Conn-Syndrom – Differentialdiagnosen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Adrenogenitales Syndrom (AGS; angeborene Störung der Nebennierenhormonbildung) bei 11β-Hydroxylase-Mangel (Mangel eines Enzyms der Nebennierenhormonbildung) oder 17α-Hydroxylase/17,20-Lyase-Mangel (Mangel von Enzymen der Nebennierenhormonbildung) – Low-Renin-Hypertonie (Bluthochdruck mit niedrigem Reninspiegel) mit Hypokaliämie (Kaliummangel im Blut) durch vermehrte Bildung mineralokortikoid wirksamer Steroidvorstufen; Aldosteron supprimiert
- Apparenter Mineralokortikoidexzess (AME-Syndrom; scheinbarer Überschuss an Mineralokortikoidwirkung) – seltene hereditäre Low-Renin-Hypertonie mit Hypokaliämie und supprimiertem Aldosteron
- Bilaterale Nebennierenrindenhyperplasie (beidseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde) – häufige Ursache eines primären Hyperaldosteronismus (krankhaft gesteigerte Aldosteronbildung in der Nebenniere); differentialdiagnostisch insbesondere gegenüber einem unilateralen Aldosteron-produzierenden Adenom (einseitiger gutartiger aldosteronbildender Nebennierentumor) abzugrenzen
- Cushing-Syndrom (Erkrankung durch Cortisolüberschuss) – insbesondere bei ausgeprägtem Hypercortisolismus (Cortisolüberschuss) mit mineralokortikoider Wirkung, Hypertonie (Bluthochdruck) und Hypokaliämie; Renin und Aldosteron typischerweise supprimiert
- Familiärer Hyperaldosteronismus (erblich bedingte gesteigerte Aldosteronbildung) – genetische Formen des primären Hyperaldosteronismus, insbesondere bei frühem Erkrankungsbeginn oder familiärer Häufung; umfasst unter anderem den glucocorticoid-remediablen Hyperaldosteronismus (durch Glucocorticoide beeinflussbare erbliche Aldosteronüberproduktion)
- Liddle-Syndrom (erbliche Form des Bluthochdrucks mit gesteigerter Natriumrückresorption) – monogene Low-Renin-Hypertonie durch gesteigerte Aktivität des epithelialen Natriumkanals; Hypokaliämie bei supprimiertem Aldosteron
- Primäre unilaterale adrenale Hyperplasie (einseitige Vergrößerung der Nebennierenrinde mit gesteigerter Aldosteronbildung) – seltene unilateral Aldosteron-produzierende Form ohne klassisches Aldosteron-produzierendes Adenom
- Sekundärer Hyperaldosteronismus (reaktiv gesteigerte Aldosteronbildung) – erhöhtes Aldosteron infolge Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems; im Gegensatz zum primären Hyperaldosteronismus ist Renin nicht supprimiert
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck ohne erkennbare sekundäre Ursache), insbesondere Low-Renin-Phänotyp – supprimiertes Renin ohne autonome Aldosteronsekretion; wichtige Abgrenzung bei erhöhtem Aldosteron-Renin-Quotienten
- Nierenarterienstenose (Verengung einer Nierenarterie) mit renovaskulärer Hypertonie (durch eine Nierengefäßverengung verursachter Bluthochdruck) – sekundärer Hyperaldosteronismus durch renale Minderperfusion (verminderte Nierendurchblutung); typischerweise erhöhtes Renin und erhöhtes Aldosteron
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Aldosteron-produzierendes Nebennierenrindenkarzinom (bösartiger aldosteronbildender Tumor der Nebennierenrinde) – sehr seltene Ursache eines primären Hyperaldosteronismus; insbesondere bei großer oder radiologisch malignitätsverdächtiger Nebennierenraumforderung (Gewebeneubildung der Nebenniere) relevant
Medikamente
- Betablocker und zentral wirkende α2-Agonisten – Reninsuppression kann den Aldosteron-Renin-Quotienten erhöhen und dadurch einen primären Hyperaldosteronismus vortäuschen
- Diuretika – können Hypokaliämie und einen sekundären Anstieg von Renin und Aldosteron verursachen und dadurch die diagnostische Einordnung erschweren
Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)
- Lakritzabusus (übermäßiger Lakritzkonsum) beziehungsweise übermäßige Glycyrrhizinzufuhr – erworbener apparenter Mineralokortikoidexzess mit Hypertonie, Hypokaliämie sowie supprimiertem Renin und Aldosteron