Zollinger-Ellison-Syndrom – Differentialdiagnosen
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Multiple endokrine Neoplasie Typ 1 (erbliche Tumorerkrankung hormonbildender Drüsen) – syndromale Ursache eines Gastrinoms (gastrinbildender Tumor); differentialdiagnostisch relevant zur Abgrenzung eines sporadischen Gastrinoms von einem MEN1-assoziierten Zollinger-Ellison-Syndrom (Krankheit durch einen hormonbildenden Tumor mit starker Magensäurebildung), insbesondere bei Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen), Hypophysenadenom (gutartiger Tumor der Hirnanhangsdrüse) oder positiver Familienanamnese (Krankheitsvorkommen in der Familie)
- Primärer Hyperparathyreoidismus – insbesondere im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie Typ 1 relevant; Hypercalcämie (erhöhter Calciumspiegel im Blut) kann die gastrale Säuresekretion (Magensäurebildung) verstärken und eine Ulkusneigung (Neigung zu Geschwüren) aggravieren
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Cytomegalievirus-Gastroduodenitis (durch Cytomegalievirus verursachte Magen-Zwölffingerdarm-Entzündung) – infektiöse Ursache gastroduodenaler Ulzera (Geschwüre im Magen-Zwölffingerdarm-Bereich), vor allem bei Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems); differentialdiagnostisch relevant bei therapieresistenter Ulkuskrankheit (Geschwürkrankheit) ohne autonome Hypergastrinämie (eigenständige Erhöhung des Gastrinspiegels)
- Helicobacter-pylori-Gastritis (Magenschleimhautentzündung durch Helicobacter pylori) beziehungsweise Helicobacter-pylori-assoziierte Ulkuskrankheit – häufige Ursache peptischer Ulzera (säurebedingter Geschwüre) und mögliche Ursache einer meist moderaten Hypergastrinämie; zentrale Differentialdiagnose bei rezidivierenden Duodenal- oder Magenulzera (wiederkehrenden Zwölffingerdarm- oder Magengeschwüren)
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Autoimmungastritis Typ A (autoimmune Magenschleimhautentzündung) – chronisch atrophische Korpusgastritis (dauerhafte Magenschleimhautentzündung im Magenkörper mit Geweberückbildung) mit Hypochlorhydrie (verminderter Magensäurebildung) oder Achlorhydrie (fehlender Magensäurebildung) und reaktiver Hypergastrinämie (reaktiver Erhöhung des Gastrinspiegels); wichtige Differentialdiagnose, da der Magensaft-pH (Säuregrad des Magensafts) typischerweise nicht sauer ist
- Gastrale G-Zell-Hyperplasie (Vermehrung gastrinbildender Zellen im Magen) beziehungsweise antrale G-Zell-Hyperfunktion (Überfunktion gastrinbildender Zellen im Magenausgangsbereich) – seltene Ursache einer Hypergastrinämie mit erhaltener oder gesteigerter Säuresekretion (Säurebildung); kann klinisch ein Zollinger-Ellison-Syndrom imitieren
- Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit der Speiseröhre) mit erosiver Ösophagitis (entzündlicher Schleimhautschädigung der Speiseröhre) – kann durch Säurehypersekretion (übermäßige Magensäurebildung) beim Zollinger-Ellison-Syndrom verursacht sein, ist aber wesentlich häufiger nicht gastrinombedingt; Differentialdiagnose bei Sodbrennen, Regurgitation (Zurückfließen von Mageninhalt) und Ulkusbeschwerden (Geschwürbeschwerden)
- Magenausgangsstenose (Verengung des Magenausgangs) – kann durch Antrumdistension (Dehnung des Magenausgangsbereichs) eine Hypergastrinämie begünstigen und zugleich klinisch mit Erbrechen, Schmerzen, Ulkuskrankheit und Retention (Zurückhalten von Mageninhalt) ein Zollinger-Ellison-Syndrom imitieren
- Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) mit gastroduodenaler Beteiligung (Beteiligung von Magen und Zwölffingerdarm) – seltene Ursache therapieresistenter gastroduodenaler Ulzera; differentialdiagnostisch relevant bei Ulzera außerhalb der typischen peptischen Lokalisation (säurebedingten Lage), Diarrhö (Durchfall) und systemischen Entzündungszeichen (Entzündungszeichen des gesamten Körpers)
- Peptische Ulkuskrankheit (säurebedingte Geschwürkrankheit) ohne Gastrinom – häufigste klinische Differentialdiagnose bei epigastrischen Schmerzen (Oberbauchschmerzen), Magen- oder Duodenalulzera; insbesondere bei Helicobacter-pylori-Infektion (Infektion mit dem Magenkeim Helicobacter pylori), Einnahme nichtsteroidaler Antirheumatika (entzündungshemmender Schmerzmittel ohne Cortison) oder Acetylsalicylsäure (schmerzstillender und blutverdünnender Wirkstoff)
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Gastrales Lymphom (Lymphdrüsenkrebs des Magens) – maligne Differentialdiagnose (bösartige Vergleichserkrankung) bei therapieresistenten, atypischen oder großen Magenulzera beziehungsweise ulzerierenden Raumforderungen (geschwürig zerfallenden Gewebevermehrungen)
- Magenkarzinom (Magenkrebs) – wichtige Differentialdiagnose bei nicht heilendem Magenulkus (Magengeschwür), Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut), Blutung oder Magenausgangsstenose
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom (Schilddrüsenkrebs aus C-Zellen) – seltene tumorbedingte Differentialdiagnose bei sekretorischer Diarrhö (durch vermehrte Flüssigkeitsabgabe im Darm verursachtem Durchfall); relevant, wenn die Diarrhö gegenüber der Ulkuskrankheit klinisch dominiert
- VIPom (hormonbildender Tumor mit Bildung von vasoaktivem intestinalem Peptid) – neuroendokriner Tumor (hormonbildender Tumor aus Nervenhormon-Zellen) mit sekretorischer Diarrhö, Hypokaliämie (erniedrigtem Kaliumspiegel im Blut) und Achlorhydrie; Differentialdiagnose bei ausgeprägter wässriger Diarrhö ohne typische Säurehypersekretionskonstellation (Konstellation mit übermäßiger Magensäurebildung)
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Chronische Niereninsuffizienz (dauerhafte Nierenschwäche) – kann durch verminderte renale Gastrinclearance (verminderte Ausscheidung von Gastrin über die Niere) zu erhöhten Gastrinspiegeln führen; differentialdiagnostisch relevant bei Hypergastrinämie ohne typische gastrinombedingte Säurehypersekretion
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Retained-antrum-Syndrom (zurückgebliebener Magenausgangsbereich nach Operation) nach Magenteilresektion (teilweiser Magenentfernung) – Hypergastrinämie durch zurückgelassenes Antrumgewebe (Gewebe des Magenausgangsbereichs) nach Magenoperation, insbesondere nach Billroth-II-Konstellation (bestimmter Operationsform nach Magenteilentfernung); klassische postoperative Differentialdiagnose (Vergleichserkrankung nach Operation) einer Hypergastrinämie mit Ulkusrezidiven (wiederkehrenden Geschwüren)
Medikamente
- Acetylsalicylsäure und nichtsteroidale Antirheumatika – häufige medikamentöse Ursache peptischer Ulzera, Ulkusblutungen (Geschwürblutungen) und therapieresistenter Beschwerden ohne autonome Gastrinsekretion (eigenständige Gastrinbildung)
- H2-Rezeptor-Antagonisten (Säureblocker) – können durch Säuresuppression (Hemmung der Magensäurebildung) eine reaktive Hypergastrinämie verursachen und die biochemische Diagnostik (Labordiagnostik) eines Zollinger-Ellison-Syndroms beeinflussen
- Protonenpumpeninhibitoren (PPI, Säureblocker) – häufigste medikamentöse Ursache einer reaktiven Hypergastrinämie durch Hypochlorhydrie; zentrale Differentialdiagnose und wesentlicher Störfaktor der ZES-Diagnostik (Diagnostik des Zollinger-Ellison-Syndroms)
Weiteres
- Falsch erhöhte Gastrinwerte (falsch erhöhte Laborwerte des Hormons Gastrin) durch präanalytische oder analytische Faktoren (Einflüsse vor oder während der Laboranalyse) – insbesondere nicht nüchterne Blutentnahme, ungeeignete Probenverarbeitung oder Assay-Interferenzen (Störungen des Labortests); vor Diagnose eines Zollinger-Ellison-Syndroms zu berücksichtigen
- Physiologische postprandiale Hypergastrinämie (normale Gastrinerhöhung nach dem Essen) – nicht krankhafte Gastrinerhöhung nach Nahrungsaufnahme; differentialdiagnostisch relevant bei nicht nüchtern bestimmtem Gastrin