Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Ulcus duodeni (Zwölffingerdarmgeschwür) mitbedingt sein können:

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Akute posthämorrhagische Anämie (akute Blutarmut nach Blutverlust) – infolge einer klinisch relevanten akuten Duodenalblutung (Blutung aus dem Zwölffingerdarm); das Ausmaß ist vom Blutverlust abhängig [1, 2, LL2, LL3].
  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – bei chronischen bzw. rezidivierenden okkulten Blutverlusten (wiederkehrenden verborgenen Blutverlusten) aus dem Ulkus [1, LL2].

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (Blutvergiftung) – mögliche Folge einer freien Duodenalperforation (Durchbruch des Zwölffingerdarms) mit sekundärer Peritonitis (Bauchfellentzündung); bei schwerem Verlauf bis zum septischen Schock (Kreislaufversagen infolge einer schweren Infektion) [4, LL3].

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Duodenalblutung bzw. obere gastrointestinale Ulkusblutung (Blutung aus einem Geschwür im oberen Magen-Darm-Trakt) – häufigste schwere Komplikation der peptischen Ulkuskrankheit (Geschwürkrankheit des Magens oder Zwölffingerdarms); klinisch als akute manifeste Blutung (sichtbare Blutung) oder als chronischer bzw. okkulter Blutverlust; Rezidivblutungen (erneute Blutungen) sind insbesondere bei Hochrisikokonstellationen möglich [1-3, LL2, LL3].
  • Duodenalperforation – freie Perforation des Ulkus in die Peritonealhöhle (Bauchhöhle); akut lebensbedrohliche Komplikation mit hoher Morbidität (Krankheitshäufigkeit bzw. Krankheitsbelastung) und Letalität (Sterblichkeit) [1, 2, 4, LL3].
  • Sekundäre Peritonitis – infolge des Austritts von Duodenalinhalt bei freier Perforation; kann in Sepsis und Multiorganversagen (Versagen mehrerer Organe) übergehen [4, LL3].
  • Ulkuspenetration (Eindringen des Geschwürs in benachbarte Organe) – tiefes Durchdringen des Ulkus in unmittelbar benachbarte Organe, insbesondere in das Pankreas (Bauchspeicheldrüse); kann als gedeckte perforative Komplikation verlaufen [1, LL3].
  • Pyloroduodenale Obstruktion (Verschluss im Bereich von Magenausgang und Zwölffingerdarm) bzw. Duodenalstenose (Verengung des Zwölffingerdarms) – durch akutes entzündliches Ödem (Gewebeschwellung) oder bei chronischem Verlauf durch narbige Fibrose (Bindegewebsvermehrung); infolge moderner medikamentöser Therapie heute selten [1, LL3].

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Hypovolämischer bzw. hämorrhagischer Schock (Kreislaufschock durch starken Flüssigkeits- bzw. Blutverlust) – bei massiver Ulkusblutung mit akutem intravasalem Volumenverlust (akutem Verlust von Blutvolumen aus den Gefäßen); unmittelbar lebensbedrohliche Komplikation [LL2, LL3].

Prognosefaktoren

  • Höheres Lebensalter, insbesondere > 60 Jahre – erhöht das Risiko für Ulkuskomplikationen wie Blutung und Perforation; bei perforiertem Ulkus zudem mit einer ungünstigeren Prognose assoziiert [2, 4, LL1, LL3].
  • Ulkus bzw. Ulkuskomplikation in der Anamnese (Krankengeschichte) – wesentlicher Risikofaktor für erneute Ulkuskomplikationen [LL1].
  • Gerinnungsaktive bzw. ulzerogene Medikation – nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Acetylsalicylsäure (ASS), P2Y12-Inhibitoren und Antikoagulanzien erhöhen insbesondere das Blutungsrisiko; systemische Glucocorticoide erhöhen das Risiko für Ulkuskomplikationen vor allem bei gleichzeitiger NSAR-Therapie [LL1].
  • Persistierende Helicobacter pylori-Infektion (andauernde Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori) bzw. fehlender Eradikationsnachweis (fehlender Nachweis der erfolgreichen Beseitigung des Erregers) – begünstigt Ulkusrezidive (erneutes Auftreten eines Geschwürs) und erneute Ulkusblutungen; nach einer H. pylori-assoziierten Ulkusblutung ist deshalb die erfolgreiche Eradikation zu sichern [LL1, LL2].
  • Idiopathisches, H. pylori- und NSAR-negatives Ulkus (Geschwür ohne erkennbare Ursache sowie ohne H. pylori-Infektion und ohne Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika) – mit erhöhter Rezidivrate (Rate des erneuten Auftretens); nach stattgehabter Blutung bestehen ein erhöhtes Rezidivblutungsrisiko und eine ungünstigere Prognose [LL1].
  • Schwere Begleiterkrankungen – insbesondere fortgeschrittene Nieren-, Leber-, Lungen- oder kardiovaskuläre Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen), Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Malignome (bösartige Tumorerkrankungen) erhöhen das Risiko für Ulkuskomplikationen und verschlechtern bei eingetretener Komplikation die Prognose [2, 4, LL1, LL3].
  • Prognostisch ungünstige Faktoren bei Ulkusblutung – hämodynamische Instabilität (instabiler Kreislauf), aktive Blutung bzw. Hochrisikostigmata nach Forrest (endoskopische Zeichen eines hohen Blutungsrisikos), eine Ulkusgröße > 2 cm sowie eine ungünstige Lokalisation, insbesondere an der Hinterwand des Bulbus duodeni (Anfangsabschnitt des Zwölffingerdarms), sind mit einem erhöhten Risiko für persistierende oder rezidivierende Blutungen verbunden [3, LL2].
  • Prognostisch ungünstige Faktoren bei Ulkusperforation – Schock bei Aufnahme, höheres Lebensalter, relevante Komorbidität (Begleiterkrankungen), Organfunktionsstörungen (Störungen der Organfunktion), Hypoalbuminämie (erniedrigter Albumingehalt im Blut) und verzögerte operative Versorgung sind mit einer erhöhten Letalität assoziiert [4, LL3].

Literatur

  1. Almadi MA, Lu Y, Alali AA et al.: Peptic ulcer disease. Lancet. 2024;404(10447):68-81. doi: 10.1016/S0140-6736(24)00155-7.
  2. Lau JY, Sung J, Hill C, Henderson C, Howden CW, Metz DC: Systematic Review of the Epidemiology of Complicated Peptic Ulcer Disease: Incidence, Recurrence, Risk Factors and Mortality. Digestion. 2011;84(2):102-113. doi: 10.1159/000323958.
  3. García-Iglesias P, Villoria A, Suarez D et al.: Meta-analysis: predictors of rebleeding after endoscopic treatment for bleeding peptic ulcer. Aliment Pharmacol Ther. 2011;34(8):888-900. doi: 10.1111/j.1365-2036.2011.04830.x.
  4. Møller MH, Adamsen S, Thomsen RW, Møller AM: Preoperative prognostic factors for mortality in peptic ulcer perforation: a systematic review. Scand J Gastroenterol. 2010;45(7-8):785-805. doi: 10.3109/00365521003783320.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Fischbach W et al.: Aktualisierte S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) – Juli 2022 – AWMF-Registernummer: 021-001. Z Gastroenterol. 2023;61(5):544-606. (AWMF-Registernummer 021-001) Langfassung. doi: 10.1055/a-1975-0414. [LL1]
  2. Götz M et al.: S2k-Leitlinie Gastrointestinale Blutung der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Dezember 2025 – Version 2.0 – AWMF-Registernummer: 021-028. Z Gastroenterol. 2026;64(7). (AWMF-Registernummer 021-028) Langfassung. doi: 10.1055/a-2802-7092. [LL2]
  3. Tarasconi A, Coccolini F, Biffl WL et al.: Perforated and bleeding peptic ulcer: WSES guidelines. World J Emerg Surg. 2020;15:3. doi: 10.1186/s13017-019-0283-9. [LL3]