Rückenmarkstimulation – epidurale Rückenmarkstimulation, Spinal Cord Stimulation (SCS)

Die Rückenmarkstimulation (elektrische Reizung des Rückenmarks zur Schmerzbehandlung), auch epidurale Rückenmarkstimulation (Rückenmarkstimulation im Raum außerhalb der Rückenmarkshaut) oder Spinal Cord Stimulation (SCS) (englische Bezeichnung für Rückenmarkstimulation), ist ein invasives (eingreifendes), reversibles (rückgängig machbares) Verfahren der neuromodulativen Schmerztherapie (beeinflussende Nerven-Schmerzbehandlung). Über epidural platzierte Elektroden (stromleitende Kontakte) werden elektrische Impulse auf dorsale Rückenmarksstrukturen (hintere Bereiche des Rückenmarks) übertragen. Ziel ist nicht die Ausschaltung einzelner Nerven, sondern die Modulation nozizeptiver (schmerzleitender) und neuropathischer Schmerzverarbeitung (Schmerzverarbeitung bei Nervenschmerzen) [1, LL1].

Die Methode wird bei ausgewählten chronischen (lang anhaltenden), therapierefraktären Schmerzen (behandlungsresistenten Schmerzen) eingesetzt, wenn konservative (nicht operative), medikamentöse (mit Arzneimitteln erfolgende), physiotherapeutische (krankengymnastische) und psychologische (seelische) beziehungsweise psychotherapeutische (seelisch behandelnde) Behandlungsansätze nicht ausreichend wirksam waren. Die Rückenmarkstimulation ist Bestandteil eines multimodalen schmerztherapeutischen Gesamtkonzepts (Behandlungskonzepts mit mehreren Schmerztherapie-Bausteinen) und ersetzt keine sorgfältige interdisziplinäre Indikationsstellung (fachübergreifende Festlegung des Behandlungsgrundes) [LL1].

Zielsetzung

  • Reduktion chronischer Schmerzintensität (Schmerzstärke) bei ausgewählten therapierefraktären Schmerzsyndromen (behandlungsresistenten Schmerzkrankheitsbildern)
  • Verbesserung von Alltagsfunktion (Bewältigung des Alltags), Mobilität (Beweglichkeit) und Lebensqualität (Wohlbefinden im Alltag) [1]
  • Reduktion analgetischer Medikation (Schmerzmittelbehandlung), insbesondere bei opioidpflichtigen Schmerzverläufen (Schmerzverläufen mit Bedarf an starken Schmerzmitteln)
  • Vermeidung irreversibler neurodestruktiver Verfahren (nervenzerstörender Verfahren)
  • Reversible und individuell programmierbare Langzeittherapie
  • Prüfung des Therapieansprechens durch eine Testphase vor definitiver Implantation [LL1]

Wirkprinzip

  • Die elektrische Stimulation verändert die Verarbeitung schmerzleitender Signale auf spinaler Ebene (Ebene des Rückenmarks).
  • Bei klassischen niederfrequenten Stimulationsverfahren (Stimulationsverfahren mit niedriger Reizfrequenz) treten häufig Parästhesien (Missempfindungen) im Schmerzareal (Schmerzgebiet) auf.
  • Moderne Stimulationsverfahren können paresthesiearm (mit wenigen Missempfindungen) oder paresthesiefrei (ohne Missempfindungen) wirken.
  • Neben der tonischen Stimulation (gleichmäßige Reizung) stehen Hochfrequenz- und Burst-Stimulationsmuster (Reizmuster mit Impulsgruppen) zur Verfügung.
  • Die Auswahl des Stimulationsmusters erfolgt individuell anhand von Schmerzlokalisation (Ort des Schmerzes), klinischem Ansprechen (Behandlungserfolg am Patienten) und Verträglichkeit (Tolerierbarkeit) [LL1].

Indikationen (Anwendungsgebiete)

Die Indikation (Behandlungsgrund) zur Rückenmarkstimulation muss streng gestellt werden. Entscheidend sind Schmerzcharakter (Art des Schmerzes), Vortherapien (vorherige Behandlungen), psychologische Eignung (seelische Eignung), technische Implantierbarkeit (technische Einsetzbarkeit) und realistisches Therapieziel.

  • Persistierende spinale Schmerzen (anhaltende von der Wirbelsäule ausgehende Schmerzen) nach Wirbelsäulenoperation (Operation an der Wirbelsäule)
    • Frühere Bezeichnung: Failed Back Surgery Syndrome (FBSS) (anhaltende Schmerzen nach Rückenoperation)
    • Aktuelle Bezeichnung: Persistent Spinal Pain Syndrome (PSPS I/II) (anhaltendes spinales Schmerzsyndrom)
    • Besonders relevant bei chronischen Rücken-Bein-Schmerzen (lang anhaltenden Rücken- und Beinschmerzen) nach lumbaler (die Lendenwirbelsäule betreffender) Wirbelsäulenoperation
    • Für diese Indikation liegt randomisierte Evidenz (wissenschaftlicher Nachweis aus zufallsverteilt vergleichenden Studien) zugunsten der Rückenmarkstimulation gegenüber alleiniger konservativer Therapie (nicht operativer Behandlung) beziehungsweise erneuter Operation vor [1, 2, LL1].
  • Diabetische Polyneuropathie (diabetesbedingte Schädigung vieler Nerven) mit chronischen neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen)
    • Einsatz bei therapierefraktären neuropathischen Schmerzen
    • Rückenmarkstimulation und Dorsalwurzelganglion-Stimulation (elektrische Reizung eines sensiblen Nervenknotens an der Nervenwurzel) können bei geeigneter Patientenselektion (Auswahl geeigneter Patienten) erwogen werden [LL1].
    • Voraussetzung ist eine sorgfältige diabetologische (diabetesbetreffende) und neurologische Mitbeurteilung (Mitbeurteilung durch Nervenheilkunde).
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Bein- oder Armarterien)
    • Einsatz bei ausgewählten Patienten mit schmerzhafter peripherer arterieller Verschlusskrankheit
    • Besonders relevant bei Fontaine-Stadium (Stadium der arteriellen Durchblutungsstörung) 2b und 3 [LL1]
    • Die gefäßmedizinische Beurteilung (Beurteilung durch Gefäßmedizin) und Prüfung revaskularisierender Verfahren (Verfahren zur Wiederherstellung der Durchblutung) muss vorausgehen.
  • Therapierefraktäre Angina pectoris (behandlungsresistentes Brustenge-Syndrom)
    • Einsatz bei chronischer, nicht ausreichend behandelbarer Angina pectoris (Brustenge)
    • Voraussetzung ist, dass medikamentöse, interventionelle (eingreifende) und operative Revaskularisationsoptionen (operative Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Durchblutung) ausgeschöpft oder nicht möglich sind [LL1].
    • Die Indikationsstellung erfolgt interdisziplinär kardiologisch (herzmedizinisch) und schmerztherapeutisch (schmerzbehandelnd).
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (anhaltende regionale Schmerzkrankheit)
    • Bei komplexem regionalem Schmerzsyndrom, insbesondere der unteren Extremität (Bein), ist die Dorsalwurzelganglion-Stimulation gegenüber der klassischen Rückenmarkstimulation häufig bevorzugt zu prüfen [3, LL1].
    • Eine frühzeitige neuromodulative Evaluation (Prüfung einer nervenbeeinflussenden Behandlung) kann sinnvoll sein, wenn multimodale Standardtherapien (Standardbehandlungen mit mehreren Bausteinen) nicht ausreichend greifen.
  • Weitere neuropathische Schmerzsyndrome
    • Postherpetische Neuralgie (Nervenschmerz nach Gürtelrose)
    • Phantom- oder Stumpfschmerzen (Schmerzen in einem nicht mehr vorhandenen oder verbliebenen Körperteil)
    • Schmerzen nach inkompletter Rückenmarkverletzung (unvollständiger Schädigung des Rückenmarks)
    • Plexusläsionen (Schädigungen eines Nervengeflechts)
    • Andere fokale periphere neuropathische Schmerzen (örtlich begrenzte Nervenschmerzen außerhalb von Gehirn und Rückenmark)
    • Bei diesen Indikationen ist die Evidenzlage (wissenschaftliche Beweislage) heterogener; die Anwendung sollte individuell und in spezialisierten Zentren (Fachzentren) erfolgen [LL1].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

  • Absolute Kontraindikationen (zwingende Gegenanzeigen)
    • Aktive systemische Infektion (den ganzen Körper betreffende Infektion)
    • Lokale Infektion im geplanten Operationsgebiet (Operationsbereich)
    • Nicht beherrschte Gerinnungsstörung (Störung der Blutgerinnung)
    • Nicht ausreichend kontrollierte Antikoagulation (Blutverdünnung) ohne vertretbares perioperatives Management (Behandlung rund um die Operation)
    • Fehlende Fähigkeit zur Bedienung des Systems
    • Fehlende Therapieadhärenz (Einhaltung der Behandlung)
    • Nicht behandelte schwere psychiatrische Erkrankung (seelische Erkrankung) mit relevanter Einschränkung der Mitarbeit
    • Ungeklärte Schmerzursache ohne plausible organische (körperliche) oder neuropathische Zuordnung
    • Allergie (Überempfindlichkeit) gegen Implantatmaterialien (Materialien des eingesetzten Fremdkörpers)
  • Relative Kontraindikationen (abwägbare Gegenanzeigen)
    • Schwangerschaft (Austragen eines Kindes)
    • Implantierbare kardiale Aggregate (einsetzbare Herzgeräte) mit möglicher elektrotechnischer Interaktion (technischer Wechselwirkung)
    • Ausgeprägte psychosoziale Instabilität (seelisch-soziale Instabilität)
    • Unrealistische Therapieerwartung
    • Unbehandelte Suchterkrankung (Abhängigkeitserkrankung)
    • Sekundärer Krankheitsgewinn (Vorteile durch die Krankenrolle) als dominanter Faktor
    • Unzureichende interdisziplinäre Vorbehandlung (fachübergreifende Vorbehandlung)

Präoperative Bewertung (Beurteilung vor der Operation) und Risikostratifizierung (Einschätzung des Risikos)

  • Interdisziplinäre Indikationsstellung
    • Schmerzmedizin (medizinische Schmerzbehandlung)
    • Neurochirurgie (operative Nervenheilkunde)
    • Neurologie (Nervenheilkunde)
    • Orthopädie/Unfallchirurgie (Knochen- und Unfallchirurgie)
    • Psychologie/Psychosomatik (seelische Medizin)
    • Gefäßmedizin (Medizin der Blutgefäße) bei vaskulären Indikationen
    • Kardiologie (Herzmedizin) bei kardialen Indikationen
  • Schmerzdiagnostische Bewertung (Beurteilung der Schmerzursache und Schmerzart)
    • Schmerzlokalisation
    • Schmerzqualität (Art des Schmerzes)
    • Neuropathische Schmerzkomponente (Anteil von Nervenschmerz)
    • Schmerzintensität
    • Funktionseinschränkung (eingeschränkte Funktionsfähigkeit)
    • Bisherige Therapieversuche
    • Analgetikabedarf (Bedarf an Schmerzmitteln)
    • Realistische Therapieziele
  • Psychologische Evaluation (seelische Beurteilung)
    • Präoperative psychologische beziehungsweise psychosomatische Beurteilung sollte regelhaft erfolgen [LL1].
    • Prüfung von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), Bewältigungsstrategien (Umgangsweisen mit der Erkrankung), Erwartungshaltung und Therapieadhärenz
    • Ausschluss relevanter unbehandelter psychischer Störungen (seelischer Störungen) oder Suchterkrankungen
  • Bildgebung (bildgebende Untersuchung) und technische Planung
    • Magnetresonanztomographie (MRT) (Kernspintomographie) oder Computertomographie (CT) (Röntgenschichtuntersuchung) der relevanten Wirbelsäulenabschnitte (Bereiche der Wirbelsäule)
    • Beurteilung des Epiduralraums (Raum außerhalb der Rückenmarkshaut)
    • Prüfung anatomischer Hindernisse (körperbaulicher Hindernisse)
    • Planung der Elektrodenlage (Lage der stromleitenden Kontakte) nach Schmerzareal
  • Gerinnungs- und Infektionsrisiko (Risiko für Blutungs- und Infektionsprobleme)
    • Prüfung antikoagulativer (blutverdünnender) und thrombozytenhemmender Medikation (blutplättchenhemmender Arzneimittelbehandlung)
    • Individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung (Abwägung von Nutzen und Risiko) [LL1]
    • Perioperative Infektionsprophylaxe (Infektionsvorbeugung rund um die Operation) nach lokalem Standard

Das Verfahren

  • Testphase (Probephase)
    • Zunächst erfolgt in der Regel eine Teststimulation (Probereizung).
    • Epidurale Elektroden werden perkutan (durch die Haut) oder operativ platziert.
    • Die Elektroden werden vorübergehend mit einem externen Stimulator (Reizgerät) verbunden.
    • Während der Testphase werden Schmerzreduktion, Funktionsgewinn (Verbesserung der Funktionsfähigkeit), Verträglichkeit und Patientenzufriedenheit (Zufriedenheit des Patienten) dokumentiert.
    • Eine definitive Implantation (endgültige Einpflanzung) erfolgt nur bei klinisch relevantem Ansprechen [LL1].
  • Elektrodenplatzierung (Platzierung der stromleitenden Kontakte)
    • Die Elektroden werden im Epiduralraum (Raum außerhalb der Rückenmarkshaut) positioniert.
    • Die Zielhöhe richtet sich nach Schmerzlokalisation und gewünschter Stimulationsabdeckung (Abdeckung des Schmerzgebiets durch die Reizung).
    • Die Platzierung erfolgt bildgestützt (unter Bildkontrolle).
    • Bei komplexer Anatomie (schwierigen Körperverhältnissen) oder Voroperationen (früheren Operationen) kann ein operatives Vorgehen erforderlich sein.
  • Stimulationsformen (Reizformen)
    • Tonische niederfrequente Stimulation (gleichmäßige Reizung mit niedriger Frequenz)
    • Hochfrequenzstimulation (Reizung mit hoher Frequenz)
    • Burst-Stimulation (Reizung mit Impulsgruppen)
    • Weitere programmierbare Stimulationsmuster (Reizmuster)
  • Implantation des Impulsgebers (Taktgebers für elektrische Reize)
    • Bei erfolgreicher Testphase wird ein interner Impulsgeber (eingesetztes Reizgerät) implantiert.
    • Die Implantation erfolgt subkutan (unter die Haut), häufig im Gluteal- oder Flankenbereich (Gesäß- oder seitlicher Rumpfbereich).
    • Je nach System kommen wiederaufladbare oder nicht wiederaufladbare Aggregate (aufladbare oder nicht aufladbare Geräte) zum Einsatz.
  • Programmierung (technische Einstellung)
    • Nach Implantation erfolgt eine individuelle Einstellung der Stimulationsparameter (Reizeinstellungen).
    • Im Verlauf sind Nachprogrammierungen (erneute technische Einstellungen) häufig erforderlich.
    • Ziel ist eine stabile Schmerzreduktion bei guter Verträglichkeit und alltagstauglicher Bedienbarkeit (einfacher Nutzbarkeit im Alltag).

Dorsalwurzelganglion-Stimulation (DRG-S)

Die Dorsalwurzelganglion-Stimulation, auch Dorsal Root Ganglion Stimulation (DRG-S) (englische Bezeichnung für Dorsalwurzelganglion-Stimulation), ist ein verwandtes neuromodulatives Verfahren (nervenbeeinflussendes Verfahren). Dabei wird nicht primär das Rückenmark, sondern das sensible Spinalganglion (Nervenknoten der Gefühlsnerven an der Wirbelsäule) stimuliert. Die DRG-S kann bei umschriebenen neuropathischen Schmerzarealen (Gebieten mit Nervenschmerz) eine fokussiertere Stimulation (gezieltere Reizung) ermöglichen als die klassische Rückenmarkstimulation [3, LL1].

  • Typische Einsatzbereiche
    • Fokale neuropathische Schmerzen (örtlich begrenzte Nervenschmerzen)
    • Komplexes regionales Schmerzsyndrom
    • Schmerzen der unteren Extremität
    • Umschriebene Schmerzareale, die mit klassischer Rückenmarkstimulation schwerer abzudecken sind
  • Abgrenzung zur Rückenmarkstimulation
    • Die DRG-S erlaubt eine fokussiertere Stimulation einzelner Schmerzareale.
    • Beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom der unteren Extremität ist sie häufig vorrangig zu prüfen.
    • Die technische Durchführung unterscheidet sich von der klassischen epiduralen Rückenmarkstimulation.
    • Komplikations- und Gerinnungsmanagement (Umgang mit Komplikationen und Blutgerinnung) müssen spezifisch berücksichtigt werden.

Mögliche Komplikationen (mögliche unerwünschte Folgen)

  • Perioperative Komplikationen (Komplikationen rund um die Operation)
    • Wundinfektion (Infektion der Wunde)
    • Epidurale Infektion (Infektion im Raum außerhalb der Rückenmarkshaut)
    • Blutung (Blutverlust)
    • Spinales Hämatom (Bluterguss im Bereich des Rückenmarks)
    • Liquorpunktion (Punktion der Nervenwasserhülle)
    • Liquorfistel (Verbindung mit Austritt von Nervenwasser)
    • Postpunktioneller Kopfschmerz (Kopfschmerz nach Punktion)
    • Schmerzen im Operationsgebiet
  • Implantatbezogene Komplikationen (Komplikationen am eingesetzten Fremdkörper)
    • Elektrodenmigration (Verrutschen der stromleitenden Kontakte)
    • Elektrodenbruch (Bruch der stromleitenden Kontakte)
    • Kabeldefekt (Schaden am Verbindungskabel)
    • Aggregatfehlfunktion (Fehlfunktion des Geräts)
    • Schmerzen im Bereich der Aggregattasche (Tasche für das eingesetzte Gerät)
    • Fremdkörpergefühl (Gefühl eines eingesetzten Fremdkörpers)
    • Erforderliche Revisionsoperation (erneute Korrekturoperation)
  • Stimulationsbezogene Komplikationen (Komplikationen durch die Reizung)
    • Unangenehme Parästhesien
    • Dysästhesien (unangenehme Missempfindungen)
    • Motorische Irritationen (Reizung von Bewegungsnerven) bei ungünstiger Elektrodenlage
    • Unzureichende Schmerzreduktion
    • Nachlassen der Wirkung im Verlauf
    • Non-Responder (Patient ohne ausreichendes Ansprechen) trotz korrekter technischer Durchführung
  • Häufigkeiten nach aktueller Leitlinienbewertung (Bewertung durch fachliche Handlungsempfehlung)
    • Mechanische Komplikationen (technische oder lagerungsbedingte Komplikationen) können häufig auftreten und werden in der Literatur mit bis zu 40 % angegeben [LL1].
    • Implantatbedingte Infektionen (Infektionen durch den eingesetzten Fremdkörper) liegen typischerweise im Bereich von etwa 3-6 % [LL1].
    • Persistierende Liquorfisteln (anhaltende Verbindungen mit Austritt von Nervenwasser) sind selten.
    • Spinale Hämatome (Blutergüsse im Bereich des Rückenmarks) sind selten, aber wegen möglicher neurologischer Folgen (Folgen für das Nervensystem) klinisch besonders relevant.
    • Eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung ist insbesondere bei Antikoagulation zwingend erforderlich [LL1].

Nach der Behandlung

  • Frühphase (frühe Zeit nach der Behandlung)
    • Wundkontrolle (Kontrolle der Wunde)
    • Infektionsüberwachung (Kontrolle auf Infektionszeichen)
    • Prüfung neurologischer Auffälligkeiten (Auffälligkeiten des Nervensystems)
    • Kontrolle der Stimulationswirkung (Wirkung der Reizung)
    • Einweisung in Bedienung und Sicherheitsregeln
  • Verlaufskontrolle (Kontrolle im weiteren Verlauf)
    • Regelmäßige Nachprogrammierung bei Bedarf
    • Dokumentation von Schmerzintensität und Funktionsstatus (Funktionszustand)
    • Erfassung des Analgetikabedarfs
    • Kontrolle von Aggregatfunktion und Batteriestatus (Ladezustand der Batterie)
    • Prüfung auf mechanische Komplikationen
  • Langzeitnachsorge (langfristige Nachbetreuung)
    • Langfristige Betreuung durch ein erfahrenes Zentrum
    • Interdisziplinäre Weiterbehandlung im multimodalen Schmerzkonzept
    • Anpassung physiotherapeutischer (krankengymnastischer), psychologischer und medikamentöser Begleittherapien (begleitender Arzneimittelbehandlungen)
    • Rechtzeitige Planung von Aggregatwechseln (Wechseln des Geräts) bei Batterieerschöpfung (leerer Batterie)

Therapeutische Bewertung (Bewertung der Behandlung)

Die Rückenmarkstimulation ist ein etabliertes, reversibles Verfahren der interventionellen Schmerztherapie (eingreifenden Schmerzbehandlung) bei ausgewählten chronischen Schmerzsyndromen. Der Nutzen ist am besten belegt bei persistierenden spinalen Schmerzen nach Wirbelsäulenoperation, diabetischer Polyneuropathie mit neuropathischen Schmerzen, therapierefraktärer Angina pectoris und ausgewählten Fällen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit [1, 2, LL1].

Beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom, insbesondere der unteren Extremität, sollte die Dorsalwurzelganglion-Stimulation vorrangig geprüft werden [3, LL1]. Die Methode ist nicht als isolierte technische Maßnahme (alleinige technische Behandlung) zu verstehen. Entscheidend für den Behandlungserfolg sind Patientenselektion, realistische Therapieziele, psychologische Evaluation, strukturierte Testphase, qualifizierte Implantation und konsequente Nachsorge.

Stellenwert in der Schmerztherapie (Bedeutung in der Schmerzbehandlung)

  • Die Rückenmarkstimulation ist kein Verfahren der Allgemein-, Regional- oder Lokalanästhesie (Narkose, Teilbetäubung oder örtliche Betäubung).
  • Sie gehört zur interventionellen und neuromodulativen Schmerztherapie.
  • Die Einordnung unter „Weitere Anästhesieverfahren – Schmerztherapie“ ist systematisch vertretbar, wenn dort interventionelle Schmerzverfahren geführt werden.
  • Fachlich präziser ist die Unterrubrik „Neuromodulative Schmerztherapie (nervenbeeinflussende Schmerzbehandlung)“ innerhalb der Schmerztherapie.

Empfohlene Ablage

  • Weitere Anästhesieverfahren – Schmerztherapie
    • Interventionelle Schmerztherapie
    • Neuromodulative Schmerztherapie
      • Rückenmarkstimulation – epidurale Rückenmarkstimulation, Spinal Cord Stimulation (SCS)
      • Dorsalwurzelganglion-Stimulation (Dorsal Root Ganglion Stimulation, DRG-S)

Vergleich: Sympathikusblockade (Blockade eines Anteils des vegetativen Nervensystems), Rückenmarkstimulation und Dorsalwurzelganglion-Stimulation

Verfahren Technik Typische Indikationen Vorteile Nachteile
Sympathikusblockade Bildgestützte Injektion von Lokalanästhetika (örtliche Betäubungsmittel) oder neurolytischen Substanzen (nervenzerstörenden Substanzen) an sympathische Ganglien (Nervenknoten des Sympathikus) Sympathisch unterhaltene Schmerzen (durch den Sympathikus aufrechterhaltene Schmerzen), ausgewählte ischämische Schmerzen (Schmerzen durch Durchblutungsmangel), komplexes regionales Schmerzsyndrom, viszerale Schmerzsyndrome (Schmerzkrankheitsbilder innerer Organe) Geringer invasiv, diagnostisch nutzbar, kurzfristig therapeutisch wirksam, segmentale Wirkung (auf einen Körperabschnitt begrenzte Wirkung) möglich Wirkung häufig zeitlich begrenzt, nur bei sympathisch unterhaltenem Schmerz sinnvoll, vegetative Nebenwirkungen (Nebenwirkungen des unwillkürlichen Nervensystems) möglich
Rückenmarkstimulation Epidurale Elektrodenplatzierung mit Testphase und gegebenenfalls Implantation eines Impulsgebers (Einpflanzung eines Reizgeräts) Persistent Spinal Pain Syndrome, diabetische Polyneuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit, therapierefraktäre Angina pectoris, ausgewählte neuropathische Schmerzen Reversibel, programmierbar, langfristig nutzbar, medikamentensparend möglich, bei geeigneter Indikation evidenzbasiert Invasiv, hohe Initialkosten (Anfangskosten), Infektionsrisiko (Risiko für Infektionen), mechanische Komplikationen, Nachsorge und Patientenschulung (Anleitung des Patienten) erforderlich
Dorsalwurzelganglion-Stimulation Stimulation sensibler Spinalganglien (Nervenknoten der Gefühlsnerven an der Wirbelsäule) Fokale neuropathische Schmerzen, komplexes regionales Schmerzsyndrom, insbesondere untere Extremität Fokussierte Stimulation umschriebener Schmerzareale, bei bestimmten Indikationen vorteilhaft gegenüber klassischer Rückenmarkstimulation Technisch anspruchsvoll, spezifisches Komplikations- und Gerinnungsmanagement erforderlich, Zentrenexpertise (Erfahrung eines Fachzentrums) notwendig

Fazit

Die Rückenmarkstimulation ist ein reversibles, neuromodulatives Verfahren zur Behandlung ausgewählter chronischer, therapierefraktärer Schmerzen. Sie ist insbesondere bei persistierenden spinalen Schmerzen nach Wirbelsäulenoperation, diabetischer Polyneuropathie mit neuropathischen Schmerzen, therapierefraktärer Angina pectoris sowie ausgewählten Fällen der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit evidenzbasiert einsetzbar. Beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom, vor allem der unteren Extremität, ist die Dorsalwurzelganglion-Stimulation als fokussiertes neuromodulatives Verfahren bevorzugt zu prüfen. Der Behandlungserfolg hängt wesentlich von einer strengen Indikationsstellung, präoperativer psychologischer Evaluation, strukturierter Testphase, qualifizierter Implantation und konsequenter Langzeitnachsorge ab [1-3, LL1].

Literatur

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  2. North RB, Kidd DH, Farrokhi F, Piantadosi SA. Spinal cord stimulation versus repeated lumbosacral spine surgery for chronic pain: a randomized, controlled trial. Neurosurgery. 2005;56(1):98-106. https://doi.org/10.1227/01.NEU.0000144839.65524.E0
  3. Deer TR, Levy RM, Kramer J, Poree L, Amirdelfan K, Grigsby E, et al. Dorsal root ganglion stimulation yielded higher treatment success rate for complex regional pain syndrome and causalgia at 3 and 12 months: a randomized comparative trial. Pain. 2017;158(4):669-681. https://doi.org/10.1097/j.pain.0000000000000814
  4. Deer TR, Mekhail N, Provenzano D, Pope J, Krames E, Leong M, et al. The appropriate use of neurostimulation of the spinal cord and peripheral nervous system for the treatment of chronic pain and ischemic diseases: the Neuromodulation Appropriateness Consensus Committee. Neuromodulation. 2014;17(6):515-550. https://doi.org/10.1111/ner.12208
  5. Huygen FJPM, Liem L, Nijhuis H, Smet I, Verrills P, Mekhail N, et al. Spinal cord stimulation vs medical management for chronic back and leg pain: a systematic review and network meta-analysis. JAMA Network Open. 2024;7(11):e2444608. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.44608

Leitlinien

  1. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). S3-Leitlinie Epidurale Rückenmarkstimulation zur Therapie chronischer Schmerzen. AWMF-Registernummer 008-023. Stand: 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/008-023
  2. Slotty PJ, Rasche D, Vesper J. Leitlinie zur epiduralen Rückenmarkstimulation bei chronischen neuropathischen Schmerzen. Der Schmerz. 2026. https://www.springermedizin.de/rueckenmarkstimulation/nervenstimulation/leitlinie-zur-epiduralen-rueckenmarkstimulation-bei-chronischen-/52414308