Trainingssteuerung
Die Trainingssteuerung bezeichnet den fortlaufenden, systematischen Prozess, mit dem Trainingsziele definiert, Trainingsreize geplant, die tatsächlich absolvierte Trainingsdosis erfasst, die individuelle psychophysiologische Reaktion beurteilt und nachfolgende Trainingsmaßnahmen angepasst werden. Sie verbindet damit Trainingsplanung, Trainingskontrolle und situationsabhängige Regulation zu einem rückgekoppelten Regelkreis [1-3, LL1].
Ein Trainingsplan ist keine unveränderliche Vorgabe, sondern eine überprüfbare Annahme darüber, welche Trainingsdosis bei einem bestimmten Sportler unter den jeweiligen Bedingungen die angestrebte Anpassung hervorruft. Ob diese Annahme zutrifft, zeigt sich erst aus dem zeitlichen Zusammenhang zwischen absolvierter Trainingsarbeit, interner Beanspruchung, aktuellem Funktionszustand, gesundheitlicher Verträglichkeit und längerfristiger Leistungsentwicklung [1, 2].
Trainingsmonitoring ist dabei kein Selbstzweck. Die Erhebung zusätzlicher Daten ist nur dann sinnvoll, wenn die Messgrößen ausreichend valide und reliabel sind, unter standardisierten Bedingungen erhoben werden und eine konkrete Trainingsentscheidung unterstützen. Ein einzelner Messwert erlaubt weder eine sichere Beurteilung der Trainingsbereitschaft noch eine zuverlässige individuelle Vorhersage von Verletzungen, Erkrankungen oder Übertraining [1, 2, 11-15, LL4, LL5, LL7].
Ziele der Trainingssteuerung
Die Trainingssteuerung verfolgt insbesondere folgende Ziele [1, 2, LL1]:
- Trainingsreize sportartspezifisch und individuell zu dosieren,
- kurz-, mittel- und langfristige Leistungsanpassungen zu fördern,
- die tatsächlich absolvierte Belastung mit der geplanten Trainingsdosis abzugleichen,
- ungewöhnlich hohe oder niedrige psychophysiologische Reaktionen zu erkennen,
- Training und Regeneration aufeinander abzustimmen,
- Belastungssteigerungen nachvollziehbar zu planen,
- gesundheitlich ungünstige Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und
- Trainingsentscheidungen transparent und überprüfbar zu begründen.
Das Ziel ist nicht die Maximierung einzelner Trainingskennzahlen, sondern die Optimierung des Verhältnisses zwischen wirksamem Trainingsreiz, ausreichender Erholung, gesundheitlicher Verträglichkeit und sportartspezifischer Leistungsentwicklung.
Grundmodell der Trainingssteuerung
Für eine präzise Trainingssteuerung müssen mehrere Ebenen voneinander unterschieden werden. Die Begriffe werden in der Literatur nicht immer einheitlich verwendet. Inhaltlich entscheidend ist die Trennung zwischen verordneter Trainingsmaßnahme, objektiv absolvierter Arbeit, individueller Reaktion und längerfristigem Trainingseffekt [1-3].
| Ebene | Zentrale Frage | Typische Messgrößen | Bedeutung |
| Trainingsplanung | Welcher Reiz soll gesetzt werden? | Trainingsart, Intensität, Umfang, Dichte, Häufigkeit, Übungsauswahl, Progression | Prospektive Festlegung der Trainingsdosis |
| Externe Belastung | Welche objektive Arbeit wurde tatsächlich absolviert? | Dauer, Distanz, Geschwindigkeit, Leistung, Wiederholungen, bewegte Last, Sprünge, Beschleunigungen | Abgleich zwischen Planung und tatsächlicher Umsetzung |
| Interne Beanspruchung | Wie reagierte der Organismus auf die absolvierte Arbeit? | Herzfrequenz, subjektives Belastungsempfinden, Session-RPE, Lactat, Sauerstoffaufnahme | Individualisierung der Belastungsbewertung |
| Aktueller Funktionszustand | Wie belastbar und erholt ist der Sportler aktuell? | Schlaf, Müdigkeit, Muskelbeschwerden, Stress, Herzfrequenzvariabilität, standardisierte Leistungstests | Anpassung der unmittelbar bevorstehenden Trainingseinheit |
| Trainingseffekt | Führt das Training zur angestrebten Anpassung? | Leistungsdiagnostik, Maximalkraft, Schwellenleistung, Bewegungsökonomie, sportartspezifische Leistung | Überprüfung der mittel- und langfristigen Wirksamkeit |
| Gesundheit | Wird das Training gesundheitlich toleriert? | Schmerzen, Verletzungen, Erkrankungssymptome, klinische Befunde | Belastungsmodifikation oder sportmedizinische Abklärung |
Diese Ebenen dürfen nicht gleichgesetzt werden. Eine hohe externe Belastung kann bei einem gut trainierten und erholten Sportler eine moderate interne Beanspruchung verursachen. Dieselbe externe Belastung kann bei Schlafmangel, Hitze, Flüssigkeitsdefizit, psychischem Stress oder beginnender Erkrankung mit einer deutlich höheren Beanspruchung einhergehen [1-3, 17].
Regelkreis der Trainingssteuerung
Eine systematische Trainingssteuerung folgt einem wiederkehrenden Regelkreis:
- Ausgangslage erfassen: Gesundheitszustand, Trainingsanamnese, Trainingsalter, Leistungsniveau, vorausgegangene Verletzungen, sportartspezifische Anforderungen und verfügbare Ressourcen beurteilen.
- Ziele definieren: kurz-, mittel- und langfristige Leistungs-, Technik-, Gesundheits- oder Rehabilitationsziele festlegen.
- Trainingsdosis planen: Trainingsart, Intensität, Umfang, Dichte, Häufigkeit, Übungsauswahl und Progression bestimmen.
- Umsetzung dokumentieren: die tatsächlich absolvierte externe Belastung erfassen.
- Reaktion beurteilen: interne Beanspruchung, Befindlichkeit, Erholung, Beschwerden und gegebenenfalls objektive Leistungsmarker auswerten.
- Anpassung überprüfen: anhand standardisierter Leistungsdiagnostik beurteilen, ob sich die angestrebten Veränderungen entwickeln.
- Training modifizieren: Trainingsdosis beibehalten, steigern, reduzieren, anders verteilen oder vorübergehend aussetzen.
- Wirkung der Entscheidung kontrollieren: prüfen, ob die vorgenommene Anpassung den erwarteten Effekt erzielt.
Die Interpretation erfolgt longitudinal. Einzelmessungen können für diagnostische Tests geeignet sein, stellen aber noch kein Monitoring dar. Monitoring setzt wiederholte, systematische Messungen voraus, anhand derer individuelle Veränderungen und deren zeitlicher Verlauf beurteilt werden können [1].
Belastungsnormative
Die Trainingsdosis wird durch mehrere Belastungsnormative bestimmt:
- Trainingsart: z. B. Ausdauer-, Kraft-, Schnelligkeits-, Koordinations-, Technik- oder Beweglichkeitstraining.
- Intensität: Anforderungsniveau des Trainingsreizes in Relation zu einer definierten Bezugsgröße.
- Umfang: gesamte Dauer, Distanz, Wiederholungszahl, Satzzahl oder verrichtete Arbeit.
- Dichte: zeitliches Verhältnis von Belastungs- und Erholungsphasen.
- Häufigkeit: Anzahl der Trainingseinheiten innerhalb eines definierten Zeitraums.
- Komplexität: koordinative, technische, taktische und kognitive Anforderungen.
- Progression: geplante Veränderung eines oder mehrerer Belastungsmerkmale über die Zeit.
Intensitätsangaben müssen erkennen lassen, auf welche Bezugsgröße sie sich beziehen. Prozentwerte der maximalen Herzfrequenz, der maximalen Sauerstoffaufnahme, der maximalen aeroben Geschwindigkeit, der kritischen Leistung und des Einwiederholungsmaximums sind nicht austauschbar. Auch verbale Kategorien müssen eindeutig operationalisiert werden. Der gemeinsame Expertenkonsens von ACSM und Exercise and Sport Science Australia empfiehlt die Intensitätskategorien sehr niedrig, niedrig, moderat, hoch und sehr hoch; für die individuelle Trainingssteuerung sind dennoch sportart- und methodenspezifische Bezugswerte erforderlich [LL3].
Erfassung der externen Belastung
Die externe Belastung beschreibt die objektiv absolvierte körperliche oder sportartspezifische Arbeit, unabhängig davon, wie der einzelne Sportler darauf reagiert [1-3, LL1].
Im Ausdauertraining:
- Trainingsdauer und Trainingshäufigkeit,
- Distanz und Höhenmeter,
- Geschwindigkeit beziehungsweise Tempo,
- mechanische Leistung,
- Zeit in definierten Intensitätsbereichen,
- Anzahl, Dauer und Intensität von Intervallen sowie
- sportartspezifische Größen wie Trittfrequenz, Schrittfrequenz oder Schlagzahl.
Im Krafttraining:
- Übungsauswahl und Bewegungsumfang,
- Anzahl der Sätze und Wiederholungen,
- absolute und relative Last,
- Wiederholungs- und Bewegungsgeschwindigkeit,
- Geschwindigkeitsverlust innerhalb eines Satzes,
- Pausendauer sowie
- gegebenenfalls Gesamtvolumen als Produkt aus Last und Wiederholungszahl.
In Spiel- und Mannschaftssportarten:
- Gesamtdistanz,
- Hochgeschwindigkeitsläufe und Sprints,
- Beschleunigungen und Verzögerungen,
- Richtungswechsel,
- Sprünge und Landungen,
- Körperkontakte,
- Spielminuten sowie
- positionsspezifische technische und taktische Aktionen.
Die Aussagekraft satellitenbasierter Ortungssysteme und Beschleunigungssensoren hängt von Gerät, Messfrequenz, Sensorposition, Bewegungsmuster und Auswertungsalgorithmus ab. Insbesondere accelerometriebasierte Summenparameter weisen je nach System und Bewegungsaufgabe unterschiedliche Validität und Reliabilität auf. Für Längsschnittvergleiche sollten deshalb möglichst dasselbe Gerät, dieselbe Positionierung, dieselben Einstellungen und dasselbe Auswertungsverfahren verwendet werden [14].
Erfassung der internen Beanspruchung
Die interne Beanspruchung beschreibt die akute psychophysiologische Reaktion auf die absolvierte externe Belastung. Sie ist erforderlich, weil dieselbe objektive Trainingsarbeit inter- und intraindividuell unterschiedlich beantwortet werden kann [1-3, 17].
Herzfrequenz: Die Herzfrequenz eignet sich insbesondere zur Steuerung und Dokumentation kontinuierlicher oder intervallartiger Ausdauerbelastungen. Bei sehr kurzen, hochintensiven Belastungen, Krafttraining und explosiven Bewegungen bildet sie die neuromuskuläre und mechanische Beanspruchung nur unvollständig ab. Hitze, Höhe, Flüssigkeitshaushalt, Medikamente, emotionale Aktivierung, vorausgegangene Belastung und Erkrankungen müssen bei der Interpretation berücksichtigt werden [17].
Lactat: Lactatmessungen können zur individuellen Bestimmung von Intensitätsbereichen und zur Verlaufskontrolle standardisierter Belastungstests eingesetzt werden. Das Ergebnis wird unter anderem durch Belastungsprotokoll, Belastungsdauer, Trainingszustand, Ernährung, Glykogenverfügbarkeit, Entnahmezeitpunkt und individuelle Lactatkinetik beeinflusst. Ein isolierter Lactatwert ohne standardisiertes Protokoll ist daher nur eingeschränkt interpretierbar [17].
Subjektives Belastungsempfinden: Das subjektive Belastungsempfinden (Rating of Perceived Exertion, RPE) integriert unterschiedliche periphere und zentrale Belastungssignale. Bei standardisierter Instruktion kann es sportartübergreifend zur Beurteilung der relativen Anstrengung eingesetzt werden [4, 6].
Session-RPE: Bei der Session-RPE-Methode wird das globale subjektive Belastungsempfinden einer Trainingseinheit mit deren Dauer multipliziert:
Session-RPE = Dauer der Trainingseinheit in Minuten × subjektives Belastungsempfinden
Das Ergebnis wird in arbiträren Einheiten angegeben. Es handelt sich nicht um eine physikalische Arbeitsgröße, sondern um einen pragmatischen Index der wahrgenommenen Gesamtbeanspruchung. Verwendete Skala, Instruktion und Zeitpunkt der Befragung müssen innerhalb des Monitoringsystems konstant gehalten werden [6].
Bei Einheiten mit stark unterschiedlichen Belastungsanteilen kann ein einzelner globaler Session-RPE-Wert relevante Unterschiede zwischen kardiovaskulärer, muskulärer und technischer Beanspruchung verdecken. In solchen Situationen können zusätzliche differenzierte Bewertungen sinnvoll sein.
Subjektives Befindlichkeits- und Erholungsmonitoring
Standardisierte Selbstauskünfte können Schlafqualität, Müdigkeit, Muskelbeschwerden, psychischen Stress, Stimmung, Motivation und wahrgenommene Erholung erfassen. In einer systematischen Übersichtsarbeit reagierten subjektive Parameter häufig sensitiver und konsistenter auf akute und chronische Belastungsveränderungen als zahlreiche isolierte objektive Marker [4].
Die Messqualität vieler im Sport verwendeter Einzelfragen und Fragebögen ist jedoch nur unvollständig untersucht. Eine systematische Bewertung nach den COSMIN-Kriterien zeigte erhebliche methodische Defizite und eine insgesamt begrenzte Evidenz für zahlreiche sportlerspezifische Selbstauskunftsinstrumente [5]. Dies spricht nicht gegen ihre Verwendung, sondern für eine standardisierte, zurückhaltende Interpretation innerhalb desselben Sportlers.
Voraussetzungen für eine verwertbare Erhebung sind:
- kurze und eindeutig formulierte Fragen,
- konstante Skalen und Erhebungszeitpunkte,
- ausreichende Vertrautheit mit dem Instrument,
- hohe Erhebungsadhärenz,
- vertrauliche und transparente Datenverarbeitung sowie
- vorab definierte Konsequenzen auffälliger Angaben.
Subjektive Daten sollten nicht isoliert interpretiert werden. Besonders aussagekräftig ist ihre gemeinsame Betrachtung mit externer Belastung, interner Beanspruchung, Leistungsmarkern und Gesundheitsdaten [1, 4, 5].
Herzfrequenzvariabilität
Die Herzfrequenzvariabilität beschreibt die zeitliche Variation aufeinanderfolgender Herzschläge und wird insbesondere zur Beurteilung der autonomen kardialen Regulation verwendet.
Eine Metaanalyse mit acht Studien und insgesamt 198 Teilnehmern zeigte für herzfrequenzvariabilitätsgesteuertes gegenüber vorab festgelegtem Ausdauertraining einen statistisch signifikanten Vorteil bei submaximalen physiologischen Parametern. Für maximale Sauerstoffaufnahme und sportliche Leistungsendpunkte waren die Effekte klein und nicht statistisch signifikant [7].
Für eine methodisch angemessene Anwendung sind erforderlich:
- Messungen unter möglichst standardisierten Bedingungen,
- konstante Tageszeit und Körperposition,
- ausreichende Signalqualität und Artefaktkontrolle,
- eine individuelle Referenzphase,
- Betrachtung von Trends oder gleitenden Mittelwerten sowie
- gemeinsame Interpretation mit Schlaf, Befindlichkeit, Erkrankungssymptomen und Trainingsbelastung.
Ein einzelner hoher oder niedriger Wert belegt weder vollständige Erholung noch mangelnde Trainingsbereitschaft. Eine Trainingsänderung allein aufgrund eines isolierten Tageswerts ist nicht ausreichend abgesichert [1, 7].
Neuromuskuläres Monitoring
Neuromuskuläre Tests können Veränderungen der Kraft-, Schnellkraft- oder Bewegungsleistung erfassen. Häufig verwendete Verfahren sind:
- standardisierte vertikale Sprungtests,
- isometrische Krafttests,
- Messungen der Bewegungsgeschwindigkeit bei standardisierten Lasten,
- Sprinttests sowie
- sportartspezifische Reaktivkraft- oder Richtungswechseltests.
Der Sprung mit vorbereitender Ausholbewegung (Countermovement Jump) wird häufig zur Erfassung neuromuskulärer Veränderungen verwendet. Eine Metaanalyse ergab, dass die durchschnittliche Sprunghöhe mehrerer Versuche sensitiver war als ausschließlich der jeweils beste Versuch [8].
Die Sprunghöhe allein kann jedoch Veränderungen der Bewegungsstrategie übersehen. Bei Verwendung einer validierten Kraftmessplatte können zusätzliche Kraft-Zeit-Parameter, Impuls, Dauer der Abwärtsbewegung und Kontraktionszeit ergänzende Informationen liefern. Kein einzelner Sprungparameter besitzt eine ausreichende Spezifität zur Diagnose von Überlastung oder zur individuellen Vorhersage einer Verletzung [1, 8].
Ein neuromuskulärer Monitoringtest ist nur sinnvoll, wenn er:
- ausreichend valide und reliabel ist,
- für die jeweilige Sportart und Fragestellung relevant ist,
- unter standardisierten Bedingungen durchgeführt wird,
- nur eine geringe zusätzliche Ermüdung verursacht und
- eine konkrete Trainingsentscheidung beeinflussen kann.
Autoregulation im Krafttraining
Die tagesaktuelle Kraftleistungsfähigkeit kann durch vorausgegangenes Training, Schlaf, Ernährung, psychischen Stress, Motivation und Erkrankungen schwanken. Autoregulative Verfahren ermöglichen daher eine Anpassung von Last, Wiederholungszahl oder Satzzahl an die aktuelle Leistungsfähigkeit.
Wiederholungen in Reserve: Bei den Wiederholungen in Reserve (Repetitions in Reserve, RIR) schätzt der Sportler, wie viele technisch korrekte Wiederholungen bis zum momentanen Muskelversagen noch möglich gewesen wären. Voraussetzung sind ausreichende Trainingserfahrung, eine standardisierte Bewegungsausführung und Vertrautheit mit hohen Anstrengungsgraden.
Metaregressionsanalysen sprechen dafür, dass Kraftzuwächse über einen relativ breiten Bereich der Nähe zum Muskelversagen erreicht werden können. Für Muskelhypertrophie besteht im Mittel eine positive Beziehung zu einem Training näher am Muskelversagen; eine exakt optimale Distanz zum Muskelversagen lässt sich aus der aktuellen Evidenz jedoch nicht bestimmen [9]. Der ACSM-Positionsstand von 2026 bewertet ein Training bis zum momentanen Muskelversagen für gesunde Erwachsene nicht als obligate Voraussetzung für Kraft- oder Muskelzuwachs [LL2].
Geschwindigkeitsbasiertes Krafttraining: Beim geschwindigkeitsbasierten Krafttraining wird die konzentrische Bewegungsgeschwindigkeit zur Laststeuerung, zur Beurteilung der tagesaktuellen Leistungsfähigkeit oder zur Begrenzung des Geschwindigkeitsverlusts innerhalb eines Satzes verwendet.
Eine Metaanalyse von 2026 zeigte gegenüber rein prozentbasierter Belastungsvorgabe kleine Vorteile für Sprungleistung und Richtungswechselfähigkeit. Für Maximalkraft und Sprintleistung bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede [10]. Geschwindigkeitsbasiertes Training ist damit ein mögliches Steuerungsinstrument, aber nicht grundsätzlich allen anderen Verfahren überlegen.
Messgerät und Auswertungsalgorithmus müssen für die jeweilige Übung ausreichend validiert sein. Geschwindigkeitswerte sind übungs-, technik- und gerätespezifisch. Ergebnisse unterschiedlicher Systeme dürfen nicht ohne methodische Vergleichsprüfung miteinander gleichgesetzt werden.
Trainingssteuerung im Ausdauertraining
Die Ausdauerintensität sollte möglichst anhand individuell bestimmter physiologischer oder leistungsbezogener Bezugspunkte gesteuert werden. Hierzu gehören:
- ventilatorische Schwellen,
- individuelle Lactatdiagnostik,
- kritische Leistung beziehungsweise kritische Geschwindigkeit,
- maximale aerobe Geschwindigkeit oder Leistung,
- sportartspezifische Wettkampfleistung,
- Herzfrequenz sowie
- subjektives Belastungsempfinden.
Starre Prozentwerte der maximalen Herzfrequenz oder maximalen Sauerstoffaufnahme berücksichtigen interindividuelle Unterschiede der physiologischen Schwellenlage nur begrenzt. Für leistungsorientierte Sportler sind individuell bestimmte Bereiche daher in der Regel präziser. Im Freizeit- und Gesundheitssport können Herzfrequenz, Sprechtest und subjektives Belastungsempfinden praktikable Steuerungsverfahren darstellen [LL3, LL8].
Entscheidend ist die gemeinsame Betrachtung von externer Leistung und interner Reaktion. Eine höhere Herzfrequenz oder ein höheres Belastungsempfinden bei gleicher standardisierter Leistung kann z. B. durch Hitze, Flüssigkeitsdefizit, unzureichende Erholung oder eine beginnende Erkrankung bedingt sein. Eine über mehrere standardisierte Messungen abnehmende interne Beanspruchung bei gleicher externer Leistung ist mit einer positiven Anpassung vereinbar, beweist diese jedoch nicht allein [1-3, 17].
Trainingssteuerung in Spiel- und Mannschaftssportarten
In Spiel- und Mannschaftssportarten entsteht die Gesamtbelastung aus konditionellen, technischen, taktischen, kognitiven und psychischen Anforderungen. Eine einzelne Kennzahl wie Gesamtdistanz, Beschleunigungssumme oder Herzfrequenz bildet diese Gesamtbelastung nicht vollständig ab [1, LL1].
Training und Wettkampf müssen gemeinsam betrachtet werden. Spielminuten, Wettkampfdichte, Reisen, Verlängerungen und positionsspezifische Anforderungen können die individuelle Gesamtbeanspruchung wesentlich beeinflussen. Sportler mit hoher Wettkampfexposition können eine reduzierte oder anders zusammengesetzte Trainingseinheit benötigen. Nicht oder nur kurz eingesetzte Spieler benötigen dagegen häufig zusätzliche Trainingsreize.
Trackingdaten müssen deshalb zusammen mit Trainingsinhalt, taktischer Zielsetzung, subjektiver Beanspruchung, aktuellem Funktionszustand und individueller Belastungshistorie interpretiert werden [1, 14].
Belastungsprogression
Progression bezeichnet die geplante Weiterentwicklung des Trainingsreizes. Sie kann durch Veränderungen von Umfang, Intensität, Dichte, Häufigkeit, Bewegungsgeschwindigkeit, Übungsauswahl oder technischer Komplexität erfolgen. Nicht alle Parameter sollten gleichzeitig gesteigert werden.
Eine allgemeingültige prozentuale Regel für die wöchentliche Belastungssteigerung ist wissenschaftlich nicht gesichert. Eine systematische Übersichtsarbeit zu laufbedingten Verletzungen fand nur wenige, methodisch heterogene Studien und keine belastbare Bestätigung einer universellen „10-%-Regel“ [16].
Eine Progression ist insbesondere dann vertretbar, wenn:
- die aktuelle Belastung technisch sicher bewältigt wird,
- die interne Beanspruchung dem Trainingsziel entspricht,
- keine zunehmenden Beschwerden bestehen,
- die erwartete Erholung erreicht wird und
- die Leistungsentwicklung einen zusätzlichen Trainingsreiz erforderlich macht.
Nach Erkrankung, Verletzung, längerer Trainingsunterbrechung oder deutlicher Dekonditionierung muss die Progression konservativer und gegebenenfalls unter sportmedizinischer Begleitung erfolgen. Die erforderliche Steigerungsrate ist sportart-, gewebe-, belastungs- und personenbezogen.
Trainingsbelastung und Verletzungsrisiko
Systematische Übersichtsarbeiten zeigen Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Belastungsmaßen und Verletzungen. Richtung und Stärke dieser Zusammenhänge unterscheiden sich jedoch nach Sportart, Population, Messgröße, zeitlichem Analysefenster und Verletzungsdefinition. Die zugrunde liegenden Studien sind überwiegend beobachtend und erlauben keine einfache kausale oder individuelle Risikoprognose [15, LL4].
Eine hohe Trainingsbelastung ist nicht grundsätzlich schädlich. Ausreichende und progressive Belastung ist erforderlich, um Leistungsfähigkeit und Belastungstoleranz zu entwickeln. Problematisch können dagegen nicht tolerierte Belastungsspitzen, eine unzureichende Erholung, geringe vorbestehende Belastbarkeit und das Zusammentreffen mehrerer biologischer, psychischer und situativer Risikofaktoren sein [15, LL4, LL5].
Acute:Chronic Workload Ratio
Die Acute:Chronic Workload Ratio (ACWR) setzt eine kurzfristig akkumulierte Belastung zu einer längerfristigen Belastung ins Verhältnis. Das Verfahren wurde entwickelt, um Belastungssprünge zu beschreiben und mögliche Zusammenhänge mit Verletzungen zu untersuchen.
Die ACWR weist jedoch grundlegende methodische Einschränkungen auf. Dazu gehören mathematische Kopplung, Abhängigkeit von den gewählten Zeitfenstern, Informationsverlust durch Quotientenbildung und die mögliche Entstehung schwer interpretierbarer oder scheinbarer Zusammenhänge [12].
Eine Metaanalyse von 2025 berichtete Gruppenassoziationen zwischen kategorisierten ACWR-Werten und Verletzungshäufigkeiten und schlug einen Bereich mit vergleichsweise geringerer Verletzungshäufigkeit vor. Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich jedoch erheblich hinsichtlich Sportart, Belastungsmaß, Berechnungsmethode, Kategorisierung und Verletzungsdefinition. Die Konfidenzintervalle waren teilweise sehr weit, und die Autoren forderten eine vorsichtige praktische Anwendung [13].
Diese Gruppenassoziationen sind nicht als validierte individuelle Grenzwerte oder als „sichere Zone“ interpretierbar. Die ACWR sollte daher nicht als alleinige Ampel, medizinisches Screeningverfahren, Verletzungsrisikorechner oder Grundlage einer Trainingsfreigabe verwendet werden [12, 13].
Aussagekräftiger ist die gemeinsame Betrachtung von:
- absoluter Belastung,
- zeitlichem Belastungsverlauf,
- Geschwindigkeit und Art der Belastungsveränderung,
- Trainingsalter und individueller Belastungstoleranz,
- vorausgegangenen Verletzungen,
- Schlaf und Erholung,
- Schmerzen und Erkrankungen sowie
- sportartspezifischer Leistungsfähigkeit.
Biochemische Marker
Laborparameter können bei definierten medizinischen oder sportmedizinischen Fragestellungen zusätzliche Informationen liefern. Für die routinemäßige tägliche Trainingssteuerung sind sie in der Regel nicht erforderlich [11].
Untersuchte Parameter sind unter anderem:
- Creatinkinase (CK),
- Harnstoff,
- C-reaktives Protein,
- Blutbildparameter,
- Ferritin und weitere Parameter des Eisenstoffwechsels sowie
- ausgewählte hormonelle Parameter.
Die Interpretation wird durch erhebliche intra- und interindividuelle Schwankungen, Entnahmezeitpunkt, Belastungsart, Muskelmasse, Ernährung, Hydratation, Erkrankungen und vorausgegangene exzentrische Belastungen beeinflusst. Allgemeingültige sportartspezifische oder individuelle Entscheidungsgrenzen fehlen für zahlreiche Parameter [11].
Die Creatinkinase (CK) kann insbesondere nach ungewohnter oder exzentrischer Muskelbelastung über mehrere Tage erhöht bleiben. Aufgrund der großen interindividuellen Variabilität ist sie kein spezifischer Marker der tagesaktuellen Trainingsbereitschaft. Auch einzelne hormonelle Konzentrationen oder Quotienten besitzen keine ausreichende diagnostische Genauigkeit zur täglichen Trainingssteuerung oder zur Diagnose eines Übertrainingssyndroms [11, LL7].
Laboruntersuchungen sind insbesondere bei klinischem Verdacht auf Erkrankung, anhaltendem unerklärtem Leistungsabfall, verzögerter Erholung, gehäuften Infektionen, Verdacht auf Eisenmangel oder Verdacht auf niedrige Energieverfügbarkeit angezeigt. Die Befunde müssen zusammen mit Anamnese, klinischer Untersuchung, Trainingshistorie und individuellen Ausgangswerten beurteilt werden.
Ermüdung, Overreaching und Übertrainingssyndrom
Akute Ermüdung nach einer Trainingseinheit oder einem Wettkampf ist eine erwartbare Reaktion. Entscheidend sind Ausmaß, Dauer und Reversibilität der Leistungsminderung [LL6, LL7].
- Akute Ermüdung: kurzfristige, erwartbare Leistungseinschränkung nach Belastung.
- Funktionelles Overreaching: vorübergehende Leistungsminderung mit anschließender Wiederherstellung oder Leistungsverbesserung nach ausreichender Erholung.
- Nichtfunktionelles Overreaching: länger anhaltende Leistungsminderung ohne nachfolgende Leistungsverbesserung.
- Übertrainingssyndrom: über Wochen bis Monate anhaltende Leistungsminderung mit psychischen und körperlichen Begleiterscheinungen nach Ausschluss anderer Ursachen.
Die Abgrenzung kann meist erst retrospektiv anhand der Dauer der Leistungsminderung und des Erholungsverlaufs erfolgen. Für das Übertrainingssyndrom existiert weder ein einzelner diagnostischer Biomarker noch ein allgemein validierter Monitoringalgorithmus [LL7].
Vor der Diagnose müssen insbesondere Infektionen, Eisenmangel, Anämie, endokrine oder metabolische Erkrankungen, Schlafstörungen, psychische Belastungen, unzureichende Energieverfügbarkeit, Medikamenten- oder Substanzeffekte sowie nicht vollständig ausgeheilte Verletzungen berücksichtigt werden.
Messqualität und individuelle Referenzwerte
Ein Monitoringverfahren ist nur dann sinnvoll, wenn seine Messqualität und praktische Konsequenz bekannt sind. Zu prüfen sind [1, 5, 14]:
- Validität: Misst das Verfahren tatsächlich die interessierende Eigenschaft?
- Reliabilität: Liefert es unter vergleichbaren Bedingungen reproduzierbare Ergebnisse?
- Messfehler: Wie groß sind technische und biologische Schwankungen?
- Sensitivität: Kann das Verfahren praktisch relevante Veränderungen erkennen?
- Standardisierung: Sind Tageszeit, Vorbereitung, Gerät, Warm-up und Protokoll vergleichbar?
- Adhärenz: Werden die Daten vollständig und zuverlässig erhoben?
- Handlungsrelevanz: Führt eine Veränderung zu einer nachvollziehbaren Trainingsentscheidung?
Gruppennormen sind für die tägliche Trainingssteuerung häufig weniger aussagekräftig als individuelle Referenzwerte. Vor der praktischen Verwendung sollte daher eine ausreichend lange, repräsentative Basislinie erhoben werden [1].
Eine Veränderung sollte erst dann als wahrscheinlich relevant angesehen werden, wenn:
- die Messung technisch plausibel ist,
- die Abweichung die übliche individuelle Schwankung übersteigt,
- sie sich wiederholt oder über einen relevanten Zeitraum anhält und
- weitere unabhängige Informationen in dieselbe Richtung weisen.
Praktischer Entscheidungsprozess
Für die tägliche Trainingssteuerung ist ein mehrstufiger Entscheidungsprozess geeigneter als die Anwendung eines einzelnen Schwellenwerts [1, 2].
| Schritt | Prüfung | Konsequenz |
| 1. Datenqualität | Bestehen Messfehler, fehlende Daten, Gerätewechsel oder abweichende Bedingungen? | Unplausible Messung wiederholen oder nicht berücksichtigen |
| 2. Individueller Vergleich | Liegt der Wert außerhalb der üblichen individuellen Schwankung? | Abweichung quantifizieren und Gruppennormen nur ergänzend verwenden |
| 3. Triangulation | Sind externe Belastung, interne Beanspruchung, Befindlichkeit, Leistung und Gesundheit übereinstimmend verändert? | Übereinstimmende Veränderungen höher gewichten als Einzelwerte |
| 4. Kontext | Bestehen Hitze, Höhe, Schlafmangel, Reisebelastung, psychischer Stress, Ernährungsprobleme oder Erkrankungssymptome? | Kontextfaktoren in die Entscheidung einbeziehen |
| 5. Trainingsanpassung | Welche kleinste wirksame Änderung ist erforderlich? | Umfang, Intensität, Dichte, Trainingsart oder Regeneration modifizieren |
| 6. Verlaufskontrolle | Normalisieren sich Befinden, Leistung und Beanspruchungsreaktion? | Entscheidung bestätigen, revidieren oder sportmedizinisch abklären |
Bei einem einzelnen geringfügig auffälligen Wert ohne Beschwerden ist zunächst eine Plausibilitäts- und Verlaufskontrolle angemessen. Mehrere übereinstimmend auffällige Domänen, zunehmende Schmerzen, Erkrankungssymptome oder ein anhaltender Leistungseinbruch rechtfertigen eine deutliche Belastungsanpassung und gegebenenfalls eine sportmedizinische Untersuchung.
Minimalanforderungen an ein praxistaugliches Monitoring
Ein wirksames Monitoringsystem muss nicht möglichst viele Daten erfassen. Entscheidend sind Messqualität, Standardisierung, Interpretation und Handlungskonsequenz [1, 17].
Ein praktikables Basissystem kann umfassen:
- Externe Belastung: Dauer sowie mindestens eine sportartspezifische Umfangs- oder Leistungsgröße.
- Interne Beanspruchung: Session-RPE oder bei geeigneten Belastungsformen Herzfrequenz.
- Befindlichkeit: standardisierte Erfassung von Schlaf, Müdigkeit, Muskelbeschwerden und psychischem Stress.
- Gesundheit: systematische Dokumentation von Schmerzen, Verletzungen und Erkrankungssymptomen.
- Leistungsmarker: ein zuverlässiger sportartspezifischer submaximaler oder neuromuskulärer Test in angemessenen Abständen.
- Evaluation: regelmäßige Prüfung, ob die erhobenen Daten tatsächlich zu nachvollziehbaren und besseren Trainingsentscheidungen beitragen.
Zusätzliche Messgrößen sollten nur aufgenommen werden, wenn eine klar definierte Fragestellung besteht, die Messmethode ausreichend zuverlässig ist, eine zeitnahe Auswertung möglich ist und vorab festgelegt wurde, welche Entscheidung ein auffälliger Befund auslösen soll.
Fazit
Trainingssteuerung ist ein individueller, dynamischer und multidimensionaler Entscheidungsprozess. Sie verbindet die geplante Trainingsdosis mit der tatsächlich absolvierten externen Belastung, der internen Beanspruchung, dem aktuellen Funktionszustand, der gesundheitlichen Verträglichkeit und der längerfristigen Leistungsanpassung.
Eine evidenzbasierte Steuerung beruht auf standardisierten Messverfahren, individuellen Referenzwerten und der gemeinsamen Interpretation mehrerer voneinander unabhängiger Informationsquellen. Subjektives Befinden, Session-RPE, Herzfrequenz, sportartspezifische Belastungsdaten und ausgewählte Leistungsmarker können ein belastbares Basissystem bilden.
Herzfrequenzvariabilität, neuromuskuläre Tests, geschwindigkeitsbasiertes Krafttraining und Laborparameter können bei klar definierten Fragestellungen ergänzend eingesetzt werden. Ihre Ergebnisse sind kontextabhängig und dürfen nicht isoliert interpretiert werden.
Starre Belastungsgrenzen, universelle Progressionsregeln, einzelne Biomarker oder vermeintlich sichere ACWR-Zonen sind als alleinige Entscheidungsgrundlage nicht hinreichend abgesichert. Entscheidend bleibt die wiederholte Gegenüberstellung von geplantem Trainingsreiz, tatsächlich absolvierter Belastung, individueller Reaktion, gesundheitlicher Verträglichkeit und erreichter Leistungsanpassung.
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