Fremdkörperingestion – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine Fremdkörperingestion (Verschlucken eines Fremdkörpers) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Mediastinitis (Entzündung des Mittelfellraums) – infolge transmuraler Ösophagusschädigung bzw. -perforation (Durchbruch der Speiseröhre); insbesondere nach Impaktion (Steckenbleiben) einer Knopfzellbatterie können Läsionen auch nach deren Entfernung über Tage bis Wochen fortschreiten [LL1, LL3].
- Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand) – seltene Folge einer tiefen bzw. perforierenden Ösophagusschädigung, insbesondere nach Knopfzellbatterieingestion [LL1].
- Stimmbandparese/-paralyse (teilweise bzw. vollständige Stimmbandlähmung) – seltene, potenziell verzögert auftretende Komplikation einer tiefen ösophagealen Gewebeschädigung durch eine Knopfzellbatterie [LL1, LL3].
Herzkreislaufsystem (I00-I99)
- Aortoösophageale bzw. andere arterioösophageale Fistel (krankhafte Verbindung zwischen einer Arterie und der Speiseröhre) – seltene, jedoch hochletale Folge einer tiefen Ösophagusnekrose (Absterben von Gewebe der Speiseröhre) nach Knopfzellbatterieingestion; betroffen sein können neben der Aorta unter anderem die Arteria subclavia oder Schilddrüsenarterien. Die resultierende massive Blutung kann noch Tage bis Wochen nach Entfernung der Batterie auftreten [2, LL1, LL3].
Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)
- Sepsis (Blutvergiftung) – seltene lebensbedrohliche Sekundärkomplikation nach gastrointestinaler Nekrose (Absterben von Gewebe im Magen-Darm-Trakt), Perforation und Peritonitis (Bauchfellentzündung), insbesondere bei multipler Magnetingestion bzw. Magnet-Metall-Kombinationen [3, LL1].
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Blutungen – durch Schleimhauterosionen (oberflächliche Schleimhautschäden), Lazerationen (Einrisse), Ulzerationen (Geschwüre) oder Nekrosen (Absterben von Gewebe); bei Knopfzellbatterien sind schwere verzögerte Blutungen insbesondere bei Gefäßfistelbildung möglich [2, 4, LL1, LL3].
- Druckischämie (Minderdurchblutung durch Druck) und Drucknekrose (Absterben von Gewebe durch Druck) – bei länger impaktierten Fremdkörpern sowie besonders bei mehreren starken Magneten bzw. einem Magneten zusammen mit einem ferromagnetischen Gegenstand, wenn Darmwand zwischen den Fremdkörpern eingeklemmt wird [3, LL1].
- Enteroenterische bzw. gastrointestinale Fistelbildung (krankhafte Verbindung zwischen Darm- bzw. Magen-Darm-Abschnitten) – insbesondere nach multipler Magnetingestion durch anhaltende Kompression, Ischämie, Nekrose zwischen benachbarten Darmabschnitten [3, LL1, LL2].
- Gastrointestinale Obstruktion (Verschluss des Magen-Darm-Trakts) bis zum Ileus (Darmverschluss) – insbesondere durch mehrere starke Magnete, große oder lange Fremdkörper, Bezoare (Ansammlungen unverdaulichen Materials im Magen-Darm-Trakt) sowie quellende supraabsorbierende Polymere; je nach Lokalisation ist auch eine Magenausgangs- bzw. Pylorusobstruktion (Verschluss des Magenausgangs) möglich [3, LL1, LL2].
- Kolliquationsnekrose des Ösophagus (verflüssigungsbedingtes Absterben von Gewebe der Speiseröhre) durch Knopfzellbatterien – der Stromfluss über die feuchte Schleimhaut führt zur elektrochemischen Hydrolyse mit Bildung eines stark alkalischen Milieus am negativen Pol und kann innerhalb kurzer Zeit zu tiefen Gewebeschäden führen; eine Leckage des Batterieinhalts ist nicht der primäre Pathomechanismus [1, LL1, LL3].
- Ösophagusstenose bzw. narbige Ösophagusstriktur (Verengung bzw. narbige Verengung der Speiseröhre) – insbesondere nach tiefer Knopfzellbatterie-induzierter Ösophagusschädigung; in der aktuellen Metaanalyse war eine Ösophagusstriktur mit einer gepoolten Häufigkeit von 10 % eine der häufigsten Komplikationen einer kindlichen Knopfzellbatterieexposition [1, LL1, LL3].
- Perforation des Ösophagus, Magens oder Darms – insbesondere durch spitze Fremdkörper wie Nadeln, Fischgräten, Knochen oder Zahnstocher sowie durch Knopfzellbatterien und multiple Magnete; Perforationen durch spitze Fremdkörper können in sämtlichen Darmabschnitten auftreten [1, 3, 4, LL1, LL2].
- Peritonitis bzw. intraabdominelle Infektion (Infektion innerhalb der Bauchhöhle) – als Folge einer Magen- oder Darmperforation bzw. transmuralen Nekrose [3, LL1].
- Schleimhauterosionen, Lazerationen und Ulzerationen – insbesondere bei impaktierten, scharfkantigen oder größeren Fremdkörpern; in einer Serie von 316 Patienten mit ösophagealen Fremdkörpern wurden Ulzera bei 21,2 %, Lazerationen bei 14,9 % und Erosionen bei 12,0 % dokumentiert [4].
- Tracheoösophageale Fistel (krankhafte Verbindung zwischen Luftröhre und Speiseröhre) – seltene schwere, teilweise verzögert auftretende Folge tiefer Ösophagusnekrosen, insbesondere nach ösophagealer Knopfzellbatterieimpaktion [LL1, LL3].
- Volvulus (Darmverdrehung) – seltene Folge einer multiplen Magnetingestion; durch die magnetische Fixierung verschiedener Darmschlingen können mechanische Obstruktion, Ischämie (Minderdurchblutung), Nekrose und Perforation entstehen [3, LL1].
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Spondylodiszitis (Entzündung einer Bandscheibe und der angrenzenden Wirbelkörper) – sehr seltene verzögerte Komplikation einer tiefen ösophagealen Knopfzellbatterieschädigung mit Ausbreitung des entzündlich-nekrotischen Prozesses auf prävertebrale bzw. vertebrale Strukturen [LL1, LL3].
Prognosefaktoren
- Ösophageale Lokalisation einer Knopfzellbatterie – stärkster nachgewiesener Risikofaktor für schwere Komplikationen; in der Metaanalyse war die ösophageale Lokalisation mit einem deutlich erhöhten Risiko für jegliche Komplikation assoziiert (OR 18,66; 95-%-KI 6,99-49,82). Eine ösophageale Impaktion war zugleich mit erhöhter Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert (OR 15,52; 95-%-KI 2,40-100,27) [1].
- Längere Liegedauer bzw. verzögerte Entfernung einer Knopfzellbatterie – das Risiko für Komplikationen stieg bei einer Zeitspanne von mindestens 10 Stunden bis zur Entfernung auf OR 3,71 (95-%-KI 1,11-12,42) und bei mindestens 12 Stunden auf OR 5,12 (95-%-KI 1,79-14,67) [1]. Auch bei anderen ösophagealen Fremdkörpern ist eine längere Impaktionsdauer ein unabhängiger Komplikationsprädiktor [4].
- Knopfzellbatteriedurchmesser ≥ 20 mm – mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen assoziiert (OR 4,34; 95-%-KI 1,16-16,27); besonders gefährdet sind Kleinkinder unter etwa 5-6 Jahren [1, LL1].
- Multiple starke Magnete bzw. Kombination eines Magneten mit einem ferromagnetischen Fremdkörper – deutlich erhöhtes Risiko für Drucknekrosen, Fisteln, Perforationen und Darmverschluss; symptomatische Patienten, verzögerte Vorstellung und eine Lokalisation außerhalb der endoskopischen Reichweite sind mit einem höheren Operationsbedarf bzw. komplizierterem Verlauf verbunden [3, LL1].
- Spitze bzw. scharfkantige Fremdkörper – erhöhtes Risiko für Penetration (Eindringen) und Perforation, insbesondere bei Nadeln, Fischgräten, Knochen und Zahnstochern [LL1, LL2].
- Größere Fremdkörper – bei ösophagealen Fremdkörpern ist eine größere Objektgröße unabhängig mit einem erhöhten Komplikationsrisiko assoziiert [4]; bei Erwachsenen erschweren insbesondere ein Durchmesser über etwa 2-2,5 cm bzw. eine Länge über etwa 5-6 cm die regelrechte Passage durch Pylorus bzw. Duodenum [LL2].
- Supraabsorbierende Polymere – aufgrund ihrer ausgeprägten Volumenzunahme nach Flüssigkeitsaufnahme besteht insbesondere bei Kindern ein relevantes Risiko für eine gastrointestinale Obstruktion [LL1].
Literatur
- Tran C, Nunez C, Eslick GD et al.: Button battery exposure in children: a systematic review and meta-analysis. Inj Prev. 2025;31(4):265-271. doi:10.1136/ip-2024-045339.
- Akinkugbe O, James AL, Ostrow O et al.: Vascular Complications in Children Following Button Battery Ingestions: A Systematic Review. Pediatrics. 2022;150(3):e2022057477. doi:10.1542/peds.2022-057477.
- Kim H, Kang A, Kim SH et al.: Is surgery always necessary for multiple magnet ingestion in children?-evidence for an endoscopy-first approach. Transl Pediatr. 2026;15(1):16. doi:10.21037/tp-2025-aw-797.
- Sung SH, Jeon SW, Son HS et al.: Factors predictive of risk for complications in patients with oesophageal foreign bodies. Dig Liver Dis. 2011;43(8):632-635. doi:10.1016/j.dld.2011.02.018.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie: Interdisziplinäre Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration oder Fremdkörperingestion. (Registernummer 001-031) Dezember 2024 Langfassung [LL1].
- ESGE Clinical Guideline: Birk M, Bauerfeind P, Deprez PH et al.: Removal of foreign bodies in the upper gastrointestinal tract in adults: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Clinical Guideline. Endoscopy. 2016;48(5):489-496. doi:10.1055/s-0042-100456 [LL2].
- ESPGHAN Position Paper: Mubarak A, Benninga MA, Broekaert I et al.: Diagnosis, Management, and Prevention of Button Battery Ingestion in Childhood: A European Society for Paediatric Gastroenterology Hepatology and Nutrition Position Paper. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2021;73(1):129-136. doi:10.1097/MPG.0000000000003048 [LL3].