagnostisch wegweisend
Medikamente
- Antipsychotika (Medikamente gegen psychotische Erkrankungen), insbesondere Clozapin und Olanzapin – können ausgeprägte Gewichtszunahme, Insulinresistenz bzw. Hyperglykämie und Dyslipidämie induzieren
- Antiretrovirale Therapie (medikamentöse Behandlung gegen Retroviren), bestimmte Regime – mögliche Ursache von Gewichtszunahme bzw. Lipodystrophie (krankhafter Fettverteilungsstörung), Insulinresistenz und Dyslipidämie
- Glucocorticoide (cortisonähnliche Medikamente), systemische – können bei längerfristiger Anwendung einen iatrogenen Hyperkortisolismus (durch medizinische Behandlung verursachten Cortisolüberschuss) mit zentraler Adipositas (Fettleibigkeit mit vorwiegender Fettansammlung am Rumpf), Hyperglykämie, arterieller Hypertonie und Dyslipidämie verursachen