Calciumüberschuss (Hypercalcämie) – Körperliche Untersuchung
Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:
- Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck und Puls, bei klinischem Verdacht ergänzt durch orthostatische (lageabhängige) Blutdruck- und Pulsmessung; des Weiteren:
- Beurteilung des Allgemein-, Kreislauf- und Hydratationszustands (Flüssigkeitshaushalts) [Exsikkose (Austrocknung) mit trockenen Schleimhäuten und vermindertem Hautturgor (Hautspannung); bei ausgeprägtem Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel) Tachykardie (beschleunigter Herzschlag) und orthostatische Hypotonie (lageabhängiger Blutdruckabfall)]
- Beurteilung der Haut und Schleimhäute [trockene Schleimhäute und verminderter Hautturgor bei hypercalcämiebedingtem Flüssigkeitsverlust]
- Untersuchung des Herzens und Kreislaufs
- Palpation (Abtasten) der Pulse und Auskultation (Abhören) des Herzens [Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) oder unregelmäßiger Puls bei hypercalcämiebedingter Erregungsleitungsstörung (Störung der elektrischen Reizleitung des Herzens)]
- Untersuchung des Abdomens (Bauches)
- Inspektion (Betrachtung), Auskultation und Palpation des Abdomens [verminderte Darmgeräusche; bei ausgeprägter Obstipation (Verstopfung) bis zum paralytischen Ileus (Darmlähmung) geblähtes Abdomen und stark verminderte bis fehlende Darmgeräusche]
- Neurologische Untersuchung
- Beurteilung von Vigilanz (Wachheitsgrad), Orientierung und Kognition (geistiger Leistungsfähigkeit) [kognitive Verlangsamung; Verwirrtheit; Somnolenz (starke Schläfrigkeit); bei schwerer Hypercalcämie (erhöhtem Calciumspiegel im Blut) Stupor (schwere Bewusstseinsstörung) bis Koma (tiefe Bewusstlosigkeit)]
- Prüfung von Muskelkraft und Muskeltonus (Muskelspannung) [generalisierte bzw. proximal (körperstammnah) betonte Muskelschwäche; Hypotonie (verminderte Muskelspannung)]
- Prüfung der Muskeleigenreflexe (körpereigenen Muskelreflexe) [Hyporeflexie (abgeschwächte Reflexe)]
- Orientierende Untersuchung im Hinblick auf die zugrunde liegende Erkrankung – insbesondere Untersuchung von Halsregion und Lymphknoten (Lymphdrüsen), Mammae (Brüsten), Thorax (Brustkorb) und Abdomen; Umfang und Schwerpunkt richten sich nach Anamnese (Krankengeschichte) und klinischem Verdacht.
Red Flags (Warnzeichen) bei Hypercalcämie
- Akut zunehmende Bewusstseinsstörung mit Somnolenz, Stupor oder Koma
- Ausgeprägte Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) mit orthostatischer Hypotonie, Kreislaufinstabilität (instabilem Kreislauf) oder Zeichen der Minderperfusion (verminderte Organdurchblutung)
- Neu aufgetretene ausgeprägte Bradykardie, unregelmäßiger Puls, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) oder andere klinische Hinweise auf eine relevante Herzrhythmusstörung (Störung des Herzrhythmus)
- Ausgeprägte neuromuskuläre (Nerven und Muskeln betreffende) Schwäche mit deutlicher Einschränkung der Mobilität
In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.