Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Rasche Verbesserung der Symptomatik (Beschwerden) und Abheilung des Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) [1, 2]
  • Elimination von Helicobacter pylori bei nachgewiesener Infektion zur kausalen Therapie und Rezidivprophylaxe (Vorbeugung eines Wiederauftretens) [1, LL1, LL2]
  • Vermeidung von Komplikationen, insbesondere Ulkusblutung (Blutung aus einem Geschwür) und Perforation (Durchbruch) [LL1]
  • Vermeidung von Ulkusrezidiven (erneut auftretenden Geschwüren) [1, LL1]
  • Elimination bzw. Minimierung ulzerogener (geschwürfördernder) Faktoren, insbesondere nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR), Acetylsalicylsäure (ASS) und weiterer ulkusfördernder Arzneimittel, soweit klinisch vertretbar [LL1]

Therapieempfehlungen

  • Protonenpumpenhemmer (PPI) sind die medikamentöse Standardtherapie zur Säuresuppression (Hemmung der Magensäurebildung) und Ulkusheilung (Abheilung des Geschwürs) beim Helicobacter-pylori-negativen Ulcus duodeni bzw. Bestandteil der Helicobacter-pylori-Eradikation (Beseitigung des Bakteriums) [2, 3, LL1].
  • Helicobacter-pylori-positives Ulcus duodeni: Bei nachgewiesener Helicobacter-pylori-Infektion besteht eine Eradikationsindikation (Notwendigkeit zur Beseitigung des Bakteriums). Die Eradikation vermindert insbesondere das Risiko eines Ulkusrezidivs gegenüber einer alleinigen säuresuppressiven Therapie [1, LL1, LL2].
  • Empirische Erstlinientherapie der Helicobacter-pylori-Infektion: Nach der aktuellen deutschen S2k-Leitlinie soll bevorzugt eine Bismut-haltige Quadrupeltherapie (Vierfachtherapie) für mindestens 10 Tage durchgeführt werden [7, 8, LL1].
    • Für die in Deutschland zugelassene fixe Kombination aus Bismut-Kalium-Salz, Metronidazol und Tetracyclinhydrochlorid beträgt die Therapiedauer 10 Tage; zusätzlich wird Omeprazol 20 mg zweimal täglich gegeben [FI1].
    • Die ACG-Leitlinie 2024 empfiehlt bei unbekannter Antibiotikaempfindlichkeit eine optimierte Bismut-Quadrupeltherapie über 14 Tage. Dieses international empfohlene Schema ist vom zugelassenen 10-Tage-Regime der in Deutschland verfügbaren fixen Bismut-Kombination zu unterscheiden [LL3].
  • Clarithromycin-haltige Standard-Tripeltherapie (Dreifachtherapie): Eine empirische Clarithromycin-haltige Tripeltherapie ist wegen der relevanten Clarithromycinresistenz (Unempfindlichkeit gegen Clarithromycin) nicht mehr als unselektierte Erstlinientherapie zu empfehlen. Eine Clarithromycinresistenz vermindert die Erfolgswahrscheinlichkeit Clarithromycin-haltiger Regime erheblich [5, 6, LL1, LL2, LL3]. Eine Clarithromycin-haltige Tripeltherapie soll daher resistenzadaptiert bzw. bei nachgewiesener Clarithromycinempfindlichkeit eingesetzt werden [LL1, LL3].
  • Nach erfolgloser primärer Vierfachtherapie: Es soll eine Resistenztestung von Helicobacter pylori durchgeführt werden. Die Zweitlinientherapie soll unter Berücksichtigung des Resistenzbefundes als Standard-Tripeltherapie oder Fluorchinolon-haltige Tripeltherapie über 14 Tage erfolgen [LL1].
  • Nach Versagen der Zweitlinientherapie: Weitere Eradikationsversuche sollen durch einen Spezialisten mit Zugang zur Helicobacter-pylori-Resistenztestung erfolgen. Eine erneute empirische Gabe eines bereits erfolglosen Regimes ist zu vermeiden [LL1].
  • Helicobacter-pylori-negatives, unkompliziertes Ulcus duodeni: PPI in Standarddosis bis zur Ulkusabheilung; die erforderliche Therapiedauer ist präparatespezifisch und beträgt in der Regel 2-4 Wochen [2, FI2, FI3, FI4, FI5].
  • NSAR-assoziiertes (mit NSAR zusammenhängendes) Ulcus duodeni: Das NSAR soll nach Möglichkeit bis zur Abheilung des Ulkus abgesetzt und eine PPI-Therapie durchgeführt werden. Wird ein NSAR nach vorausgegangenem Ulkus bzw. einer Ulkuskomplikation erneut oder dauerhaft benötigt, soll eine dauerhafte PPI-Prophylaxe (Vorbeugung mit einem Protonenpumpenhemmer) erfolgen [LL1, LL6].
  • ASS, P2Y12-Inhibitoren oder Antikoagulanzien: Nach einer Ulkuskomplikation soll bei notwendiger Fortführung der antithrombotischen (gerinnungshemmenden) bzw. antikoagulatorischen Therapie eine dauerhafte PPI-Prophylaxe erfolgen; dies gilt auch nach erfolgreicher Helicobacter-pylori-Eradikation [LL1].
  • Idiopathisches (ohne erkennbare Ursache entstandenes) Ulcus duodeni: Nach sicherem Ausschluss einer Helicobacter-pylori-Infektion, ulzerogener Arzneimittel und anderer spezifischer Ursachen soll eine hochdosierte PPI-Therapie bis zur Ulkusabheilung erfolgen. Nach einer Ulkuskomplikation bzw. bei persistierendem (fortbestehendem) idiopathischem Ulkus ist eine PPI-Dauertherapie in Standarddosis angezeigt [LL1].

Blutendes Ulcus duodeni

  • Die akute Ulkusblutung erfordert primär Stabilisierung und eine leitliniengerechte endoskopische Diagnostik und Blutstillung. Eine frühe obere Endoskopie soll im Regelfall innerhalb von 24 Stunden nach Vorstellung erfolgen [LL4, LL5].
  • Nach erfolgreicher endoskopischer Hämostase (Blutstillung): Bei Hochrisikostigmata (Zeichen eines hohen Wiederblutungsrisikos) soll eine hochdosierte PPI-Therapie für 72 Stunden erfolgen. Möglich sind ein intravenöser Bolus mit anschließender kontinuierlicher Infusion, z. B. 80 mg PPI gefolgt von 8 mg/h, oder hochdosierte intermittierende intravenöse bzw. orale Regime mindestens zweimal täglich [LL4, LL5, LL6].
  • Die aktuelle JSGE-Leitlinie 2026 empfiehlt PPI nach endoskopischer Hämostase eines blutenden peptischen Ulkus (Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) mit starker Empfehlung und Evidenzgrad A; hierdurch werden insbesondere Rezidivblutungen (erneute Blutungen), Transfusionsbedarf, Krankenhausaufenthaltsdauer und Operationsbedarf reduziert [LL6].
  • Anschließend soll bei Hochrisikostigmata eine orale PPI-Therapie zweimal täglich für die ersten 2 Wochen nach der Endoskopie erfolgen; danach wird entsprechend der zugrunde liegenden Ulkusursache weiterbehandelt [LL5].
  • Helicobacter-pylori-Diagnostik: Bei peptischer Ulkusblutung soll bereits bei der Indexendoskopie auf Helicobacter pylori untersucht werden. Bei positivem Nachweis ist eine Eradikation erforderlich. Bei negativem initialem Test soll die Testung innerhalb von 4 Wochen wiederholt werden, da die diagnostische Sensitivität (Treffsicherheit) während der akuten Blutung vermindert sein kann [LL4].
  • Nach erfolgreicher endoskopischer Blutstillung kann bei nachgewiesener Helicobacter-pylori-Infektion die Eradikation frühzeitig begonnen werden, sobald eine orale Therapie klinisch möglich ist [LL1, LL6].
  • Keine intravenöse Helicobacter-pylori-Eradikation: Eine intravenöse Eradikation soll beim blutenden Ulcus duodeni nicht durchgeführt werden [LL1].
  • Bei klinischen Zeichen einer Rezidivblutung ist eine erneute Endoskopie mit endoskopischer Hämostase indiziert. Bei erneutem Versagen soll eine transkatheterarterielle Embolisation erwogen werden; eine Operation ist bei nicht verfügbarer oder erfolgloser Embolisation angezeigt [LL4].

Eradikationskontrolle

  • Nach jeder Helicobacter-pylori-Eradikation ist eine Erfolgskontrolle erforderlich. Zwischen Ende der Antibiotikatherapie und Eradikationskontrolle sollen mindestens 4 Wochen liegen; PPI sollen mindestens 2 Wochen vor einer zuverlässigen Testung abgesetzt sein [LL1, LL2, LL3].
  • Beim unkomplizierten Ulcus duodeni kann die Erfolgskontrolle nichtinvasiv mit 13C-Harnstoff-Atemtest oder Stuhlantigentest auf Basis monoklonaler Antikörper durchgeführt werden, sofern keine anderweitige Indikation zur Kontrollendoskopie besteht [LL1].
  • Nach blutendem Ulcus duodeni muss die erfolgreiche Helicobacter-pylori-Eradikation dokumentiert werden [LL1, LL4].
  • Eine routinemäßige endoskopische Abheilungskontrolle ist beim unkomplizierten Ulcus duodeni nach erfolgreicher Behandlung nicht erforderlich [LL1].

Beachte

  • Eine erneute Behandlung mit einem bereits erfolglosen empirischen Eradikationsschema ist zu vermeiden [LL1].
  • Eine vorausgegangene Makrolid- bzw. Fluorchinolonexposition ist bei der Auswahl einer resistenzadaptierten Therapie zu berücksichtigen [LL1, LL2, LL3].
  • Eine geringe Therapieadhärenz (unzureichende Therapietreue) und Rauchen können die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Helicobacter-pylori-Eradikation vermindern [LL1].
  • Die früher übliche Einteilung der empirischen Therapie ausschließlich anhand der Herkunft aus bestimmten europäischen Regionen ist für die heutige Therapieentscheidung nicht ausreichend. Maßgeblich sind das bevorzugte Erstlinienschema, vorausgegangene Antibiotikaexposition sowie bei Therapieversagen die Resistenztestung [6, LL1, LL2, LL3].
  • Die Stressulkusprophylaxe (Vorbeugung stressbedingter Geschwüre) bei kritisch Kranken ist von der Therapie eines manifesten Ulcus duodeni abzugrenzen und nicht Gegenstand der spezifischen Ulkustherapie dieses Artikels.

Wirkstoffe (Hauptindikation)

Protonenpumpenhemmer (PPI)

Wirkstoffe Besonderheiten
Omeprazol Standardtherapie des aktiven Ulcus duodeni [FI2]
Pantoprazol Bei schwerer Leberfunktionsstörung maximal 20 mg/d; präparatespezifische Fachinformation beachten [FI3]
Lansoprazol Standardtherapie des Ulcus duodeni [FI4]
Rabeprazol Bei schwerer Leberfunktionsstörung besondere Vorsicht [FI5]
  • Wirkweise: PPI sind Prodrugs, die nach Aktivierung im sauren Milieu der sekretorischen Canaliculi (Sekretkanälchen) die H+/K+-ATPase der Parietalzelle (säurebildenden Magenzelle) irreversibel hemmen und dadurch die basale und stimulierte Magensäuresekretion ausgeprägt reduzieren [FI2, FI3, FI4, FI5].
  • Indikationen: Ulkusheilung; Bestandteil der Helicobacter-pylori-Eradikation; Therapie und Sekundärprophylaxe (Vorbeugung eines erneuten Auftretens) von NSAR- bzw. antithrombotikaassoziierten Ulzera (Geschwüren); Therapie idiopathischer gastroduodenaler Ulzera (Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre) [LL1, FI2, FI3, FI4, FI5].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den jeweiligen Wirkstoff bzw. substituierte Benzimidazole; weitere Kontraindikationen und Arzneimittelinteraktionen sind präparatespezifisch zu beachten [FI2, FI3, FI4, FI5].
  • Dosierungshinweise: Einnahme und Dosisanpassungen bei Organfunktionsstörungen richten sich nach dem jeweiligen Präparat. Insbesondere unterscheiden sich die Empfehlungen zum Einnahmezeitpunkt; die jeweilige Fachinformation ist maßgeblich [FI2, FI3, FI4, FI5].
  • Nebenwirkungen: häufig Kopfschmerzen sowie gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Flatulenz, Diarrhoe oder Obstipation. Bei längerfristiger Therapie sind u. a. Hypomagnesiämie (Magnesiummangel), Vitamin-B12-Mangel, enterale Infektionen (Darminfektionen) und ein erhöhtes Frakturrisiko (Knochenbruchrisiko) zu berücksichtigen. Für zahlreiche weitere in Beobachtungsstudien berichtete Langzeitrisiken ist die Evidenzqualität niedrig bzw. sehr niedrig und eine kausale Beziehung nicht gesichert [11, FI2, FI3, FI4, FI5].

H2-Rezeptorantagonisten

Wirkstoffe Besonderheiten
Famotidin Dosis bzw. Dosierungsintervall bei eingeschränkter Nierenfunktion anpassen [FI6]
  • Wirkweise: kompetitive Blockade gastraler Histamin-H2-Rezeptoren (Histamin-Andockstellen im Magen) mit Verminderung insbesondere der basalen und nächtlichen Säuresekretion [FI6].
  • Indikationen: Ulcus duodeni; heute insbesondere Alternative, wenn eine PPI-Therapie nicht möglich oder nicht verträglich ist. Für die routinemäßige Ulkustherapie sind PPI zu bevorzugen [2, FI6].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Famotidin bzw. andere H2-Rezeptorantagonisten; bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosisanpassung beachten [FI6].
  • Dosierungshinweise: beim Ulcus duodeni üblicherweise abendliche Einmalgabe; bei Helicobacter-pylori-Nachweis ist zusätzlich die kausale Eradikation erforderlich [LL1, FI6].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel, Obstipation und Diarrhoe; selten können Leberenzymveränderungen, Überempfindlichkeitsreaktionen oder hämatologische Veränderungen (Veränderungen des Blutbildes) auftreten [FI6].

Bismut-haltige Kombinationen

Wirkstoffe Besonderheiten
Bismut-Kalium-Salz + Metronidazol + Tetracyclinhydrochlorid als fixe Kombination Eine Kapsel enthält 140 mg Bismut-Kalium-Salz, 125 mg Metronidazol und 125 mg Tetracyclinhydrochlorid; bevorzugtes empirisches Erstlinienschema in Deutschland [LL1, FI1]
  • Wirkweise: Kombination der antimikrobiellen Wirkung von Bismut, Metronidazol und Tetracyclin mit ausgeprägter Säuresuppression durch Omeprazol; die unterschiedlichen Wirkmechanismen ermöglichen hohe Eradikationsraten auch bei relevanter Clarithromycinresistenz [7, FI1].
  • Indikationen: Helicobacter-pylori-Eradikation und Rezidivprävention bei Helicobacter-pylori-bedingtem peptischem Ulkus [LL1, FI1].
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren, Nieren- oder Leberfunktionsstörung, Überempfindlichkeit gegen die Bestandteile bzw. andere Nitroimidazole sowie Cockayne-Syndrom [FI1].
  • Dosierungshinweise: Die Kapseln werden nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafengehen unzerkaut mit einem vollen Glas Wasser eingenommen. Nach der Einnahme nicht unmittelbar hinlegen. Während der Therapie und mindestens 24 Stunden nach Therapieende ist Alkohol zu vermeiden. Wechselwirkungen von Tetracyclin mit polyvalenten Kationen und von Metronidazol mit weiteren Arzneimitteln sind zu berücksichtigen [FI1].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Übelkeit, Diarrhoe, Bauchschmerzen, metallischer Geschmack und vorübergehende Dunkelfärbung des Stuhls; möglich sind Photosensibilität (erhöhte Lichtempfindlichkeit), Candida-Superinfektionen (zusätzliche Pilzinfektionen) sowie selten neurologische Nebenwirkungen einschließlich peripherer Neuropathie (Schädigung peripherer Nerven) oder Enzephalopathie (Funktionsstörung des Gehirns) [FI1].

Aminopenicilline

Wirkstoffe Besonderheiten
Amoxicillin Helicobacter-pylori-Resistenz gegenüber Amoxicillin ist vergleichsweise selten; bei Nierenfunktionsstörung Dosisanpassung entsprechend Fachinformation [6, LL1, LL3, FI7]
  • Wirkweise: bakterizide Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese durch Bindung an Penicillin-bindende Proteine [FI7].
  • Indikationen: Bestandteil resistenzadaptierter Helicobacter-pylori-Eradikationsschemata [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Amoxicillin bzw. Penicilline; bei anamnestisch schwerer Soforttypreaktion (unmittelbare allergische Reaktion) auf andere Betalaktam-Antibiotika kontraindiziert [FI7].
  • Dosierungshinweise: Nierenfunktion und gleichmäßige Dosierungsintervalle berücksichtigen [FI7].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Diarrhoe, Übelkeit und Exanthem (Hautausschlag); möglich sind allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) sowie antibiotikaassoziierte Kolitis (antibiotikabedingte Dickdarmentzündung) [FI7].

Makrolide

Wirkstoffe Besonderheiten
Clarithromycin Nicht als unselektierte empirische Erstlinientherapie; Einsatz bei nachgewiesener Clarithromycinempfindlichkeit bzw. entsprechend Resistenzbefund [5, 6, LL1, LL3]
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese durch Bindung an die 50S-Untereinheit des Ribosoms [FI8].
  • Indikationen: Bestandteil einer resistenzadaptierten Helicobacter-pylori-Eradikation [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: insbesondere relevante QT-Verlängerung (Verlängerung der elektrischen Erregungsrückbildung des Herzens) bzw. proarrhythmische Konstellationen (Rhythmusstörungen begünstigende Situationen) und bestimmte Arzneimittelkombinationen aufgrund ausgeprägter CYP3A4-vermittelter Interaktionen; Fachinformation beachten [FI8].
  • Dosierungshinweise: Clarithromycin nicht empirisch einsetzen, wenn die Empfindlichkeit des Erregers nicht gesichert ist und eine relevante Clarithromycinresistenz zu erwarten ist [5, 6, LL1, LL3].
  • Nebenwirkungen: insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Geschmacksstörungen und Transaminasenanstieg; möglich sind hepatotoxische Reaktionen (leberschädigende Reaktionen), QT-Verlängerung und Hörstörungen [FI8].
  • In einer selbstkontrollierten populationsbasierten Fallserienanalyse war eine Clarithromycin-haltige Helicobacter-pylori-Therapie während der ersten 14 Behandlungstage mit einer erhöhten Rate akuter neuropsychiatrischer Ereignisse (das Nervensystem und die Psyche betreffender Ereignisse) assoziiert (Incidence Rate Ratio, IRR = 4,12); aufgrund des Beobachtungsdesigns belegt die Studie keine Kausalität [9].

Nitroimidazole

Wirkstoffe Besonderheiten
Metronidazol Bestandteil der bevorzugten Bismut-Quadrupeltherapie; Resistenzlage und Gesamtschema berücksichtigen [LL1, FI1]
  • Wirkweise: Nach intrazellulärer Reduktion entstehen reaktive Metaboliten, die bakterielle DNA schädigen [FI1].
  • Indikationen: Bestandteil der Bismut-haltigen Quadrupeltherapie und ausgewählter resistenzadaptierter Helicobacter-pylori-Regime [LL1, FI1].
  • Kontraindikationen: im Rahmen der fixen Bismut-Kombination insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren, Nieren- bzw. Leberfunktionsstörung und Überempfindlichkeit gegen Nitroimidazole; Cockayne-Syndrom beachten [FI1].
  • Dosierungshinweise: während der Behandlung und mindestens 24 Stunden nach Therapieende keinen Alkohol konsumieren; relevante Arzneimittelinteraktionen, insbesondere mit Vitamin-K-Antagonisten, berücksichtigen [FI1].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Übelkeit, metallischer Geschmack und gastrointestinale Beschwerden; bei höherer kumulativer Exposition sind selten periphere Neuropathien und andere neurotoxische Reaktionen (nervenschädigende Reaktionen) möglich [FI1].

Tetracycline

Wirkstoffe Besonderheiten
Tetracyclinhydrochlorid Bestandteil der bevorzugten Bismut-Quadrupeltherapie [LL1, FI1]
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese durch Bindung an die 30S-Untereinheit des Ribosoms [FI1].
  • Indikationen: Bestandteil der Bismut-haltigen Helicobacter-pylori-Quadrupeltherapie [LL1, FI1].
  • Kontraindikationen: im Rahmen der fixen Bismut-Kombination insbesondere Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder unter 12 Jahren sowie Nieren- und Leberfunktionsstörungen [FI1].
  • Dosierungshinweise: mit ausreichend Wasser einnehmen und anschließend nicht unmittelbar hinlegen; Wechselwirkungen mit Calcium-, Magnesium-, Eisen- und Aluminium-haltigen Präparaten bzw. Nahrungsmitteln berücksichtigen [FI1].
  • Nebenwirkungen: insbesondere Übelkeit und Diarrhoe; möglich sind Ösophagitis (Speiseröhrenentzündung), Ösophagusulzerationen (Geschwüre der Speiseröhre), Photosensibilität und Candida-Superinfektionen. Während der Zahnentwicklung besteht das Risiko bleibender Zahnverfärbungen und Zahnschmelzschäden [FI1].

Fluorchinolone

Wirkstoffe Besonderheiten
Levofloxacin Resistenzadaptierte Zweitlinientherapie; für die Helicobacter-pylori-Eradikation Off-Label-Use; nur bei nachgewiesener bzw. ausreichend gesicherter Empfindlichkeit einsetzen [LL1, LL3, FI9]
  • Wirkweise: bakterizide Hemmung der bakteriellen DNA-Gyrase und Topoisomerase IV [FI9].
  • Indikationen: Bestandteil einer resistenzadaptierten Helicobacter-pylori-Zweitlinientherapie nach Versagen eines Erstlinienschemas; Off-Label-Use [LL1, LL3].
  • Kontraindikationen: u. a. Überempfindlichkeit gegen Chinolone, Epilepsie (Anfallsleiden), vorausgegangene Sehnenerkrankung im Zusammenhang mit Fluorchinolonen, Schwangerschaft und Stillzeit; Fachinformation beachten [FI9].
  • Dosierungshinweise: bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosisanpassung erforderlich. Aufgrund seltener, jedoch potenziell schwerwiegender, lang anhaltender bzw. irreversibler Nebenwirkungen nur bei eindeutiger Indikation und resistenzadaptierter Auswahl einsetzen [LL1, FI9].
  • Nebenwirkungen: u. a. gastrointestinale und zentralnervöse (das zentrale Nervensystem betreffende) Beschwerden; klinisch relevant sind insbesondere Tendinitis (Sehnenentzündung) bzw. Sehnenruptur (Sehnenriss), periphere Neuropathie, QT-Verlängerung, Dysglykämien (Störungen des Blutzuckers) und weitere potenziell persistierende Nebenwirkungen [FI9].

Helicobacter-pylori-Eradikationsschemata bei Erwachsenen

Bismut-haltige Quadrupeltherapie – bevorzugte empirische Erstlinientherapie in Deutschland

Wirkstoffe Besonderheiten
Fixe Kombination aus Bismut-Kalium-Salz + Metronidazol + Tetracyclinhydrochlorid Nach Frühstück, Mittagessen, Abendessen und vor dem Schlafengehen [FI1]
Omeprazol Zusammen mit der morgendlichen und abendlichen Dosis der fixen Bismut-Kombination [FI1]
  • Stellenwert: bevorzugtes empirisches Erstlinienschema nach der aktuellen deutschen S2k-Leitlinie [LL1].
  • Evidenz: Metaanalysen zeigen für die fixe Bismut-haltige Vierfachtherapie hohe Eradikationsraten von etwa 90 % in der Erstlinientherapie sowie eine robuste Wirksamkeit bei Clarithromycin- und teilweise Metronidazolresistenz [7]. Im direkten Vergleich randomisierter Studien war die klassische Bismut-Quadrupeltherapie hinsichtlich der Eradikationsrate einer konkomittierenden Vierfachtherapie insgesamt vergleichbar [8].

Clarithromycin-haltige Standard-Tripeltherapie – resistenzadaptiert

Wirkstoffe Besonderheiten
PPI 14 Tage; Clarithromycin nur bei nachgewiesener Empfindlichkeit bzw. resistenzadaptierter Auswahl [4, 5, 6, LL1, LL3]
Amoxicillin
Clarithromycin
  • Eine Therapiedauer von 14 Tagen ist bei klassischen PPI-basierten Tripelregimen wirksamer als eine 7-tägige Behandlung; dies kompensiert jedoch keine bestehende Clarithromycinresistenz [4, 5].
  • Die früher als „französische Tripeltherapie“ bezeichnete Kombination ist daher keine bevorzugte empirische Erstlinientherapie mehr [LL1, LL3].

Fluorchinolon-haltige Tripeltherapie – resistenzadaptierte Zweitlinientherapie

Wirkstoffe Besonderheiten
PPI 14 Tage; Auswahl unter Berücksichtigung des Resistenzbefundes; Levofloxacin zur Helicobacter-pylori-Eradikation Off-Label-Use [LL1, LL3]
Amoxicillin
Levofloxacin

Weitere Hinweise

  • Helicobacter-pylori-Eradikation und Magenkarzinomprävention (Vorbeugung von Magenkrebs): Randomisierte Studien und deren Metaanalyse zeigen, dass eine Helicobacter-pylori-Eradikation das langfristige Risiko einer gastralen Neoplasie (Neubildung im Magen) reduziert [12].
  • Langzeittherapie mit PPI und Magenkarzinom (Magenkrebs): Eine populationsbasierte Beobachtungsstudie fand nach erfolgreicher Helicobacter-pylori-Eradikation unter längerfristiger PPI-Einnahme eine Assoziation mit einem erhöhten Magenkarzinomrisiko (Hazard Ratio 2,44; 95-%-Konfidenzintervall 1,42-4,20) [10]. Aufgrund des Beobachtungsdesigns und möglicher Residualkonfundierung darf daraus keine kausale Beziehung abgeleitet werden. Ein Umbrella-Review zeigt zudem, dass die Evidenzsicherheit für zahlreiche postulierte Langzeitrisiken von PPI niedrig bzw. sehr niedrig ist [11]. Eine medizinisch indizierte PPI-Therapie soll deshalb nicht allein aufgrund solcher Assoziationen vorenthalten werden.
  • Clarithromycinresistenz: Antibiotikaresistenzen sind einer der wichtigsten bestimmenden Faktoren für das Scheitern einer Helicobacter-pylori-Eradikation. Insbesondere Clarithromycinresistenz vermindert die Wirksamkeit Clarithromycin-haltiger Tripeltherapien erheblich [5, 6].
  • Amoxicillin: Eine primäre Helicobacter-pylori-Resistenz gegenüber Amoxicillin ist im Vergleich zu Clarithromycin, Metronidazol und Fluorchinolonen selten [6, LL1].

Literatur

  1. Ford AC, Gurusamy KS, Delaney B, Forman D, Moayyedi P: Eradication therapy for peptic ulcer disease in Helicobacter pylori-positive people. Cochrane Database Syst Rev. 2016;4(4):CD003840. doi: 10.1002/14651858.CD003840.pub5
  2. Zhang J, Ge L, Hill M et al.: Standard-Dose Proton Pump Inhibitors in the Initial Non-eradication Treatment of Duodenal Ulcer: Systematic Review, Network Meta-Analysis, and Cost-Effectiveness Analysis. Front Pharmacol. 2019;9:1512. doi: 10.3389/fphar.2018.01512
  3. Nagaraja V, Eslick GD: Evidence-based assessment of proton-pump inhibitors in Helicobacter pylori eradication: a systematic review. World J Gastroenterol. 2014;20(40):14527-14536. doi: 10.3748/wjg.v20.i40.14527
  4. Yuan Y, Ford AC, Khan KJ et al.: Optimum duration of regimens for Helicobacter pylori eradication. Cochrane Database Syst Rev. 2013;(12):CD008337. doi: 10.1002/14651858.CD008337.pub2
  5. Fischbach L, Evans EL: Meta-analysis: the effect of antibiotic resistance status on the efficacy of triple and quadruple first-line therapies for Helicobacter pylori. Aliment Pharmacol Ther. 2007;26(3):343-357. doi: 10.1111/j.1365-2036.2007.03386.x
  6. Savoldi A, Carrara E, Graham DY, Conti M, Tacconelli E: Prevalence of Antibiotic Resistance in Helicobacter pylori: A Systematic Review and Meta-analysis in World Health Organization Regions. Gastroenterology. 2018;155(5):1372-1382.e17. doi: 10.1053/j.gastro.2018.07.007
  7. Nyssen OP, McNicholl AG, Gisbert JP: Meta-analysis of three-in-one single capsule bismuth-containing quadruple therapy for the eradication of Helicobacter pylori. Helicobacter. 2019;24(2):e12570. doi: 10.1111/hel.12570
  8. Zagari RM, Dajti E, Cominardi A et al.: Standard Bismuth Quadruple Therapy versus Concomitant Therapy for the First-Line Treatment of Helicobacter pylori Infection: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. J Clin Med. 2023;12(9):3258. doi: 10.3390/jcm12093258
  9. Wong AYS, Wong ICK, Chui CSL et al.: Association Between Acute Neuropsychiatric Events and Helicobacter pylori Therapy Containing Clarithromycin. JAMA Intern Med. 2016;176(6):828-834. doi: 10.1001/jamainternmed.2016.1586
  10. Cheung KS, Chan EW, Wong AYS et al.: Long-term proton pump inhibitors and risk of gastric cancer development after treatment for Helicobacter pylori: a population-based study. Gut. 2018;67(1):28-35. doi: 10.1136/gutjnl-2017-314605
  11. Salvo EM, Ferko NC, Cash SB et al.: Umbrella review of 42 systematic reviews with meta-analyses: the safety of proton pump inhibitors. Aliment Pharmacol Ther. 2021;54(2):129-143. doi: 10.1111/apt.16407
  12. Ford AC, Yuan Y, Forman D, Hunt R, Moayyedi P: Helicobacter pylori eradication for the prevention of gastric neoplasia. Cochrane Database Syst Rev. 2020;7(7):CD005583. doi: 10.1002/14651858.CD005583.pub3

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit. (AWMF-Registernummer 021-001). Juli 2022 Langfassung [LL1]
  2. Malfertheiner P, Megraud F, Rokkas T et al.: Management of Helicobacter pylori infection: the Maastricht VI/Florence consensus report. Gut. 2022;71(9):1724-1762. doi: 10.1136/gutjnl-2022-327745 [LL2]
  3. Chey WD, Howden CW, Moss SF et al.: ACG Clinical Guideline: Treatment of Helicobacter pylori Infection. Am J Gastroenterol. 2024;119(9):1730-1753. doi: 10.14309/ajg.0000000000002968 [LL3]
  4. Gralnek IM, Morris J, Laursen SB et al.: Endoscopic diagnosis and management of peptic ulcer bleeding: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline - Update 2026. Endoscopy. 2026;58(8):899-924. doi: 10.1055/a-2863-8314. Korrektur: Gralnek IM, Morris J, Laursen SB et al.: Correction: Endoscopic diagnosis and management of peptic ulcer bleeding: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline - Update 2026. Endoscopy. 2026;58(8):C12. doi: 10.1055/a-2881-7411 [LL4]
  5. Laine L, Barkun AN, Saltzman JR et al.: ACG Clinical Guideline: Upper Gastrointestinal and Ulcer Bleeding. Am J Gastroenterol. 2021;116(5):899-917. doi: 10.14309/ajg.0000000000001245 [LL5]
  6. Sugimoto M, Kamada T, Ito M et al.: Evidence-based clinical practice guidelines for peptic ulcer disease 2026. J Gastroenterol. 2026. Published online August 24, 2026. doi: 10.1007/s00535-026-02504-3 [LL6]

Fachinformationen

  1. Pylera 140 mg/125 mg/125 mg Hartkapseln. Fachinformation. Bismut-Kalium-Salz, Metronidazol und Tetracyclinhydrochlorid [FI1]
  2. Omeprazol Mylan 10 mg/20 mg/40 mg magensaftresistente Hartkapseln. Fachinformation [FI2]
  3. Pantoprazol dura 40 mg magensaftresistente Tabletten. Fachinformation [FI3]
  4. Lansoprazol AbZ. Fachinformation [FI4]
  5. Rabeprazol-ratiopharm 10 mg/20 mg magensaftresistente Tabletten. Fachinformation [FI5]
  6. Famotidin-ratiopharm 20 mg/40 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI6]
  7. Amoxicillin-ratiopharm 500 mg/750 mg/1000 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI7]
  8. Klacid Filmtabletten. Fachinformation [FI8]
  9. Levofloxacin-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. Fachinformation [FI9]