Überlastung im Sport

Sportliches Training beruht auf einem wiederholten Wechsel zwischen Belastung und Regeneration. Eine vorübergehende Ermüdung und kurzfristige Leistungsminderung nach intensiver körperlicher Belastung sind physiologisch und können Bestandteil eines wirksamen Trainingsreizes sein. Eine trainingsassoziierte Überlastung (durch Training verursachte Überbeanspruchung) liegt dagegen vor, wenn die kumulative Gesamtbeanspruchung die individuelle Erholungs- und Anpassungskapazität überschreitet.

Der Begriff Überlastung bezeichnet kein einheitliches Krankheitsbild. Im trainingswissenschaftlichen Kontext umfasst er ein Kontinuum von akuter Ermüdung über funktionelles Overreaching (beabsichtigte kurzfristige Trainingsüberlastung) und nichtfunktionelles Overreaching (länger anhaltende schädliche Trainingsüberlastung) bis zum Übertrainingssyndrom (lang anhaltender Leistungsabfall durch unzureichende Erholung). Davon abzugrenzen sind lokale Überlastungsschäden des Bewegungsapparates, z. B. Tendinopathien (Sehnenerkrankungen) und Knochenstressverletzungen (durch wiederholte Belastung entstandene Knochenschäden), sowie die relative Energiedefizienz im Sport (gesundheitsschädlicher Energiemangel im Sport) (REDs). Diese Störungen können unabhängig voneinander oder gleichzeitig auftreten [1-4, LL1].

Der vorliegende Artikel behandelt primär die systemische trainingsassoziierte Überlastung. Lokale Überlastungsschäden werden ausschließlich als Differentialdiagnosen und mögliche Begleiterkrankungen eingeordnet. Damit ist der inhaltliche Umfang auf Overreaching und Übertrainingssyndrom begrenzt.

Begriffsabgrenzung

Zustand Charakteristika Erholung Erwartete Folge
Akute Ermüdung Unmittelbare reversible Leistungsminderung nach einer einzelnen Trainingseinheit oder einem Wettkampf Stunden bis wenige Tage Wiederherstellung des Ausgangsniveaus und physiologische Anpassung
Funktionelles Overreaching Kurzfristige Leistungsminderung nach gezielt erhöhter Trainingsbelastung Meist mehrere Tage bis wenige Wochen Nach ausreichender Regeneration mögliche Leistungsverbesserung
Nichtfunktionelles Overreaching Länger anhaltende Leistungsminderung mit häufig zusätzlichen körperlichen oder psychischen Beschwerden Mehrere Wochen bis Monate Kein zusätzlicher Trainingseffekt; verlängerte Regeneration erforderlich
Übertrainingssyndrom Prolongierter, nicht anderweitig erklärbarer Leistungsabfall nach anhaltendem Missverhältnis zwischen Gesamtbelastung und Regeneration In der Regel mehrere Monate, teilweise länger Ausgeprägte maladaptive Reaktion (ungünstige Fehlanpassung) mit langwieriger Wiederherstellung
Lokaler Überlastungsschaden Gewebespezifische Schädigung durch wiederholte mechanische Beanspruchung Abhängig von Gewebe, Schweregrad und Behandlung Z. B. Tendinopathie, Knochenstressverletzung oder Apophysenverletzung (Verletzung eines knöchernen Sehnenansatzes)
REDs Gesundheits- und Leistungsauswirkungen einer problematischen niedrigen Energieverfügbarkeit Abhängig von Ausmaß, Dauer und betroffenen Organsystemen Multisystemische Gesundheits- und Leistungsbeeinträchtigungen möglich

Die zeitlichen Grenzen zwischen funktionellem Overreaching, nichtfunktionellem Overreaching und Übertrainingssyndrom sind nicht absolut. Die Unterscheidung zwischen nichtfunktionellem Overreaching und Übertrainingssyndrom erfolgt häufig erst retrospektiv anhand der Dauer der Leistungsminderung und der Erholungszeit. Symptome oder Laborwerte allein erlauben diese Abgrenzung nicht [1, 2, LL1].

Übertrainingssyndrom

Das Übertrainingssyndrom ist durch eine anhaltende Verminderung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit gekennzeichnet, die sich trotz einer üblichen kurzfristigen Regenerationsphase nicht normalisiert und nicht durch eine andere Erkrankung, Verletzung oder Störung hinreichend erklärt werden kann. Begleitend können Müdigkeit, Schlafstörungen, Stimmungsveränderungen, Motivationsverlust und weitere unspezifische Beschwerden auftreten [1, 2, 9, LL1].

Ein diagnostischer Goldstandard existiert nicht. Das Übertrainingssyndrom ist deshalb eine klinische Ausschlussdiagnose (Diagnose nach Ausschluss anderer Ursachen). Die wissenschaftliche Evidenz wird durch uneinheitliche Falldefinitionen, kleine Stichproben, retrospektive Untersuchungen und eine Überrepräsentation männlicher Ausdauersportler eingeschränkt [1, 2].

Zuverlässige Prävalenzangaben (Angaben zur Häufigkeit) liegen nicht vor. In vielen älteren Untersuchungen wurden selbstberichtete Phasen von Müdigkeit oder Leistungsminderung bereits als Übertraining klassifiziert, ohne einen objektivierten prolongierten Leistungsabfall und eine hinreichende Differentialdiagnostik nachzuweisen [1].

Äußere Belastung und innere Beanspruchung

Für die Beurteilung der Trainingsbelastung müssen äußere Belastung und innere Beanspruchung unterschieden werden [LL2].

Äußere Belastung:

  • Trainingsdauer und Trainingshäufigkeit
  • Distanz, Geschwindigkeit und Höhenmeter
  • bewegte Last und Wiederholungszahl
  • Beschleunigungs- und Abbremsvorgänge
  • Wettkampfdauer und Wettkampfdichte
  • sportartspezifische technische und taktische Anforderungen

Innere Beanspruchung:

  • subjektives Belastungsempfinden
  • Herzfrequenz- und Kreislaufreaktion
  • ventilatorische und metabolische Reaktion
  • neuromuskuläre Ermüdung
  • psychische Beanspruchung
  • individuelle Symptom- und Erholungsreaktion

Dieselbe äußere Belastung kann bei verschiedenen Sportlern oder bei demselben Sportler zu unterschiedlichen Zeitpunkten eine unterschiedliche innere Beanspruchung auslösen. Einflussfaktoren sind unter anderem Trainingszustand, Schlaf, Energie- und Kohlenhydratverfügbarkeit, Erkrankungen, Verletzungen, psychischer Stress, Umweltbedingungen und vorausgegangene Belastungen [LL2, LL3].

Keine Trainingsform ist grundsätzlich vor einem Übertrainingssyndrom geschützt. Ausdauer-, Kraft-, Intervall- und Schnelligkeitstraining können bei angemessener Dosierung physiologische Anpassungen bewirken. Bei inadäquater Progression oder unzureichender Regeneration können sowohl Ausdauer- als auch Krafttrainingsprogramme zu funktionellem oder nichtfunktionellem Overreaching beitragen. Für ein gesichertes Übertrainingssyndrom nach Krafttraining ist die Evidenz allerdings deutlich geringer als für Ausdauersportarten [10].

Lactat ist weder ein Toxin noch die Ursache eines Übertrainingssyndroms. Die vorübergehende Lactatbildung und Abnahme des intramuskulären pH-Wertes während intensiver Belastungen erklären keinen über Wochen oder Monate anhaltenden Leistungsabfall [LL1].

Entstehungsmodell

Das Übertrainingssyndrom wird heute als multifaktorielle und heterogene Fehlanpassung verstanden. Entscheidend ist nicht allein die sportliche Belastung, sondern das längerfristige Verhältnis zwischen der gesamten physischen und psychischen Beanspruchung und den verfügbaren Regenerationsressourcen [2, 3, LL1, LL3].

Zur Gesamtbeanspruchung zählen:

  • Training und Wettkämpfe
  • berufliche oder schulische Belastungen
  • familiäre und soziale Belastungen
  • Schlafmangel und zirkadiane Störungen (Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus)
  • Reisen und Zeitzonenwechsel
  • Hitze, Kälte und Höhenexposition
  • unzureichende Energie- und Nährstoffverfügbarkeit
  • Infektionen, chronische Erkrankungen und Verletzungen
  • psychische Erkrankungen und emotionale Belastungen

Diskutiert werden Veränderungen der zentralnervösen Ermüdungsregulation, der autonomen Regulation, neuroendokriner Achsen (Regelkreise zwischen Nervensystem und Hormondrüsen), des Energiestoffwechsels, der Glykogenverfügbarkeit, der inflammatorischen Signalübertragung (entzündungsbezogenen Signalweiterleitung) und der Redoxhomöostase (Gleichgewicht zwischen oxidierenden und antioxidativen Vorgängen). Keine dieser Hypothesen erklärt jedoch alle Erscheinungsformen des Übertrainingssyndroms. Die beschriebenen Veränderungen sind weder ausreichend einheitlich noch ausreichend spezifisch, um als diagnostischer Nachweis verwendet zu werden [2, 6].

Risikofaktoren

  • Ausgeprägte Belastungssprünge: rasche Erhöhung von Trainingsumfang, Trainingsintensität oder Wettkampfhäufigkeit
  • Unzureichende Periodisierung: fehlender Wechsel zwischen Belastungs-, Erhaltungs- und Entlastungsphasen
  • Hohe Trainingsmonotonie: geringe Variation von Trainingsinhalten, Intensitäten und beanspruchten Strukturen
  • Dichte Wettkampffolgen: verkürzte Regeneration durch Wettkämpfe, Reisen und Zeitzonenwechsel
  • Schlafdefizit: unzureichende Schlafdauer, verminderte Schlafqualität oder zirkadiane Desynchronisation (Störung des Tag-Nacht-Rhythmus)
  • Niedrige Energieverfügbarkeit: unzureichende Energiezufuhr im Verhältnis zu Trainings- und Alltagsbelastung
  • Unzureichende Kohlenhydratverfügbarkeit: insbesondere während umfangreicher oder hochintensiver Trainingsphasen
  • Akute oder chronische Erkrankungen: Fortsetzung des Trainings trotz Infekt oder anderer Erkrankung
  • Unvollständige Rehabilitation: zu früher Wiedereinstieg nach Verletzung oder Erkrankung
  • Psychosoziale Belastungen: beruflicher, schulischer, familiärer oder finanzieller Stress
  • Psychische Erkrankungen: insbesondere depressive Störungen (depressive Erkrankungen), Angststörungen (krankhafte Angstzustände) und Essstörungen (Erkrankungen des Essverhaltens)
  • Unzureichende Kommunikation: verspätete Mitteilung von Müdigkeit, Schmerzen, Schlafproblemen oder Leistungsminderung

Die genannten Faktoren sind keine diagnostischen Kriterien und besitzen keine einheitliche Gewichtung. Ein hoher Trainingsumfang führt bei ausreichender Belastbarkeit und Regeneration nicht zwangsläufig zu einer Fehlanpassung. Umgekehrt kann eine gewöhnlich tolerierte Belastung während eines Infekts, bei Schlafmangel oder niedriger Energieverfügbarkeit eine unverhältnismäßig hohe Beanspruchung auslösen [3, LL2, LL3].

Relative Energiedefizienz im Sport

REDs bezeichnet ein Syndrom gesundheitlicher und leistungsbezogener Beeinträchtigungen, das infolge einer problematischen niedrigen Energieverfügbarkeit entstehen kann. Betroffen sein können weibliche und männliche Sportler. Eine kurzfristige oder bewusst periodisierte niedrige Energieverfügbarkeit ist nicht automatisch pathologisch; entscheidend sind Ausmaß, Dauer, individuelle Reaktion und klinische Folgen [3, 4, 7, LL4].

Eine problematische niedrige Energieverfügbarkeit kann unter anderem folgende Bereiche beeinträchtigen:

  • Energiestoffwechsel
  • Reproduktionsfunktion
  • Knochengesundheit
  • Hämatopoese (Blutbildung) und Eisenstoffwechsel
  • Immunfunktion
  • Proteinsynthese
  • kardiovaskuläre Funktion (Herz-Kreislauf-Funktion)
  • gastrointestinale Funktion (Magen-Darm-Funktion)
  • psychische Gesundheit
  • Trainingsanpassung und sportliche Leistungsfähigkeit

Zwischen REDs, nichtfunktionellem Overreaching und Übertrainingssyndrom bestehen erhebliche symptomatische Überschneidungen. Müdigkeit, Leistungsabfall, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, wiederholte Erkrankungen und verzögerte Regeneration können bei allen drei Konstellationen auftreten [3, 4].

REDs darf weder automatisch mit einem Übertrainingssyndrom gleichgesetzt noch bei dessen Abklärung übersehen werden. Die Metaanalyse von Kuikman et al. zeigte, dass bei einem Teil der überlasteten Sportler gleichzeitig Marker einer niedrigen Energieverfügbarkeit vorlagen, jedoch keine vollständige Übereinstimmung zwischen beiden Zuständen bestand [4]. Die aktuelle Metaanalyse von Gallant et al. bestätigt Zusammenhänge zwischen niedriger Energieverfügbarkeit, reduzierter Leistungsfähigkeit, beeinträchtigter Knochengesundheit und einem erhöhten Risiko für Knochenstressverletzungen, weist aber zugleich auf eine erhebliche methodische Heterogenität hin [7].

Hinweise auf REDs:

  • ungewollter oder forcierter Gewichtsverlust
  • restriktives Essverhalten oder Auslassen von Mahlzeiten
  • unzureichende Nahrungsaufnahme an intensiven Trainingstagen
  • Oligomenorrhoe (seltene Regelblutung) oder Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung)
  • verminderte Libido (vermindertes sexuelles Verlangen) oder reduzierte morgendliche Erektionen
  • wiederholte Knochenstressverletzungen
  • Kälteintoleranz
  • wiederkehrende Infekte
  • auffällige Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen
  • Leistungsstagnation trotz zunehmender Trainingsbelastung

Bei entsprechendem Verdacht kann das IOC REDs Clinical Assessment Tool Version 2 zur strukturierten Erfassung, Risikostratifizierung (Einteilung nach dem gesundheitlichen Risiko) und sportmedizinischen Entscheidungsfindung eingesetzt werden. Es ersetzt weder die ärztliche Diagnose noch die Differentialdiagnostik [LL4, LL5].

Symptome

Das klinische Erscheinungsbild ist unspezifisch und interindividuell unterschiedlich. Kein einzelnes Symptom bestätigt oder widerlegt die Diagnose. Das zentrale Merkmal ist ein objektivierbarer oder zumindest reproduzierbar dokumentierter, für den bisherigen Trainingsverlauf nicht plausibler Leistungsabfall, der über die übliche Regenerationszeit hinaus anhält [1, 2, LL1].

Bereich Mögliche Symptome und Befunde
Leistungsfähigkeit verminderte sportartspezifische Leistung, reduzierte Belastungstoleranz, vorzeitige Ermüdung, verlängerte Regeneration
Allgemeinbefinden anhaltende Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Energielosigkeit, subjektiv schwere Muskulatur
Psychische Funktion Motivationsverlust, Reizbarkeit, depressive Stimmung (anhaltend niedergeschlagene Stimmung), innere Unruhe, Ängstlichkeit oder emotionale Labilität
Schlaf Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf oder verändertes Schlafbedürfnis
Kognitive Funktion subjektive Konzentrationsminderung oder verminderte Aufmerksamkeit; belastbare Daten zu objektiven kognitiven Defiziten (Einschränkungen des Denkens und der Aufmerksamkeit) sind begrenzt
Autonome Regulation individuell veränderte Ruheherzfrequenz, atypische Herzfrequenzreaktion oder orthostatische Beschwerden (Beschwerden beim Aufstehen)
Bewegungsapparat persistierende Muskelbeschwerden, Gelenkschmerzen, Tendinopathien, wiederholte Verletzungen oder Knochenstressreaktionen
Infekte wiederkehrende oder ungewöhnlich lange andauernde Infektionen
Gastrointestinaltrakt Appetitveränderungen, Übelkeit, abdominelle Beschwerden oder verändertes Essverhalten
Reproduktive Funktion Zyklusstörungen (Störungen der Regelblutung), Amenorrhoe, verminderte Libido oder andere Hinweise auf REDs

Die aktuelle systematische Übersicht zu psychischen und kognitiven Auswirkungen fand bei nichtfunktionellem Overreaching und Übertrainingssyndrom Veränderungen von Stimmung, Stress, Burnout-Symptomen (Anzeichen körperlicher und seelischer Erschöpfung) und Müdigkeit. Die Studien waren jedoch heterogen; Aussagen zu objektivierbaren kognitiven Einschränkungen beruhen auf wenigen Untersuchungen [9].

Ein regelhafter Blutdruckanstieg, ein obligater Anstieg des morgendlichen Ruhepulses oder eine einheitliche Veränderung der Herzfrequenzvariabilität sind nicht belegt. Die autonomen Reaktionsmuster unterscheiden sich zwischen Sportlern, Trainingsformen und Stadien der Fehlanpassung [2].

Diagnostik

Die Diagnose beruht auf vier Komponenten:

  • Nachweis eines anhaltenden sportartspezifischen Leistungsabfalls,
  • Erfassung der trainingsbezogenen und nicht trainingsbezogenen Gesamtbelastung,
  • Erfassung körperlicher und psychischer Begleitsymptome sowie
  • Ausschluss anderer Ursachen [1, 2, LL1].

Anamnese:

  • Beginn, Dauer und Dynamik der Leistungsminderung
  • Vergleich mit früheren objektiven Leistungswerten
  • Trainingsumfang, Trainingsintensität und Intensitätsverteilung
  • jüngste Änderungen des Trainingsplans
  • Wettkämpfe, Trainingslager, Reisen und Höhenaufenthalte
  • Ruhetage, Entlastungsphasen und Regenerationsmaßnahmen
  • Schlafdauer, Schlafqualität und Tagesrhythmus
  • Energiezufuhr, Mahlzeitenstruktur und Kohlenhydratverfügbarkeit
  • Körpergewichts- und Körperzusammensetzungsverlauf
  • Menstruationszyklus, Libido und reproduktive Funktion
  • Infekte, chronische Erkrankungen, Schmerzen und Verletzungen
  • Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Stimulanzien und andere Substanzen
  • psychische Gesundheit, Stimmung, Motivation und psychosoziale Belastungen

Körperliche Untersuchung:

  • Allgemein- und Ernährungszustand
  • Körpergewicht und Verlauf
  • Blutdruck und Ruheherzfrequenz
  • gegebenenfalls orthostatische Herzfrequenz- und Blutdruckmessung
  • kardiopulmonaler Untersuchungsbefund
  • muskuloskelettaler Status
  • Hinweise auf Infektion oder systemische Erkrankung (den ganzen Körper betreffende Erkrankung)
  • Hinweise auf endokrine Störungen (Störungen des Hormonsystems), Mangelzustände oder REDs

Leistungsdiagnostik

Die objektive Dokumentation des Leistungsabfalls ist ein wesentliches diagnostisches Element. Geeignet sind reproduzierbare und möglichst sportartspezifische Untersuchungen, z. B.:

  • standardisierte submaximale Belastungstests,
  • Zeitfahr- oder Zeitlauftests,
  • Kraft-, Sprung- oder Sprinttests,
  • sportartspezifische Feldtests sowie
  • Spiroergometrie bei entsprechender Fragestellung.

Die Ergebnisse sollten mit individuellen Vorwerten unter vergleichbaren Bedingungen abgeglichen werden. Gruppenbezogene Normwerte ersetzen keine longitudinale Beurteilung. Tageszeit, Umgebung, Ernährung, Hydratation, vorausgegangene Belastung und verwendete Geräte sind bei der Interpretation zu berücksichtigen [LL2].

Eine aktuelle klinische Untersuchung fand bei Personen mit diagnostiziertem Übertrainingssyndrom im Gruppenvergleich eine geringere maximale Sauerstoffaufnahme und niedrigere Leistungen an den ventilatorischen Schwellen. Aufgrund erheblicher Überschneidungen mit gesunden Vergleichspersonen eignen sich diese Parameter jedoch nicht als isolierte diagnostische Tests [8].

Belastungs- und Erholungsmonitoring

Monitoring bezeichnet die wiederholte, standardisierte Erfassung von Belastung, Beanspruchung, Regeneration und Leistung. Die größte Aussagekraft entsteht aus der Kombination mehrerer individuell erhobener Parameter; ein einzelner Messwert genügt nicht [5, LL2, LL3].

Bereich Mögliche Parameter
Äußere Belastung Dauer, Distanz, Geschwindigkeit, Höhenmeter, bewegte Last, Wiederholungen und Beschleunigungen
Innere Beanspruchung Herzfrequenz, subjektives Belastungsempfinden und Session-RPE
Subjektive Regeneration Müdigkeit, Muskelbeschwerden, Schlafqualität, Stimmung, Motivation und Stress
Leistungsfähigkeit standardisierte submaximale oder maximale sportartspezifische Tests
Gesundheit Infekte, Schmerzen, Verletzungen, Körpergewichtsverlauf und Menstruationszyklus

Eine systematische Übersicht zeigte, dass subjektive Angaben zu Befinden, Müdigkeit, Schlaf und Stress auf akute und chronische Trainingsveränderungen häufig sensitiver und konsistenter reagierten als isolierte objektive Parameter [5]. Diese Angaben sind daher ein wesentlicher Bestandteil der Trainingssteuerung.

Subjektive Fragebögen sind jedoch nicht spezifisch. Auffällige Werte können ebenso durch Schlafstörungen, REDs, Infektionen, depressive Störungen, Angststörungen, beruflichen Stress oder andere Belastungen verursacht werden.

Laboruntersuchungen

Laborparameter 1. Ordnung – obligate Laboruntersuchungen

Es gibt keine obligaten Laboruntersuchungen zur Diagnose einer trainingsassoziierten Überlastung oder eines Übertrainingssyndroms. Kein derzeit verfügbarer Laborparameter verfügt über eine ausreichende Sensitivität und Spezifität zur Bestätigung oder zum Ausschluss der Diagnose [2, 6, LL1].

Laborparameter 2. Ordnung – in Abhängigkeit von Anamnese, körperlicher Untersuchung und 1. Ordnung – zur differentialdiagnostischen Abklärung

Die nachfolgenden Untersuchungen stellen kein routinemäßiges Übertrainingspanel dar. Ihre Auswahl richtet sich ausschließlich nach der klinischen Fragestellung.

  • Hämatologie: kleines oder großes Blutbild
  • Eisenstoffwechsel: Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung, gegebenenfalls löslicher Transferrinrezeptor
  • Entzündungsdiagnostik: C-reaktives Protein, gegebenenfalls Blutsenkungsgeschwindigkeit
  • Elektrolyte: Calcium, Chlorid, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphat
  • Kohlenhydratstoffwechsel: Nüchternglucose, gegebenenfalls HbA1c
  • Schilddrüse: Thyreoidea-stimulierendes Hormon, gegebenenfalls freies Thyroxin
  • Muskulatur: Creatinkinase (CK), gegebenenfalls Myoglobin bei ausgeprägten Muskelbeschwerden oder Verdacht auf Rhabdomyolyse (Zerfall von Muskelgewebe)
  • Leber: ALT (GPT), AST (GOT), GLDH, γ-GT, alkalische Phosphatase, Bilirubin
  • Niere: Harnstoff, Kreatinin, gegebenenfalls Cystatin C und geschätzte glomeruläre Filtrationsrate
  • Pankreas: Amylase, Lipase und gegebenenfalls Elastase ausschließlich bei entsprechender gastrointestinaler Fragestellung
  • Gerinnung: PTT, Quick/INR und Thrombozyten ausschließlich bei klinischer Indikation
  • Vitaminstatus: 25-Hydroxy-Vitamin D, Vitamin B12 und Folsäure bei entsprechender Anamnese oder klinischem Verdacht
  • Endokrine und reproduktive Diagnostik: je nach Geschlecht und Symptomatik Follikel-stimulierendes Hormon, luteinisierendes Hormon, Estradiol, Progesteron, Testosteron, Sexualhormon-bindendes Globulin und Prolactin
  • Schwangerschaftsausschluss: β-humanes Choriongonadotropin bei Amenorrhoe und möglicher Schwangerschaft
  • Herz: hochsensitives kardiales Troponin T oder hochsensitives kardiales Troponin I sowie NT-proBNP ausschließlich bei kardialen Symptomen oder klinischem Verdacht
  • Thromboembolie (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel): D-Dimere ausschließlich bei geeigneter klinischer Vortestwahrscheinlichkeit
  • Infektionsdiagnostik: erregerspezifische Untersuchungen bei klinischem Verdacht

Creatinkinase (CK), Harnstoff, Cortisol, Testosteron, das Testosteron/Cortisol-Verhältnis, Lactat, Leukozytensubpopulationen und andere immunologische Parameter werden durch Trainingsform, Zeitpunkt der Blutentnahme, Ernährung, Hydratation, Tagesrhythmus und zahlreiche individuelle Faktoren beeinflusst. Sie sind weder einzeln noch als nicht validierte Quotienten zur Diagnose eines Übertrainingssyndroms geeignet [2, 6].

Die Metaanalyse von Greenham et al. identifizierte während intensivierter Trainingsphasen einzelne Veränderungen biochemischer und hämatologischer Parameter. Die interindividuelle Variabilität war jedoch groß, und zahlreiche Veränderungen traten unabhängig von einer relevanten Leistungsminderung auf. Daraus lässt sich kein allgemeingültiges diagnostisches Biomarkerpanel ableiten [6].

Weitere apparative Diagnostik

Apparative Untersuchungen richten sich nach Symptomatik und Differentialdiagnose:

  • Ruhe-Elektrokardiogramm und gegebenenfalls Langzeit-Elektrokardiogramm bei Palpitationen (Herzklopfen oder Herzstolpern), Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit) oder Rhythmusverdacht
  • Echokardiographie und kardiale Bildgebung bei Verdacht auf strukturelle Herzerkrankung oder Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
  • Spirometrie oder bronchiale Provokationsdiagnostik bei Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung)
  • Bildgebung des Bewegungsapparates bei lokalisiertem Schmerz oder Verdacht auf Knochenstressverletzung
  • schlafmedizinische Diagnostik bei Hinweisen auf Insomnie (Schlaflosigkeit), Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf) oder andere Schlafstörungen

Stroboskopische Untersuchungen, Flimmerverschmelzungsfrequenzen oder unspezifische neurophysiologische Reaktionstests sind keine etablierte Routinediagnostik des Übertrainingssyndroms.

Differentialdiagnosen

Gruppe Wichtige Differentialdiagnosen
Endokrine und metabolische Ursachen Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze), Nebennierenerkrankungen (Erkrankungen der Hormondrüsen oberhalb der Nieren), Schilddrüsenerkrankungen (Erkrankungen der Schilddrüse)
Ernährungsmedizinische Ursachen Essstörung, niedrige Energieverfügbarkeit, Protein- oder Mikronährstoffmangel, REDs
Hämatologische Ursachen andere Anämien (andere Formen der Blutarmut), Eisenmangel, Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel)
Infektiöse Erkrankungen akute oder persistierende bakterielle Infektion (Infektion durch Bakterien), postinfektiöser Zustand, Virusinfektion (Infektion durch Viren)
Kardiologische Erkrankungen Herzrhythmusstörungen (Störungen des Herzschlags), Myokarditis, Perikarditis (Herzbeutelentzündung), strukturelle Herzerkrankungen
Lokale Überlastungsschäden Gelenkpathologie (Gelenkerkrankung), Knochenstressverletzung, Muskelverletzung (Verletzung eines Muskels), Tendinopathie
Medikamente und Substanzen Alkohol, Arzneimittelnebenwirkungen (unerwünschte Wirkungen von Medikamenten), Dopingmittel (verbotene leistungssteigernde Mittel), nicht deklarierte Supplementbestandteile, Stimulanzien
Neurologische und systemische Erkrankungen entzündlich-rheumatische (entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates), gastrointestinale, neurologische oder andere systemische Erkrankungen
Pneumologische Erkrankungen Asthma bronchiale (Asthma der Atemwege), belastungsinduzierte Bronchokonstriktion (belastungsbedingte Verengung der Atemwege), andere pulmonale Erkrankungen
Psychische Erkrankungen Anpassungsstörung (seelische Reaktion auf eine belastende Lebensveränderung), Angststörung, depressive Störung, Essstörung, substanzbezogene Störung (Abhängigkeits- oder Missbrauchserkrankung)
Schlafmedizinische Ursachen Insomnie, Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine), Schlafapnoe, zirkadiane Schlaf-Wach-Störung (Störung des Tag-Nacht-Schlafrhythmus)

Besondere Bedeutung besitzen Eisenmangel, Infektionen, Schilddrüsenerkrankungen, Schlafstörungen, depressive Erkrankungen, Essstörungen und REDs, da sie ähnliche Beschwerden und Leistungseinbußen hervorrufen können. Eine dieser Störungen kann außerdem gleichzeitig mit einem Übertrainingssyndrom vorliegen [2, 3, 9].

Therapie

Kontrollierte Interventionsstudien zur Behandlung eines gesicherten Übertrainingssyndroms fehlen weitgehend. Die Therapie ist daher individualisiert, symptomorientiert und auf die identifizierten Ursachen und Kofaktoren auszurichten [LL1, LL3].

Belastungsanpassung:

  • Unterbrechung hochintensiver oder erschöpfender Trainingseinheiten
  • deutliche Reduktion von Trainingsumfang und Wettkampfbelastung
  • vorübergehender Wettkampfverzicht bei ausgeprägter Leistungsminderung
  • bei schwerer Symptomatik initiale vollständige Trainingspause
  • leichte körperliche Aktivität nur bei guter Verträglichkeit und ohne nachfolgende Symptomverstärkung

Bei funktionellem Overreaching genügt meist eine geplante kurzfristige Entlastung. Nichtfunktionelles Overreaching erfordert häufig eine deutlich längere Belastungsreduktion. Beim Übertrainingssyndrom kann sich die Wiederherstellung über mehrere Monate erstrecken [LL1].

Behandlung zugrunde liegender Faktoren:

  • Therapie von Infektionen, Eisenmangel, endokrinen oder anderen Erkrankungen
  • vollständige Rehabilitation von Verletzungen
  • Wiederherstellung einer ausreichenden Energie- und Kohlenhydratverfügbarkeit
  • multidisziplinäre Behandlung bei REDs oder Essstörung
  • Behandlung relevanter Schlafstörungen
  • Reduktion psychosozialer Belastungen
  • sportpsychologische oder psychotherapeutische Unterstützung bei entsprechender Indikation

Ernährung:

Die Energiezufuhr ist an den tatsächlichen Trainings- und Gesamtenergieverbrauch anzupassen. Während umfangreicher oder hochintensiver Trainingsphasen ist besonders auf eine ausreichende Kohlenhydratverfügbarkeit zu achten. Die Proteinzufuhr sollte dem individuellen Bedarf entsprechen und über den Tag verteilt werden [3, 4, LL4].

Eine pauschale Einnahme von Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, Antioxidanzien oder hormonell wirksamen Präparaten ist keine evidenzbasierte Therapie des Übertrainingssyndroms. Eine Supplementierung ist bei nachgewiesenem Defizit, erhöhtem individuellen Bedarf oder klarer medizinischer Indikation vorzunehmen.

Schlaf:

Schlafdauer und Schlafqualität sind wesentliche Komponenten der Regeneration. Eine für alle Sportler geltende optimale Schlafdauer existiert nicht. Die Schlafplanung sollte den individuellen Schlafbedarf, Trainingszeiten, Wettkämpfe, Reisen und zirkadiane Belastungen berücksichtigen [LL6].

Stufenweiser Wiederaufbau des Trainings

Für das Übertrainingssyndrom existiert kein validiertes universelles Return-to-Sport-Protokoll. Das folgende Vorgehen ist deshalb als pragmatisches klinisches Stufenmodell und nicht als evidenzbasierter Standardalgorithmus zu verstehen [1, 2, LL1].

Phase Vorgehen Voraussetzung für die nächste Phase
1. Stabilisierung Trainingspause oder deutliche Entlastung; Behandlung medizinischer, ernährungsbezogener und psychischer Faktoren deutliche Besserung der Beschwerden im Alltag
2. Leichte Aktivität kurze, niedrigintensive und symptomlimitierte Bewegung keine relevante Symptomzunahme während der Belastung oder in der nachfolgenden Erholung
3. Umfangsaufbau schrittweise Erhöhung der Trainingsdauer bei niedriger bis moderater Intensität stabile Erholung und wiederholte Verträglichkeit
4. Intensitätsaufbau graduelle Integration höherer Intensitäten und sportartspezifischer Inhalte stabile Leistung ohne erneute prolongierte Ermüdung
5. Wettkampfvorbereitung vollständiges sportartspezifisches Training und kontrollierte Wettkampfbelastung klinische Stabilität und ausreichende sportartspezifische Leistungsfähigkeit

Trainingshäufigkeit, Trainingsumfang und Trainingsintensität sollten nicht gleichzeitig sprunghaft erhöht werden. Bei erneutem Leistungsabfall, zunehmender Müdigkeit, Schlafverschlechterung, Stimmungsverschlechterung oder Schmerzen ist die Belastung zu reduzieren und die Differentialdiagnostik erneut zu überprüfen.

Return to Sport

Für die vollständige Rückkehr in Training und Wettkampf bestehen keine universellen zeitlichen Grenzwerte oder validierten Einzelkriterien. Die Entscheidung erfolgt individuell und sollte Sportler, Trainer sowie sportmedizinisches und gegebenenfalls sportpsychologisches oder ernährungsmedizinisches Betreuungspersonal einbeziehen [LL1, LL3].

Voraussetzungen:

  • weitgehende Beschwerdefreiheit im Alltag
  • stabile Schlafqualität und psychische Verfassung
  • Behandlung relevanter Erkrankungen und Mangelzustände
  • ausreichende Energie- und Kohlenhydratverfügbarkeit
  • keine Hinweise auf eine aktive Infektion oder relevante kardiale Erkrankung
  • Verträglichkeit stufenweise gesteigerter Trainingsbelastungen
  • deutliche Annäherung an individuelle frühere Leistungswerte
  • etabliertes Belastungs- und Erholungsmonitoring

Prävention

  • Individualisierte Periodisierung: planmäßiger Wechsel zwischen Belastungs-, Erhaltungs- und Entlastungsphasen
  • Graduelle Progression: Anpassung an Trainingsalter, Gesundheitszustand und vorausgegangene Belastung
  • Belastungsvariation: Variation von Umfang, Intensität, Trainingsform und beanspruchten Geweben
  • Longitudinales Monitoring: gemeinsame Erfassung von äußerer Belastung, innerer Beanspruchung, Befinden und Leistungsfähigkeit
  • Ausreichende Energieversorgung: Anpassung von Energie- und Kohlenhydratzufuhr an Training und Wettkampf
  • Schlafmanagement: ausreichende Schlafgelegenheiten und Berücksichtigung von Reisen und Wettkampfzeiten
  • Infektmanagement: Trainingsreduktion bei akuter Erkrankung und kontrollierter Wiedereinstieg
  • Verletzungsmanagement: vollständige Rehabilitation und Vermeidung kompensatorischer Fehlbelastungen
  • Psychische Gesundheit: frühzeitige Erfassung psychischer und psychosozialer Belastungen
  • Kommunikationskultur: angstfreie Mitteilung von Müdigkeit, Schmerzen, Schlafproblemen und Motivationsverlust

Starre universelle Grenzwerte der wöchentlichen Belastungssteigerung oder einzelne Belastungsquotienten sind nicht geeignet, eine Überlastung zuverlässig vorherzusagen. Entscheidend sind individuelle Referenzwerte, der zeitliche Verlauf, die aktuelle Belastbarkeit und die gemeinsame Interpretation mehrerer Parameter [LL2, LL3].

Warnzeichen

Eine zeitnahe oder dringliche ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:

  • Thoraxschmerzen (Schmerzen im Brustkorb)
  • Synkope oder Präsynkope (Beinahe-Bewusstlosigkeit)
  • ausgeprägten Palpitationen
  • ungewöhnlicher Belastungsdyspnoe
  • fieberhafter Erkrankung
  • Verdacht auf Myokarditis
  • dunklem Urin, ausgeprägten Muskelschmerzen oder Muskelschwäche
  • lokalisiertem Knochenschmerz
  • ungeklärtem Gewichtsverlust
  • sekundärer Amenorrhoe
  • wiederholten Knochenstressverletzungen
  • ausgeprägter depressiver Symptomatik
  • Selbstverletzungs- oder Suizidgedanken (Gedanken an Selbstverletzung oder Selbsttötung)
  • über mehrere Wochen fortschreitender Leistungsminderung

Fazit

Trainingsassoziierte Überlastung entsteht aus einem Missverhältnis zwischen der individuellen Gesamtbeanspruchung und den verfügbaren Regenerationsressourcen. Sie umfasst ein Kontinuum von physiologischer akuter Ermüdung über funktionelles und nichtfunktionelles Overreaching bis zum Übertrainingssyndrom.

Das Übertrainingssyndrom ist eine klinische Ausschlussdiagnose. Ein diagnostischer Einzelmarker, ein spezifisches Hormonprofil, ein allgemeingültiges Herzfrequenzmuster oder ein validiertes Biomarkerpanel existieren nicht. Wesentlich sind ein anhaltender sportartspezifischer Leistungsabfall, eine longitudinale Beurteilung der Belastung und Erholung sowie der systematische Ausschluss anderer Erkrankungen.

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Abgrenzung von REDs, Eisenmangel, Infektionen, endokrinen Erkrankungen, Schlafstörungen, psychischen Erkrankungen und lokalen Überlastungsschäden. Prävention und Behandlung beruhen auf individualisierter Trainingssteuerung, ausreichender Energie- und Kohlenhydratverfügbarkeit, adäquatem Schlaf, Behandlung medizinischer und psychischer Begleiterkrankungen sowie einer offenen Kommunikation zwischen Sportler, Trainer und Betreuungsteam.

Literatur

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  7. Gallant TL, Ong LF, Wong L et al.: Low Energy Availability and Relative Energy Deficiency in Sport: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med. 2025;55(2):325-339. doi:10.1007/s40279-024-02130-0 [7]
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  9. Valdesalici A, Sella E, Domenicucci R et al.: Effects of non-functional overreaching and overtraining syndrome on psychological and cognitive functioning in elite athletes: A systematic review. Psychol Sport Exerc. 2026;84:103079. doi:10.1016/j.psychsport.2026.103079 [9]
  10. Grandou C, Wallace L, Impellizzeri FM et al.: Overtraining in Resistance Exercise: An Exploratory Systematic Review and Methodological Appraisal of the Literature. Sports Med. 2020;50(4):815-828. doi:10.1007/s40279-019-01242-2 [10]

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

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  2. Bourdon PC, Cardinale M, Murray A et al.: Monitoring Athlete Training Loads: Consensus Statement. Int J Sports Physiol Perform. 2017;12(Suppl 2):S2-161-S2-170. doi:10.1123/IJSPP.2017-0208 [LL2]
  3. Kellmann M, Bertollo M, Bosquet L et al.: Recovery and Performance in Sport: Consensus Statement. Int J Sports Physiol Perform. 2018;13(2):240-245. doi:10.1123/ijspp.2017-0759 [LL3]
  4. Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM et al.: 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med. 2023;57(17):1073-1097. doi:10.1136/bjsports-2023-106994 [LL4]
  5. Stellingwerff T, Mountjoy M, McCluskey WT et al.: Review of the scientific rationale, development and validation of the International Olympic Committee Relative Energy Deficiency in Sport Clinical Assessment Tool: V.2 (IOC REDs CAT2)-by a subgroup of the IOC consensus on REDs. Br J Sports Med. 2023;57(17):1109-1118. doi:10.1136/bjsports-2023-106914 [LL5]
  6. Walsh NP, Halson SL, Sargent C et al.: Sleep and the athlete: narrative review and 2021 expert consensus recommendations. Br J Sports Med. 2021;55(7):356-368. doi:10.1136/bjsports-2020-102025 [LL6]