Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Verbesserung der Symptomatik und der Lebensqualität.
- Verbesserung der Krankheitsbewältigung.
- Ggf. Beschwerdefreiheit bei möglichst geringer Arzneimittelbelastung.
Therapieempfehlungen
Die folgenden Empfehlungen und Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Die Behandlung erfolgt symptomorientiert und unter Berücksichtigung von Begleiterkrankungen, Arzneimittelinteraktionen und Zulassungsstatus.
- Diagnosesicherung und Basismaßnahmen:
- Organische Erkrankungen und arzneimittelbedingte Beschwerden ausschließen; insbesondere nichtsteroidale Antirheumatika sowie andere potenziell symptomverstärkende Arzneimittel überprüfen.
- Die funktionelle Dyspepsie (Reizmagen) als Störung der Darm-Hirn-Interaktion erklären. Medikamentöse Maßnahmen mit individuell angepasster Ernährung, Bewegung und ggf. psychotherapeutischen Verfahren (Behandlungen mit psychologischen Mitteln) verbinden.
- Bei jüngeren Patienten ohne Warnzeichen kann eine nichtinvasive Helicobacter-pylori-Testung mit Eradikation (vollständiger Beseitigung des Erregers) bei positivem Befund erfolgen. Eine generelle Ablehnung der „Test-and-treat“-Strategie ist nicht gerechtfertigt. Bei Warnzeichen, erhöhtem Malignomrisiko (Risiko für eine bösartige Erkrankung) oder anhaltenden Beschwerden ist eine endoskopische Abklärung (Untersuchung durch eine Spiegelung) erforderlich [LL1, LL2].
- Helicobacter-pylori-Eradikation:
- Bei nachgewiesener Infektion eine leitliniengerechte Eradikation durchführen. Die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Beschwerdebesserung steigt gegenüber einer alleinigen symptomatischen Behandlung; der durchschnittliche symptomatische Nutzen ist jedoch begrenzt [1, LL2, LL5].
- Das Eradikationsschema nach Resistenzlage, vorausgegangener Antibiotikaexposition, Allergien und früheren Eradikationsversuchen auswählen; häufig kommt eine Bismut-Quadrupeltherapie (Behandlung mit vier Arzneimittelbestandteilen einschließlich Bismut) zum Einsatz. Siehe „Helicobacter-pylori-Infektion/Pharmakotherapie“ [LL5].
- Den Eradikationserfolg frühestens vier Wochen nach Ende der Antibiotikatherapie kontrollieren; PPI hierfür mindestens zwei Wochen pausieren. Geeignet sind insbesondere der 13C-Harnstoff-Atemtest oder ein geeigneter Stuhlantigentest [LL5].
- Eine Beschwerdebesserung kann verzögert eintreten. Bei anhaltenden Beschwerden trotz erfolgreicher Eradikation eine symptomatische Behandlung anbieten [1, LL2].
- Symptomorientierte Erstlinientherapie:
- Standardisierte Phytotherapeutika wie Pfefferminzöl/Kümmelöl sowie STW 5 beziehungsweise STW 5-II können eingesetzt werden; die DGNM-Leitlinie von 2025 ordnet diese als Erstlinienoptionen ein. Die Evidenz ist präparatespezifisch und unterschiedlich sicher [7, LL1].
- Bei Helicobacter-pylori-Negativität beziehungsweise fortbestehenden Beschwerden nach Eradikation ist ein zeitlich begrenzter Therapieversuch mit einem PPI möglich, insbesondere bei epigastrischem Brennen (Brennen im mittleren Oberbauch) und begleitenden säureassoziierten Beschwerden. Das Ansprechen nach vier bis acht Wochen überprüfen [9, LL2].
- Bei führendem Sodbrennen oder Regurgitation (Zurückfließen von Mageninhalt in die Speiseröhre oder den Mund) eine begleitende gastroösophageale Refluxkrankheit (Erkrankung durch Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre) berücksichtigen.
- Eine starre Behandlungsfolge „EPS (Schmerzsyndrom mit Schmerzen oder Brennen im mittleren Oberbauch): zuerst PPI, danach Prokinetikum“ beziehungsweise „PDS (Beschwerdesyndrom mit Völlegefühl nach dem Essen oder frühzeitigem Sättigungsgefühl): zuerst Prokinetikum, danach PPI“ ist durch die verfügbare Evidenz nicht ausreichend abgesichert [LL2].
- Für PPI ist bei funktioneller Dyspepsie kein verlässlicher Zusatznutzen höherer gegenüber niedrigen beziehungsweise üblichen Dosierungen belegt. Bei fehlendem Ansprechen keine unbegrenzte Dosiseskalation oder Dauertherapie durchführen [9].
- Zweitlinientherapie mit Neuromodulatoren:
- Bei anhaltenden Beschwerden kann niedrig dosiertes Amitriptylin eingesetzt werden, besonders bei schmerzbetonter Symptomatik. Die Anwendung erfolgt als Neuromodulation und setzt keine depressive Erkrankung (Erkrankung mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust oder Antriebsmangel) voraus [10, LL2].
- Bei ausgeprägter frühzeitiger Sättigung mit Gewichtsverlust kann nach organischer Abklärung Mirtazapin als individuelle fachärztliche Option erwogen werden. Die Evidenz ist begrenzter als für trizyklische Antidepressiva [11, LL2].
- Die Anwendung bei funktioneller Dyspepsie erfolgt jeweils off-label. Nutzen, Risiken und Verlaufskontrollen mit dem Patienten besprechen.
- Johanniskraut, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer sind keine etablierten Therapien der funktionellen Dyspepsie. Eine unabhängige psychiatrische Indikation ist gesondert zu beurteilen [LL2].
- Prokinetika und Antiemetika:
- Ältere Untersuchungen beschreiben einen Nutzen verschiedener Prokinetika; dieser lässt sich wegen unterschiedlicher Wirkstoffe und Studienqualität nicht pauschal auf Domperidon oder Metoclopramid übertragen [3, LL2].
- Domperidon ist zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen zugelassen. Es ist keine etablierte Dauertherapie für Völlegefühl, frühzeitige Sättigung oder Oberbauchschmerzen. Die Behandlung soll normalerweise höchstens eine Woche dauern [PE1].
- Metoclopramid ist in Deutschland verfügbar, jedoch wegen neurologischer Risiken keine geeignete Dauertherapie der funktionellen Dyspepsie [LL2].
- Acotiamid, Itoprid und weitere international untersuchte Prokinetika sind keine regulär zugelassenen Standardoptionen für funktionelle Dyspepsie in Deutschland [LL1].
Wirkstoffe (Hauptindikationen)
Die aufgeführten symptomatischen Dosierungen gelten nicht für eine Helicobacter-pylori-Eradikation. PPI, H2-Rezeptorantagonisten und Neuromodulatoren werden bei alleiniger funktioneller Dyspepsie außerhalb ihrer zugelassenen Indikationen eingesetzt; eine gleichzeitig bestehende zugelassene Indikation ist gesondert zu berücksichtigen [LL1].
Standardisierte Phytotherapeutika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Pfefferminzöl/Kümmelöl, fixe Kombination | Unzerkaut mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit einnehmen. Bei Sodbrennen mögliche Beschwerdeverstärkung beachten; zu Antazida mindestens eine Stunde Abstand einhalten [FI5]. |
| STW 5-II: Kombination aus sechs Pflanzenextrakten | Vor oder zu den Mahlzeiten in etwas Flüssigkeit einnehmen. Enthält unter anderem Iberis amara, Kamille, Kümmel, Melisse, Pfefferminze und Süßholz; enthält Ethanol, jedoch kein Schöllkraut [FI6]. |
| STW 5: Kombination aus neun Pflanzenextrakten | Zusätzlich unter anderem Schöllkraut enthalten. Berichte über schwere Leberschädigungen beachten; bei bestehenden oder früheren Lebererkrankungen beziehungsweise gleichzeitiger Einnahme potenziell leberschädigender Arzneimittel kontraindiziert [FI7]. |
- Wirkweise: Präparatespezifische spasmolytische und motilitätsmodulierende Effekte; bei Pflanzenextraktkombinationen werden zusätzlich Einflüsse auf viszerale Sensitivität und entzündliche Prozesse diskutiert. Die klinische Wirksamkeit ist nicht auf beliebige Pflanzenpräparate übertragbar [7].
- Indikationen: Symptomatische Behandlung dyspeptischer Beschwerden (Beschwerden wie Völlegefühl, frühzeitige Sättigung oder Schmerzen im Oberbauch), insbesondere Völlegefühl, leichte krampfartige Beschwerden und Oberbauchschmerzen; Zulassung und Evidenz des konkreten Präparates beachten [FI5-FI7].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Bestandteile. Pfefferminzöl/Kümmelöl: zusätzlich Achlorhydrie (Fehlen von Magensäure), Lebererkrankungen, Gallensteine und weitere Gallenerkrankungen. STW 5: zusätzlich die genannten leberbezogenen Gegenanzeigen. In Schwangerschaft und Stillzeit die jeweilige Produktinformation beachten [FI5-FI7].
- Nebenwirkungen: Allergische Reaktionen; bei Pfefferminzöl/Kümmelöl Aufstoßen, Sodbrennen oder gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden). Bei schöllkrauthaltigem STW 5 sind potenziell schwere Leberschädigungen zu berücksichtigen. Bei Ikterus (Gelbsucht), dunklem Urin oder entsprechenden Beschwerden sofort absetzen und abklären [FI5-FI7].
Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Esomeprazol | Bei schwerer Leberfunktionsstörung maximal 20 mg/Tag; bei Nierenfunktionsstörung normalerweise keine Dosisanpassung [FI1]. |
| Lansoprazol | Bei mittelschwerer oder schwerer Lebererkrankung Tagesdosis um 50 % reduzieren und überwachen; keine routinemäßige Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung [FI1]. |
| Omeprazol | Bei Leberfunktionsstörung können 10-20 mg/Tag ausreichen; keine Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung. Interaktionen insbesondere mit Clopidogrel beachten [FI1]. |
| Pantoprazol | Bei schwerer Leberfunktionsstörung maximal 20 mg/Tag und Kontrolle der Leberenzyme; keine Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörung [FI1]. |
| Rabeprazol | Bei leichter bis mäßiger Leberfunktionsstörung und bei Nierenfunktionsstörung normalerweise keine Dosisanpassung; bei schwerer Leberfunktionsstörung Vorsicht [FI1]. |
- Wirkweise: Irreversible Hemmung der gastralen H+/K+-ATPase und damit der Magensäuresekretion; Aktivierung der Prodrugs im sauren Milieu.
- Indikationen: Zeitlich begrenzter Therapieversuch bei funktioneller Dyspepsie, insbesondere bei säureassoziierten Beschwerden; zusätzlich Behandlung einer ggf. bestehenden Refluxkrankheit. Die ältere Metaanalyse zu „ulcer-like“ und „reflux-like“ Dyspepsie lässt sich nicht unmittelbar auf heutige EPS- und PDS-Untergruppen übertragen [2, 9].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff beziehungsweise verwandte Benzimidazole. Wirkstoffabhängige Gegenanzeigen bei Kombination mit bestimmten antiretroviralen Arzneimitteln beachten; weitere relevante Interaktionen gemäß Fachinformation prüfen [FI1].
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Diarrhoe (Durchfall), Obstipation (Verstopfung) und Flatulenz (Blähungen); selten unter anderem akute tubulointerstitielle Nephritis (akute Entzündung des Nierengewebes und der Nierenkanälchen). Bei längerer Anwendung unter anderem Hypomagnesiämie und ein erhöhtes Risiko gastrointestinaler Infektionen (Infektionen des Magen-Darm-Traktes) berücksichtigen [FI1].
PPI gemäß präparatespezifischer Fachinformation vor einer Mahlzeit einnehmen, beispielsweise Pantoprazol etwa eine Stunde vorher. Nach vier bis acht Wochen Nutzen und weitere Indikation überprüfen. Bei fehlendem Nutzen absetzen; bei Ansprechen einen Auslassversuch beziehungsweise eine Reduktion auf die niedrigste wirksame Behandlung erwägen. Nach längerer Einnahme können vorübergehende Rebound-Säurebeschwerden (Säurebeschwerden durch vorübergehend verstärkte Magensäurebildung nach dem Absetzen) auftreten [LL4, FI1].
H2-Rezeptorantagonisten
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Famotidin | Alternative bei säureassoziierten Beschwerden und PPI-Unverträglichkeit. Bei Kreatinin-Clearance < 30 ml/min Tagesdosis gemäß Fachinformation um 50 % reduzieren. Bei kontinuierlicher Einnahme kann eine Wirkungsabnahme durch Toleranzentwicklung auftreten [FI2]. |
- Wirkweise: Blockade der Histamin-H2-Rezeptoren an den gastralen Belegzellen und Verminderung der Magensäuresekretion.
- Indikationen: Individueller Therapieversuch bei säureassoziierter Dyspepsie; die Evidenz ist weniger belastbar als für PPI [LL2].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Famotidin beziehungsweise Bestandteile des Präparates; mögliche Kreuzreaktionen mit anderen H2-Rezeptorantagonisten beachten [FI2].
- Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Diarrhoe oder Obstipation; selten unter anderem Verwirrtheit, Blutbildveränderungen und Erhöhung von ALT (GPT)/AST (GOT), insbesondere bei gefährdeten Patienten und unzureichender Dosisanpassung [FI2].
Ranitidin wird wegen des Ruhens der Zulassungen ranitidinhaltiger Arzneimittel in der Europäischen Union infolge der NDMA-Problematik nicht als Therapieoption aufgeführt [PE2].
Trizyklische Antidepressiva als Neuromodulatoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Amitriptylin | Off-label bei funktioneller Dyspepsie. Die hier genannten Dosierungen entsprechen der üblichen Angabe für Amitriptylinhydrochlorid; bei Präparaten mit Angabe der freien Base die äquivalente Stärke beachten. Bei älteren Patienten besonders vorsichtig titrieren. Bei kardialen Risiken EKG und Elektrolyte überprüfen; bei Leberfunktionsstörung ggf. Dosis reduzieren. Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion) ist keine generelle Kontraindikation [FI3]. |
- Wirkweise: Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin und Serotonin sowie Beeinflussung der zentralen Schmerzverarbeitung. Die allgemeine analgetische Wirkung ist beschrieben; die dyspepsiespezifische Wirksamkeit wird durch entsprechende randomisierte Studien gestützt [4, 10].
- Indikationen: Anhaltende funktionelle Dyspepsie nach unzureichendem Ansprechen auf Erstlinienmaßnahmen, besonders bei schmerzbetonter Symptomatik [10, LL2].
- Kontraindikationen: Unter anderem kürzlich zurückliegender Herzinfarkt, Herzblock (Störung der elektrischen Erregungsleitung im Herzen), relevante Herzrhythmusstörungen, Koronarinsuffizienz (unzureichende Blutversorgung des Herzmuskels), schwere Lebererkrankung und gleichzeitige Behandlung mit MAO-Hemmern. Besondere Vorsicht bei Harnverhalt (Unfähigkeit, die gefüllte Harnblase zu entleeren), Engwinkelglaukom (Form des grünen Stars mit verengtem Abflusswinkel im Auge), ausgeprägter Obstipation und Krampfanamnese (früher aufgetretenen Krampfanfällen) [FI3].
- Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Obstipation, Sedierung (Dämpfung mit Müdigkeit oder Schläfrigkeit), Gewichtszunahme, orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen), Harnverhalt und Akkommodationsstörungen (Störungen der Scharfstellung des Auges); QT-Verlängerung (Verlängerung einer elektrischen Erholungsphase des Herzens) und Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) möglich. Erhöhte Toxizität bei Überdosierung beachten [FI3].
Die Wirksamkeit nach einem ausreichend langen Therapieversuch von etwa acht bis zwölf Wochen beurteilen. Bei Nutzen Fortführung mit regelmäßiger Überprüfung; nach stabiler Besserung langsames Ausschleichen erwägen [LL2].
Tetrazyklische Antidepressiva als Neuromodulatoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Mirtazapin | Off-label; individuelle fachärztliche Option bei frühzeitiger Sättigung und Gewichtsverlust nach organischer Abklärung. In einer placebokontrollierten Pilotstudie wurden 15 mg/Tag über acht Wochen untersucht. Bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung verminderte Clearance beachten [11, FI4]. |
- Wirkweise: Antagonismus an zentralen α2-Adrenozeptoren sowie unter anderem an 5-HT2-, 5-HT3- und H1-Rezeptoren; appetitsteigernde und sedierende Effekte.
- Indikationen: Ausgewählte Patienten mit therapieresistenter funktioneller Dyspepsie, ausgeprägter frühzeitiger Sättigung und Gewichtsverlust. Die Pilotstudie zeigte Vorteile für frühzeitige Sättigung, Gewicht und Lebensqualität, jedoch keinen gesicherten Vorteil beim globalen Dyspepsie-Score nach acht Wochen [11].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern beziehungsweise Anwendung innerhalb der vorgeschriebenen Absetzintervalle. Vorsicht bei Epilepsie (Erkrankung mit wiederkehrenden epileptischen Anfällen), bipolarer Erkrankung (Erkrankung mit depressiven und krankhaft gehobenen oder gereizten Stimmungslagen) und QT-Risikofaktoren [FI4].
- Nebenwirkungen: Sedierung, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Mundtrockenheit, Schwindel und Obstipation; selten unter anderem Hyponatriämie und Knochenmarkdepression (Unterdrückung der Blutzellbildung im Knochenmark). Bei Fieber, Halsschmerzen oder Stomatitis (Entzündung der Mundschleimhaut) Blutbildkontrolle und Therapieüberprüfung [FI4].
Dopamin-Antagonisten – kurzfristige Antiemese (Unterdrückung von Übelkeit und Erbrechen)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Domperidon | Nur bei entsprechender Indikation zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen; niedrigste wirksame Dosis, normalerweise höchstens sieben Tage. Bei schwerer Niereninsuffizienz Einnahmehäufigkeit reduzieren. Erhöhtes kardiales Risiko insbesondere bei Patienten über 60 Jahren [PE1]. |
- Wirkweise: Überwiegend periphere Dopamin-D2-Rezeptorblockade mit antiemetischen und prokinetischen Effekten.
- Indikationen: Kurzfristige Behandlung von Übelkeit und Erbrechen. Keine routinemäßige oder dauerhafte Behandlung der funktionellen Dyspepsie [PE1].
- Kontraindikationen: Unter anderem QT-Verlängerung, relevante Elektrolytstörungen, bedeutsame Herzerkrankungen, mäßige bis schwere Leberfunktionsstörung sowie gleichzeitige Anwendung kontraindizierter QT-verlängernder Arzneimittel oder starker CYP3A4-Inhibitoren. Keine Anwendung bei gastrointestinaler Blutung (Blutung im Magen-Darm-Trakt), mechanischer Obstruktion (Verschluss durch ein körperliches Hindernis) oder Perforation (Durchbruch der Magen- oder Darmwand) [PE1].
- Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Hyperprolaktinämie, Galaktorrhoe (Milchfluss außerhalb der Stillzeit) und gastrointestinale Beschwerden; schwerwiegende ventrikuläre Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen, die von den Herzkammern ausgehen), Torsade-de-Pointes-Tachykardien (besondere Form einer gefährlichen schnellen Herzrhythmusstörung) und plötzlicher Herztod möglich [PE1].
Weitere Hinweise
- Keine routinemäßige anticholinerge Therapie: Butylscopolamin und Trospiumchlorid sind keine etablierten Standardtherapien der funktionellen Dyspepsie. Die Aussage „orale Gabe von Butylscopolamin nicht effektiv“ ist nicht allgemeingültig; für die funktionelle Dyspepsie fehlt jedoch eine ausreichend gesicherte Wirksamkeit. Anticholinerge Effekte können Obstipation oder Motilitätsstörungen (Störungen der Bewegungsabläufe im Magen-Darm-Trakt) verstärken.
- Antazida und Alginate: Ggf. zur kurzfristigen Behandlung begleitender Refluxbeschwerden; keine gesicherte Standardtherapie der funktionellen Dyspepsie [LL2].
- Probiotika: Eine achtwöchige Pilotstudie mit Bacillus coagulans MY01 und Bacillus subtilis MY02 ergab ein höheres klinisches Ansprechen als Placebo. Die Ergebnisse sind stammspezifisch und begründen keine allgemeine Wirksamkeitsaussage für beliebige Probiotika [6].
- Weitere pflanzliche Präparate: Für Artischocke, Ingwer und Schwarzkümmel bestehen Hinweise aus kleinen Studien; Evidenzsicherheit, Präparatequalität und Übertragbarkeit sind begrenzt [7].
- Curcumin: Die randomisierte Vergleichsstudie mit Omeprazol belegt keine therapeutische Gleichwertigkeit. Die publizierte Korrektur stellt ausdrücklich klar, dass keine Äquivalenzstudie durchgeführt wurde. Daraus lässt sich keine gesicherte Routineempfehlung oder Austauschbarkeit mit PPI ableiten [8, 12].
- PPI und Magenkarzinom (Magenkrebs): Die zitierte populationsbasierte Beobachtungsstudie beschrieb nach Helicobacter-pylori-Behandlung eine Assoziation zwischen PPI-Einnahme und Magenkarzinom, mit einer adjustierten Hazard Ratio von 2,44 (95 %-Konfidenzintervall: 1,42-4,20). Sie beweist keinen ursächlichen Zusammenhang; die Angabe als relatives Risiko und die Formulierung eines gesicherten kausalen Risikos sind nicht korrekt [5].
- Verlaufskontrolle: Bei fehlendem Therapieansprechen Diagnose, Einnahme, Begleiterkrankungen und Behandlungsziele erneut überprüfen. Unwirksame Arzneimittel absetzen und ggf. spezialisierte gastroenterologische beziehungsweise psychosomatische Mitbehandlung anbieten [LL2].
Red Flags (Warnzeichen) bei funktioneller Dyspepsie
- Gastrointestinale Blutung: Hämatemesis (Bluterbrechen), Meläna (schwarzer, teerartiger Stuhl durch verdautes Blut) oder Kreislaufinstabilität erfordern eine sofortige Abklärung.
- Unbeabsichtigter Gewichtsverlust, Anämie (Blutarmut) oder tastbare Raumforderung (tastbare Gewebevermehrung oder Schwellung): Zeitnahe organische Diagnostik; Beschwerden nicht vorschnell einer funktionellen Dyspepsie zuordnen.
- Progressive Dysphagie (zunehmende Schluckstörung), Odynophagie (Schmerzen beim Schlucken) oder anhaltendes Erbrechen: Zeitnahe endoskopische beziehungsweise weiterführende Abklärung.
- Neu auftretende Beschwerden im höheren Lebensalter oder familiäre Belastung mit Magen- beziehungsweise Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs): Niedrige Schwelle zur Gastroskopie (Magenspiegelung).
- Akute starke Oberbauchschmerzen, Fieber, Ikterus oder thorakale Beschwerden (Beschwerden im Brustkorb): Akute organische Ursachen einschließlich kardialer Erkrankungen ausschließen [LL1, LL2].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Darmgesundheit sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, E, D3)
- Mineralstoffe (Calcium)
- Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungsverzeichnis
- ACG: American College of Gastroenterology.
- ALT: Alanin-Aminotransferase.
- AST: Aspartat-Aminotransferase.
- ATPase: Adenosintriphosphat spaltendes Enzym.
- AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
- CAG: Canadian Association of Gastroenterology.
- CMDh: Coordination Group for Mutual Recognition and Decentralised Procedures – Human; europäische Koordinierungsgruppe für Zulassungsverfahren von Humanarzneimitteln.
- CYP3A4: Cytochrom P450 3A4.
- D2: Dopaminrezeptor des Typs 2.
- DGBI: Disorder of Gut-Brain Interaction; Störung der Darm-Hirn-Interaktion.
- DGNM: Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität.
- EKG: Elektrokardiogramm.
- EPS: Epigastric Pain Syndrome; epigastrisches Schmerzsyndrom.
- FI: Fachinformation beziehungsweise Produktinformation; Quellenkennzeichnung.
- Ggf.: gegebenenfalls.
- GOT: Glutamat-Oxalacetat-Transaminase; ältere Bezeichnung für AST.
- GPT: Glutamat-Pyruvat-Transaminase; ältere Bezeichnung für ALT.
- H1/H2: Histaminrezeptoren der Typen 1 beziehungsweise 2.
- 5-HT2/5-HT3: 5-Hydroxytryptamin-Rezeptoren der Typen 2 beziehungsweise 3; Serotoninrezeptoren.
- KBE: koloniebildende Einheiten.
- LL: Leitlinie; Quellenkennzeichnung.
- MAO: Monoaminoxidase.
- NDMA: N-Nitrosodimethylamin.
- PDS: Postprandial Distress Syndrome; postprandiales Distress-Syndrom.
- PE: behördliche Arzneimittelinformation; Quellenkennzeichnung.
- PPI: Protonenpumpeninhibitoren.
- QT: Zeitintervall zwischen Beginn der Q-Zacke und Ende der T-Welle im EKG.
- RDS: Reizdarmsyndrom.
- S1: Leitlinienklasse auf Grundlage eines informellen Expertenkonsenses.
- S2k: Leitlinienklasse auf Grundlage einer strukturierten Konsensfindung.
- S. u.: siehe unter.
- STW 5/STW 5-II: Bezeichnungen standardisierter pflanzlicher Extraktkombinationen.
Literatur
- Zhao B et al.: Efficacy of Helicobacter pylori eradication therapy on functional dyspepsia: a meta-analysis of randomized controlled studies with 12-month follow-up. J Clin Gastroenterol. 2014;48(3):241-247. doi: 10.1097/MCG.0b013e31829f2e25.
- Wang WH, Huang JQ, Zheng GF et al.: Effects of proton-pump inhibitors on functional dyspepsia: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Clin Gastroenterol Hepatol. 2007;5(2):178-185; quiz 140. doi: 10.1016/j.cgh.2006.09.012.
- Talley NJ, Vakil NB, Moayyedi P: American gastroenterological association technical review on the evaluation of dyspepsia. Gastroenterology. 2005;129(5):1756-1780. doi: 10.1053/j.gastro.2005.09.020.
- Bryson HM, Wilde MI: Amitriptyline. A review of its pharmacological properties and therapeutic use in chronic pain states. Drugs Aging. 1996;8(6):459-476. doi: 10.2165/00002512-199608060-00008.
- Cheung KS et al.: Long-term proton pump inhibitors and risk of gastric cancer development after treatment for Helicobacter pylori: a population-based study. Gut. 2018;67(1):28-35. doi: 10.1136/gutjnl-2017-314605.
- Wauters L et al.: Efficacy and safety of spore-forming probiotics in the treatment of functional dyspepsia: a pilot randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2021;6(10):784-792. doi: 10.1016/S2468-1253(21)00226-0.
- Báez G, Vargas C, Arancibia M, Papuzinski C, Franco JVA: Non-Chinese herbal medicines for functional dyspepsia. Cochrane Database Syst Rev. 2023;6(6):CD013323. doi: 10.1002/14651858.CD013323.pub2.
- Kongkam P et al.: Curcumin and proton pump inhibitors for functional dyspepsia: a randomised, double blind controlled trial. BMJ Evid Based Med. 2023;28(6):399-406. doi: 10.1136/bmjebm-2022-112231.
- Pinto-Sanchez MI, Yuan Y, Hassan A, Bercik P, Moayyedi P: Proton pump inhibitors for functional dyspepsia. Cochrane Database Syst Rev. 2017;11(11):CD011194. doi: 10.1002/14651858.CD011194.pub3.
- Talley NJ et al.: Effect of Amitriptyline and Escitalopram on Functional Dyspepsia: A Multicenter, Randomized Controlled Study. Gastroenterology. 2015;149(2):340-349.e2. doi: 10.1053/j.gastro.2015.04.020.
- Tack J et al.: Efficacy of Mirtazapine in Patients With Functional Dyspepsia and Weight Loss. Clin Gastroenterol Hepatol. 2016;14(3):385-392.e4. doi: 10.1016/j.cgh.2015.09.043.
- Correction: Curcumin and proton pump inhibitors for functional dyspepsia: a randomised, double blind controlled trial. BMJ Evid Based Med. 2025;30(5):358. doi: 10.1136/bmjebm-2022-112231corr1.
Leitlinien
- Storr M, Andresen V, Frieling T et al.: S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) zur funktionellen Dyspepsie (Reizmagen), einer Disorder of Gut-Brain Interaction (DGBI). Z Gastroenterol. 2025;63(4):403-422. April 2025. doi: 10.1055/a-2518-1430. Langfassung. Die AWMF-Registernummer: 175-001 wurde im Juni 2026 als Leitlinienanmeldung veröffentlicht; diese Anmeldung ist keine neue publizierte Leitlinienfassung [LL1]
- Black CJ, Paine PA, Agrawal A et al.: British Society of Gastroenterology guidelines on the management of functional dyspepsia. Gut. 2022;71(9):1697-1723. doi: 10.1136/gutjnl-2022-327737 [LL2]
- Moayyedi PM, Lacy BE, Andrews CN et al.: ACG and CAG Clinical Guideline: Management of Dyspepsia. Am J Gastroenterol. 2017;112(7):988-1013. doi: 10.1038/ajg.2017.154 [LL3]
- Farrell B et al.: Deprescribing proton pump inhibitors: Evidence-based clinical practice guideline. Can Fam Physician. 2017;63(5):354-364. Volltextnachweis [LL4]
- S2k-Leitlinie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (Erkrankung mit Geschwüren im Magen oder Zwölffingerdarm). (AWMF-Registernummer: 021-001). Version 4.0, Juli 2022. Langfassung [LL5]
Fachinformationen und Produktinformationen
- Präparatespezifische Fachinformationen zu Esomeprazol, Lansoprazol, Omeprazol, Pantoprazol und Rabeprazol [FI1]
- Famotidin-ratiopharm 20 mg/40 mg Filmtabletten: Fachinformation [FI2]
- Amitriptylin-neuraxpharm Filmtabletten: Fachinformation [FI3]
- Mirtazapin dura Filmtabletten: Fachinformation [FI4]
- Carmenthin bei Verdauungsstörungen: Fachinformation [FI5]
- Iberogast ADVANCE: Fachinformation [FI6]
- Iberogast Classic: Herstellerinformationen für Fachkreise [FI7]
Behördliche Arzneimittelinformationen
- European Medicines Agency: CMDh confirms recommendations on restricting use of domperidone-containing medicines [PE1]
- European Medicines Agency: Ranitidine-containing medicinal products – referral [PE2]